Wenn Mutti mit der Kleinsten duscht: Von “Iiih“-Momenten und “Aha“-Erlebnissen

Seit zwei Stunden stehe ich nach dem Joggen in meinem eigenen Saft. Lege hübsch vor mich hin müffelnd die Wäsche zusammen obwohl ich hätte längst duschen müssen. Aber so ist das meistens. Wenngleich sich auch ein plötzliches Zeitfenster zum Laufen einmal öffnet (heute sogar mit dem Gatten und Opa als Babysitter!) dann bedeutet dies nicht automatisch, dass Mutti im Anschluss unter die heiß ersehnte Dusche flüchten kann!

Denn betrete ich erst einmal wieder das Haus, prasselt alles auf mich ein. Alles und jeder! Die Wäsche ist fertig, die Spülmaschine voll, Kind 1, 2 und 3 wollen etwas. Ihr kennt das ja. Aber ich kann ihn nicht mehr ertragen diesen Geruch. Und da die eigentliche Duschzeit noch in weiter Ferne liegt entschließe ich mich heute mal wieder dazu, jetzt mit der Kleinsten zusammen zu duschen.

Für sie etwas ganz besonderes, für mich Mittel zum Zweck um vielleicht heute abend mal frisch geduscht und zeitig vor’m Fernseher landen zu können. Win-Win-Situation also. Denke ich. 

Ich schalte also das Wasser auf eine mir angenehme Temperatur.

„Aaah! Mami! Das ist viel zu heiß“, tönt es eine Etage tiefer. Mist! hab mich so auf ’ne mollig heiße Dusche gefreut. Ich drehe also auf langweilig lau-warm und lasse das Wasser über mich fließen.

„Mama was ist das Kratzige da?“.

„Wie? Kratzig? Was meinst Du denn?“

„Na da! Voll eklig!“, mit dem Zeigefinger auf die Bikini-Zone gerichtet.

„Tja, weißt Du, wenn Frauen groß sind, dann haben die da entweder gaaanz viele Haare, ober eben …. kratziges.“ Erneutes Iiiih!

„ICH hab das nicht. Und wie geht das jetzt weg?“

„Tja, dafür brauch ich jetzt meinen pinken Rasierer.“

„Den da?“

„Ja, genau den. Finger weg! Der ist mir!“

Beherzt seife ich mich also ein.

„Und wo fließt das Kratzige jetzt hin?“

„Ja schau doch. Geht doch weg.“ (In Gedanken: Kann dieses Kind jetzt nicht endlich mal das Thema wechseln?)

„Hahaha!“ Ertönt es erneut ein paar Ebenen tiefer.

„Was ist denn so lustig?“

„Du hast einen Penis!“

„Nein! Hab ich ganz gewiss nicht!“

„Doch! Wohl! Einen Schaum-Penis! “

Und hastig entferne ich das corpus delicti mit dem Duschstrahl. Als ich in die Hocke gehe, damit wir Friseur spielen und mir das Kind eifrig sämtlichen Schaum aus den Haaren spülen kann die nächste Überraschung:

„Kling Klong! Kling Klong! Ich heb Dir das mal hoch!“

Schade, dass sie nicht das Shampoo meinte. Vielmehr waren es wieder (zwei) Teile meines Körpers, die beim Bücken nach der Haarseife der Schwerkraft nicht weiter standhalten konnten. Standen die überhaupt jemals? frage ich mich verschämt.

„Also bei mir geht das nicht! Schau!“  Jaaa, is‘ ja gut! Genug der Vergleiche! Fast Vierzig vs. Vier! Das ist unfair!

„Und wofür brauchst Du den Rasierer jetzt?“

„Ach, manchmal haben Frauen auch an den Beinen ein bisschen kratziges.“

„Ich fühl mal schnell. Nö, nicht so schlimm wie DA!“

Wieder der üble Zeigefinger auf meine intimste Zone gerichtet! Spätestens jetzt möchte ich das Duschen so schnell wie möglich beenden.

„Warte Mama, ich helf Dir jetzt beim Ausspülen!“ Sie stellt den Duschstrahl auf full power und zielt… in Mund und Augen.

„Komm, ich helf Dir mal und spüle die Haare mal selbst aus.“

„Is gut Mami. Ach, bist Du schön!“ Heuchlerin!!!

Wieder Iiiiih!

Ok, sie hat den Schimmel in der Ecke entdeckt, so nun mein erster Gedanke. Verdammt! DEN wollte ich schon vor Wochen entfernen. Hoffentlich ist der nicht gesundheitsschädlich. Nie hatte ich Zeit dafür die letzten Tage. Weil ich das immer nackig vor dem Duschen mache. Weil ich zu faul bin tagsüber Hose und Socken auszuziehen um mich in die Nasszelle zum Schrubben zu stellen. Weil ich aber aktuell -bis auf heute- fast immer erst um Mitternacht unter das warme Nass komme.

„Ja, ich weiß, der Schimmel da gell. Voll eklig.“

„Nein! Dein Bauch! Wie schrumpelig!“  Aaaaargh!

„Komm, ich dusch Dich mal ganz schnell ab. Wir sind schon viel zu lange hier drinnen.“ (Gefühlte Tausend Jahre!).

„Oh! Mami! Du hast ja roten Nagellack an den Füßen!“

Hurra! Endlich mal was richtig Schönes an mir!

„DEN will ich auch haben! Gleich sofort nach dem Duschen! Und ich trockne Dich jetzt ab. Überall!“ (hoffentlich zählt sie jetzt nicht wieder all die ekligen Stellen auf).

Ich gebe auf. Lasse die kleinkindliche Schönheitspflege über mich ergehen und schwöre mir, nie, nie wieder mit der Vierjährigen duschen zu gehen. Sie wird genug Kindheitserinnerungen für die nächsten Jahre in diesen dreizehn Minuten gesammelt haben.

Und sich wahrscheinlich jetzt wünschen niemals groß, erwachsen und kratzig zu werden!


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