Nobody said it was easy – die Schattenseiten eines öffentlichen (Familien-) Blogs

Als ich vor vier Jahren völlig naiv und blauäugig mit dem Bloggen anfing, war zunächst alles ein Riesenspaß und Abenteuer!
Ein Experiment, von dem ich nicht wusste, wie weit und wohin es mich führen sollte.

Schreiben wollte ich!

Möglichst lustig und selbstironisch!

Menschen dabei erheitern und mir selbst eine willkommene Auszeit vom durchgetakteten Mama-Alltag verschaffen.
Etwas für mich, mein Ding, meine Ausflucht.
Etwas, das MIR gut tut.

Nachdem ein paar Zeitungsartikel auf der Gastautoren-Seite der Lokalzeitung als erste Selbstversuche erstaunlich großen Anklang fanden, fühlte ich mich bestätigt und motiviert, künftig weitere lustige Erzählungen aus dem Alltag mit drei Kindern „irgendwo hin zu packen“.

Was spätabends im Bett bei einem Glas Weißwein mit der banal-simplen Google-Suchanfrage

„Wie erstellt man einen Blog“

begann, findet…

….sich heute als Mamablog auf Seite1 von Google wieder, hat sich mittlerweile einen Namen gemacht und im Gegensatz zu vielen anderen Blogs, die aus einer Spontaneität beginnen, überlebt!!!

„Mama steht Kopf“ wuchs und wurde erfolgreicher

Und – vielmehr als das – ist im Laufe der Jahre auch ganz natürlich und organisch gewachsen! 🙂

Lustigen Geschichten und Erzählungen aus dem Reisetagebuch folgten schnell tiefere Gedanken und auch ehrliche Worte über das Leben und all‘ jene Empfindungen und Gefühle als Mama, aber eben auch als Frau!

Etwas, wofür mich viel Dank und Lob erreichte!

So viele positive Worte erreichten mich!

Als ich nach nur wenigen Monaten bereits die Möglichkeit hatte, meine Texte auch auf den ganz großen Plattformen teilen zu dürfen, bedankten sich Frauen und Mütter persönlich bei mir dafür, ihnen aus der Seele zu schreiben!

Liebevolle, erleichterte Worte und direkte Nachrichten an mich, die mir Tränchen der Rührung in die Augen trieben!

Kein „normaler“ Blog

Denn von Beginn an war für mich klar, nicht einen dieser emotionslosen und Berührungs- sowie Angriffs-resistenten Koch-, Bastel- und Back-Blogs führen zu wollen.
Alles schön safe in Pastellfarben. Ohne jegliche Angriffsfläche.
Also langweilig und brav! 😉

Anders wollte ich sein!

Offen, ehrlich, authentisch.
Mich abgrenzen. Vielleicht sogar eine Nische finden.

Nun, ich wage zu behaupten, das ist mir sogar ein klein wenig gelungen! 🙂

Doch war ich mir zu Beginn nicht wirklich der Schattenseiten und Konsequenzen bewusst, die ein solcher Weg – eine solche Entscheidung – mit sich führt.

Es sollte sich zeigen, dass ein Blog, wie ich ihn führe und schreibe nun einmal polarisiert.

Entweder man mag es und liest mit Begeisterung – oder meine Art und Weise zu schreiben stößt übel auf und macht sich unbeliebt.

Lustigerweise ein gedanklicher Ansatz, den ich gleich zu Beginn – bei meiner allerersten Blogvorstellung provokant mit

„love it or hate it“

selbst kommentierte.

Ich hatte es wohl innerlich schon ahnen können.

Wer bloggt muss auch Shitstorm-erprobt sein

Mit den großen Plattformen erreichte mich aber nicht nur viel Lob und dankende Worte, sondern – gerade bei gesellschaftskritischen Themen und den ewigen (traurigerweise) stattfindenden Debatten und Streits zwischen Müttern – zornige, beleidigende und vernichtende Kommentare.

Ich lernte, was „Mütter-Bashing“ ist.
Denn es ist unvermeidlich, dass manche Menschen sich nun einmal angegriffen fühlen – und mit schärfsten Geschützen virtuell zurück feuern.

Mit so etwas klarzukommen, das zu ertragen, ist gerade für einen hochsensiblen Menschen wie mich nicht immer leicht!

Ich musste lernen, Kommentare bewusst nicht zu lesen – und die lobenden Worte, die mich weiterbrachten, herauszufiltern.

Musste stets den Mut aufbringen, weiterhin an mich zu glauben.

Ich habe auch Fehler gemacht

Doch auch ich leistete mir in den vergangenen Jahren den ein oder anderen Fehltritt in Wort und Schrift!

Ich kann nicht abstreiten, Texte verfasst und veröffentlicht zu haben, die sich im Nachhinein als nicht allzu klug erwiesen haben.

Doch nur in äußerst seltenen Fällen entschied ich mich dazu, einen meiner Beiträge, die nicht selten aus der reinen Emotion entstehen, gänzlich von dieser Seite hier zu entfernen.

Noch immer stehe ich dazu, Texte primär nicht löschen zu wollen –  auch wenn’s mal daneben ging!

Denn all‘ das bin nun einmal ich!

