Von Langschläfern, Nachteulen und dem frühen Vogel

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Guten Morgen! Nein, guten Morgääähn! Aber eigentlich ist der gar nicht gut. Er ist furchtbar, duster, kalt, trostlos und wirklich unverschämt jung. Denn, es ist Sonntag! Morgens um sieben. Und Mutter hat schlechte Laune. Verdammt schlechte Laune. I am not a morning person, die Morgenstund kann mich nämlich mal kreuzweise! War schon immer so.

Seit ich denken kann. Ich war das Kind, das nachts hellwach im Bett lag und ein Astrid Lindgren Buch nach dem anderen verschlang, während Mama und Papa längst schlummerten. Und ich war und bin auch seit jeher diejenige, die überall ein kleines bisschen zu spät erscheint. Zumindest geht es um morgentliche Termine!

Ein Wunder, dass es mir heutzutage gelingt alle meine Kinder pünktlich und (meistens) stressfrei vor Acht in Schule und Kindergarten zu schaffen. Für mich schon die erste Herausforderung des Tages!
So früh (der Wecker klingelt um kurz nach sechs) bin ich zu arbeitenden Zeiten nie aufgestanden! Ja, ich war vielmehr diejenige, die zum spätmöglichsten(Gleit)Zeitpunkt, also gegen halb neun, an der Arbeit erschien. Meist außer Puste, verschwitzt und natürlich ohne Frühstück und Kaffee intus. Und ich wohnte in der Innenstadt, drei Fahrradminuten vom Arbeitsplatz entfernt. Ihr könnt Euch denken, wann ich aus dem Bett gefallen bin.

Und erst die Wochenenden! Was war das herrlich! Damals noch in eben jener Studentenbude! Der eigentliche Student war nur mein Mann. Dafür konnte ich aber länger als wirklich JEDER Student schlummern. Wäre „Snooze-Tasten-Drücken“ und anschließendes Wieder-Einschlafen eine olympische Disziplin, die Medaille wäre mir sicher gewesen!

Aber jetzt habe ich Kinder. Ausschlafen und bis in die Puppen wach bleiben…jetzt eigentlich ein unmögliches Unterfangen. Oder eine meiner größten Herausforderungen. Need more snooze! Was also tun?
Ich wählte den für mich bequemsten Weg (ganze drei Mal!) und gab nicht etwa nach, sondern versuchte alle meiner Kinder ebenfalls zu meinen Gunsten zu erziehen.
Mehr oder weniger mit Erfolg und allen damit verbundenen Folgen.
Denn, während ich das hier schreibe, schläft mein Größter (und nicht nur der) immer noch.

Nur die zwei entzückenden Blondinen, ja die machen mir hin und wieder einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. So wie jetzt. Aber dazu gleich.

Fakt ist, und das gebe ich zu meiner Schande zu, der Übeltäter bin ich! Aus mir wird nie mehr der frühe, Wurm fangende, Vogel werden. Ich bin die alte, bald graue Eule, die nix mehr zu futtern bekommt. Zum Beispiel eben im Hotelurlaub mit festen, viel zu frühen (!), Frühstückszeiten. Und meine Eulenbabies, ob angeboren oder eben antrainiert, auch nicht.
Ich bin daran schuld, dass alle meine Kinder Samstags Vormittags noch im Schlafanzug herumlungern. Und die von Freunden oder Verwandten stets am Telefon gestellte Frage, ob wir denn schon gefrühstückt hätten, mit einem inbrünstigen und überzeugten NÖ beantworten. Irgendwann ist es wohl auch dem Letzten aufgefallen, dass Mutter bei der Frage gerne mal aus der Haut fährt und ein „Ja“ in den Ferien oder am Wochenende sowieso so wahrscheinlich wie Schneesturm im August ist. Keiner stellt sie mehr. Wir sind offiziell die Späten, die Langschläfer, die, bei denen Samstags vor neun keine Rolläden hochgehen. Yup, Ziel erreicht.

Hat Vorteile, aber auch Nachteile. Mein Mann und ich zum Beispiel. Aufgrund unseres doch eher unterschiedlichen Schlafrythmus kann es durchaus auch mal vorkommen, dass wir uns weniger sehen als mit synchronen Schlafgewohnheiten. Ist logisch. Kann ich doch nix dafür, dass der Papa auf der Couch einschläft. Ist ja manchmal auch ganz nett und entspannend für das gestresste Müttergemüt.

