Herbstferien: Eine Mutter zieht Bilanz, von einer Soll/Ist-Aufstellung der etwas anderen Art

Es ist 0.50 Uhr und ich kann nicht schlafen. Warum? Nun, es sind Herbstferien und „Mutti“ ist bereits wieder in ihrem ganz persönlichen Ferienmodus. Nur, dass in meiner Vorstellung die Herbstferien gerade ganz anders aussehen könnten. Und auch wenn ich seit über zehn Jahren nicht mehr mit dem üblichen „Bankenkram“ zu tun hatte, so ziehe ich hier und jetzt Bilanz. Zu diesen Ferien. Meine persönliche Soll/Ist-Aufstellung. Denn in meinem Kopf, ja da machen „Herbstferien“ ihrem Namen noch alle Ehre. Und während ich das schreibe, diesmal nicht per Swype auf`m Handy, sondern ganz Old-School mit Zehnfinger-System (ja, die Mutti hat`s noch drauf!) da merke ich: Boah! Bin ich alt!

Denn hier meine Soll-Aufstellung zum Thema Oktober-Ferien:

Ich wäre jetzt gerne im Wanderurlaub!

Und ich komme mir gerade sowas von altbacken, spießig und dämlich vor. Hab ich das jetzt wirklich aufgeschrieben?

Was habe ich früher die Wanderurlaube mit meinen Eltern gehasst! Dieses langweilige vor-sich-hin-Getrabe. Pah! Natur! Und den vom Papa versprochenen Kaugummi-Automaten gab`s noch nicht mal dort droben auf der Alm! Die hatten meist noch net mal ne schnöde „Langnese-Ice-in-the-Alpen-Sunshine-Kühltruhe“. Damals Ende der Achtziger. Ok, ich gebe ja zu: Ich musste auch noch bis fast Mitte der Neunziger Jahre mit in Wanderurlaub. Und da saß ich dann. Oben auf der Alm bei Buttermilch und naturtrübem Apfelsaft. Zwischen Kühen und Quadratkilometer-großen Kuhfladen! Was für`n Sch…!
Nun, jetzt gerade wünsche ich mir diesen „Scheiß“ herbei. Vielleicht in etwas abgeänderter Form wie damals. Aber, wie immer vom Fernweh gepackt, würde ich jetzt auch nen Ösi-Wander-Urlaub sehr gerne in Kauf nehmen.

Ja, wir sind früher viel gereist. Ich, mein Bruder und meine Eltern. Nie die Luxusurlaube. Sie waren viel zu jung und hatten nicht viel Geld. Doch für viele, viele Kindheitserinnerungen und die Vorliebe zum Reisen und die-Welt-entdecken hat`s gereicht.

Ich erinnere mich noch heute daran, wie wir mit dem Nachtzug nach Italien reisten. Mein Papa war Bahner, somit ergab sich keine andere Option 😉 Nächte lag ich wach im Vierer-Schlafwagen. Noch heute hab ich`s im Kopf das „DaDongDaDong“, die ständig quietschenden Bremsen bei der Ankunft im nächsten Südtiroler-Bahnhof. Und ich linste immer durch die Vorhänge! Zu sehen gab`s selbstverständlich: Nix. Mitten in der Nacht. Aber ich schweife ab.

Dennoch, was gäbe ich jetzt dafür, mit Mann und Kindern irgendwo in Österreich im Wanderurlaub zu sein. Bei herrlichem Herbstwetter. Oben auf der Alm.
Dabei besitze ich noch nicht mal Wanderschuhe! Geschweige denn der Rest von uns!

In meiner Wunschvorstellung wären wir aber nicht in einer schnöden Ferienwohnung. Ihr kennt meine Einstellung dazu 😉 Nein, wir wären in einem dieser schweine-teuren Familienhotels. Ihr wisst schon, die Dinger mit Spa und Vollzeit-Kinderbetreuung! Abends würden wir uns erschöpft am reichhaltigen Buffett stärken, die Kinder erfolgreich in der Betreuung (gibt`s die eigentlich auch abends?) wegorganisieren. Und im Ruheraum des Spa vorm Kamin das hier und jetzt genießen. Seit wann stehe ich eigentlich auf RUHE-Räume, Sauna und Spa!? Mutti würde sich erst ordentlich viel Rotwein hinter die Binde kippen und dann….hoffentlich nicht besoffen einschlafen. Und am nächsten Morgen stünden fünf quietschfidele Familienmitglieder mit Sack & Pack und stramm geschnürten Wanderschuhen vorm Berg, bereit den Gipfel heroisch zu erklimmen. Oder irgendwie so ähnlich.