Ich habe gelernt, wie mich das Schreiben befreit und therapiert, welch Bedeutung und welchen Stellenwert dieses „Hobby“, welches schon seit einer Weile keines mehr ist, für mich hat!

Wie es mir in nicht seltenen Fällen sogar den „Arsch“ (und genau jenes Vokabular wurde mir jüngst zum Verhängnis 😉 ) und die eigene Seele, das Seelenheil, rettet!

Nicht immer habe ich mich dabei korrekt verhalten, denn Schreiben und das Formulieren, das Formen von Worten und Gedanken bedeutet ebenfalls auch eine gewisse Form von Macht, derer man sich manchmal nicht immer bewusst ist.

Ich habe Menschen vor den Kopf gestoßen und selbst die mir Liebsten mit scharfzüngigen, unbedachten Bemerkungen verletzt.

Das tut mir im Nachhinein sehr leid!

Denn auch ich sollte Worte und Texte wohl bedacht formulieren!

Nicht zu viel, nicht zu verbogen und verkrampft – denn ich muss ICH bleiben können – aber auch ich habe Grenzen im Laufe der letzten Jahre lernen und erfahren dürfen.

Ich lerne nie aus

Ich sehe all‘ das als natürlichen Prozess und bin stolz darauf, die interessantesten Projekte und wunderschönsten Pressereisen im Zusammenhang mit diesem, meinem Baby durchlaufen zu haben!

Und das alles als „One-Woman-Show“ ohne Hilfe und Unterstützung!

Kooperationen mit Unternehmen kamen vermehrt hinzu und machten aus einem anfänglichen Spaß längst ein kleines Business, welches mein Herz bei jedem neuen Auftrag zum hüpfen bringt – und eine Leidenschaft in der ich voll und ganz aufgehe.

Dass es auch Menschen gibt, die das doof finden, war mir stets bewusst. Und in den vergangenen Wochen durfte ich abermals spüren, welche Schattenseiten eben auch das Führen eines öffentlichen (Familien-) Blogs haben kann!

Ein anonymer Brief

Ich wollte ursprünglich nicht darüber schreiben, aber Ihr da draußen solltet es ruhig wissen!

Auch wenn ich dadurch nun einem Menschen eine Plattform einräume und Aufmerksamkeit schenke, die er eigentlich ganz und gar nicht verdient hat!

Es trug sich zu, dass wenige Wochen vor den Sommerferien ein anonymer Brief jene Schule erreichte, in welcher ich ehrenamtlich in der Nachmittagsbetreuung der Grundschulkinder mitwirkte (Ja, Vergangenheitsform!).

Einmal in der Woche für zweieinhalb Stunden in der Hausaufgabenbetreuung – kein großes Ding! Aber ein Herzensjob eben.

Eine Tätigkeit, die im übrigen rein gar nichts mit meiner Seite hier zu tun hat!

Und vielleicht sollte ich darauf hinweisen, dass jeder Blogger in der Lage ist, zwischen Texten, die er verfasst und anderen Aufgaben wohl zu differenzieren!

Nun aber war jener Mensch der Meinung, eine Frau, die so offen und ehrlich über ihr Familienleben und ihre Muttergefühle bloggt UND auch noch hin und wieder ein paar schelmische und selbstironische (!) Gedanken als Frau äußert, solle nicht mit Kindern anderer Familien zusammen sein.

Das war gewiss nicht der Original-Ton jenes Schreibens – ich drücke mich hier wohl eher gelinde aus.

Lange Rede, kurzer Sinn – man sah sich aufgrund dessen leider in der Situation, mich vor die Wahl zu stellen:
Blog oder ehrenamtliche Tätigkeit…

Lieber gemeiner Mensch,

es ist Dir gelungen, einen kleinen Herzensjob von mir zu nehmen. Gratulation!

Ich gehe davon aus, es ist genau DAS, was Du erreichen wolltest!
Mein Blog rückte in den Fokus – und ich musste etwas aufgeben.
Mich entscheiden.

Nun, das Ergebnis siehst Du hier schwarz auf weiß.

Nicht aber siehst Du die Tränchen, die flossen.

Du siehst aber ebenfalls nicht die Kraft, die gerade in mir beginnt zu wachsen und den starken Willen an mich und diese Sache hier zu glauben!

Doch ist es nicht traurig und unfair, jemandem mutwillig etwas zerstören zu wollen, was bedeutsam für diesen Menschen war?
Musste das wirklich sein? Und das aus einer Anonymität heraus?

Ich bin traurig und fassungslos obendrein, dass in einem Land, in dem Meinungs- und Pressefreiheit herrscht, nicht einmal ein simpler Mütter-und Familienblog vor derartigen Beschuldigungen und allen damit leider verbundenen Konsequenzen gefeit ist.

Schade – daran hatte ich auch nach vier Jahren nicht im Traum gedacht.

Allen denjenigen, die hier mit Begeisterung lesen, mich aufbauen und hinter mir stehen sei gesagt:

Die Reise geht weiter!

DANKE! Dass es Euch gibt!

Eure 

Alex

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5 thoughts on “Nobody said it was easy – die Schattenseiten eines öffentlichen (Familien-) Blogs

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