Website-Icon Mama steht Kopf

Verdammte Hacke! Ich will doch einfach nur ICH sein!!! Warum Social Media (mir) nicht immer gut tut.

Ich bin zu langweilig geworden. Kein Wunder, dass man nichts mehr von mir wissen will. Ich bin mittlerweile uninteressant. Ich bin alt. 

Die da! DIE hat es drauf!

Die hat hunderttausende Follower und zieht alle in ihren Bann.

Weil sie so authentisch und natürlich ist und sich vor der Kamera durch die Haare fährt.

Ich sollte mir vielmehr durch die Haare fahren und auf Fotos wilde Strähnen werfen.

Aber Bilder reichen nicht aus!

Ich bin öde und keiner interessiert sich mehr für meinen Feed. Für lange und viel zu tiefe Texte hat ohnehin niemand Zeit. Die will doch keiner haben!

Vom Algorithmus verschluckt? Unsichtbar?

Und der Feed? Ich bin unsichtbar, für den Algorithmus nicht mehr existent.

Meine Stories werden nicht mehr mit Interesse verfolgt. Man folgt jetzt Anderen. Cooleren.

Wie auch sollte ICH interessant sein?

Ich müsste Reels drehen!!! UNBEDINGT!

Vielleicht sogar sollte ich dabei dämlich mit den Hüften kreisen und mit dem Po wackeln.

Und überhaupt, geht es nicht letzten Endes immer wieder nur darum?

Ich müsste mehr Milf sein und sexy und Phantasien anregen, vielleicht sind es zu wenig Bikini-Fotos geworden.

Vielleicht sollte ich dumm und albern zur Musik tanzen und laszive Bewegungen posten.

Aber das kann und darf ich ja nicht.

Und das bin ich auch nicht. Ich hasse tanzen. 

Dann wäre ich auch wieder “versaut“.

Ich darf nicht zu versaut sein und auch nicht öffentlich darüber schreiben, dass ich verflucht nochmal eine Frau bin!

Fluchen darf ich übrigens auch nicht.

Eine Frau, die nicht nur für die Kinder existiert (na gut, gefühlt schon), sondern auch Begehren hat und (oh-mein-Gott-sie-schreibt-sich-jetzt-in-Rage-und-schreibt-es-aus) sogar noch Sex hat!

Aber so etwas darf ich nicht öffentlich thematisieren – Andere offenbar problemlos schon.

Bei MIR aber folgt gleich der anonyme Brief.

Habe ich mich aufgegeben?

Aber ich sollte mich vielleicht tatsächlich wieder hübscher und attraktiver geben, vielleicht bin ich zu nachlässig geworden?

Denn am Ende geht es ja offenbar doch nur um Arsch und Titten.
(Oh shit – schon wieder was ausgeschrieben)

Doch dann fällt mir der Stalker wieder ein.

Aber sie! Sie schafft es, das alles zu thematisieren, ohne Folgen!

Ihr gelingt es, Leute mit ihrer natürlichen Art zu fesseln, neue Follower zu gewinnen!

Sie scheint keine Konsequenzen davon spüren müssen.

Ich sollte mehr reden und meine Stimme aufnehmen! Sie ist doch gar nicht so schlecht!

Ich hab das doch schon mal geschafft!

(Hört Euch doch bitte den Podcast einmal an. Er ist mir so eine bedeutende Herzenssache gewesen!!!) 

Nur so kann ich in dieser (Social Media) Welt noch existieren.

Nur so möchte die “Community” teil an meinem Alltag haben und mich in Beiträgen, Reels und Stories verfolgen.

Für lyrische, tiefgründige Texte hat in dieser schnelllebigen Welt niemand Muse.

Wäre da nur nicht diese scheinbar schier unüberwindbare Hemmschwelle, sich selbst zu filmen und aufzunehmen. (Es fühlt sich sooo lächerlich an.)

Mann, Leute! Ich kann noch nicht mal telefonieren! Allein DAS ist für mich eine Herausforderung!!!

Das.bin.ich.einfach.nicht.

Die Netten gehen unter und werden vergessen

Ich sollte nicht immer so nett sein.