Denn Nachts gehört alles mir! Ich kann tun und lassen was ich will! Auch wenn ich meistens dann doch nur die Wäsche mache oder nochmal in Ruhe durchwische. Aber ich bin und mach`s alleine! Die Dusche kann laufen so lange sie will. Ja, die Wasserkosten, ich weiß! Ausgiebige Körperpflege kann aber zelebriert werden, stört ja keinen mehr dass Frau so lange im Bad braucht. Die Fernbedienung ist in meinem alleinigen Besitz. Sport wird auch noch auf dem Crosstrainer (abends um elf) abgehakt. Ihr glaubt ja gar nicht, was für unbegrenzte Möglichkeiten sich der (Nacht)Eulen Mutti bieten!

Und jeden einzelnen verdammten Abend vergesse ich die Folgen. Temporäres Alzheimer. Jede Nacht. Die, nach einem maximal sechsstündigen komatiösen Schlaf (wenn`s gut läuft), folgende Apokalypse wird jedes Mal ausgeblendet. Aber hey! Das isses wert. Einfach zu geil, das Wachbleiben.

Nun, für die morgendliche Jogging Runde mit der Freundin muss ich mich dann allerdings zuvor erst mit zwei Tassen Kaffee dopen. Oder lieber gleich wieder absagen und Nachts crosstrainern. Und falls ich den Kaffee mal vergesse, oder noch keine Zeit dafür hatte, dann kann es durchaus mal vorkommen, dass die übernächtigte Mutter ihr Schlafdefizit tatsächlich während eines MRT ausgleicht. Neulich passiert. Klappt wunderbar. Und hätte die freundliche Computerstimme endlich mal ihre Klappe gehalten, das Geratter in der Röhre hätte mich in keinster Weise gestört.

Gesegnet sind Nachtmenschen trotzdem nicht immer. So bin ich mir sicher, todsicher, ich hätte meinen Mann niemals am frühen Morgen kennengelernt. Dann da bin ich nicht nur Flirt-Legastheniker, sondern auch der Grüffelo, Shrink und Hulk vereint in einer Person! Es erklärt sich von selbst (Achtung! Intimer Gedanke!), dass unsere Kinder allesamt nicht frühmorgens gezeugt wurden.

Ihr seht, bei uns herrscht eben einfach ein anderer Rhythmus. Und wenngleich ich mich, gerade in den Ferien, manchmal dafür schäme oder auch über mich selbst und meine Angewohnheiten ärgere. Es ist auch schön! Entspannt. Mittagessen erst um 14 Uhr, Abendessen 20.30 Uhr. Kein Problem. Machen die Südländer alle so. Entsprechen wir halt nicht der starren, deutschen Norm! Das versuche ich mir jedenfalls immer einzureden. Dann sitzen wir als Elternpaar eben nicht abends um acht vorm Tatort und packen Sonntags früh um sieben schon die Picknick-Ausflugstasche. Was soll`s schon. Das sind wir, unser eigener Familienkosmos. Unsere Tage sind deswegen nicht weniger ausgefüllt, abwechslungseich, aktiv und spannend. Nein, sie enden nur nicht so früh wie bei den meisten von Euch.

Und wenn`s eben ganz gut läuft, dann wird Mutti am Wochenende auch mit laaange schlafenden Kindern belohnt.

Heute nicht. Die kleine, nordische Blondine, jenseits aller südländischen Angewohnheiten, möchte: Butterbrot, Kakao, Pippi, Kacki, Fernsehen, Playmo spielen….Herrgott! Es ist mitten in der Nacht!
Zähneknirschend muss ich zugeben, dass vielleicht, möglicherweise, doch meine Kinder MICH erziehen. Aus dem Bett schmeißen sie mich schon mal.

Und so schwöre ich mir, wie jeden neuen anbrechenden Morgen, heute Abend da fang ich an. Da werd ich vorbildlich. Da leg ich mich früh ins Bett. Weit vor Mitternacht. Und ab morgen wird alles besser. Frisch, jung und ausgeschlafen, zu allem bereit (träum weiter Papa) starte ich in einen neuen noch unschuldigen Tag.

Ich glaub mir gerade kein einziges Wort. Das Beste ist, ich gehe hoch, wecke meinen noch lieblich schlummernden Ehemann, überlass ihm die hübschen Blondies und leg mich nochmal hin.

Neu anfangen? Das kann warten.
In diesem Sinne, allen, ob Eule, Vogel oder gefangener Wurm, einen wunderschönen Sonntag Morgen!


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