Ich sitze auf dem Fussboden, in meinem Schoß dieses wunderolle Wesen.
Ich streichle durch warmes Fell. Hin und wieder blicken mich diese hübschen-grünen Augen fragend an.
Ich sitze da und Tränchen rieseln.
Es ist eine Schwermut, die mich seit Tagen fesselt und sich nicht abschütteln lässt, die schmerzt und sticht.
Und während ich gleichermaßen Trost durch die Anwesenheit des liebsten Tieres in meiner Nähe spüre, über warme Pfötchen streichle und feuchte Küsse auf die salzigen Wangen bekomme (sie muss mich immer trösten und lässt damit mein Herz überquellen!), komme ich ins Sinnieren.
Denn anders als Hunde, die uns im Grunde ganz einfach verständlich machen, was sie fühlen und wo ihre Bedürfnisse gerade liegen, die uns wort- und bedingungslos (!) – lieben und unser Herz berühren, benutzen wir Menschen Worte.
Wir benutzen sehr viele Worte. Jeden einzelnen Tag.
Wenn Worte Werkzeug sind & Schaden anrichten
Wir schreiben und sprechen sie aus. Wir nutzen sie als Werkzeug.
Ich verdiene hin und wieder etwas Geld mit der Aneinanderreihung von Worten.
Das ist verrückt und leider aus der Sicht Vieler noch immer sehr lächerlich. 🙁
Aber ist man sich einmal der gewaltigen Macht von Worten – auch der ausbleibender Worte – bewusst, dann kann das ganz schön traurig stimmen und ängstlich machen.
Denn wer weiß schon, was Worte in uns Menschen wirklich anrichten?
Wir sagen sie vielleicht nur so dahin, wir schreiben sie in dummen Notizen nieder – vielleicht aus Zorn, vielleicht aus der Emotion heraus, vielleicht Gedanken-verloren.
Doch diejenigen, die diese Worte erreichen oder wie ein Faustschlag in die Magengrube treffen, haben vielleicht ein Leben lang an nur wenigen Worten zu arbeiten und mit sich zu kämpfen.
Denn falsch gewählte Worte können großen Schaden anrichten.
Worte können verletzen und alles in Frage stellen lassen. Worte versetzen in Angst und Schrecken, Worte katapultieren in einen Überlebensmodus und schaden unserem Nervensystem.
Worte hallen im Kopf nach – über Jahre hinweg – und zerfressen uns von innen.
Sofern es damals die falsch gewählten waren.
Die Kunst, Worte wohl zu dosieren
Wir schmeißen mit Worten nur so um uns. Auch ich.
Als wären sie bedeutungslos!
Oder wir Menschen lassen lange auf ein versöhnendes, auf ein erklärendes Wort warten.
Wir verschwenden Worte und nutzen sie im Alltag vielleicht sogar zu oft.
Wir sprechen von Liebe – immer wieder – bis dieses doch so kostbare Wort an Bedeutung verliert. Den Kindern gegenüber, Mitmenschen gegenüber.
Weil wir es nicht richtig dosiert einsetzen.
Wir sprechen im Zorn von Hass und geben aus der Verlegenheit falsche Versprechungen.
Weil wir hoffen, dass Worte vergessen werden.
Und wir schleudern mit Begriffen nur so um uns, ohne uns der Bedeutungsschwere bewusst zu sein!!!
Wir wählen falsch und formulieren fehl – und schmerzen Andere damit nachhaltig.
Wir schweigen und verlieren keine Worte, dann wenn es eigentlich angebracht wäre und das Gegenüber so sehr darauf hofft und Trost und Nähe braucht.
Manchmal sind Worte sogar leer und schürten erst Hoffnung, um dann tief fallen zu lassen.
Ausbleibende Worte, gesagte Worte – Kommunikation schmerzt hin und wieder und nicht selten wähle auch ICH die falschen Worte.
Ein falsch gewähltes Wort lässt sich nicht wieder gut machen
Ich habe am Wochenende im Streit mit dem Mann ein Wort benutzt, welches ich niemals hätte aussprechen sollen.
Weil es nicht mal in meinen Gedanken eine Rolle spielt. Weil im Zorn und Affekt die Wut sprach, nicht aber mein Herz.
Es sprudelte aus mir heraus, ein einziges Nomen, gehört von einem Kind.
Noch jetzt schmerzt mich die Wucht, mit welcher dieses Wort das Kind traf. Noch immer weine ich ob der Tränen des Kindes.
Dabei hatte ich es niemals wirklich so gemeint. Ich habe mich dafür entschuldigt und Gefühle erklärt.
Das Wort an sich hallt aber nach. Dieses Wort kann ich nicht zurücknehmen, kann nur immer wieder erklären und entschuldigen.
Dieses Wort aber ließ mich auch reflektieren und darauf besinnen – so garstig und bitter es auch ist – was mir im Leben lieb und wichtig ist und worum ich kämpfen möchte, was ich für immer bewahren mag.
Worte können berühren
Denn Worte haben Macht und bewirken etwas in uns.
Sie lassen in uns gehen und Sichtweisen neu ausrichten.
Worte können Menschen berühren und zu Tränen rühren, Worte können heilen und verstehen.
Ich hatte immer gehofft, hier mit meinen Worten andere Menschen – insbesondere Mütter – zu erreichen und damit das Gefühl der Einsamkeit und Hilflosigkeit zu nehmen. Ich wollte geben und da sein.
Und ich wählte dennoch nicht selten die falschen Worte und Zeilen. Hier und auch anderswo.
Dann können Worte auch Scham auslösen.
Und Worte ohne Reaktion – ohne Antworten – lassen uns bereuen und mit einem Gefühl des Versagens und der eigenen Bedeutungslosigkeit zurück.
Denn nicht selten verschwenden wir Menschen auch Worte – so viel Lebenszeit – an Andere, die unsere Gedanken und Zeilen gar nicht haben möchten.
Und wir vergessen dabei wiederum diejenigen, die da sind und treu an unserer Seite bleiben.
Dann kann man sich eigene Worte nur noch selbst verzeihen. Und versuchen, ab jetzt zu schweigen.
Worte sollen beschwichtigen und hinhalten
Worte lassen hin und wieder auch hoffen und sollen hinhalten.
Wir Menschen sprechen von Freundschaft, schreiben von Wiedersehen und vom Vermissen – und lassen jene Worte ohne Taten leer und bedeutungslos stehen.
Weil wir denken, das Wort wird schon richten und Taten noch eine Weile auf Später aufschieben lassen.
Worte können mehr schmerzen und verletzen als abermillionen Messerstiche und lassen sich nicht immer entschuldigen.
Fehlende Worte lähmen und lassen uns wiederum ohnmächtig zurück, verzweifelt und voller Fragen.
Und ist man sich der Macht jener vielen Worte, die wir Menschen tagtäglich benutzen, bewusst, dann kann ich verstehen, warum die Liebe zwischen Mensch und Tier manchmal so groß und innig und vollster Wärme ist.
Keine weiteren Worte.
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