Nett ist langweilig. Die Netten gehen unter, werden ausgenutzt – und vor allem vergessen!!!

Denn die Netten spielen nur eine Komparsenrolle.

Sie sind niemals der glänzende Hauptprotagonist, sie sind ein Mauerblümchen.

Unsichtbar und übersehen und nur dazu da, das glamouröse Leben der Anderen zu organisieren.

Nette Menschen sind in Wahrheit von allem nur ein bisschen.

Nur ein bisschen schön, aber nicht fesselnd genug.
Nur ein bisschen interessant aber nicht für die Ewigkeit.
Und nur ein bisschen Freundin, niemals wichtig und die beste.

Doch zu böse und fies, scharfzüngig, gemein und fluchend sollte ich auch nicht sein.

Ich will mich nicht immer entschuldigen müssen!

Ich entschuldige mich zu oft, viel zu oft. Das will ich für mich nicht mehr.

Das ist lächerlich. Das ist so needy und armselig.

Kein Wunder, dass man nichts mehr mit mir zu tun haben möchte. Mir nicht mehr oft schreibt. Was verflucht nochmal ist aus mir geworden, hat dazu geführt!?

Wer möchte sich schon mit einem Häuflein Elend abgeben, das seinen Selbstwert irgendwo unter Wäschebergen und hinter verkrusteten Pfannen verloren hat?

Stark muss ich sein und stolz und selbstbewusst!!!

“Sie” hat es ja auch geschafft.

Ja, wie sie ihren Weg geht und an sich glaubt!

Selbstliebe? Ich falle immer wieder zurück auf Start!

Ich sollte mehr solche Dinge schreiben und posten – sie hat es drauf, die Sache mit der Selbstliebe.

Während ich immer wieder zurück auf Start falle und noch so, so (!!!) viel Weg vor mir liegt.

Sie hält mir den Spiegel vor, dass ICH noch lange nicht so weit bin.

Sie zeigt Ihr Leben in all’ seinen Facetten und wird dafür gefeiert, sie ist die beste Mama-Freundin und schöne Frau – selbst im Gammel-T-Shirt.

Ich aber werde vom Außen (und mir selbst) ausgebremst.

Ich soll nicht so viel von mir preisgeben, das wäre peinlich sagt man mir immer wieder.

Solange, bis ich mir einrede, nichts mehr zu erzählen zu haben und stattdessen tagelang (hier) schweige.

Sie zeigt offen und ehrlich ihre Fails – ja, ich sollte mehr zu meinen Fehlern, Ticks, Macken und Schwächen stehen. Ich sollte mich ungeschminkt und ungeschönt zeigen!

Aber Moment – das tue ich ja!!!!

Nur scheinen meine Worte zu verhallen und verloren zu gehen.

Oder mir wird ein Strick daraus gezwirbelt, um dagegen zu ziehen.

Ich soll also authentisch und locker sein, cool (oh ja, ich brauche immer noch ein Tattoo!!! Mehrere!) und an mich glauben. Ich sollte wieder mehr lachen und strahlen!

Ich sollte unbedingt zum Freigeist werden (wenngleich ich mit diesem Begriff irgendwie immer stetig vögelnde Hippies verbinde. Pardon.) und mich selbst umarmen und dolle lieb haben.
(DAS aber sollte ich wirklich!)

Ich sollte Euch wieder mehr Alltag und Schmutz und Dreck zeigen!
(Oha! Davon gibt es genug vorzuweisen! Leben mit drei Kindern – drei Teenies!!!)

Das wird doch so gefeiert und ist sooo echt!

Ich sollte lockerlassen und mir weniger Gedanken machen und mehr mit meinen Lesern und Followern interagieren.

Ich bin ein Fail. Denn Ich bin Mensch.

Aber ich bin nun einmal Mensch.

Ein Mensch mit Stimmungsschwankungen und ziemlich dunklen Tiefs – vielleicht sogar mit Depressionen. Ich bin immer noch keinen Schritt weiter.

Ich habe Hormone, die mir immer und immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen und die Frau in mir, weinend auf dem Küchenboden hocken lassen.

Ich bin kein Freigeist. Und ich habe die Sache mit der Selbstliebe auch noch nicht drauf.