Herbstferien, die Ist-Aufstellung:

Den Rotwein schütte ich mir tatsächlich hinter die Binde. Allein, daheim, im Bett. Ohne Ehemann und gerne zu erfüllenden ehelichen Pflichten. Der ist net da. Auf Dienstreise.

Stattdessen habe ich bis 23.30 die verdammte Bude aufgeräumt und meinen Zehnjährigen-ich-verhalte-mich-aber-wie-fünfzehn endlich ins Bett geschafft. Ferienbonus und so. Was für`n Mist hab ich mir da eingebrockt!

Gleich wird die Türe aufgehen und eine hinreißende blondgelockte Göre wird ferngesteuert und tapsigen Schrittes hier ins Schlafzimmer gelangen um sich plump auf MEINE Seite des Bettes fallen zu lassen! Die restliche Nacht werde ich damit verbringen Füße aus meinem Gesicht zu schieben, die Nackenschmerzen zu ignorieren und werde mit Hammer-mäßigen Kopfschmerzen aufwachen. Nein, nicht nur wegen des Weines!

Immerhin wird das Aufwachen erst gegen 08.30 Uhr stattfinden. Weil, ihr wisst schon: Ferien-Modus. Da sind wir mit allem spät! Unser kompletter Tagesablauf verschiebt sich in den Ferien um ganze 2,5 Stunden!
Drei Schlafanzugkinder werden sich gelangweilt vor den Fernseher fläzen während ich versuche mit zwei Tassen Kaffee in die Pötte zu kommen. Es wird mich weitere zwei Stunden kosten alle zum Anziehen und Frühstücken zu bewegen. Draußen regnet`s Scheiß-Bindfäden und die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt.

Zwei Rotzgören in Jungshosen werden sich an den Haaren ziehen und ankeifen und Mutti wird währenddessen feststellen, dass der Kühlschrank schon wieder leergefuttert ist und selbst die sich darin befindlichen Reste nix sind um ein adäquates Mittags-Mahl herzustellen. Unter Protest wird die Kleinste mit mir in den hiesigen Supermarkt ziehen, während die zwei großen weiter gelangweilt vor der Glotze verweilen. Hergott! Ich hasse meistens schon am dritten Ferientag diesen verfluchten Fernseher!

Nach dem Mittagessen werden zwei Drittel meiner Kinder versuchen den Rekord im Schlammpfützen-hüpfen zu brechen und danach selbstverständlich vergessen die Gummistiefel VOR dem Hauseingang auszuziehen. Ebenfalls werden diese zwei Drittel die komplette Kinder-Nachbarschaft in mein (zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht aufgeräumtes) Wohnzimmer einladen. Ein Drittel meiner Kinder sitzt derweil vor der (selbst erworbenen weil von den Eltern zuerst abgelehnten) Paystation.

Den Nachmittag werde ich krampfhaft versuchen, zwischen all dem Kinder-Gewusel Wäscheberge zusammenzulegen, einen freien Platz für`s Bügelbrett zu ergattern und die Küche aufzuräumen. Stets begleitet von einem akkustischen „Mama-spiel-mit-mir“ der Vierjährigen, der selbst fünf weitere Kinder im Hause nicht genehm sind.
Spätestens in diesem Moment werde ich die Überlegung nicht los, ob Koffer packen und alleine Durchbrennen vielleicht eine Option ist.

Die Bilanz:

Zwischen den Kopf-Herbstferien und den Reality-Ferien tun sich unüberwindbare Welten auf! Ich finde, DAS legitimiert einen ordentlichen Eis, Eierlikör- und Weinkonsum (nachts wenn alle ENDLICH im Bett sind). Mein Mann soll zusehen, dass er alsbald von der Dienstreise wieder nach Hause kehrt und ich…schenk mir jetzt noch mal ein Schlückchen nach. Der Bett-Besuch ist mittlerweile eingetroffen, was auf eine weitere minder-erholsame Rest-Nacht blicken lässt. Na denn mal: Allen da draußen Cheers! Und eine Gute Nacht!


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