„24 Wochen“ Gedanken zum Film…

Ich hatte Euch ja vor Kurzem davon berichtet, dass ich beim Trainieren gerne mal “Scheißendreck“ schaue. Nun, manchmal kucke ich auch gerne „Grübel-Filme“, schwere Kost. Filme, die dazu einladen in sich zu gehen und zu philosophieren. Die zu Was-wäre-wenn-Gedanken anregen. Nur lässt sich’s bei dem ein oder anderen Film mit ’nem Kloß im Hals so schwer trainieren…

Dann ist doch die Couch gefragt. Und als ich neulich diese aufgrund einer Erkältung den ganzen Nachmittag hütete, konnte ich nachts nicht gut schlafen. Und entschied mich deshalb kurz vor Mitternacht bei Amazon einen Film auszuleihen, der mir schon lange unter den Nägeln brannte.

Es handelt sich um den im Jahr 2016 erschienenen Film

„24 Wochen“

Nun, ich möchte hier keine typische Rezension oder gar Inhaltsangabe schreiben. Das ist nicht mein Ziel! Denn ich finde, das steht mir bei einem Film mit solch schwerer Thematik auch gar nicht zu. Zumal ich – und ich muss sagen – zum Glück (!) hier als absolut außenstehende Person berichte. Ein Laie, nicht „vom Fach“.

Es ist vielmehr eine Ansammlung meiner eigenen, persönlichen Gedanken. Denn, warum sollte man sich nicht auch als Außenstehende mit der Thematik auseinandersetzen! Gut, vielleicht verarbeite ich einfach auch nur schriftlich das zuvor Gesehene.

Daher hier nur kurz zum Inhalt des Filmes:

Die beiden Protagonisten „Astrid“ und „Markus“ stehen mitten im Leben als sie ihr zweites Kind erwarten.
Während pränataler Untersuchungen wird die Diagnose Down Syndrom gestellt.
Doch nach diesem ersten großen Schock und einem einschneidendem Erlebnis, nämlich einem Tag zusammen mit Menschen mit Trisomie 21, entscheiden sich beide voller Mut, neuer Kraft und Zuversicht für das Leben mit einem behinderten Kind.
Bis zum nächsten Schicksalsschlag, zur weiteren Hiobsbotschaft. Das Kind wird ebenfalls mit einem schweren Herzfehler zur Welt kommen.
Und hier kommt die Wendung: Hin- und hergerissen entscheidet sich primär die werdende Mutter für einen Spätabbruch, schonungslos für den Zuschauer bis ins Detail dargestellt.

Gleich zu Beginn stellt sich mir allein schon hier die Frage:
Wieviel pränatale Diagnostik muss eigentlich sein? Und was bedeuten die heutigen Möglichkeiten? Fluch oder Segen? Wäre es besser, nichts könnte unsere Entscheidungen beeinflussen?
Darauf kann ich noch nicht einmal eine persönliche Meinung geben. Ich weiß es schlicht und einfach nicht!

In meinen drei Schwangerschaften ließ ich nur die nötigsten Untersuchungen vornehmen. Auf die Nackenfaltenmessung sollten nur die vorgesehenen Untersuchungen folgen. Auf eine Fruchtwasseruntersuchung verzichtete ich beispielsweise. Gab es auch keinen Anlass dazu. Und wenn’s so gewesen wäre? Wäre ich bewusst ein Risiko eingegangen und hätte auf solche Untersuchungen verzichtet? Ich kann es Euch auch heute nicht sagen….

Die Tatsache im Film, dass das Kind nicht nur mit Trisomie 21 sondern auch mit einem schweren Herzfehler auf die Welt kommen wird, der umgehende, aufeinander folgende Operationen bedarf, erschwert selbstverständlich jegliche Entscheidung. Abermals tun sich neue Fragen auf, bilden sich weitere unzählige Was-wäre-wenn-Fragen. Alles mit ungewissem Ausgang.

Unvermeidlich musste ich mir die Frage stellen: War das richtig und notwendig? Was wäre wohl aus der fröhlichen Frau, aus dem glücklichen Paar, und der gesamten Familie geworden?

Aber vor allem: Was hätte ich wohl getan?
Was wäre gewesen, wenn bei einem meiner drei Kinder eine ähnlich pränatale Diagnose gestellt worden wäre?

Von außen betrachtet, ganz rational und bewusst ohne zu „fühlen“,
ohne es je selbst einmal erlebt haben zu müssen, wage ich nun ganz leise die folgende Aussage:
Ich hätte es womöglich riskiert. Wahrscheinlich hätte ich es als meine Bürde, mein Schicksal, meine neue Lebens-Aufgabe angesehen. Hätte sie angenommen und mich an jeden Funken Hoffnung, jede Chance geklammert. Aufgeben? Noch vor der Geburt? Wäre für mich keine vorstellbare Option gewesen. Vermutlich.

