Solange ich noch auf dem Spielplatz sitzen darf – Zukunftsgedanken

10+

Es war mir eine Weile ein Graus.
Ja, ganz ehrlich.

Ich fand’s furchtbar langweilig und hätte in der Zeit lieber die effektivsten Dinge angestellt.
Hätte gerne Anstehendes erledigt und wäre liebend gern ein klein wenig schneller vorangekommen.
Nur so’n bisschen wenigstens.

Statt mit den Schuhen im grobkörnigen, staubigen Sand zu stehen und Hilfestellung zu geben.
Hier auf dem örtlichen Spielplatz. 
Immer und immer wieder.

So, wie es gerade Mama und Papa von Klein-Konstanze (*Name von der Autorin geändert 😉 ) gerade tun.
Absolut hingebungsvoll ermutigen beide (!) das unbeholfene schüchterne Mädchen – vermutlich (nein ganz sicher!) das erste Kind – den Schwung die kurze, metallene Rutsche hinunter zu wagen.

„Möchtest Du es nicht noch einmal versuchen, mein Schatz?“

spricht Konstanze-Papa im absolut korrekten Hochdeutsch.

Konstanze-Mutter, Enddreißigerin im Seidentuch, zückt derweil die Apfelschnitzchen und Feuchttücher.
Stets darum bemüht, das kleine Kind so hygienisch rein wie nur möglich zu belassen.
„Die sind nicht von hier“
muss ich in diesem Moment unweigerlich denken.

Besuch aus dem feinen Norden, vermutlich Großstadt, so stelle ich mir das schon eher vor.

Und ganz sicherlich wird Konstanze-Mutter in den nächsten Monaten bereits wieder voll in’s Berufsleben einsteigen und nahtlos die führende Position eines großen Konzerns wieder übernehmen.
Konstanze wird ihre Apfelschnitzchen von einer staatlich geprüften Tagesmutter bekommen und ebenfalls von dieser die Kieselsteine aus den piekfeinen Schühchen gepustet bekommen.

Nun, dem Alter, in dem ich an der Rutsche Hilfestellung geben muss, bin ich längst entwachsen.
Während ich also hingegen mit meiner Latte auf der Bank in der Sonne sitze, werden alle jäh aus ihrem emsigen Treiben gerissen:
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Nur eine Kiste – Schreiben wollte ich schon immer!

16+

Es war einer dieser Tage. Gestern.
Einer der Tage, die mich betrübt an mir selbst zweifeln und Bestehendes in Frage stellen ließen.
Orientierungslos fühlte ich mich, nicht in der Lage bestärkt und gestärkt an mich selbst zu glauben.
Und eigentlich sollte ich jetzt an dieser Stelle dringendst (!) diese Einleitung überarbeiten (melancholische Heulboje!), denn nicht wenige meiner Texte fangen seltsamerweise genau so an.
Mach ich aber nicht, denn is‘ halt so. 😉

Und dann fand ich diese weiße Kiste.

Beim Aufräumen. Einfach so. Viele Jahre schon stand sie da auf dem Schrank, überzogen von einer dicken Staubschicht.
Darin befindlich Dinge mit besonderem Wert.
Erinnerungsstücke, welche man – gerade als Mama – niemals ausmisten und vergessen sollte.
Weil wir an einigen Dingen hängen und beim Anblick derer sentimental seufzen und in längst vergangenen Zeiten schwelgen.

„Memmem“
so nannte der große Sohn beispielsweise seinen heißgeliebten Schnuller.

Welcher irgendwann, nach dem zweiten Geburtstag, “zufällig“ im Haus verloren ging und nie wieder aufzufinden sein sollte! 😉
Denn er war ja in der „Baby-Erinnerungsbox“ –  und der Schnuller schnell abgewöhnt.
Jetzt fiel er mir wieder in die Hände.

Eine schlichte weiße Pappbox also mit vielen Kostbarkeiten drin.
Ultraschallbilder und Stilltagebücher (ja, beim ersten Kind führt Frau noch Still-Tagebuch! 😉 ).
Krankenhausfotos & Co.
Und auch von mir an die eigenen Kinder geschriebene Briefe und Baby-Tagebücher.

Und ein Text lag darin.

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Das blöde Handy! Warum wir Eltern auch nicht besser sind.

22+

„Zerstreute Elternschaft“. So steht es schwarz auf weiß gedruckt in der Zeitschrift.
In der Zeitschrift, welche neben mir auf dem Esstisch liegt.
Neben dem zur Seite geschobenen Geschirr vom Abendbrot, zerknüllten Feuchttüchern und abgezogenen Wursthäuten.

Die Zeitschrift, die auch nur deshalb gerade da auf dem Tisch liegt, weil mein Handy im Schlafzimmer am Ladekabel hängt!
Denn wäre dem nicht so, ich wage zu behaupten:
Auch jene Zeitschrift würde ungelesen zum Altpapier-Stapel wandern. Wie so viele schon zuvor.
Was mich gleichermaßen nachdenklich und ein klein wenig traurig stimmt.

