Ich glaube, ich komme gerade einem Problem auf die Schliche.
Es ist ein immer-wiederkehrendes Muster.
Und vielleicht nennt sich dieses “Problem” auch das ganz normale Familienleben.
Keine Zeit für Ausflüge?
Denn während draußen die Sonne schön scheint und erste Blätter sich bunt färben, wäre ich jetzt gerne buchstäblich über den Dingen.
So gerne wäre ich jetzt unter blauem Himmel irgendwo auf den Hügeln und Bergen der Rhön. Wenn schon Südtirol gerade zeitlich (es sind ja keine Ferien) und vom Budget her (ich erinnere an drei Wochen Griechenland) nicht drin ist!
Ich weiß auch gar nicht, ob dort – in der heimischen Rhön oder hier im Spessart – gerade der Himmel blau und Blätter bunt sind. In meiner Vorstellung im Kopfe aber ist es so.
Ich würde gerne am Wochenende meine Wanderschuhe schnüren, den Rucksack packen und von Gedanken und Dingen loslassen können. Gerade im Herbst!
Frei möchte ich sein und ohne Zeitgefühl.
Laufen möchte ich, bis die Füße brennen.
Irgendwo nett einkehren wäre toll und selig mit rosigen Wangen und einem Glas Wein intus am Abend einschlummern.
Es ist eine schöne Vorstellung von einem eigentlich “freien” Tag, wie man ihn am Wochenende doch hat!
“Frei” – gibt’s nicht als Mutter
Aber ich bin nun einmal Mutter. Und wir sind Fünf.
Und irgendwie lässt sich diese schöne Vorstellung schwer in die Tat umsetzen.
So sehr ich es mir auch immer wieder vornehme!
Denn während ich gerade diese Zeilen hier tippe, müsste ich eigentlich schon längst den Wochenend-Großeinkauf starten und nach schweißtreibender Besorgungs- und Räumarbeit den Herd anfeuern.
Eben noch habe ich schnell eine Waschmaschine mit weißen Socken befüllt. Und der Wisch-Roboter hat in der Nacht seinen Dienst verweigert.
Während der Mann dem Problem auf die Schliche ging, habe ich mit dem anderen Hand-Staubsauger Unmengen an Hundehaaren aus dem Obergeschoss gesaugt.
Solange, bis auch dieser seine Tätigkeit verwehrte – und der Filter gereinigt werden wollte.
Die Post klingelte und ein aufgeregter Vierbeiner wollte beruhigt und trainiert werden. Und die Kühlbox für fancy Teenager-Getränke und feinsten Feierabend-Weißwein ist seit dem Vortag eigenartigerweise kaputt.
Solche Dinge repariert man(n) bekanntlich am Wochenende.
Und außerdem gehen die Technik-Arbeiten draußen rund ums Haus weiter.
Die Zeit drängt! Auch am Wochenende.
Es ist also mittlerweile 12.30 Uhr an einem Samstag-Vormittag und ich bin NICHT draußen gelöst in der Natur.
Fernab vom “Alltag“.
(In meinem aktuellen Leben gibt es eh keinen Alltag und keine Freizeit – alles verschwimmt irgendwie.)
Denn dazu hätte ich zugegebenermaßen so viel früher aufstehen müssen.
Doch holt mich seit Wochen eine mir unerklärliche Erschöpfung heim. Ich habe doch nur das kostbare Wochenende zum Ausschlafen!
Und wir sind fünf Menschen.
Fünf Menschen, die zu Hause rund um die Uhr Hunger haben, Wäsche produzieren und Dinge zu reinigen, aufzuräumen oder zu reparieren haben.
Auch – oder gerade – am Wochenende.
Wir haben eine herzallerliebste Hündin, die fordert und versorgt werden möchte.
Und ich bekomme es ob aller Aufgaben und selbstauferlegten Pflichten offenbar am Wochenende nicht gebacken, kleinste Träume und Vorstellungen in die Tat umzusetzen.
