„Conni ist wütend“: Von aufgebauten Feindbildern, Idealen & Selbstreflektion

Ich fange Bücher und Zeitschriften manchmal gerne von hinten an. Ein Tick? Idiotisch? Oder ein trotziges, symbolisches gegen-den-Strom-schwimmen? I don’t know. Auf jeden Fall aber war ich neugierig. Auf den Schluss des – selbstverständlich nur zu Recherchezwecken – gekauften Conni Buches: „Conni ist wütend“.

Ich hatte es Euch ja angedroht.
Und gestehe ganz verschämt und kleinlaut: Es ist ungefähr unser fünfundzwanzigstes Conni Buch. Wir haben sie fast alle! Wer wäre da nicht irgendwann genervt?
So auch die Allerkleinste, die mir seit fast vier Wochen strikt das Vorlesen ihres neusten Geschenkes einfach verwehrte! Keinen Bock mehr auf Conni-Bücher? Hat sie ja doch was von mir…

Also linste ich halt alleine auf die letzte Seite. Schon mal einen ersten Eindruck gewinnen. Einen Vorgeschmack bekommen und so.

Und da war sie! Mir sofort ganz sympathisch! Die Anmerkung auf der letzten Seite des Buches! Die, dass Connis Mutter auch „manchmal“ wütend wird und (siehe da!) joggen geht! Na, endlich! Dachte ich mir triumphierend.
Wenn sie jetzt noch ab und an zum „Hulk“ oder „Brüllaffe“ mutieren und sich abends nach einem dieser Tage vor lauter Frust ein fettes Walnuss Eis mit viiiel Eierlikör reinpfeiffen würde… Ich könnte sie fast gern haben!

Ui! Was war ich jetzt auf den Rest des Buches gespannt!

Und endlich, am gestrigen Abend, kam ich dann doch noch in das Vergnügen des Vorlesens und Recherchierens! Ich durfte das gute Stück Kinderliteratur endlich aus dem Bücherregal holen…

Nun, die Vorfreude und Neugierde sollten unmittelbar nach Vorlese Beginn wieder ein klein wenig verfliegen.

Ich fasse mal kurz zusammen:
Conni hat ’nen schlechten Tag. Alles läuft schief. Bis zu viele Missgeschicke und aufgestaute Enttäuschungen im absoluten Super-Gau münden: Die Lieblingsgöre der Nation läuft knallrot an, die Schleife wackelt und bebt und Conni verhaut doch tatsächlich erst Conni Papa und dann das schöne Kopfkissen.

Wieso die kleine Ringelnatter überhaupt erst jetzt im Spät-Kita-Alter ihren allerersten Zornanfall hat, ist mir allerdings schleierhaft. Aber was soll’s. Muss an der Kresse und dem gesunden Dinkelbrot liegen ;). Ich berichtete bereits.
Aber, jetzt flippt sie aus. Immerhin. Ist halt manchmal doch ein normales Kind.

Und Conni-Mutter? Reagiert traumhaft vorbildlich. Sie nimmt das aufgelöste, verwirrte Kind einfach in den Arm. Körperliche Nähe, Verständnis und Halt in der auswegslosen Situation geben und diese damit entschärfen! So genial und gleichzeitig so einfach! Und manchmal in blinder Mutter-Verzweiflung in der Realität ebenfalls so unerreichbar.

Denn, ich muss leider zugeben: Ich bin „so not“ Conni Mutter.

Nicht mal annähernd. Hat meine Kleinste einen Zornanfall, muss ich mich beherrschen nicht gleich mit einzusteigen. Von wegen verständnisvoll in den Arm nehmen. Gelingt mir noch lange nicht immer. Ich wünschte, ich könnte es. Ich nehme es mir zum Ziel! Immer wieder. Manchmal klappt’s. Aber vielmehr muss ich das ebenfalls trotzige Kind in mir zurückhalten, das am liebsten genauso lauthals mitschreien würde. Und aus Zorn dem herumliegenden Spielzeug einen ordentlichen Tritt verpassen möchte. Auch ich muss noch immer hart daran arbeiten, die Wut zu kontrollieren. Ich weiß, gerade als Mutter! In Sachen Anger Management liegt noch immer ein harter Brocken vor mir.

Von daher: Respekt Conni-Mama!

Und ich hoffe insgeheim, dass ich mit meinem gelegentlichen „Versagen“ nicht alleine auf der Welt bin. Aber genug gebeichtet. Wechseln wir das Thema.

