Ich klicke auf “bestellen”.
Wieder einmal bestelle ich etwas, von dem ich ursprünglich nicht dachte, dass ich es brauchen würde.
Wieder muss ich Geld ausgeben, das ich nicht eingeplant hatte.
Doch nachdem die junge Hündin vollster Wiedersehensfreude, überschüssiger Energie und Enthusiasmus unmittelbar nach dem morgendlichen Lösen im feucht-erdigen Gras einmal quer über die cremefarbene Couch sprang, habe ich jetzt reagiert.
Zwar hat unsere Couch schon Jahrzehnte auf dem Buckel, doch genau JETZT nicht vorhandenes Klimpergeld für eine neue Familien-Wohnlandschaft auszugeben, wäre zugegebenermaßen idiotisch.
Eine Couch voller Geschichten – und Flecken
Es wundert mich aber, dass die geschichtsträchtige Couch (ich war darauf schwanger und stillte, die Kinder kotzten und verschütteten Kakao, verschmierten Chips-Fett-Finger und Beerensaft) nicht schon von alleine zur Haustüre in Richtung Sperrmüll spaziert ist.
Sie MUSS doch mittlerweile ein Eigenleben führen und viele, viele Mikro-Organismen (Uaaah!) miteinander vereinen!
Diese Couch – könnte sie sprechen – zeugt von so viel Leben und hätte von unfassbar schönen und auch tragischen, Tränen-reichen Erlebnissen und Augenblicken zu berichten.
Die Bezüge dieser Couch wurden schon so oft gewaschen, dass es mich wundert, dass sie nicht in alle Einzelteile zerfällt.
Doch ist das Waschen des größten Bezuges der breitesten Sitzfläche mühsam und geht mit viel Schweiß und Gezetere meinerseits daher.
Und ich googelte und bestellte einen “Sofa-Schutz für Hunde“.
Ein Hund zieht ein – und “Schöner Wohnen” geht
Wieder hat dieses Wesen, welches ich so sehr aus tiefstem Herzen zu lieben gelernt habe, in meine Vorstellung von “Schöner Wohnen” (ahahahaha) dazwischen gefunkt.
Das hat sie schon oft in den vergangenen Monaten.
Zwei alte – aus Welpen-Anfangszeiten überstrapazierte – Teppiche flogen raus, nachdem ich den Geruch von Bactador und vermutlich doch noch restlichen, verbliebenen Ausscheidungen nicht mehr aus der Nase bekam.
Die Hochsommer-Wärme brachte den Mief buchstäblich ans Tageslicht. Sie waren ohnehin nur mühsam nach Unfällen zu reinigen.
Und ich bestellte zwei neue waschbare (!) Teppiche.
Vorbei die Zeiten von Flausch und Langflor, der liebsten Fellnase zuliebe ziert jetzt “flach und Maschinen-verträglich” unseren Wohnbereich.
Ja, ohne dass ich es will, wandelt sich unser Zuhause – und ich mich mit.
Ich bin jetzt ein Hundemensch & das ist manchmal eklig
Ich bin jetzt ein Hundemensch.
Und ich bin ein sehr verliebter und mittlerweile sehr abgehärteter und abgebrühter Hundemensch.
Die Frau mit dem einstigen Ordnungs- und Sauberkeitsfimmel hat ein wenig nachgiebig aufgegeben.
Dazu haben mich schon drei Kinder über die Jahre gezwungen.
Doch diese – jetzt auch haarende – Hündin setzt nochmal eine Schippe obendrauf!
Ich übe mich gerade im Hardcore-Aushalten und Akzeptieren! 😉
Fangen wir doch einmal mit den ekligsten Ekeligkeiten an.
Denn habt ihr – Nicht-Hundemenschen – schon einmal von Analdrüsenentleerung gehört? Nö?
Dann seid froh!
Denn auch wenn ein Hund nach Monaten endlich stubenrein ist, so seid Ihr lange nicht vor “beschissenen” Versehen gefeit – und das stark riechende Sekret geht daneben, wo auch immer der Hund gerade liegt.
Ich bin außerdem schon so oft auf allen Vieren am Boden gekrabbelt und habe gewischt, dass ich es nicht mehr zählen kann.
