Tischgespräche: Sexualkunde-Unterricht

Wie Ihr sicherlich schon in anderen Texten heraus gelesen habt, unterrichte ich als sogenannte Übungsleiterin Englisch in Form einer Nachtmittags-AG an der Grundschule meines Sohnes. 

Einen Nachmittag in der Woche bin ich acht bis neun vorpupertären Zehnjährigen ausgesetzt. Ihr könnt Euch vorstellen, welches Vokabular dort vorherrscht und was derzeitiges Top-Wunschthema ist. Wenn die Halbstarken also gerade mal nicht mit Fäkal-Wörtern um sich werfen, dann wünschen Sie von mir eine englische Story über die Entstehung des Menschen zu hören. Denn Schwerpunkt der AG ist „Storytelling“. Es muss also jeweils eine bestimmte Geschichte im Fokus der AG stehen und entsprechend behandelt werden. Zum Missfallen der gesamten Meute komme ich diesem speziellen Wunsch NIE nach und versuche mit Charakteren wie dem „Grüffelo“ oder „Froggy“ dem Frosch zu punkten. Meist vergebens 😉

Nun, in Zukunft werde ich wohl noch schwereres Spiel haben. Die Vorpupertären, die sich allmählich zu hochprozentig-gefährlichen Pupertären entpuppen, haben jetzt Sexualkunde-Unterricht. Bei einer Vertretungslehrerin. 

Nichtsahnend was nun gleich Gesprächsthema am Mittagstisch sein würde, frage ich den Großen nach seinem Vormittag in der Schule.

„Ui Mama! Das war toll! Ich weiß jetzt, dass Frauen bei einem Wert von 140 erst schreien während Männer bei einem ähnlichen Test sofort losheulen.“

Offensichtlich hatte die gute Frau vom Wehenschreiber berichtet. Und von bereits am männlichen Geschlecht stattgefundenen Experimenten, die aufzeigen, wie wohl Männer auf simulierte Wehen-Schmerzen reagieren. Ich hörte bereits davon. In diesem Moment ist mir die Vertretungslehrerin seeehr symphatisch. Ich daher zum Sohn:

“ Na dann verbeuge Dich mal vor Deiner Mutter, hat sie doch diese Schmerzen ganze drei Mal ausgestanden!“

„Nö!“

„Wir Männer haben es auch nicht leicht. Wenn wir uns nicht beschneiden lassen, können wir auch u-n-e-r-t-r-ä-g-l-i-c-h-e Schmerzen bekommen“.

Aha.

Er weiter:

„Und da ich davon ja nicht mehr betroffen sein kann, warum habt ihr mich eigentlich nicht groß gefeiert?“

„Ihr schuldet mir DAFÜR noch Geld!“

Immer versucht er Kohle raus zu schlagen, der berechnende Kerl!

„Nope! Mein Lieber!“ “ DU hast ein Playmobil-Polizeischiff bekommen. Damals“

Für einen kurzen Moment verstummt er. Siegessicher spieße ich mir eine Portion Nudeln auf und esse beruhigt weiter.

Screenshot_20180117-143009„Und ich weiß jetzt ganz genau wie S-E-X geht!“
Er muss das so buchstabieren, denn die Kleinste sitzt ja mit am Tisch.

„Da kann man sich Millionen von Sachen ausdenken was man machen möchte! “

Fast bleibt mir das aufgetaute Gulasch im Halse stecken!

„Ach so ist das? Aha“
Mehr fällt mir -nahezu sprachlos-  gar nicht mehr als Antwort ein.
JETZT fängt sie mir langsam an suspekt zu werden, die gute Frau.

„Und wundere Dich nicht, sollte ich mal was Nasses in der Unterhose haben“.

„Dann ist die Zeit, wenn ich endlich Kondome brauch“

Gedanklich: So Freundchen! Denkst Du! Darüber reden wir nochmal in Ruhe! Später. In hoffentlich erst einigen Jahren!

In Echt:

„Für so etwas brauchst Du aber nicht Kondome, damit nichts in der Hose nass wird“

„Ey Mama!!! Weiß ich doch! Damit es keine Babies gibt beim S E X“

Offensichtlich hat die Frau schon ganze Arbeit geleistet während der ersten zwei Schnupper-Stunden. Frag‘ mich, was da noch kommen mag?

Mit wiedererlangter Fassung lehne ich mich entspannt im Stuhl zurück. DEN Mist hab‘ ich also schon mal nicht mehr am Back! Und erkläre innerlich hiermit meinen Größten offiziell als aufgeklärt! Job done! Yeah!

Bleibt nur zu denken: „To be continued….“

Viel Spaß beim künftigen Aufklären!

Eure 

Alex

Ein Gedanke zu “Tischgespräche: Sexualkunde-Unterricht

  1. Meine Kleine war mit vier voll aufgeklärt. Sie fragte, sie bekam alle Antworten. Allerdings klärte sie auch die anderen Kinder im Kindergarten auf. Ob die oder deren Eltern das wollten oder nicht. Das führte zu #lustigeGesprächeimKindergarten.

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