Donnerstag. Die schönsten Erinnerungen und Erlebnisse, die ich mit Mailand verbinde, sind in keinem Reiseführer zu finden.
Auch nicht die Erkenntnisse und all’ diese Gefühle – und teils leider auch Gedanken – die mich während dieser Reise begleiteten.
Denn eine jede Reise – und ist sie noch so kurz – formt und führt uns uns selbst ein Stück näher.
Oder auch lässt sie die Menschen, die während dieser Stunden an unserer Seite sind, einmal mehr ins Herz schließen!
Und so begleitet mich heute – einen Tag nach meiner Heimkunft – eine eigenartige Melancholie.
Noch kann ich diese Schwere nicht einordnen. Und ich musste auch schon ein paar Mal weinen.
Vielleicht, weil ich mich gerade übermannt fühle, von den Eindrücken und neu geschaffenen Erinnerungen und irgendwie von alledem, was in den letzten Tagen in mir vorging.
Und auch weil ich nunmehr schneller wieder in meinen ganz eigenen Alltag zurück katapultiert wurde, als mir lieb war.
Das Nachhause-Kommen war sooo schön & wertvoll!
Ja, gestern Abend ging mein Herz auf, als meine beiden Töchter in der Haustüre standen und mich freudig begrüßten!
Und welch rührender Moment es doch war, als mich die kleine Hündin so sehr vollster Liebe und Freude begrüßte!!!
So sehr, dass ich – und ich lüge jetzt nicht (!) – ganze fünfzehn Minuten mit Küsschen übersät wurde und sich das kleine Wesen mit der feuchten Schnauze regelrecht vor Wiedersehensglück überschlug.
(Sie ist vor lauter Springen und Hüpfen und Schwanz-wedeln hingefallen! 🙂 )
Und ebenfalls JA! Ich hatte dieses Mal das Zuhause irgendwie noch doller und heftiger vermisst, als während der Mama-Auszeiten in den Jahren zuvor.
Gerade am Dienstag war ich in Gedanken irgendwie zu Hause. Denn die Töchter waren teils mit dem kleinen Hund alleine und auf sich gestellt. Mein Mann war mit dem Sohn selbst unterwegs und begleitete ihn zu seinem Praktikum.
Das war nicht leicht für mich – auch wenn die große Tochter im Sommer bereits siebzehn wird.
Ich sorgte mich ein wenig, denn sich rund um die Uhr um den noch so jungen Hund alleine kümmern zu müssen ist durchaus eine große Verantwortung!
Zu allem Überfluss plagte mich daher sehr mein Gewissen, ich selbst fühlte mich ob dieser Reise ein wenig schlecht.
Dabei war sie so lange von Herzen und voller Vorfreude geplant gewesen!
Erinnerungen
Doch zurück zu den Erinnerungen:
Denn das sind die vergangenen Tage leider bereits jetzt schon wieder – sie sind bereits Erinnerungen.
Und mir wird abermals vor Augen geführt wie vergänglich doch alles – das Leben – ist.
Gerade die schönen Momente verfliegen ehe wir uns versehen.
Ich erinnere mich heute daran, wie entzückt meine liebste Freundin ob jeder einzelnen Taube auf den Pflastersteinen war, denn sie liebt Tiere und Vögel so sehr, dass ihr jedes Mal die Tränen in die Augen schießen. 🙂
Ich erinnere mich an die Zeit, die wir gemeinsam hatten und die ungestörten Gespräche!
Und auch merkte ich wieder, wie gerne ich ihr zuhöre, erzählt sie von ihrer Kindheit in Bosnien, die durchaus keine leichte war.
Ich erinnere mich heute stolz daran, wie wir diese eine italienische Pizzeria gefunden hatten, ganz versteckt in einer Seitenstraße.
Erst trauten wir uns nicht hinein. Doch erwartete und drinnen so viele italienisches Geplappere und Gewusel – wir waren die einzigen Touristen zwischen vielen Einheimischen, die dort offenbar ihre Mittagspause verbrachten.
Das fühlte sich verdammt gut und schön an!
Fails gab es natürlich auch! 😉
Ich erinnere mich daran, wie wir mit dem Zug an den Comer See fuhren. Dort aber nur wenige Minuten an der See-Promenande spazieren konnten, da wir leider einen Tag erwischten, an welchem Sturmwarnungen für die gesamte Lombardei galten.
Ich unterschätzte die Gewalt des Windes!
