Liebes Instagram, ich hasse Dich! Von einer Hass-Liebe, die nicht enden kann.

Liebes Instagram,

Ich hasse Dich.

Ich hasse Dich dafür, dass ich mich gerade ganz klein fühle.
So hilflos und unsichtbar.

Zerbrochen und aufgewühlt – und mir gefällt nicht, was Du gerade mit mir machst und auch mag ich nicht die Gedanken, die Du in mir hervorrufst!

Sie schmecken bitter und tun weh!

So unfassbar weh, dass ich fast gar nicht mehr sein möchte.

Zumindest hier auf dieser Plattform.

Ich mag nicht, wie Du mich beeinflusst!

In meinem Tun, in meinem Handeln.

Es widerstrebt mir, wie ich mich selbst bemühen sehe.

Um ein Lächeln und Strahlen – an Tagen, in welchen kein leuchtendes Feuer in mir brennt.

Es ärgert mich, dass ich das Gefühl habe, auch Teil dieser Show, meiner ganz eigenen „One-Woman-Show“ zu sein. Sein zu müssen.
Denn selbstverständlich bitte auch ICH meine Kinder hin und wieder Fotos von mir zu machen!

Weil…

…ich gerade nett  und fröhlich aussehe – und jeder Beine, Rock und Stiefel bewundern soll.
So, wie es viele Andere auch tagtäglich tun.

Ich mag es nicht, wie ich trotz aller ehrlichen Worte, die ich hier – oftmals aus der reinsten Emotion geschrieben – auf den Screen bringe, dennoch ebenfalls Dich als Instrument und Mittel zum Zweck nutze.

Ich fühle mich schäbig dabei.

Denn möchte nicht jeder, der ein gewisses Foto von sich selbst postet, einen bestimmten Kreis an Menschen erreichen?
Oder nicht sogar diese eine Person?

Früher hätte Frau niemals Verehrern, dem heimlichen Schwarm, der giftigen Nebenbuhlerin, der ehemaligen Freundin, der ghostenden  Person – oder gar dem erhofften Seelenverwandten, dem Herzensmenschen, unaufgefordert und direkt ein Foto von sich geschickt!

Doch hier auf Instagram tun wir es – und ich schreibe bewusst wir – immer wieder!
Ständig und andauernd.

Stets in der Hoffnung, damit genau „die Richtigen“ zu erreichen.

Aber möchte ich so manipulativ sein?

Möchte ich provozieren und aufreizen?

Möchte ich wissen, dass ich irgendwo da draußen mit meinen Bildern – in Bikini oder kurzem Rock – andere Frauen vielleicht sogar verletze und vor den Kopf stoße?

Weil sie sich urplötzlich klein und unscheinbar fühlen, weil sie Angeberei und reine Provokation hinter den Bildern glauben zu sehen?

Möchte ich das wirklich?

(Und diese Frage sollten wir uns tatsächlich hin und wieder stellen!)

Ich hasse Dich ferner dafür, dass ich diese Art von Bildern dennoch wohl werde hin und wieder weiter posten, da komme ich nicht umhin.
Das gefällt mir sogar ab und an.

Wohlwissend und in Kauf nehmend, damit gewisse Punkte – auch beim anderen Geschlecht – zu triggern.

Ich hasse Dich dafür, dass ich unentwegt glaube, jenes bunte Symbol auf dem Handy anklicken zu müssen.

Und ich hasse Dich dafür, wie ich gelangweilt beim Kochen durch Bilder einer perfekt inszenierten Welt scrolle!
Anstatt meine eigenen, wunderbaren Kinder zu beobachten!

Wie schlecht ich mich manchmal fühle, sehe ich „das Leben der Anderen“.

Dafür hasse ich Dich auch!

Gab es nicht einmal einen Film, der so hieß?
Geilen wir uns über Instagram nicht tatsächlich ein bisschen am (teils erfundenen und erlogenen!) Leben der Anderen auf?

Und machen uns im Anschluss einmal mehr selbst nieder!?

Ebenfalls dafür hasse ich Dich!

Ich hasse Dich dafür, dass Du mich zu einem neugierigen Menschen gemacht hast und dass ich Dinge weiß, die ich am liebsten nicht sehen und wissen möchte.

Weil ich anfange zu forschen und suchen, weil ich erkenne und erahne – und mich das leider nicht immer glücklich macht.

Weil ich weiß, wer hinter gewissen Profilen steckt und es mich zutiefst kränkt und verletzt, dass Menschen nicht einfach den direkten Kontakt zu mir wählen, wo ich es mir doch so sehr aus tiefstem Herzen wünsche!
(Kaffee? Reden? Vielleicht? Irgendwann? 😉 ) 

Einmal mehr hasse ich Dich dafür, dass ich ebenfalls anfange zu stöbern.
In anderen Profilen.

