Wenn Mutti hinterm Küchentresen…., vom heimlichen Whatsappen & Schoko-vertilgen

Ich hocke hinterm Küchentresen auf`m Fussboden. Mal wieder. Denn genau genommen mach ich das immer mal. Eigentlich sitz ich seit 10 Jahren nur noch auf dem Fussboden. Alternativ hocke ich auch mal auf der Treppe, nur lässt sich`s da nicht so schön unbemerkt „verschwinden“.

Und ich habe Rücken, furchtbar Rücken. Denn ich sitze gefühlt zum ersten mal für heute. Warum ich dann nicht auf der bequemen Couch, sondern auf dem harten Fussboden sitze? Pah! Als ob! Lohnt sich ja eh net. Meine Ausruh-Zeitfenster haben eine durchschnittliche Zeitspanne von zwei bis maximal fünf Minuten. Eigentlich ist im Schnitt alle 90 Sekunden etwas. Zur Erinnerung: ich habe drei Kinder. Was bedeutet, dass sich Nachmittags tendenziell eher zwischen drei und acht Kinder lautstark in Heim und Garten tummeln.

Wofür also den Gang vom Wäscheberg (ja, ich lege die Wäsche in der Küche zusammen) zur Couch in Kauf nehmen? Kann ich ja gleich wieder umdrehen. Außerdem sitze ich schön versteckt in der Küche auf dem Fussboden. Weil es sich nur so herrlich heimlich den Duplo-Riegel der Kinder in den Kaffee tunken lässt. Und keiner sieht wenn ich mal Handy glotze oder gar Whatsappe!

Später werde ich den Kindern einfach sagen, sie sollen halt besser auf ihre Schokolade aufpassen wenn die schon wieder weg ist. Keine Angst! Sie werden trotzdem noch mehr als genug davon haben! Erklären kann ich mir das dubiose Verschwinden von Mr Chocofresh & Co. selbstverständlich nicht! 😉

Hach ja, Whatsapp! Ich liiiebe es! Wegen mir auch Threema oder gar – ganz Old School – E-Mail. Egal. Alles meine heimliche Verbindung zur Außenwelt! Schon mal versucht als Mama von drei Kindern zu telefonieren!? Moment, weitere Notiz auf der geistigen Optimierungsliste: Endlich der Achtjährigen Manieren beibringen! Wenn Mutti telefoniert quatscht keiner rein und stellt NICHT lebensnotwendige Fragen ohne deren sofortige Beantwortung unverzüglich die Apokalypse des gesamten Universums droht.

Gut, zurück zu den lebensnotwendigen, Apokalypse-verhindernden Dingen im Leben einer Mutter: Kaffee, Schokolade aus Mitgebseltüten, wieder Kaffee, Pizza, Ibuprofen, Handy, hatte ich eigentlich schon Kaffee?
Und eben Whatsapp!

Ohne diese geniale Erfindung hätte ich bestimmt schon längst keine Freunde mehr! Keiner würde mich mehr mit dem Allerwertesten auch nur anschauen! Ganz ehrlich! Ich wäre die treuloseste, alte, verfaulte Tomate aller Zeiten!

Aber eine Kurznachricht – ratzfatz gewischt per Swype – geht immer! Beim heimlichen Vorräte vertilgen. Einfach ein „Ich denk an Dich, hab nur keine Zeit. Ganz bald melde ich mich wieder“ und die Welt ist in Ordnung! Wo früher Freundschaften zerbrachen weil jeder gestresst war und keine Zeit hatte zum Hörer zu greifen, kann so etwas, diese Geste, der rettende, ehrlich gemeinte (!), Anker sein!

Es gibt Zeiten, da schicken meine Freundin und ich uns nur derartige Kurznachrichten. Denn auch wenn die dann eine zeitlang null Aussagewert haben, so ist damit alles gut! Niemand muss sich Gedanken machen, nix is „faul“. Die Muddis haben einfach nur vorübergehend null Zeit. Ein Smiley und Whatsapp hat’s gerettet.

Sollte ich vielleicht auch mal wieder beim eigenen Ehemann ausprobieren. Die lieben Messages.