Als es um das Thema Kinderzimmer-Aufräumen geht, hat die liebe Annette im Buch eine weitere geniale Idee! Kartons mit Punkten markiert, plus ein Müllsack. Conni soll selbst sortieren, auswählen und entscheiden. Zwischen Dingen, die in den Müll oder Keller kommen. Dinge die bleiben und Dinge, die verschenkt werden. Und wie es halt in Conni-Büchern so üblich ist, das liebe Kind ist sofort begeistert und macht prompt anstandslos mit!

Ich nehme mir vor, noch mehr von Conni Mutter zu lernen. Nicht unbedingt, wie man Kressesamen auf den Esstisch schüttet… aber solche Dinge eben!

Ich wage zu behaupten: Wir Mütter lernen auch wirklich heimlich aus Conni-Büchern.

Und streben eben dieses Ideal der Frau Dr. A. Klawitter an. Aber wie es so eben ist: Wer gibt schon gerne zu, dass jemand anderes, eine andere Mutter (!), besser ist. Wer mag schon offiziell das Perfekte, das Unerreichbare. Klaro bauen wir uns jetzt an dieser Stelle unser Feindbild! Mütter sind so! Und gucken uns dann klammheimlich ein paar Eigenschaften ab. Oder trainieren sie uns an. Wir sind aber dennoch selbstverständlich viel cooler. Ich weiß, dass ich hier in der „Wir“ Form schreibe! Also macht mir nix vor! Ich denke nicht alleine so. 😉

Und Conni Papa? Nun, er bleibt nach wie vor ein Depp für mich. Tritt versehentlich (immerhin nicht vor Zorn!) aufs Pferdchen. Arbeitet bei Wutanfällen (wie sehen die aus bei DEM?) im Garten. Kann der net mal Auto schrauben? Gut, mein Ehegatte macht weder das Eine noch das Andere. Er verschanzt sich einfach hinterm Laptop… Verlassen wir also lieber gedanklich die Spezies Männer.
Allerdings frage ich mich bei Conni-Super-Ingenieur-Vater noch immer: Hat der daheim eigentlich irgendetwas zu melden?

Desweiteren muss ich zugeben: Das Buch regt tatsächlich zum Nachdenken an.

Nicht nur mich! Zwischenzeitlich beim Vorlesen dachte ich, meine Kind wäre bereits aufgrund der leider etwas langweilig dargestellten Thematik eingeschlafen. Es war so furchtbar ruhig. Bis ich bemerkte, dass meine Kleinste schwer grübelte. Es folgte die Aussage: „Wenn ICH wütend bin, dann muss ich immer an die frische Luft“. Stimmt! Muss sie wirklich. Pseudo-Atemnot vor lauter Aufregung. Und ich bin ein kleines bisschen beeindruckt von soviel Selbstreflektion bei einer Vierjährigen!

Fazit:

Bücher dieser Art fördern wirklich Zweisamkeit (ich liebe abends vorlesen!), die Eltern-Kind-Bindung und das Sprach-Vermögen. Alles richtig, prima und wichtig. Kann ich nur bestätigen und verweise jetzt mal auf die erste Seite der „Conni“ Bücher.
Des weiteren vermittelt das Buch dem Kind, dass auch negative Gefühle vollkommenen normal und anzunehmen sind. Es wird ein gewisses Bewusstsein dafür geschaffen. Auch dafür, dass diese Gefühle mit einfachen Dingen in den Griff zu bekommen sind. Zumindest beim Kind 😉 Alles prima und richtig!

Jetzt muss nur noch die Mama lernen, auch einfach nur bis Zehn, statt bis fünfhunderttausend zu zählen, um wieder friedlich zu werden. Und alles ist gut.

Trotzdem, einen kleinen langweiligen Nachgeschmack hinterlässt auch dieses Buch bei mir.

Aber, was hatte ich erwartet?
Die Sache mit den Conni-Büchern, sie bleibt meine persönliche Hass-Liebe.

Und die letzte Seite, der Nachtrag, mein Favorit dieses ganzen Buches 😉

P.S. Die Conni-Serie auf Amazon ist übrigens weiterhin ein absolutes Mega-No-Go!
Hier könnten nach wie vor Conni, Annette & alle Klawitters dieser Welt eine ordentlich größere Portion Coolness und Unperfektheit vertragen.
Das wäre so viel authentischer und echter!

Für alle, die jetzt gerne selbst lesen möchten: Hier der Amazon-Link. Einfach auf’s Bild klicken und shoppen! 😉


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