Und mir Follower-Listen anschaue.
Nur um festzustellen, dass ICH es nicht bin, der man folgt, sondern Andere.
Interessantere, „Blondere“…

Und es zerreißt mir das Herz und ich fühle mich gelähmt und geknickt ob jener Enttäuschung!

So sehr, dass ich am liebsten entmutigt aus der virtuellen Welt verblassen und flüchten möchte.

Doch das kann ich nicht.

Ich liebe Dich.

Ich liebe Dich dafür, dass ich mich durch Dich nicht allein und einsam fühle!

Dass ich hier nicht nur die Gummipferd-spielende Mutter sein muss, sondern auch FRAU sein darf.

Manchmal sexy und selbstbewusst, hin und wieder ein Rebell, nachdenklich oder fremdbeschämend albern!

Ich kann in Rollen schlüpfen und mich in Szene setzen, ganz so wie mir gerade beliebt!

Ich kann mich toll fühlen, bewundert, begehrt, geschätzt und anerkannt – brauch nur das richtige Foto zu posten!

Und ich kann mich an den Herzen erfreuen, die manchmal hageln, sich an anderen Tagen ein klein wenig verhalten bitten lassen – und ich kann leuchten und scheinen!

MIR gehört diese ganze verdammte Bühne, wenn ich es denn will.

Das ist schön, das fühlt sich unfassbar gut und beflügelnd an!

Ich kann flirten und Phantasien anregen, ganz ohne Gewissen, denn ich spreche ja die breite Masse an.

Und ich kann mit Worten berühren und erreichen!

Ich darf erkennen, dass da draußen noch Andere sind.

Mamas, die denken und fühlen wie ich, die leiden und weinen – so wie ich es in letzter Zeit leider viel zu oft tue.

Ich liebe Dich für den Austausch mit den echten Menschen, die sich hier unter all‘ den erfundenen Figuren und Profilen ebenfalls tummeln!

Das tut so gut, das fühlt sich weniger allein und isoliert an!

Ich liebe Dich dafür, dass ich kostbare und schöne Momente in meinem Leben teilen kann und vielleicht sogar anderen Mut zusprechen darf.

Du bist ein Geschenk, wenn Frau weiß, Dich richtig einzusetzen.

Ich mag es von anderen Familien zu lesen und wichtige Themen zu verfolgen, wenngleich mir mein Leben wenig Raum für ausschweifende Kommentare lässt.

Ich liebe die Inspiration, welche ich hin und wieder hier erlange oder auch die heimlich rinnenden Tränchen, erreichen mich Worte anderer Mitmenschen aus dieser eigenartigen Welt.

Du gibst mir an dunklen Tagen Trost oder lässt mich herzhaft lachen – manchmal sogar grunzend vor Begeisterung in die Hände klatschen.

Brauch nur das richtige Profil aufzurufen.

Du unterhälst mich wann immer ich es will, brauch nur mit der Fingerspitze zu tippen.

Dafür danke ich Dir, dafür liebe ich Dich!

Ich mag nicht mehr.

Zumindest vorübergehend.

Ein paar Tage.

Weißt Du, ich bin kein großer Fan von (Beziehungs-) Pausen, denn für mich bedeutet das IMMER der Anfang vom Ende.

Doch hier ist es anders.

Denn, ob ich es nun will oder nicht, bin ich nun einmal auch abhängig von Dir!

Ich BRAUCHE Dich!

Unsere Beziehung ist wohl eine ganz einzigartige und unerklärliche.
Toxisch und bereichernd zugleich.

Ich darf und WILL nicht gehen und ich kann es auch nicht!

Denn wir stehen sogar in einer „Geschäftsbeziehung“ zueinander.
Ich, die Bloggerin, und Du.

Dich zu verlassen würde meinen sicheren „Tod“ bedeuten.

Du und ich, wir werden wohl eine Hass-Liebe bleiben.
Bis in alle Ewigkeit – oder zumindest noch für eine sehr lange Zeit.

Niemals werden wir uns innig annähern und für immer liebend berühren, doch wäre es gleichermaßen schädlich und Herzzerschmetternd, würden sich Wege hier nun trennen.

Nur posten, posten mag ich aktuell vorerst nicht.

Gibt mir Luft, lass mich atmen und lass mich nachdenken.

Lass stechende Schmerzen abklingen und mich wieder Mut, Stärke und Zuversicht sammeln.

Bis zum nächsten Post. Bis zum nächsten Bild.

In Liebe.

Deine

Alex

P.S. Wie es mir einen Tag später geht und welche Tricks und Kniffe mir bei meinem Vorhaben helfen sollen, könnt Ihr gerne direkt hier nachlesen:

Und wie soll das funktionieren? Die Instagram-Trennung auf Zeit? Ein Nachtrag.

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