Der Arme bekommt die weniger kreativen oder liebevollen Whatsapp Varianten von mir. Seine eingehenden Nachrichten sehen ungefähr wie folgt aus:
„Bananen, Weintrauben, Salat, Toastbrot, was zum Kochen für morgen, Fleisch, Wurst, Kiste Wasser (nicht still!). Mach hinne!“.
Weitere geistige Notiz, oder lieber gleich in’s Handy notieren: Emoticons (die netten!!) funktionieren sicherlich auch bei Ehegatten!

Und es geht noch so viel mehr! Probleme bei den Hausaufgaben? Kein Problem, per Whatsapp schnell geklärt. Die Nachbarin schnell auf’n Spontan-Kaffee beiholen? Check! Einladungen Elternabend, Kita Info Zettel (Oh! diese Zettelflut!) verschlampt? Macht nix. Irgendwer wird`s schon abfotografieren können. Im Stau und nicht pünktlich um die Kinder vom Spiele-Date abzuholen? Whatsapp informiert und schafft Klarheit.

Mein ganzes derzeitiges Leben hängt vom Handy ab! Ich habe es schon lange aufgegeben, einen hübschen, nett und ordentlich aufgehängten Familienplaner zu führen. Ich kloppe ALLE Termine sämtlicher Familienmitglieder nur noch in mein Handy.
Notizzettel? Kenn ich nicht mehr. Kommt alles in’s Mobiltelefon. Jeder Gedanke, jede Erinnerung. Ich wäre so aufgeschmissen, wäre es mal weg!

Und doch ist mir`s neulich passiert. Fast. War knapp, aber Gott sei Dank nur ein bisschen eklig. Und jetzt sagt nicht, ich bin die Einzige, die das Handy immer in der Gesäßtasche mit sich rumschleppt! Kann ja mal passieren, dass Frau es halt mal vergisst dieses beim (dringenden!) Toilettengang zuvor daraus zu entfernen. Plumps! Gut, es war immerhin mein eigenes Klo. Und das Handy? Dank Schutzhülle und Displayfolie (Mein Mann kennt mich) völlig unversehrt und kurze Zeit später auch wieder frei vom Klo-Zisternenwasser.

Leider gelingt es mir nicht immer, mein Leben klar, strukturiert, entspannt und frei von enttäuschten Mitmenschen via Whatsapp oder Handy-Terminkalender zu gestalten.

Eben, beim Wäsche-Zusammenlegen, rief meine Oma an. Mir vorwerfend, ich würde ja nie anrufen. Geschweige denn vorbei kommen. Womit sie leider Recht hat. Ich KANN es wirklich nicht!

Dabei sollte ich dankbar sein, dass meine Kinder sogar noch zwei Uromas besitzen! Warum aber können nicht eigentlich auch 89 Jährige whatsappen? Ich hätte ihr schon längst geschrieben. In etwa so: „Liebe Oma, ich weiß Du bist von mir enttäuscht. Aber ganz bald hab ich bestimmt viel mehr Zeit. Dann kommst Du mal zum Kaffee. Oder wir besuchen Dich. Versprochen!“. Fertig. Frei von jeglicher Schuld. Es könnte so schnell gehen und einfach sein!

Nun, half nix. Ich musste am einzig
Termin-freien Nachmittag der Woche, zwischen Wäschebergen und der nächsten Kinder-Abhol-Taxifahrt telefonieren.
Und eigentlich, war`s sogar ganz schön. Als es mir erst einmal gelungen ist, die akkustische Hintergrund-Untermalung auszublenden. Vielleicht sollte ich es doch mal wieder probieren. Mit dem öfter telefonieren. Zumindest bei der Verwandtschaft. Wäre nur nicht der steife Hals danach…

Und jetzt steh ich wieder auf. Zeitfenster geschlossen. Die Vierjährige ist draußen auf der Terrasse hingefallen und will getröstet werden. Und ich darf sie dabei jetzt bloß nicht anhauchen! Ihr wisst schon, die Schoki-Fahne. Beides Dinge die Mutti jetzt ohne Whatsapp meistern wird. Denn wenn’s sein muss, geht’s ja doch auch mal ohne. Kurz. 😉


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