Das verlorene Stück Selbstwertgefühl

17+

Schreibt man einen Blog, so braucht es Mut und Selbstbewusstsein.
Denn offen die eigene Meinung verkünden?
Gefühle und Gedanken brach legen oder gar Einblicke in das traute Familienleben ermöglichen?
Immer wieder Fotos von sich und seinem Leben teilen?
Dazu braucht es eine gewisse Selbstachtung und Stärke.

Und ich wage zu behaupten, ich habe Selbstwertgefühl und ich bin eine starke, stolze Frau.
Zumindest hin und wieder – und immer dann wenn es nötig ist.
Es gelingt mir ganz gut, den Schalter umzulegen und nach außen so aufzutreten, wie es gerade angepasst und erforderlich ist.
Dann bin ich alberne Grimassen-Schneiderin und mutige Schauspielerin.

Das macht mir in jenen Momenten sogar unheimlichen Spaß! 🙂
Dann möchte ich tatsächlich strahlen! 

Nicht aber immer versteht sich!
Das sind dann die Momente, in denen ihr der Frau stampfenden Schrittes und mit der vorgeschobenen Unterlippe begegnet.
Wenn die beiden Ärger-Furchen zwischen den Augen wieder besonders tief sitzen und böse Blicke blitzen. 

Momente, auf die ich nicht immer stolz bin – welche aber gleichermaßen zu mir gehören und ein Teil von mir sind.

Selbstwertgefühl – mal laut und mal leise

Ich glaube ja fast, das Leben besteht aus vielen unterschiedlichen Selbstbewusstseins-Phasen.
Es gleicht einer Welle, mal tosend und brausend, mutig und sich laut aufbäumend.
An anderen Tagen seicht und leise vor sich in plätschernd – aber friedlich und im Reinen mit sich selbst.
Hoffentlich jedoch niemals sich gänzlich zurückziehend vor dem großen Tsunami, dem totalen Breakdown.

Meinen Mann lernte ich in einer absoluten Hochphase des eigenen Selbstwertgefühls kennen.
Und ich glaube genau das strahlte ich seinerzeit auch aus.
Ich war jung, schön, verdiente mein eigenes Geld und hatte alle Möglichkeiten der Welt.
Nun, für welche ich mich letzten Endes entschied, könnt ihr hier regelmäßig nachlesen. 😉

Zu Baby-Zeiten da plätscherte es nur sanft vor sich her.
Mein eigenes Selbstwertgefühl rückte in den Hintergrund, aber ich war ok und zufrieden damit.
Es waren andere winzige Menschlein in diesem Moment wichtig.

Doch gibt es im Leben leider auch Phasen, die sind Gift für das eigene Selbstwertgefühl.

Und auch diese müssen wir Menschen durchleben und ertragen.
Und hoffentlich gestärkt daraus heraus gehen.
Nun, ich arbeite noch daran.
Versuche, seit geraumer Zeit erhobenen Hauptes auf der Welle der Selbstbestimmung (und Selbstliebe!) weiter zu reiten.

Und plötzlich ging ein kleines Stückchen in mir kaputt

Doch vor ungefähr drei Jahren verlor ich ein kleines Teilchen meines Selbstwertgefühls.
Es ist mir abhanden gekommen und taucht nie wieder auf.
So sehr ich versuche, mir dieses Stückchen zurück zu erkämpfen.
Es möchte nicht mehr.
Ich glaube sogar, es steckt in irgendeinem Computer fest.

Es war nur ein kurzer Moment, ein flüchtiger Augenblick, der möglicherweise noch nicht einmal für die meinen Augen bestimmt war – und doch änderte sich ab da an alles.
In jenem Moment, als mich ein Mensch – für den ich seinerzeit die Hand ins Feuer gehalten hätte und welchem ich zutiefst vertraute – plötzlich verletzte, ging leider ein kleines Teilchen in mir kaputt.
Und bis heute versuche ich zu kitten, zu kleben und hinter mir zu lassen.

Noch heute suche ich den Fehler

Es sind mittlerweile viele Schichten Klebstoff, die versuchen Geist und Seele in diesem Punkt zusammenzuhalten.
Doch habe ich offensichtlich noch nicht den ultimativen Super-Kitt gefunden, um Vergangenes hinter mir zu lassen.
Um vergessen zu können.
Verziehen habe ich dieser Person schon lange!
Vielmehr als das, ich mag diesen Menschen noch immer von Herzen gerne.
Nur mir selbst – konnte ich nie verzeihen.

Noch immer suche und grübele ich.
Grabe verzweifelt nach dem Fehler in und an mir, versuche mir zu erschließen, was diesen Menschen zu seinen Gedanken leitete.
Es war nichts Schlimmes, nur ein paar Worte. Ein kurzer Aussagesatz.
Nicht wertend und nicht beleidigend.
Auch handelt es sich nicht einmal um eine mir nahe stehende Person.

