Von Hormonen, Schokolade und dem Hulk in mir – eine Mutter auf der Suche nach sich selbst

Einmal im Monat ist es soweit. Es kommt und geschieht so sicher und unaufhaltsam wie die bucklige Verwandtschaft zu den Geburtstagen unserer Kinder. Ich habe alles versucht. Ich will es aufhalten, jedes einzelne Mal, ganz, ganz ehrlich. Aber ich komm nicht dagegen an. Selbst eine gewisse mit den Jahren als Frau, Mutter und Ehefrau ausgereifte Selbstkenntnis kann nix dagegen tun. Es will mir nicht gelingen das eigene Ich zu überlisten. Oder bin das dann gar nicht ich? Kurz: Mutter prämenstruiert!!

Das bedeutet nicht nur, dass sich plötzlich Tonnen an Schokolade, Eiscreme, Milchschnitte, Pinguin und Kekse im Haus befinden. Selten so dankbare Kinder gehabt und so strahlende Kinderaugen gesehen.  Nein, es bedeutet die Hölle! Für ALLE!

Mutti wird zum fleischgewordenen Hulk, zum leibhaftigen Kummer in Person, zur wildgewordenen Furie und Bestie, der nichts aber auch gar nichts und niemand auf der Welt genehm ist. Überhaupt ist die ganze Welt dann gegen mich. Längst vergessene Songs wie “Creep“ oder Becks “Loser“ sind an solchen Tagen plötzlich meine Hymne.

Und ich vermute übrigens bis heute auch dass genau dann, zu diesem Zeitpunkt, mein geheimes Alien Tattoo auf der Stirn aufleuchtet mit den folgenden, nicht ganz kindgerechten, Buchstaben: A R S C… usw. … Ihr wisst schon.

Ja, ganz genau! Du olle Kuh da vorhin beim Discounter! Hab ich etwa was auf der Nase? Loriot Effekt?( Ihr wisst schon…die Nudel! ) Oder warum haste mich vorhin so dumm von der Seite angeschaut. Zugegeben, vielleicht war es auch meine, ebenfalls zu dieser Zeit, leicht aggressive Ader, die mich dazu verleitet hatte das Toilettenpapier ein bisschen ZU schwungvoll in den Einkaufswagen zu….ähm….legen.

Und ist schon klar dass immer nur ich allen  Leuten Whatsapp & Co. schreibe und keiner mir zurück antwortet. Und ich ja sowieso plötzlich keine Freunde mehr habe, meine Schwiegermutter eine giftspritzende Hexe ist und meine eigene Mama mich ja seit eh und je im Sticht lässt! Ich übertreibe gerade maßlos, I know! Werde ich in diesem Punkt eigentlich nie erwachsen?

Selbst meine eigenen Kinder sind zu dieser Zeit, die ich jedes Mal danach am liebsten „blitzdingsen“ würde, gegen mich. Da reicht der Kommentar der Dreijährigen: „Du solltest hier nicht mehr wohnen weil Du bist gemein zu mir“ (der Papa wurde schon Millarden Mal rausgeschmissen) zum tränendurchfluteten Amoklauf. Und überhaupt? Warum ist mein Mann nochmal mit mir verheiratet? Und ich bin mir sicher, todsicher, DAS fragt der sich in jenen wolkenbehangenen zutiefst dunklen Tagen auch!

Aber warum ist das eigentlich so? Warum sind Frauen (ja, schon gut gewiss nicht alle) solche hormongesteuerten Primaten? Und ich bin wirklich einer! Ich erzähle Euch jetzt nicht was in den anderen Tagen, sagen wir so um den Ovulationszeitraum herum, passiert. Auch nicht jugendfrei. Nur so viel: Ich habe drei Kinder. Einen Ovulationstest hab ich nie gebraucht! Gut, verlassen wir das Thema wieder ganz schnell…

Schon mal daran gedacht, dass eventuell, nur ein ganz klitzekleines bisschen, vielleicht unsere Verhütungsmethode Ursprung allen Übels sein könnte? Oder das Grauen zumindest leicht verstärkt?