Denn ich würde stattdessen höchstwahrscheinlich genau jetzt gelangweilt scrollen.

Würde Instagram-Bildchen glotzen, schnell Facebook checken, Mails und Whatsapp-Nachrichten lesen, die Headlines der Online-Ausgabe der Tageszeitung überfliegen oder die Besucherstatistik dieses Blogs abrufen.
Alles belanglose und weniger anspruchsvolle Dinge.

Weil ich gerade müde vom anstengenden Tag bin und die Kinder jetzt gerade friedlich auf dem Wohnzimmer-Teppich spielen.
So wie sie es immer nach dem Abendessen tun.
Und weil wir Erwachsenen in solchen Momenten, in den kleinen Pausen zwischendurch, immer zum Handy greifen!
In der Meinung irgendwie doch effektiv sein zu müssen, jede freie Minute des Tages ausschöpfen zu müssen.

Um bloß keinen geistigen Leerlauf zuzulassen!

Den Kindern einfach mal entspannt beim Spielen zukucken? Nix tun? Wozu?
Merken die doch gerade eh nicht!

Weil es für UNS schön sein könnte! Verdammt!

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Wenn die Schulzeit zum Albtraum wird

26+

„Da bin ich so froh, dass wir mit Dir damals überhaupt keine Probleme hatten“.

Ich war in der Heimatstadt und hatte nach einem Termin in Zusammenhang mit diesem Blog spontan die eigenen Eltern besucht, um für einige Minuten auf einen Tee und kurzen Plausch zu verweilen.
Bis ich wieder weiter ziehen und die Kinder von Kita und Schule abholen musste.
Gesprächsinhalt in der relativ knappen Zeit war unter Anderem auch das Thema „Mobbing während der Schulzeit“.

Und beinahe hätte ich mich am heißen Tee verschluckt, als ich die zuvor gesagten Worte aus dem Mund des eigenen Vaters hörte und nach einer kurzen Weile schließlich verarbeitete.

Da saß ich also vor einigen Wochen in der Küche meiner Eltern und alles an das sie sich erinnern konnten, war eine ruhige und nicht weiter erwähnenswerte Schulzeit der großen Tochter.
Alles „normal“ und nicht der Rede wert.
Und in diesem Moment bleib ich diejenige, die einfach nur ruhig da saß und sich nix anmerken ließ.

Ungefähr so musste es wohl auch damals gewesen sein.
Denn was meine Schulzeit und insbesondere die Jahre als pubertierender Teenager betrifft, scheinen sich Geister zu scheiden – und Erinnerungen ein klein wenig verzerrt zu sein.
Doch kann ich den eigenen Eltern überhaupt nix vorwerfen.

Ich glaube, ich war seinerzeit wirklich nicht in der Lage zu reden.
Darüber, was in mir vorging und wie es der eigenen Seele ging.
Ich schwieg und ließ Jahre verstreichen.

Doch möchte ich dies heute, fünfundzwanzig Jahre später, gerne ein klein wenig nachholen.
Weil es mir aktuell ein besonderes Bedürfnis ist.

Denn Fakt ist:

Meine Schulzeit war der Horror! mehr „Wenn die Schulzeit zum Albtraum wird“

Nur ein Tag – Gedanken zum 40. Geburtstag

15+

Es hätte besser laufen können. Gestern.
Fröhlicher hätte ich sein können.
Etwas weniger müde und geschlaucht, ohne dieses ausgelaugte, bleierne Gefühl, welches mich ausgerechnet an diesem Tag lähmen sollte! Strahlender hätte ich sein sollen und im großen Stil feiern. Nicht ganz ruhig, still und heimlich.
Schließlich gehört sich dies so für einen runden Geburtstag, oder etwa nicht?
Doch wollte ich es ja genau so haben, arbeitete ein klitzekleines bisschen auch bewusst darauf hin, dass ich hier einfach nur von einem (ziemlich gewöhnlichen) Tag von vielen schreiben kann! 😉

Ich hatte mich gegen die große Sause entschieden.

Aus mehreren Gründen. mehr „Nur ein Tag – Gedanken zum 40. Geburtstag“

Aus der Spur

12+

Ich fühlte mich wie ein alter, rostiger Zug. Gestern.
Müde und träge schleppte ich mich die zugewachsenen Schienen längst vergangener Zeiten hoch, ächzte bei jedem weiteren Meter.
Fühlte mich ohne Ziel und mit einer viel zu schweren Last auf den Schultern.

Viel zu überladen mit Pflichten und Gedanken und Menschen, die an mir hingen und nagten.
An den Türen waren sie, selbst auf dem Dach. Sie ragten gefühlt weit aus den Fenstern heraus, klammerten sich an mich, hingen an allen Seiten und rüttelten so sehr, dass der arme Wagon in’s Schwanken geriet.
Und wenngleich ich nicht wirklich ein Zug irgendwo inmitten Indiens bin, so fühlt es sich als Mutter manchmal so an.
Doch waren es diesmal nicht die Kinder, die mir zu viel abverlangten. mehr „Aus der Spur“

Nur eine Mutter?

