Von Berufs wegen Mutter

22+

Ich habe mich verloren in letzter Zeit.
Erneut.
So glücklich ich das vergangene Wochenende auch war, so sehr ich die letzten warmen Spät-Sommertage genießen konnte und ich meine eigene Familie aus tiefstem Herzen liebe – fühle ich mich dieser Tage dennoch nicht vollständig.

Abermals fühle ich mich rastlos auf der Suche.
Nach Lösungen, Mitteln und neuen Wegen.
Neue Herzens-Wünsche keimen in mir auf, welche ich allein aus rationalen Gründen verdrängen und für immer verbannen sollte.
Zweifel tun sich auf und mein seit jeher wackeliges Gerüst des Selbstwertgefühls schwankt kläglich in den ersten Herbststürmen hin und her.

Noch versuche ich die Balance zu halten, fange Karten eines instabilen Kartenhäuschens wieder auf – und kitte zerbrochene Träume.
Noch versuche ich mit aufrechtem Gang und geraden Schultern meinen ganz eigenen Rucksack zu tragen und immer stoisch nach vorne zu schauen.
Und stolpere mindestens einmal im Monat über garstige Wurzeln, werde von mir selbst ausgebremst – und muss mit Tränchen in den Augen auf dem alten Baumstumpf Rast machen.
(Sorry! Not Sorry- steh‘ irgendwie auf diese Waldweg-Metaphern! 😉 ).

Wer bin ich und was will ich?

Eine Frage, die so einfach klingt – und gleichermaßen scheint dieser Tage für mich selbst nichts schwerer zu beantworten!

Ich war eine Baby-Mama

Und das ganze drei Mal aus tiefstem Herzen.
Ja, in diesen Zeiten brauchte ich wirklich nichts Anderes.
Ich hatte die wohl beste Rechtfertigung der Welt.

Doch scheint die Welt um mich herum zu glauben, sind die Babies erst einmal „aus dem Gröbsten“ heraus, braucht es keine Vollzeit-Mama mehr.
Das spüre und sehe ich jeden Tag.
Das wird mir jeden Tag schmerzlich zu verstehen gegeben!

Schließlich gibt es dazu genügend andere Einrichtungen, die zu einem Großteil des Tages diesen „Job“ entgeltlich übernehmen.
Diese Entscheidung mag jede Familie für sich alleine treffen – muss dies in den meisten Fällen einfach auch tun!
Und ich verstehe jeden gewählten Weg davon vollstens! (etwas Anderes würde mir auch gar nicht zustehen!).

Ich möchte auch noch mehr sein!

Doch sehe ich jetzt gerade, dass eine Mama IMMER gebraucht wird!
Ganz gleich wie alt die Kinder sind und werden – und in welcher Lebens-und Entwicklungsphase diese sich gerade befinden.

Nur reicht mir das Mama-sein selbst nicht vollständig aus.
Ich fühle mich nicht mehr gefordert genug, habe Träume und Visionen, wünsche mir, dass auch ich noch eine Zukunft habe.
Das muss ich hier zugeben, denn genau das fühle und erlebe ich gerade!

Ich begleite von Herzen gerne meine Kinder auf dem Weg zum Erwachsensein, unterstütze sie bis dahin wo ich nur kann!
Lerne Mathe und frage Vokabeln ab, helfe bei Hausaufgaben – und erkenne wie notwendig auch hier dieser Tage meine Anwesenheit ist.
Und wie sich dies auch auszahlt!
Doch will und darf ich nicht mich selbst verlieren!

Dies vermag auch der Grund gewesen sein, warum ich mich in den vergangenen Jahren so oft ausprobierte.
Sei es in der Nachmittags AG in der Schule, welche mir von Herzen Freude bereitet, oder auch in Dingen wie Musik-und Englisch-Kurse für Kita-Kinder.
Und wenngleich ich hier und da scheiterte und wieder aufgab, nie das große Geld verdiente, so gehört wohl all‘ dies zu meinem Weg dazu. Auch wenn ich gerade wieder verloren rumstehe, nicht weiß wo ich abbiegen soll – und auf der Suche bin.

Und bin dennoch „nur“ Mutter

Denn noch immer bin ich derzeit Eines:
Mutter und (dauer-beurlaubte) Hausfrau (don’t call me Hausfrau!!!)
Im nächsten Jahr muss ich eine Entscheidung treffen.
So wurde es mir prognostiziert.

Und doch habe ich noch immer keine Lösung gefunden!
Ich weiß nicht, welchen Weg ich gehen soll – und vor allem kann!
Welche Möglichkeiten ich überhaupt habe, umzusetzen, was von mir verlangt werden würde.
Ich weiß nicht, wie ich mich letzten Endes entscheiden werde – und wohin mich mein Weg führen wird!
Kerzengerade wird er gewiss nicht sein, so viel steht bereits jetzt fest.

Vielleicht verirre ich  mich auch, tappe verloren verschlungene Pfade entlang – und gehe irgendwann dann doch eben den meinen ganz eigenen Weg.
Wer weiß das schon?

Ich jedoch weiß, dass Herz und Bauch mir Dinge flüstern und erzählen wollen.
Ob ich es zulasse, dass die beiden zusammen den Verstand übermannen?
Auch das steht noch in den Sternen. 😉

Ich bin also erstmal eine Mutter.

Aber noch nicht mal ’ne richtig Gute!

Ich kreische und schreie hin und wieder – oder stöhne entnervt auf.
Raufe mir verzweifelt spätabends die Haare und murmele ein nahezu flehendes „Ich kann nicht mehr!“ vor mich hin.
Und das nicht allzu selten.