Doch hatte ich in diesem Moment das zutiefst traurige Gefühl, mich in einem Menschen sehr getäuscht zu haben.
Ich zweifelte an meiner ganz eigenen Menschenkenntnis und dem, was sich wohl Sympathie und Bauchgefühl nennt.
Alles wurde in Bruchteilen durcheinander gewirbelt – und ließ meine Welt Kopf stehen.

Ich habe meinem Mann von diesem Moment erzählt.
Dass ich allerdings diese bedrückende Last bis heute mit mir herum trage, dass ich nicht drüber stehen und endlich hinter mir lassen kann, das versteht er nicht.
Wie auch, handelt es sich doch um meine ganz eigene Gefühlswelt. 😉
Und ich bin es so leid!

Ich will das nicht mehr!

Ich möchte wieder fröhlich sein und an mich glauben können!
Daran, dass mich Menschen mögen und gut finden!
Mit dem, was ich tue und wie ich bin.
Ohne mich verstellen zu müssen.
Ohne zu überlegen, welches die richtige Kleider-Wahl ist, um bloß nicht irgendwelche Signale auszusenden.
Ohne ständig nett und freundlich sein zu müssen, sondern einfach ich selbst!

Mit all‘ meinen Macken und Kanten!
Und es sind bekanntlich viele!
Mit den Fettnäpfchen in welche ich regelmäßig plumpse – und den Schlammpfützen, in welche ich grunzend lachend hüpfe!
Mit dem versehentlich auf Instagram gezücktem Mittelfinger und dem ein oder anderen auf dem Blog missglückten Text.

Denn das bin alles ich!

Ich bestehe aus vielen Facetten und ich bin es leid, zu versuchen irgendwo hinein zu passen und jedem (!) gerecht zu werden.

Ich möchte mich nicht mehr tausendmal entschuldigen oder gar bitten und betteln – und letztendlich wieder alle Fehler bei mir suchen!

Es tut mir nicht gut und ich möchte lernen selbstbewusst öfter Nein! zu sagen!

Und JA! zu Menschen – auch wenn sie mir hin und wieder weh tun – und einfach nun einmal so sind wie sie sind.

Ich möchte endlich daran glauben können, dass alles wohl seinen berechtigten Grund haben wird, auch wenn ich ihn im Moment nicht verstehe.
Und dass das durchaus auch einmal rein gar nix mit mir als Person zu tun haben muss.

Ich möchte wieder glauben können, dass man(n) mich trotzdem so mag und akzeptiert wie ich bin – und milde über den ein oder anderen Fehltritt hinweg lächelt.

Nun, einen Menschen, der dies seit nunmehr fast zwanzig Jahren tut, habe ich gefunden.
Und ich danke Gott von ganzem Herzen dafür!
Danke mein Schatz, dass Du an meiner Seite bleibst und meinen Weg mit mir gehst!

Wie geht es weiter?

Wie sich mein ganz eigenes Selbstwertgefühl in den nächsten Jahren entwickelt?
Ich weiß es nicht.

Ich kann nur auf eine gewisse Richtung hoffen und zuversichtlich darauf hinarbeiten.
Ob mir dies auf Dauer alleine gelingen wird?
Ob ich mir Strategien überlegen und antrainieren muss?
Auch das weiß ich nicht.
Das wird die Zeit zeigen.

Das werden die Ereignisse zeigen, die mir während der nächsten Zeit widerfahren.
Positive, von denen ich lange zehren und lernen kann – und Negative, aus denen ich versuchen muss, gestärkt und tapfer heraus zu gehen.

Erfahrungen und Erlebnisse – all‘ das prägt einen Menschen.
Doch liegt es wohl in unserer Hand, was wir an uns heran kommen lassen – und wie wir Geschehenes verwerten.

Und vielleicht ist es hin und wieder auch gar nicht schlimm, einmal nicht vor Selbstwertgefühl nur so zu strotzen.
Es ist ok, sich auch einmal ganz klein zu fühlen!
Solange wir uns selbst nicht aufgeben!
Solange wir an uns glauben und das schief und schepp hängende Krönchen immer wieder gerade rücken.

Und darin?
Darin – ganz stark, offen und selbstbewusst zugegeben- bin ICH der ultimative Meister! 😉

Hört nie auf an Euch zu glauben! 

Eure 

Alex

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3 Gedanken zu “Das verlorene Stück Selbstwertgefühl

  1. Sabine Brunke-Reubold Antworten

    Hallo Alex, herzlichen Dank für diesen offenen und so gut nachfühlbaren Text.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir hilft, nachsichtig mit mir zu sein: wenn ich es in dem Moment gekonnt hätte, hätte ich es besser gemacht.
    Und durch Fehler lernen wir. Auch, noch achtsamer zu werden.

    Ich drücke dir die Daumen, dass du immer mehr Raum findest, du selbst zu sein und Erfahrungen als Chancen, dich weiter zu entwickeln, ansehen kannst.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  2. Jana Antworten

    Hallo Alex,

    vielen Dank für diesen so wichtigen Text. Das Lesen hat mich total begeistert.

    Grüße
    Jana

    0
  3. Tanja Antworten

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Text, den ich so gut nachempfinden kann. Glg Tanja

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