Und als wir einmal komplett von der Gischt vollgesprenkelt und fast davon geweht wurden, mussten wir leider kapitulieren – und Schutz in den Gässchen der Stadt suchen.
Ich erinnere mich daran, wie wir im Anschluss nochmals durch die Mailänder Innenstadt bummelten und mit welcher Begeisterung meine Freundin durch die Läden streifte.
Manchmal braucht es Kompromisse
Und JA! Ich hätte mir noch so viel mehr Kunst und Kultur gewünscht!
Und ich wäre gerne in das ein oder andere Museum gegangen oder hätte mir wenigstens einmal das Abendmahl in der Santa Maria delle Grazie angesehen.
Doch auch erinnere ich mich daran, dass meine Freundin und ich in solchen Dingen grundunterschiedlich sind! Und dennoch harmonieren wir auf Reisen und finden immer wieder Kompromisse. 🙂
(Ich musste allein im Badezimmer irgendwie schmunzeln. Mann konnte gleich erkennen, welche meine Handtücher – ordentlich gefaltet – waren und welche die der Freundin. 😉 )
Das ist irgendwie schön und die noch offenen Punkte schreien einfach nach einer Wiederkehr!
Ich erinnere mich an Minuten, in welchen wir uns die Bäuche vor Lachen hielten, einander Kosmetikprodukte ausliehen – und Abends kaputt mit brennenden Füßen und Augen im Hotelbett lagen, zu müde um nochmals um die Häuser zu ziehen.
Dies ist kein Reiseführer – es sind Erzählungen aus dem Leben!
Ja, ich kann Euch mit diesem Artikel vielleicht keinen Mehrwert bieten.
Auch kann ich keine Geheimtipps nennen oder gar historische Hintergründe.
(Dabei finde ich die Geschichte rund um die Sforza Adelsdynastie spannend!)
Ich kann Euch hiermit vielleicht noch nicht einmal eine Kurzreise nach Mailand – und ist die Stadt noch so schön – schmackhaft machen.
Aber ich kann darüber erzählen, wie wichtig es ist, sich Auszeiten zu nehmen!!!
Auch oder gerade als Mama.
Wie schön es ist, einfach nur eine Fremde in einer wunderschönen Stadt zu sein, mit der liebsten Freundin an der Seite.
Ich kann darüber berichten, wie gerne ich Menschen beobachte und diese ganzen Bilder und Eindrücke in mich aufsauge und wie mich Häuserfassaden und Bauwerke begeistern und zum Staunen bringen.
Und ich kann verraten, wie sehr ich diesen Ausbruch aus meiner eigentlichen Realität stets genieße.
Ich kann dazu ermutigen, sich die Schönheiten dieser Erde anzuschauen und Neues dazu zu lernen – und dafür jedes notwendige Klimpergeld zu sammeln und auszugeben!
Aber auch kann ich die Erkenntnis teilen – und diese hat mich während der letzten Tage mehr denn je eingeholt – dass das Reisen immer wieder den Horizont erweitert und bereichert.
(Auch ohne teuer bezahlte Museumstickets)
Aber auch kann ich darüber schreiben, dass man selbst auf Reisen den eigenen Gedanken und Sorgen nicht davon laufen kann, man kann sich selbst nicht davon laufen!
Im Zweifel reist die ganz eigene Last immer mit im Gepäck – und es liegt an uns selbst, das nicht zuzulassen.
Ich kann darüber berichten, dass es OK ist, die Liebsten zu Hause teils schmerzhaft zu vermissen!
(Gott, was hab’ ich dieses Mal die Kinder vermisst!)
Aber auch wie es gleichermaßen gut tut, für diese kurze Weile FREI zu sein!
Dankbar
Ich kann darüber schreiben, dass ich mich gerne in Metro-Stationen und Flughäfen herumtreibe, weil ich den Geruch der weiten Welt mag und hier wohl niemals gesättigt sein werde – und auch, wie sehr ich jetzt meine Freundin vermisse!
Ich bin heute wieder zu Hause bei meinen Kindern und dem kleinen Hündchen – und fühle mich trotzdem irgendwie einsam.
Auch über diesen Zwiespalt kann ich schreiben.
Und vor allem kann ich darüber schreiben, wie dankbar ich für diese letzten Tage bin.
Und dieses Gefühl der Ehrfurcht, Demut und Dankbarkeit – auch das steht in keinem Reiseführer der Welt.
Weiter geht’s im Alltag! Jetzt bleib’ ich erstmal mit dem Arsch daheim! 😉
EureDer Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!