Ich koche jeden Tag für mindestens ein Kind das „verkehrte“ Essen und höre gefühlt mindestens einem Kind zu mindestens einem Zeitpunkt des Tages nicht richtig zu – weil alle durcheinander und gleichzeitig reden!
Ich bin gemein, fies, schrecklich, unfair – laut verbalen Äußerungen des eigenen Nachwuchses.
Ebenfalls aus dessen Munde geschehen viele missglückte und unleidliche Dinge „wegen mir„!
Wow! Wenn das also nicht zutiefst motivierend ist! 😉

Von Berufs wegen Mutter

Und dann gibt es noch Menschen, für diese bin ich von Berufs wegen einfach nur eine Mutter.

Es gab eine Zeit lang einen lieben Menschen, der mehr in mir sah, als nur die Mutter.
Vielmehr als das, diese Person sah und entdeckte etwas in mir, was ich selbst längst vergessen hatte.
Was in alten, verstaubten Kartons auf dem Dachboden vor sich hin dümpelte – und mir für lange Zeit aus der eigenen Erinnerung schwand. Eine Leidenschaft, welche mich von Kindheits-Tagen an begleitete und welche ich einfach vergraben hatte und wegwarf.
Denn es warteten ja wichtigere Aufgaben auf mich!

Dinge, wie eine solide Ausbildung, eine weitere Ausbildung als kleine persönliche Herzensangelegenheit – und nicht zuletzt wurde ich Mutter.

Dreimal! Es vermag wohl kein Geheimnis sein, dass dies die drei besten Entscheidungen meines bisherigen Lebens waren! 🙂

Es gäbe jedoch diesen Blog hier nicht, hätten sich nicht einige Dinge so gefügt, wie sie es nun einmal getan haben.
Weil ich gesehen wurde.
Und nicht nur eine unsichtbare, bedeutungslose Mutter war.

Für diesen Menschen bin ich von Berufs wegen aber trotzdem und eigentlich nur Mutter.
Niemals mehr als das.
Und genau darauf scheint sich eben jene Person in den vergangenen Jahren erneut besonnen zu haben.
Es scheint, als hätte ich einen Freund verloren, den ich nie hatte – und fühle mich dadurch selbst ein Stück weit hilflos und verloren.
Und so sehr es mich schmerzt ist es nun meine Aufgabe, ein Stück Eigenmotivation zu wahren und den Weg alleine weiter zu gehen.

Hier weiter zu schreiben und an mich zu glauben!

Denn auch den Glauben an diese Sache hier – ich hätte ihn um ein Haar verloren.

Ich kann aber nicht fordern, dass mich jemand an die Hand nimmt und führt und für mich da ist.
Sei es, weil ich von Berufs wegen nur eine Mutter bin – oder aber, weil jeder Mensch seinen ganz eigenen Weg finden und gehen muss!
Das ist unsere Aufgabe im Leben.
Ganz genauso wie das Stolpern – und im Zweifel auch mit der Schnauze in die Matsche zu fallen! 😉

Ich bin eine Ehefrau!

Ich habe eine wunderbare, ganz eigene Familie, die hinter mir steht!

Wir haben den Luxus, dass ich mir all‘ die Zeit nehmen kann, die ich benötige, um mich selbst zu finden.
Ganz gleich welche Vorgaben mir nun von anderer Seite gemacht werden – es brennt und eilt im Zweifel nichts!
Ich habe das Glück, einen liebenden und geduldigen Gatten zu haben, der seit Jahren all‘ die Selbstzweifel und Suchen nach dem Ich erträgt und duldet.

Vielmehr als das:
Der hinter mir steht und meine ganz eigenen Visionen und Leidenschaften unterstützt.
Lieben Dank dafür! Hab‘ Dich lieb! 🙂

Im Gegenzug stärke ich den Rücken, lasse dem Gatten alle Freiheiten, seinen ganz eigenen beruflichen Weg zu gehen!
Und sei es des Öfteren auch über Nacht! 😉
Auch das geht nur, weil ich „von Berufs wegen Mutter“ bin.
Es ist also eine Kombination, die für uns und unsere Familie gut funktioniert.

Warum also sollten wir in Eile und auf Biegen und Brechen daran rütteln und etwas ändern wollen?

Es sind Gedanken jedenfalls wie diese, die mich in den vergangenen Wochen und Monaten ein klein wenig rastlos – und nicht zuletzt ratlos erscheinen lassen.
Weshalb die Fragen nach den eigenen Plänen und der beruflichen Zukunft schmerzen – und von mir nur stotternd und holprig beantwortet werden können.

Dabei geht es letzten Endes doch sowieso immer nur in eine Richtung:
Nach vorne! Ganz gleich wie!

Und somit schnüre ich die Schuhe, rücke das ganz eigene Päckchen auf den Schultern nochmal zurecht, zücke die Sonnenbrille – und ziehe weiter!
Stück für Stück – bis zur nächsten Weggabelung.

Eure 

Alex

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Ein Gedanke zu “Von Berufs wegen Mutter

  1. Dresden Mutti Antworten

    Oh ich bin sehr gespannt, wohin dich die nächste Weggabelung führen wird <3
    Ich glaube, wir sind alle ständig immer auf der Suche. Mir geht es zumindest ähnlich. Dass ich einen Beruf habe, heißt nicht automatisch, dass es auch erfüllend ist. Ich arbeite dabei schließlich für andere und nicht für mich und meine eigene Projekte… Ich denke auch über Veränderungen nach. Mal sehen, was noch auf uns zukommt 🙂

    1+

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