Es gibt seit geraumer Zeit einen Spruch, mit dem mich mein Mann regelrecht auf die…
Kirmes im Kopf: Warum eine einfache Einladung das mütterliche Gedankenkarussell auf Hochtouren bringt!
Wir sind auf eine Hochzeit eingeladen. Das freut mich voll! Und wir waren schon lange nicht mehr als Paar mal so richtig schick aus!
Doch wieder muss ich gerade für mich erkennen, dass Mental Load überall stattfindet und auf so viele Bereiche unseres Alltags übertragbar ist.
Es nagt grad etwas an mir und frisst sich in mein Hirn, in meine Gedanken.
Und irgendwie hängt ja doch alles zusammen.
Weil ich eben Mutter – und manchmal ein kleiner introvertierter Overthinker bin. 😉
Denn was für den Einen einfach nur eine Einladung zur Hochzeitsfeier ist, ist für die Andere ein mentaler Kraftakt im Vorfeld. Ich komme nicht umhin.
Und Gedanken könnten unterschiedlicher nicht sein.
Denn während mein Mann sich einfach nur riesig über die Einladung freut, einen seiner Anzüge, die er ohnehin oft trägt und besitzt, anzieht und sich ansonsten nur noch ins Auto setzen muss (um diese entspannte Sichtweise beneide ich ihn tatsächlich!), öffnen sich in mir mehrere Tabs im Hirn gleichzeitig.
Und das Gedanken-Karussell nimmt Fahrt auf:
1. Was essen die Kinder am Abend?
Die Kinder möchten an diesem Abend zu Hause bleiben. Was sollen sie sich zum Essen warm machen? Ich sollte nochmal Tiefkühlpizza und Nuggets kaufen und für den Sonntag sowieso vorsorgen. Da wollen wir schließlich auch ein warmes Mittagessen haben. Der Wochenendeinkauf muss trotzdem erledigt werden.
2. Aber es ist doch Halloween!
Es ist Halloween.
Sonst waren wir Halloween immer zu Hause, haben lustige Snacks vorbereitet und sind mit dem Beutel um die Häuser gezogen.
Jetzt ist die Jüngste ganz traurig. Sie hat niemanden gefunden, der das mit ihr macht. Ihre Freundinnen haben leider alle abgesagt.
Ob ich mich kurz davonstehlen kann, um das Kind zu begleiten? Vielleicht merkt es ja niemand. Sie wird sonst ganz niedergeschlagen zu Hause bleiben.
Und bereite ich dennoch gruselige Snacks und schaurige Gaumenfreuden vor, damit der Zauber von Halloween nicht ganz verblasst? Nur wann?
Süßigkeiten müssen wir in einer Schüssel vor die Haustüre stellen, denn die Klingel sollten die Kinder ausschalten. Die Hündin wäre viel zu sehr aufgebracht. Sie wird ohnehin jedes Geraschel in der Hofeinfahrt wittern.
Vielleicht aber sollte ich Samstag-Morgen mit der Jüngsten noch ein wenig die Haustüre dekorieren.
Ich fühle mich so schlecht dabei, dass „unser“ Halloween in diesem Jahr ausfallen muss.
3. Was ist mit dem Geschenk?
Wir haben noch kein Geschenk.
Sicher möchte der Gatte Geld schenken. Doch das muss und sollte ja irgendwie nett verpackt sein und „nach was aussehen“.
Vielleicht schaffe ich es – während die Kinder im Reitstall sind – noch etwas ganz Hübsches zu besorgen.
4. Was soll ich nur anziehen!?
Auf der Karte steht „come as you are„. Das klingt wunderbar entspannt! Boah! Darauf hätte ich Lust!
Denn Geld für ein schickes, winterliches Abendkleid habe ich nicht.
Ich hätte ohnehin keine Gelegenheit, es jemals wieder auszuführen.
Ob ich wirklich in meinem Stil kommen darf?
Gerne würde ich Rock und Stiefel zum schicken Oberteil tragen.
Aber kommen Andere dann doch so richtig, richtig schick, werde ich mich unwohl fühlen.