Es verfliegen Stunden – jeden Samstag und Sonntag.
Stunden, die ich doch auch hätte anders füllen können!
Doch es ist der eigenen Erschöpfung und der der Kinder nun einmal egal, ob diese zwei Tage sich “Wochenende” nennen – und der Wäsche sowie dem Kühlschrank ebenso.
Der Haushalt will auch an diesen Tagen erledigt werden. Und anstehende Klassenarbeiten lassen sich auch nicht ewig verdrängen.
Ehe sich die ganze Familie versieht, ist schon wieder Sonntag-Abend und jenes mulmige Gefühl, welches man nur vorm Wochenstart verspürt (ihr kennt es doch auch!) schleicht sich ein.
Sonntag-Abende haben eine komische “Aura“, wenn ihr mich fragt.
Trotzdem wertvoll und besonders!
Wünsche ich mir dann am Ende des Wochenendes noch immer, dass ich an alten, knorrigen Apfelbäumen vorbei geschlendert und durch warm-goldene Felder gewandert wäre?
Klaro! Das wäre nett gewesen!
Aber vielleicht sollten wir uns einfach darauf besinnen, dass das wahre Leben sich nun einmal zum größten Teil zu Hause abspielt.
Und dass dieses Leben viele kleine wundervolle Momente für uns bereithält!
Sofern wir nur ganz genau hinschauen, den Zauber erkennen und genießen!
So habe ich gerührt beobachten dürfen, wie sich eine Tochter hingebungsvoll um ihre und meine neuen Monstera-Pflanzen kümmerte, fleißig umtopfte und mich in Sachen Pflege (das Thema scheint sie wirklich zu interessieren!) aufklärte.
Denn ist es nicht auch schön, die Begeisterung der Anderen für Dinge zu beobachten und zu spüren?
Und sind es die eigenen Kinder, dann erst Recht? Ich finde durchaus!
Das geht am Wochenende tatsächlich besser als “unter der Woche“!
Oder wie entzückend war es bitte, als die jüngste Tochter sich von einem wahnsinnig-aufwändigen Bastelprojekt ins Nächste stürzte?
Wie sie mit Engels-Geduld und Scharfsinn die filigransten Dinge zusammenfügte, ohne Mut und Nerven zu verlieren – stundenlang!
Das ist – neben all der Wäsche und dem vielen Haushalt – wahnsinnig toll zu beobachten.
Wochenende bedeutet auch zu “sehen” und zu entdecken!
Und fast sogar meine ich – wenn man sich nur ganz genau darauf besinnt – in jedem Kind Talente und Fähigkeiten zu entdecken, die von lieben Menschen, die zum Teil schon nicht mehr unter uns weilen, weitergegeben wurden.
Unweigerlich muss ich an meine Uroma denken, die Pflanzen so sehr liebte und pflegte – und an meine viel zu jung verstorbene Tante, eine Ausnahme-Künstlerin im Umgang mit Pinsel und Ölfarben.
Mein Opa der Tüftler kommt mir in den Sinn oder auch der Schwiegerpapa.
Und natürlich der eigene Ehegatte (zum Glück noch an meiner Seite 🙂 ), der mit Fischer-Technik Barbie-Kutschen von selbst fahren ließ oder Aufzüge für schwächelnde Wellensittiche bastelte.
Ist es nicht witzig, ein bisschen Nerd und Leidenschaft in den eigenen Kindern wiederzuentdecken?
Beide Töchter schreiben im übrigen gerne – insbesondere Aufsätze. 🙂
Und so hatten wir auch an diesem Wochenende gar kein “Problem“.
Wir haben einfach nur gelebt.
Jeder für sich – und alle zusammen vereint.
Zu Hause.
Hier die Bilder vom Wochenende!
Kommt gut in die neue Woche!
(Und wie immer: mehr #wibs gibt’s bei grossekoepfe)
EureDer Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!