16+

Keine Bezeichnung scheint heutzutage mehr gefürchtet und niederschmetternder als die,
„nur eine Mutter“ zu sein.
Es kommt mir so vor, dass wir Frauen in der heutigen Zeit nichts auf der Welt mehr bangen, als in diese eine Schublade gesteckt zu werden. Als so zu bezeichnet zu werden!

Ein „nur“ zu sein und ein Namens- und Identitäts-loser Begriff.
Auf das „Mutter“ sollte mindestens ein „und“ noch folgen!
Und im Idealfall stelle dieses „und“ bitte sehr schon einmal gar nicht „Hausfrau“ dar.

Es geht mir ja selbst so, denn als „nur Mutter“ bezeichnet zu werden oder sich gar selbst an dunklen Tagen als solche zu sehen, nix scheint deprimierender, kontraproduktiver und sogar ein klein wenig schädlicher!
Für uns, für unser Seelenleben, fürs Selbstwertgefühl, für die Sicht auf das eigene Ich!

Die Bezeichnung „Mutter“

Mir selbst ist in der Vergangenheit oft aufgefallen, dass insbesondere bei Terminen, die mit den Kindern zu tun haben, in Gesprächs-Protokollen & Notizen immer nur die Rede von „der Mutter“ ist. mehr „Nur eine Mutter?“

Wenn Kinder (& Mütter) Tics haben…

7+

Dann ist das gar nicht schlimm!
Und eigentlich wäre jetzt mein Blog Post mit dieser Feststellung schon wieder zu Ende!
Wozu weiterschreiben, wenn ich die alles erleuchtende Erkenntnis bereits gleich zu Beginn raus gehauen habe?
Das Pulver ist verschossen, doch möchte ich damit auch gleichzeitig Wind aus den Segeln nehmen!
Sofort in die rechte Richtung lenken. Denn ich möchte mich hier nicht über Tics der Kinder beschweren und ausgiebig auslassen, sondern lediglich reflektieren und das Thema entschärfen.
Für mich selbst und für alle Anderen! 😉

Seit Wochen macht sie es schon

mehr „Wenn Kinder (& Mütter) Tics haben…“

Lasst die Kinder fliegen

5+

Ich breite die Arme aus und gleite zu „Hava Nagila“ durch den Raum. Lasse mich von der Musik treiben und genieße den Moment. Einfach so. Und erlebe gerade den schönsten Augenblick seit Beginn dieser Reise, die ich nun in Begriff bin, in wenigen Minuten abzubrechen. Sie vor der eigentlichen Destination zu beenden, weil’s mir am Ziel zu kühl und ungemütlich geworden ist.
Doch soll man nicht genau dann auch aufhören, wenn’s am Schönsten ist?

Gilt diese Weisheit auch für Verpflichtungen, Engagements und kleinere Jobs? War es richtig, auf das eigene Bauchgefühl gehört zu haben?
Bislang war es das immer! Ganz gleich worum es sich handelte und was ich tat! Auf meinen blöden Bauch war stets Verlass.
Aber warum will mir nun diese – wider Erwarten magische – Situation, dieser verzauberte Moment, gerade weiß machen, ich hätte falsch entschieden?

Warum ist es denn ausgerechnet jetzt schön? mehr „Lasst die Kinder fliegen“

Heute bin ich traurig: Wenn die Seele heilen muss

4+

Sie hat es auf mich abgesehen. Diese lästige, verflixte Fliege.
Eine der wenigen Überbleibsel eines viel zu warmen, doch ganz und gar zauberhaften Herbstes. Lässt sich immer und immer wieder penetrant auf meinem Kopf nieder, surrt mir laut ins Ohr und will mich einfach nicht in meinem Trübsal in Ruhe lassen.

Als wolle sie mich aufscheuchen, mich zum Wieder-Aufstehen zwingen, mich davon zu überzeugen, dass das Leben wunderschön und schillernd ist.
Als wolle sie mir lautstark in’s müde Ohr summen, endlich an all‘ meine eigenen Worte zu glauben. An das Feuerwerk im Kopfe und im Herzen, von welchem ich erst vor wenigen Tagen drüben auf Instagram schrieb.
Welches in genau jenem Moment auch präsent war und mein Herz mit Wärme und Dankbarkeit erfüllte. Dankbarkeit, diese wundervolle Familie, diese fantastischen Kinder zu haben. Dankbarkeit am Leben zu sein!

Und als wollten sie es ihr gleichtun, kitzeln mich nun ebenfalls Sonnenstrahlen auf der Nase. Draußen ist der Himmel knallblau und ich sollte einfach jetzt nicht hier liegen. Sollte an diesem freien, mir zur Verfügung stehenden Vormittag, an diesen drei Stunden, raus gehen! Die frische Luft in mich aufsaugen und mich bewegen. Ein- und Ausatmen und Sport machen. Ganz alleine, nur ich draußen am See.
So, wie ich es so gerne pflege zu tun, bietet sich einmal die Möglichkeit dazu.

Doch heute kann ich nicht. mehr „Heute bin ich traurig: Wenn die Seele heilen muss“