Ja, bin gefesselt in meinen eigenen Gedanken.

Und manchmal sind die Stimmen ganz dolle laut – so laut, dass ich die Musik noch so viel lauter aufdrehen muss.

Doch darf ich dabei auch nicht verraten, was ich hin und wieder höre. Sonst lande ich wieder in einer Ecke und Schublade.

Ich bin eine armselige Wurst an manchen Tagen.

Und ich bin die Frau, die in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen hat und nunmehr sich einen neuen Weg pflastern muss.

Doch wird MEIN Scheitern irgendwie nicht auf Social Media gefeiert. Es wird stattdessen verurteilt.

Wenn selbst Authentizität Druck erzeugt

Und während ich beobachte, wie es andere Frauen offenbar schaffen und für ihr authentisches und natürliches Auftreten zelebriert werden, setzt mich selbst die Sache mit der Natürlichkeit unter Druck.

Und ich finde, das ist auch das Problem!!!

Social Media tut nicht immer in allen Belangen gut!

Selbst wenn es gut gemeint ist!!!

Denn, ganz gleich was wir im Feed gezeigt bekommen, ob es die Messi-Wohnung einer überlasteten Mami ist, die dazu ermutigt, einfach Mensch zu sein und zeigt, dass niemand mit seinem Struggle alleine ist – oder der Hochglanz-Kanal mit dem farblich abgestimmten Hauswirtschaftsraum, dem Waschpulver in stylischen Behältnissen und dem Vorratsschrank mit einheitlich-beschrifteten Gewürz-Dosen (ernsthaft!? geht’s noch!?) – im Zweifel löst ALLES davon den Druck aus, nicht genug zu sein.

Gerade ist man selbst Bloggerin. 

Nicht echt und locker und authentisch und ehrlich genug.
Nicht ordentlich, sauber und organisiert genug.
Und nicht schön und sexy und attraktiv genug.
Ganz gewiss nicht interessant und faszinierend genug, nicht genug Mama, nicht genug Frau, nicht genug Freundin, nicht genug erfolgreich.

Ich schreibe nicht mehr genug. Vielleicht aber auch zu lange und zu viel. Ich bin nicht lustig genug. Und ich habe meinen Wortwitz verloren.

Meine Nische, in der ich schreibe, wird immer enger. Vielleicht möchte sie verschwinden?

Ich bin kein Kleinkind-Blog und Insta-Kanal mehr. Das bin ich schon lange nicht mehr. Ich bin also auch gar nicht mehr “genug Mama”.

Und dennoch bin und bleibe ich ein Leben-lang genau DAS!!!

Ich bin und ich bleibe!
Ich lebe und ich liebe.
Und ich heule und fühle, so sehr.

Ich will mich nicht verbiegen müssen!!!

Und ich möchte mich nicht verbiegen müssen!

Ich möchte mich nicht anstrengen müssen, damit man mich lieb hat und sieht und mir folgt und hier liest.

Ich möchte ICH sein.

Aber ohne den Druck, auf Biegen und Brechen authentisch oder “am Ball” sein zu müssen!

Denn sobald in diesen Belangen das Hirn anspringt, bin ich auch das nicht mehr.

Ich möchte mich nicht immer wieder in Erinnerung rufen müssen! Ich möchte, dass man auch so an mich denkt!

Und ich möchte mich nicht ständig entschuldigen müssen.

Ich will einfach nur so gemocht werden, genau so wie ich bin:

Ein kaputter und fehlerhafter Mensch, eine alternde Frau mit viel zu dämlichem und großen Herz und noch mehr Gefühl. 

Und jetzt gehe ich für heute offline.

#inhale #exhale #weitergehts #undzwarzumeinenregeln

Eure 



Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!
Teilt den Beitrag gerne auch über Facebook. Dazu einfach auf den Button klicken.  😉

Keinen Beitrag mehr verpassen?

Dann mach es wie viele Andere und folge mir! Gib dazu einfach Deine Email-Adresse ein und klicke auf 'MamaStehtKopf folgen'. Dann wirst Du über neue Artikel von mir persönlich informiert. So einfach kann's sein... 🙂 Beachte auch meine Datenschutzhinweise.

Die mobile Version verlassen