Doch stellt sich hier noch die Frage: Wieviel Aufopferung und Selbstaufgabe verträgt ein Geschwisterkind? Oder gar mehrere Geschwisterkinder? Denn das zieht meiner Meinung nach eine solche Herausforderung mit sich!

Und ich finde, diese Problematik wird hier im Film sogar ein klein wenig vernachlässigt.

Dargestellt wird hauptsächlich die Gefühlswelt der Mutter beziehungsweise der Eltern. Aber zählt das allein? Sobald noch andere Kinder vorhanden sind? Ist das nicht sogar ein entscheidender Punkt? Denn können Eltern es riskieren, dass die Seele des anderen Kindes zu verkümmern droht?

Rette ein Kind, „verliere“ emotional ein Anderes?

Denn, wieviel Aufmerksamkeit und Elternliebe könnte das erste Kind in Zukunft noch erleben? Würde es vielleicht an der Anforderung, künftig als das gesunde Kind viel mehr alleine schaffen zu müssen, zerbrechen? Das ständige Zurückstecken. In die Rolle des starken Kindes schlüpfen und die Eltern in dieser Erwartung nicht enttäuschen.

Wäre es das Erstgeborene ohne Geschwister? Es hätte so was von einer Chance verdient! Da steht den künftigen Eltern meiner ganz persönlichen Meinung keine Entscheidung zu. Zumindest hätte ich das für mich so gesehen. In diesem Fall hätte ich womöglich nicht Schicksal spielen können. Wenngleich das jeder, jedes Elternpaar, nur für sich ganz alleine entscheiden kann. Und niemand kann sich anmaßen, eine derartige Entscheidung in auch nur irgendeine Richtung zu lenken!

Neben dem Herzfehler wurde auch Trisomie 21 diagnostiziert. Bekanntlich leider keine Seltenheit, dass eben das eine das andere mit sich führt.

Ohne auch jemals engeren Kontakt mit Menschen mit Down-Syndrom erlebt haben zu dürfen…. Allein aufgrund von Beobachtungen und eigener Einschätzung will ich behaupten: Es sind alles liebenswerte Menschen! Echte Menschen! Rein von bösen, hinterhältigen, berechnenden Gedanken. Für immer Kind. Das Schlechte, die negativen Eigenschaften, reifen nicht heran. Was soll daran schlimm sein?

Neulich auf dem Hoffest des hiesigen Bio-Bauernhofes war wieder ein solcher Aha-Moment: Mein jüngstes Kind war hingefallen. Nicht sonderlich schlimm, das kommt für gewöhnlich täglich vor.
Während ich also nicht mit der Wimper zuckte, war ein „Downie“ sofort da! Gleich um mein liebes Kind besorgt. Wollte sie, frei von jeglicher Scham und Berührungsängsten, trösten und ihr aufhelfen! Wie rührend ist das denn?

Vielleicht sind diese Menschen sogar die besseren Menschen! Menschen, die es verdient haben, respektiert und anerkannt zu werden! Und schon mal gar nicht mit solch derart abwertenden und verachtenden Begriffen wie “Mongoloit“ bezeichnet zu werden! Und es gibt tatsächlich Leute, die das noch tun! Wie schrecklich!

Und da fragt sich doch irgendwann jede Mama: Was wäre gewesen, wenn…

Hätten die auch MEIN Kind so genannt? Wer hätte noch hinter meiner Entscheidung gestanden und mich unterstützt?
Ich habe ganze dreimal wahnsinnig Glück gehabt! Das ist auch nicht als selbstverständlich anzusehen und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Und während ich das hier schreibe, muss ich an einen weiteren hervorragenden Lieblingsfilm dieser Art von mir denken: „The Broken Circle“.
Wenngleich die Thematik hier eine Andere ist, so ist sie aber in diesem nicht weniger tragisch. Auch ein Film, der mich damals sehr berührt und zu Tränen gerührt hat. Damals musste ich das Trainieren abbrechen. Heulen und erhöhter Puls, No way! Auch dort geht es um den Verlust eines Kindes. Nicht des Ungeborenen aber des geliebten Kindes durch Leukämie. Und – ganz persönlich – in der Kategorie „Schwere Kost“ bleibt auch nach „24 Wochen“ jener Film für mich ungeschlagener Favorit. Insbesondere die beiden Charaktere der wilden, tätowierten Elise und des romantischen, liebenswerten Didier überzeugen auf einzigartige Weise…

Mein ganz persönliches Fazit:

Beides absolut sehenswerte und großartige Filme. Allerdings muss man in beiden Filmen bereit sein, sich auf die Thematik einzulassen. Darin einzutauchen und die Schwermut anzunehmen. Man sollte nicht erwarten, mit einem „guten Gefühl“ den Fernseher auszuschalten. Beide Male nicht Sinn und Ziel des Films.
Wer allerdings bereit ist, sich auch mit negativen, unangenehmen Gedanken zu befassen, der wird jedoch in keinster Weise enttäuscht werden oder gar unbeeindruckt bleiben.

Wer’s sehen möchte, einfach auf’s Bild klicken und bei Amazon leihen 😉


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