Ignorieren

Es ist so ziemlich eine der schlimmsten seelischen Gemeinheiten, die man einem Menschen antun kann. Und doch tun wir Erwachsenen es immer und immer wieder. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Auch ich!

Wir ignorieren andere Mitmenschen. Bewusst, unbewusst, aus einer Absicht heraus, unbeabsichtigt, gedankenlos, zum Schutze der Person, zum Eigenschutz. Es gibt unendlich viele Gründe den Kontakt zu einem Menschen eine Weile zu unterdrücken. Manchmal fällt es uns gar nicht auf, dass wir es tun. In der Hektik des Alltags. Dass wir dem Anderen damit furchtbar weh tun, dass wir verletzen und enttäuschen.

Ich möchte mir hier einfach mal ein paar Gedanken zu diesem Thema von der Seele schreiben. Denn es ist nun einmal so. Es gibt gute und es gibt schlechte Tage. Ohne „schlechte Tage“ nun wieder mit dem Weiblichen in Verbindung zu bringen. Das habe ich bereits zu Genüge getan. Aber Fakt ist, an einigen Tagen sind wir Menschen einfach dünnhäutiger, verletzbarer und enttäuschter, können einfach nicht über den Dingen stehen und mit einem Lächeln darüber hinweg blicken. Und so fange ich an darüber zu sinnieren:

Wie fühlt es sich eigentlich an, ignoriert zu werden?

Nun, an schlechten Tagen ist es tatsächlich gefühlt mit das Fieseste und Schrecklichste was einem widerfahren kann. Das Gefühl: „Ich bin egal“. ICH als Mensch zähle nicht, bedeute der Person/den Personen nichts. Ich werde nicht wertgeschätzt und wahrgenommen. Ich werde absichtlich ignoriert und bin noch nicht einmal einer Auseinandersetzung wert. Ein ziemlich mieses und dunkles Gefühl, nicht?
Und doch überkommen diese trübseligen, entmutigenden Gedanken auch mich hin und wieder.

Dabei bin ich selbst gar nicht besser! Ich mache es ja selbst! Ich „ignoriere“ Menschen. Teilweise mit voller Absicht. Weil ich manchmal nicht die Kraft habe, mich mit diesen Menschen und den damit verbundenen eventuell auftretenden Konflikten auseinanderzusetzen. Also wählt der Mensch, wähle auch ich, den einfachsten Weg. Wir ignorieren einfach und entziehen uns damit einer möglichen unangenehmen Situation. Problem gelöst. Geschickt aus der Sache wieder herausgewunden. Ohne große Schäden hinterlassen zu haben. Denkste!

Denn wir vergessen dabei den Gegenpart. Der, der darauf hofft wahrgenommen zu werden und ernst genommen zu werden. Der, der vielleicht auf ein klärendes Gespräch oder einfach mal auf ein gemeinsames, alles entspannendes Lachen hofft! Oder selbst sogar ganz simpel den großen Knall herbei sehnt! Damit die Luft wieder rein ist und es neu weitergehen kann! Ist es nicht viel schlimmer nicht beachtet zu werden, als sich zu streiten? Die Nichtbeachtung vermittelt doch: Ich bin noch nicht einmal einer Auseinandersetzung wert! Ich bin Luft! Ich existiere für einige einfach nicht!

Nehmen wir uns zum Beispiel einmal Kinder vor:

Ein Kind, das sich nicht beachtet fühlt wird rebellisch, baut Mist, brüllt und boykottiert. Warum? Um wenigstens negative Aufmerksamkeit zu erlangen. Denn das ist besser als nicht existent zu sein. Wie schrecklich!

Aber wer sagt, dass es uns Erwachsenen besser geht?
Mit dem Gefühl noch nicht einmal einen „Anschiss“ wert zu sein!?

Auch ich habe Situationen erlebt, in denen ich absichtlich ignoriert wurde. Das tut weh. Es ist ein seelischer Schmerz, zwar nicht vergleichbar mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Aber es kommt ein wenig in eine ähnliche Richtung. Denn es ist ein Gefühl der Bestrafung und vor allem ein Gefühl der Machtlosigkeit und Hilflosigkeit. Der Ignorierte kann sich verbiegen wie er möchte, er hat niemals die Karten in der Hand.

Gewinner ist immer der Andere!