Meine Oberteile sind alle schwarz und es könnte zu sehr nach Party aussehen oder vielleicht sogar zu leger – was also bedeutet dieser Spruch für eine Frau?
Warum schaffe ICH es, auch einen einfachen Spruch zu verkomplizieren!? 😉
Ob es reicht, die Haare wie immer zu tragen?
Ich möchte mich wohlfühlen und kein „Geschiss“ machen, mag sie offen tragen.
Welche Dichte sollte wohl die Strumpfhose haben? Fein sicherlich, aber schwarz, denn etwas schick sollte es ja schon sein.
Oder bestelle ich doch nochmal auf die Schnelle ein Kleid zur Auswahl?
(Dieser unsichere Gedanke kommt mir selbstverständlich unter Panik knappe dreißig Stunden vor der Feier!)
5. Bleibt am Nachmittag Zeit für Erledigungen?
Nach der Kirche bleibt noch Zeit, um wieder nach Hause zu fahren. Gehe ich dann groß einkaufen oder backen wir noch ein paar Zombie-Kekse?
Muss die große Tochter nochmal in den Stall? Sie hatte etwas von „Arbeitsdienst“ erzählt.
Im Zweifel müsste sie der Bruder fahren.
Das sollten wir unbedingt im Vorfeld noch abstimmen, damit er sich nicht überrumpelt fühlt und falls er andere Pläne hat.
6. Mein introvertiertes Ich & das schlechte Mutter-Gewissen
Werde ich den Abend genießen können oder bleiben meine Gedanken zu Hause bei der Dreizehnjährigen?
Es war unser Ding, um die Häuser zu ziehen und im Anschluss den Tisch mit den irrwitzigsten Snacks zu decken.
Jetzt wird es für sie im Zweifel ein Abend wie jeder Andere.
Was, wenn ich mich unwohl fühle und sich nur der Mann amüsiert.
Oder noch schlimmer:
Was, wenn es Paartanz geben wird!!?
(Mein absoluter Endgegner. Der Horror als Frau ohne jegliches Taktgefühl – manchmal sogar in zweierlei Hinsicht. 😉 )
Wie lange werden wir wohl bleiben und was mache ich, wenn ich niemanden zum Reden finde?
Vielleicht werden sich Einige sogar fragen, warum ich überhaupt eingeladen bin.
7. Muss ich dann noch Küche aufräumen!?
Wie wird die Küche aussehen, wenn wir nach Hause kommen?
Ich muss unbedingt den Kindern nahe legen, dass sie alles wieder wegräumen müssen. Ich mag nachts nicht noch aufräumen.
Nur einmal möchte ich auch einen schönen Abend haben – ohne im Anschluss Pfannen zu schrubben und Ceranfelder entfetten zu müssen!
Ich bin hin- und hergerissen
Und so kommt es, dass ich meistens schon VOR dem eigentlichen Event mental erschöpft bin.
Weil das Karussell im Hirn schon Kirmes spielt, lange bevor ein Buffet bei Kerzenschein eröffnet ist.
Weil ich als Mama mich nicht einfach nur ins Auto setzen – und losfahren kann.
Und weil mein Herz hin und hergerissen sein wird.
Es flackert zwischen dem Wunsch, sich endlich auch mal zurücklehnen zu können, und bei feinstem Wein und köstlichen Speisen zu genießen und dem, dem jüngsten Kind die Freunde zu ersetzen – und Freude wieder zu geben.
Ich schwanke schon im Vorfeld zwischen Vorfreude, denn ich mag das Paar und gewiss einige der Gäste sehr – und zwischen der Angst, unterzugehen und sich fehl am Platz zu fühlen.
Ich muss vorsorgen und organisieren, um ein paar Stunden verschwinden zu können – und sind die Kinder schon so alt.
Ja, ich muss mich erst anspannen, um dann – hoffentlich – entspannen und loslassen zu können.
Weil all‘ diese (teils unnötigen) Gedanken und Tabs im Hirn, wenige Stunden vor einem Event, noch immer Mütter-Sache sind.
Inhale, exhale – weiter geht’s!
Eure
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