Es war in dieser Woche wieder sehr still um mich. Denn ich war beschäftigt.
Abermals wie in vielen, vielen Jahren zuvor auch schon, befand sich der Mann auf Dienstreise.
Und ich hatten den ganzen üblichen Kram hier zu Hause am Back – alleine.
Denn auch wenn die Kinder nun schon groß sind, so sind sie erstens noch nicht “fertig” und auf eigenen Beinen und vor allem ist die unsichtbare Arbeit, die ich tagtäglich im Alleingang leiste und stemme, auch nicht einfach verpufft und verschwunden.
Sie ist noch da. Abgewandelt – aber in all ihrer Härte, im vollen Umfang.
Zum Schreiben kam ich selten, zum Lesen oder gar Faulenzen schon einmal gar nicht.
Diesen Beitrag schreibe ich gerade in der Nacht von Freitag auf Samstag.
Ich habe nicht alles geschafft – wie auch!?
Und obwohl ich mir die größte Mühe gab, habe ich längst nicht alles “geschafft“.
Dinge blieben liegen und einen Rüffel vom nach Hause-gekehrten Mann gab es obendrein. Denn auffällt nur das, was liegen bleibt – nicht das, was das “Heinzelmädchen” heimlich hinter dem freigehaltenen Rücken erledigt hat.
So trug es sich zu, dass ich es zwar endlich schaffte, Sperrmüll zusammenzusuchen, die Betten frisch zu beziehen und neues Hundetrockenfutter zu bestellen – aber dafür den Elternabend am Berufsgymnasium der Großen vergaß.
Ich fuhr Taxi, zum Stall und ins Gartencenter, um heiß-ersehnte Pflanzenwünsche zu erfüllen.
Und ich erarbeitete in Vorbereitung auf die Klassenarbeit argumentative Texte oder kümmerte mich um proportionale und antiproportionale Steigerungen.
Ich bestellte neue Herbst-Schuhe für die Jüngste und Pullover und füllte die Seife sowie heimlich die Binden in den Badezimmer-Schränkchen auf.
Ich ging Gassi – jeden einzelnen Tag.
Und ich schaffte es wieder nicht, mich um meine Termine und Angelegenheiten zu kümmern!
Der Termin für die Brust-Biopsie ist immer noch nicht ausgemacht, meine Krampfadern hat auch noch niemand gesehen.
Ich kochte teils zweimal täglich warm und stand Stunden in der Küche – vergaß dabei aber die wichtige Überweisung für den privaten Arzttermin.
Ich könnte diese Liste noch ins Unendliche fortsetzen, denn ich fürchte fast, mentale Last kennt weder Grenzen und – leider noch immer – keine Entlastung.
Unsichtbare Arbeit gibt es auch am PC
Gleichzeitig saß ich in dieser Woche vor dem Laptop.
Das tat ich zum einen für meinen klitzekleinen Nebenjob und auch für mein kleines Business hier.
(Frau, die sich gerade kleiner macht, als es sein müsste.)
Und ich bekam Kooperationsanfragen – sogar viele davon!
Nicht eine wiederum brachte den lange ersehnten Auftrag.
Das Business liegt noch immer brach – und das hat zum Teil auch seine berechtigten Gründe!
Das Geschäft mit der mentalen Last der Eltern
Denn aktuell bekomme ich unfassbar viele Anfragen von Start-ups mit der Bitte, ihre Apps zur Bewältigung der mentalen Last von Müttern zu testen.
Sie schießen wie Pilze aus dem Boden, die coolen Typen, die eine noch so viel coolere Lösung für mich und all’ die verzweifelten Mütter da draußen, die auf dem Zahnfleisch und allen Vieren kriechen, entwickelt haben!
Ich vermute fast, ein jeder Depp kann heutzutage mithilfe von KI eine derartige App entwickeln.
Und JA!
Vor einigen Jahren noch gab es da wirklich liebe Menschen, die sich Gedanken machten und selbst mitten im Chaos steckten!
Damals habe ich von Herzen gerne eine entsprechende App vorgestellt, geholfen und unterstützt!
Aber wisst Ihr was!? Mich kotzt das Thema in der heutigen Zeit dermaßen an!
Es hat sich nämlich in eine absolut falsche Richtung entwickelt und zudem ist hieraus ein verwirrendes Überangebot entstanden!
Denn fast habe ich den leisen Gedanken, hier wird einfach nur versucht, das große, dicke, fette Geschäft mit der Verzweiflung von uns Eltern zu machen!
Apps “gegen” Mental Load sind der neueste absolut heiße Scheiß.
Ich kann sie schon alle gar nicht mehr auseinander halten und weiß nicht wie viele es davon gibt. Ohne Witz!

Kooperationsanfragen in Sachen “Familien-App” – Es ist immer das Gleiche!
Jede Woche flattert die gleiche Mail herein.