Häufchen und Pfützchen zu Beginn der Welpenzeit, später hin und wieder Erbrochenes in allen Konsistenzen.
(Unverdaut geht am besten beseitigen…)
Durften meine Kinder früher nicht in Socken in die nasse Wiese rennen oder gar nach dem Planschbecken triefnass über den Wohnzimmer-Läufer flitzen, kann ich hier oftmals so schnell gar nicht reagieren!
Ich verweise auf heute früh – und auf den waschbaren, neuen Läufer!
Pfotenabdrücke zieren das dunkle Laminat, jeden einzelnen Tag.
Für den kurzen, vorübergehenden Wohlfühl-Moment sorgt der arschteure Wisch- und Saug-Roboter, welchen wir uns gleichzeitig mit dem Hund anschafften, der aber in der Tat auch die vielen Haare zuverlässig beseitigt!
Wir sind jetzt wohl abgehärtet 😉
Uns ist mittlerweile nichts mehr zu eklig.
Die große Tochter und ich fischten schon die diversesten Dinge aus dem Hundemaul, von der von Maden-zerlegten Maus bis zum vergammelten Grillsteak, welches die Hündin freudig-stolz bei der Gassirunde neben einer Bio-Mülltonne auffand.
Wir zimpern nicht mehr, wir fingern einfach drauf los!
(Das klingt grenzwertig und komisch deplatziert, ist aber so! 😉 )
Fast schon glaube ich übrigens, wir lieben jetzt den Geruch von “nasser Hund“.
By the way:
Habt Ihr schon einmal einen Hund geduscht, der zuvor im Bach badete, dort im Schlamm ausrutschte und im Anschluss sich auf dem sandigen Reitplatz wälzte!?
Ich gebe Euch einen Tipp:
Öffnet erst (erst dann!) die Duschtüre, wenn Ihr Euch sicher seid, dass Ihr das Tier komplett mit dem Handtuch abgerubbelt habt!
Ich habe noch nie so oft alle Wandfliesen und Spiegel und die Türe im Gäste-Badezimmer geputzt wie in den letzten Monaten.
Vergesst übrigens auch das Fenster-putzen.
(Ich mag es ohnehin nicht und mache es äußerst selten.)
Alle Fenster auf Bodenhöhe sind von feinstem Rotz überzogen, genau auf Hunde-Höhe! DAS bekommt kein Kleinkind der Welt so treffsicher hin! 😉
Unhygienisch? Ach, was soll’s!
Ach ja, und Körperhygiene? Vergesst es einfach!
Ich liebe es mittlerweile, mich von der Hündin von oben bis unten – inklusive Gesicht und Haare – abschlecken zu lassen.
(Klingt wieder komisch – denkt erst gar nicht!)
Ich mag den “Waschlappen” und verbiete mir einfach Gedanken, wo der zuvor bei der Gassi-Runde überall schon war.
Das Glück überwiegt!
Denn, trotz aller dreckigen und ekligen Dinge, trotz dem sich wandelnden Zuhause und meinen dreckigen Jeans schreibe ich hier von einem sehr, sehr großen Glück.
Und ich bin froh und dankbar, dass mir dieses Glück auf vier Beinen und mit viel Fell drum herum passiert ist.
Nie habe ich mich ehrlicher und aufrichtiger geliebt gefühlt, ganz ohne Bedingungen und Verbesserungs-Ambitionen, gut gemeinte Vorschläge und Optimierungs-Versuche.
Die knurrende Kritik stecke ich hin und wieder gerne ein, dafür werde ich mit herzerwärmendsten Momenten beschenkt.
Dann nämlich, wenn sich das weiche Köpflein auf meine Brust legt und Pfoten mich umklammern.
Wenn die Hündin seufzt und friedlich auf mir einschläft, wenn sie meine Nähe und körperliche Wärme sucht, dann heilt dieses Wesen MICH!
Und auch wenn sich unser Zuhause schleichend verändert hat, der Garten provisorisch eingezäunt wurde und die Rücksitzbänke in den Autos noch sandiger und schmutziger als je zuvor daher kommen, so fühle ich mich reich beschenkt.
Und dieses zauberhaft-schöne Geschenk ist jeden extra-Klick auf “bestellen” wert.
Also fast zumindest. 😉
Eure
Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!