Dieses Gefühl hat auch mich schon das ein oder andere Mal verzweifeln lassen. Besonders schlimm ist es, wenn ein Mensch ,den man selbst mag, plötzlich beginnt Dich zu ignorieren. „Einfach so“. Ohne ein Warum?
Es ist ein Gefühl der Bodenlosigkeit, die verzweifelte Gewissheit, dass die Erklärung vermutlich niemals erfolgen wird. Damit zu leben ist nicht einfach. Und doch tun wir es. Tun es Millionen Menschen immer wieder. Tag für Tag. Weil wir uns aufraffen müssen. Weil wir gefälligst drüber zu stehen haben. Weil wir keine Memmen, Luschen und heulende Weicheier sind. Weil das Leben trotz alledem schön ist!
Denn: Menschen sind halt so. Wir denken uns nichts dabei. Wir verletzen ohne zu wissen ,dass wir es tun.

Ich kann auch nicht über Menschen urteilen, wenn ich mich selbst nicht anders verhalte.

Gründe warum ich Menschen ignoriere:

Im Alltag mit drei Kindern und allen damit verbunden Aufgaben ist nichts „leichter“ als Menschen zu ignorieren. Sich also nicht nur eine Weile nicht zu melden, sondern auch auf Kontaktversuche nicht zu reagieren. Das ist allerdings die „Unschuldigste“ von allen Varianten. Ich vergesse es in der Hektik des Alltags schlicht und einfach.  Verschiebe das Antworten oder Zurückrufen auf später. Ein Später, das nicht stattfindet, weil alles andere immer wichtiger und die Ablenkung durch alles Andere zu groß ist. Das meine ich dann gar nicht böse. Ich denke sogar hin und wieder an diese Menschen und hoffe, dass es ihnen gut geht. Nehme mir vor, ganz bald mal anzurufen.

Aber wissen das die betroffenen Personen?

Nein! Vermutlich nicht. Denn jeder sieht nur sich selbst, auch wenn wir versuchen Rücksicht auf unsere Mitmenschen zu nehmen. Situativ sieht JEDER nur sich selbst! Die betroffene Person ist also im schlimmsten Fall sehr gekränkt und enttäuscht von mir, sollte sie nicht vor lauter Arbeit in einer ähnlichen Situation stecken und das „Ignorieren“ gar nicht bemerken.

Ich ignoriere aber auch absichtlich. Wie oben gesagt kostet der Kontakt zu einigen Menschen oder auch Familienmitgliedern auch Kraft. Die fehlt manchmal und der bequemste Weg ist es nun mal einfach gar nichts zu tun. Das bedeutet auch hier wieder, dass man nicht wirklich einen Groll gegen die Personen hegt, sondern einfach aktuell die Energie-Reserven aufgebraucht sind.

Aus einem ähnlichen Grund meide ich auch Menschen, die mir lästig werden könnten, die mich mit unangenehmen Dingen oder Aufgaben konfrontieren könnten. Und stoße diese vermutlich damit vor den Kopf.

Und das Fazit?

Menschen sind gedankenlos. Auch ich. Verletzen kann man nicht nur mit Worten oder gar Taten. Nein! Manchmal ist es das Unterlassen von all dem was wirklich schlimm ist! Ich werde versuchen mich selbst was das betrifft zu bessern. Hinzusehen und ein offenes Ohr für meine Mitmenschen zu haben. Nicht mit Absicht mit Scheuklappen durch’s Leben ziehen, weil’s für den Moment so einfacher ist und weniger Kraftaufwand bedeutet. Ich möchte versuchen, mich in die Lage der/des Anderen zu versetzen und meine Mitmenschen zu wertschätzen.

Wir reden immer davon, wie wichtig es ist, unsere Kinder wertzuschätzen, ihnen zuzuhören und für sie da zu sein! Da vergessen wir nichts und geben uns die größtmöglichste Mühe! Nichts lassen wir auf unser eigenes Familien-Universum kommen! Und das ist auch gut und richtig so!

Nur ab und an über den zwischenmenschlichen Tellerrand schauen, kann nicht schaden. 

Auch wenn wir selbst von jemanden oder gar mehreren Menschen -aus welchen Gründen auch immer- ignoriert werden. Wir sollten versuchen, es selbst nicht zu tun! Schon gar nicht wenn derjenige um Antworten und Erklärungen oder einfach auch mal ein Gespräch bei Bier und Pizza bittet!

Ich muss jetzt aufhören zu schreiben. Gibt ’ne Handvoll Menschen, die ich dringend mal wieder anrufen müsste! Denen ich das Gefühl geben will, dass sie mir wichtig und bedeutsam sind.

Liebe Grüße!

Eure

Alex

4 Gedanken zu “Ignorieren

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