Natürlich bin ich überall die “Hey, Alex” und mein Blog ist der allergeilste auf der Welt.
Um mich wird erst in den tollsten Tönen herumscharwenzelt, um mir dann noch einmal mein eigenes Leid zu beschreiben.
Es ist von Wäschebergen und Alltagschaos die Rede und dann kommt DIE Lösung für mich und alle übermüdeten und zerzaust-verwirrten Eltern da draußen ins Spiel: eine phänomenal tolle, neue Anti-Mental-Load-App!
Am Arsch. (Pardon).
Zu allem Überfluss hat ein jedes neues Unternehmen selbstverständlich KEIN Budget um meine Arbeitsleistung, welche von Nöten wäre, um mich mit der App zu beschäftigen und Euch das Unternehmen mit vielen Fotos, Verlinkung und einem ausführlichen und authentischen Blogartikel vorzustellen (rund 8 Stunden Aufwand) zu honorieren.
Ich soll das Ganze entgeltfrei machen, weil ich ja so ein liebes Mädchen bin und das Unternehmen doch noch gaaanz am Anfang mit ganz wenig Geld steht.
(Spart Euch diese verdammte Mitleids-Tour!)
Ich bekomme ja großzügigerweise einen Gratis-Zugang zur App für ganze 3 Monate!
Wollt-ihr-unzählig-vielen-App-Entwickler-mich-eigentlich-verarschen!?
Welch Ironie!
Ihr müsst Euch diese Ironie einmal auf der Zunge zergehen lassen!
Frauen – auch ich – ersticken an unbezahlter Care-Arbeit!
Und da kommen ein paar coole, fesche Jungs und entwickeln einfach mal ‘ne App als Lösung aller Probleme.
Und wir Frauen und insbesondere ICH als Bloggerin sollen uns mit dieser App zusätzlich zu unseren ganzen Aufgaben intensiv beschäftigen – und in meinem Fall unbezahlt (!!!) dafür Werbung machen!
Jetzt einmal Butter bei die Fische:
Glaubt Ihr ernsthaft, dass eine Software alle Eure Probleme zu Hause lösen kann?
Weil ihr dann einen fancy geteilten Aufgaben-Kalender in Bunt im Handy habt!?
Aus der mentalen Last wird dann einfach nur eine digitale mentale Last – mehr aber auch nicht!
Und vor allem, welche Mutter, die gerade ohnehin schwerst struggelt, hat bitte Zeit, sich mit einer neuen App zu beschäftigen!?
Das habe ich noch nicht einmal als Bloggerin und unentgeltlich schon einmal verfickt noch mal gar nicht!!!
Redet miteinander!
Mental Load entsteht, weil Care-Arbeit und Verantwortung ungleich aufgeteilt sind – noch immer.
Weil viele Männer noch immer nur “im Haushalt helfen.”
So ist es auch bei mir, da will ich ganz ehrlich sein.
Dabei ist es doch der Haushalt aller Familienmitglieder!
(Im übrigen auch der der großen Kinder – Notiz an mich!)
Unabhängig davon, wer die fette Kohle nach Hause bringt und wer nicht.
Keine App löst das Problem, dass ein Part mehr sieht und mitdenkt als der Andere, der vielleicht nur auf Anweisungen wartet!
Sie muss erst gepflegt und mit Infos gefüttert werden! Und von wem wohl?
Und ein Monats-Abo soll das lösen!?
Ich glaube, die Lösung liegt eher in einem Gespräch am Küchentisch, statt hinterm Handy-Screen.
Bitte nicht noch mehr Orga im Mobiltelefon
Und vielleicht ist die Lösung, um diese ganze Mental Load Sache einfach mal ein bisschen aus dem Kreuz zu bekommen, nicht noch mehr Orga im Mobiltelefon!
Vielleicht ist sie einfach auch eine Sache der konsequenten Arbeitsverteilung!
Verbal, nicht per App!
Vielleicht liegt die Lösung hin und wieder im Liegenlassen (vielleicht nicht unbedingt von wichtigen privatärztlichen Rechnungen).
Oder – noch besser – im Abgeben (!) von Dingen und im Genießen kleinster, wundervoller Momente mit unseren Kindern!
Die Lösung liegt in einem ganz klaren NEIN und in einem JA! zu uns selbst!
Auch wenn uns dann einmal der Elternabend oder der Kuchen fürs Fussballfest durch die Lappen geht. So what!
Die Welt geht nicht unter von so etwas.
Aber unsere Kinder haben gechillte Eltern verdient.
Eltern, die lernen, Glück in kleinsten Dingen zu finden und das allwöchentliche “Versagen” als Teil unseres Seins, unserer Menschlichkeit, annehmen.
Eltern, die versöhnlich mit sich selbst sind und ToDos einfach auch mal ToDos sein lassen.
Ganz ohne schlechtes Gewissen und Vorwürfe – und vor allem ganz sicher ohne App!
EureDer Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!