An Alle, die nicht verhüten, Ihr könnt an dieser Stelle aussteigen…

Ich für meinen Teil, mache übrigens für meine monatlichen temporären sowohl geistigen als auch emotionalen Totalaussetzer einzig und allein die Firma XYZ, genauer gesagt die Hormonspirale,  verantwortlich! So! Das ist doch DIE Erklärung! Ich kann gar nix dafür! Konnte ich nie! Zumindest fiel mir kürzlich ein Zeitungsartikel in die Hand der entsprechendes behauptet. DA bin ich jetzt aber fein raus!

Aber ähnliche Studien und Berichte gibt’s ja seit jeher, immer angeblich ohne konkrete Beweise. Trotzdem: Habt ihr mal allein „Spirale“ und „Nebenwirkungen“ gegoogelt! Dass ich überhaupt noch am Leben bin!

Und ich muss mir wirklich eingestehen. Ich war in meinem ganzen Leben nie so ausgeglichen wie in meinen drei Schwangerschaften! Da muss doch ein Zusammenhang bestehen?!

Und wieder wären wir Frauen die Leidtragenden. Was also tun? Hormonspirale? Kupferspirale? Oder gar Sterilisation?

Nope, liebe Verwandtschaft, ich weiß dass Ihr Euch das so sehr wünscht um auch nur das geringste Restrisiko eines viertes (!) Kindes ausschließen zu können. Aber den Gefallen tu ich Euch nicht!

Scheint also so als haben wir Frauen die Wahl zwischen Herzinfarkt und Schlaganfall oder nervöse Furie die einmal im Monat droht sich von der nächstbesten Brücke zu stürzen. Geil.

Ein auswegloses Gedankenkarussell.

Mir bleibt daher nur zu sagen, liebe Leute, die mich kennen. Es tut mir leid! Ich will das wirklich nicht. Und auch wenn ich in jenen Tagen grausam, giftig, gemeim und gehässig bin, mich hässlich fühle und das deshalb wahrscheinlich auch bin…Ich bin eine liebe Frau, ganz, ganz ehrlich. Versprochen!  Bitte bleibt meine Freunde und habt Nachsicht mit der Mutti. Die is nur wieder ferngesteuert. Ein Opfer ihrer selbst. Alles wird gut! Die Sonne scheint auch wieder. Ich seh sie schon. Ganz da hinten, versteckt am Horizont. Es klärt schon auf, auch in Muttis Hirn.

Und übrig bleibt wie immer, einmal im Monat, der quälende Gedanke: WAS zum Teufel, pardon Hulk, hab ich nur getan!?


3 Gedanken zu “Von Hormonen, Schokolade und dem Hulk in mir – eine Mutter auf der Suche nach sich selbst

  1. samybee Antworten

    Hm – ich verhüte nicht und bei mir läuft es genauso ab wie bei Dir… vorsichtig ganz leise frage ich also an, ob es vielleicht nicht an der Hormonspirale liegen könnte *wegduck ubd Deckung such*. Aber trotzdem sind wir nicht selber Schuld (*langsam aus der Deckung hoch komm*), denn bisher habe ich das Rädchen oder Knöpfchen, mit dem ich da an mir etwas einstellen könnte noch nicht gefunden ?

    1. mamastehtkopfblog Antworten

      Wahrscheinlich werden wir den Schuldigen auch wirklich nie beim Namen nennen können. Aber halten wir doch einfach fest: Wir sind’s nicht! Scheiß Hormone! 😉

  2. […] mein anderes  -mir unheimliches – Selbst und ich. Ich habe mittlerweile SO viel darüber gesc... https://mamastehtkopfblog.wordpress.com/2018/01/27/die-neutrale-phase-zeit-zum-durchatmen

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