Du bist, was Du trägst. Wie Muttis tägliche Kleiderwahl den Gemütszustand beeinflusst – und umgekehrt

Ich habe heute ein Jeanskleid an. Eigentlich keine besonders außergewöhnliche Anmerkung und Tatsache. Nur, ich trage sonst NIE Jeanskleider. Und lachend steht mein Mann neben mir. Er lacht deshalb so lautstark weil er mich sofort durchschaut hat, weil er mich nach fast 18 Jahren in und auswendig kennt. Und anhand meiner Kleidung exakt meine Gemütslage erkennen kann.

Denn, nur das bockige, sture und „traurige“ Kind in mir trägt Jeanskleider. Die wütende Rotzgöre, die es allen zeigen will! Die sagen will: „Hey, schaut alle her! Heute trage ich ein süßes Jeanshängerchen! Weil, heute bin ich verletzbar und starrköpfig zugleich“ Oder einfach extrem geprägt von monatlichen Hormonschwankungen 😉

Aber heute ist es definitiv nicht mein cooles Ich, das vorhin aufgestanden ist. Das mit Nietengürtel, schwarzer Jeans und Top! Nicht das selbstbewusst-coole Ich. Nein, heute mache ich bewusst auf unschuldig und gleichzeitig widersprüchlich. Heute ist so`n Chucks oder Boots zum Jeanshängerchen-Tag. Verbunden mit dem Appell an alle Leute, die mich (vermeintlich!) geärgert haben: „Sehr nur alle her, ich bin süß und liebenswert! Sieht man(n) doch! Und ihr habt mich gestern nicht (mit der einen Packung Milch)an der Supermarkt Kasse vorgelassen, obwohl meine Kinder im Auto warteten“. Oder so ähnlich.

Ihr wisst, dass ich in meinen Texten immer maßlos überziehe ;). Wenngleich sich solch dramatische Szenen in der Tat ab und an in meinem Kopf abspielen. Zum Glück aber wirklich nur dort!

Aber ja, geliebter Ehemann, durchschaut! Man(n) sollte nicht meinen, dass ich eine erwachsene Frau bin! Und jetzt hock ich mich samt süßem Jeans-Hänger-Kleidchen ins Auto, dreh mal so richtig schön auf und hör…
„Killing in the name of“!
Des Widerspruchs wegen.
(Wer´s kennt outet sich jetzt hier automatisch als alt)

Doch ich bin mir sicher, ich bin nicht die Einzige, die mit ihrer täglichen Kleiderwahl ihre aktuelle Stimmungslage, ihr Innerstes nach außen flattern, schlabbern, funkeln oder eben hängen lässt!

Meine Kleider und Schuhe tun es jedenfalls. Sie reflektieren meine aktuellen Gefühle! Und ich habe viele! Schuhe und Gefühle.

Blöd nur, dass ich manchmal, früh morgens, noch lange vor dem ersten Kaffee, noch überhaupt nicht weiß, wie die Tages-Stimmungslage sein wird. Schlaftrunken wie ich bin. Und beim verzweifelten Versuch irgendwelche Klamotten aus dem dunklen Kleiderschrank zu fischen. Weil ich wieder nicht das Licht anmachen kann! Weil wieder alle in unserem Bett liegen!
Dann, ja dann kann später auch mal die gute Laune in die falsch ausgewählte Hose rutschen!
Eine gewisse Abhängigkeit besteht aber auf jeden Fall. Egal wie herum nun.

Ganz furchtbar sind dann auch die „Sparbüchsen-Tage“, wie ich sie nenne. Die einstige Lieblingsjeans und der verjährte Gürtel lassen bei jedem Hinhocker tiiief blicken. Ich hasse das! Merkt man meist auch erst später, wenn der Tag schon fortgeschritten ist und keine Gelegenheit mehr zum Umziehen ist. Mega nerviges Gefühl und die Frage…bin ich nun plötzlich zu fett oder zu dünn für die Jeans geworden? Meist entscheide ich mich für`s Gürtel in die Tonne kloppen. Der war bestimmt morsch und ausgeleiert! Und das Maurerdekolletee…überlass ich lieber dem Klempner.

Kaum trage ich übrigens zu Hause Joggingbuxen. Zum Einen weil ich mich eh nicht entspannen kann. Was, ich gebe zu, auch zum größten Teil an mir liegt. Und auch an der Tatsache, dass man mit drei Kindern immer auf`m Sprung ist und das Mama-Taxi irgendwo schnell hin muss. Das mache ich bestimmt nicht in der Jogginghose! So viel Eitelkeit muss sein.

Zum Anderen weil ich damit das typische Hausfrauen-Dasein verbinde. Und dieses Rollenbild – oder vielmehr die Bezeichnung – ja bekanntlich nicht so mag. Wenngleich seit Jahren nun die Jeans (im Idealfall ohne Sparbüchse) meine neue „Berufsbekleidung“ ist. Die Schlabberbuxe gibts meistens aber nur bei 40 Fieber….

Außerdem, von der früheren Berufsbekleidung, sprich Röckchen, Kleidchen und Heels (Nein! Nicht Escortservice! Bankkauffrau!) zum ausgebeultem Jogging-Beinkleid? Den krassen Wandel konnte ich unmöglich zulassen!
Das hätte meiner Empfindung nach sowas von „sich aufgeben“. Wie gesagt, muss niemand verstehen.

Und manchmal – wenn ich meine schwarze Biker-Lederjacke anhabe – bin ich sogar Super-Heldin! Zumindest wenn`s nach meiner Vierjährigen geht. Fehlen nur noch der Pferdeschwanz und die Biker-Boots und Mama-Lara-Croft rockt den ganzen Spielplatz. 😉

Am liebsten allerdings sind mir die „neutralen Tage“. Dann wenn der gröbste Hormonkram vorbei ist. Wenn alle Männer dieser Welt uninteressant sind und Mutti mit sich und ihrem Umfeld im Reinen ist! Durchatmen! Nein, dann bin ich nicht auf Johanniskraut, Tavor oder Eierlikör! Ohne die Wirkung zwei dieser drei Dinge überhaupt zu kennen. Es gibt sie wirklich, diese ganz bedeutungslosen, entspannten, normalen Tage. Auch bei mir.
Dann schlüpfe ich in meine Chucks und neue Lieblingsjeans. Shirt drüber. Lächeln auf`m Gesicht und gut is. Denn erstens, ihr kennt den Spruch mit der wahren Schönheit und zweitens werden Klamotten und Schuhe nicht völlig überbewertet?

Und sollte ich mal wieder, aus welchen Gründen auch immer, ein Jeanskleidchen tragen, dann will ich versuchen tatsächlich lieb und unschuldig zu sein. Dann flechte ich mir gleich noch nen Blumenkranz ins Haar und… höre trotzdem nie (niemals!) Helene Fischer!


Ein Gedanke zu “Du bist, was Du trägst. Wie Muttis tägliche Kleiderwahl den Gemütszustand beeinflusst – und umgekehrt

  1. […] oder gar ungepflegt. Das meine ich nicht.  Nein! Stark und Selbstbewusst! In einem anderen Bericht ... https://mamastehtkopfblog.wordpress.com/2018/01/27/die-neutrale-phase-zeit-zum-durchatmen

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