Papas Gegendarstellung zu „Wenn der Papa die Koffer packt“: Wenn Mütter wie Männer denken

Ich hab‘ mich mal wieder in Papa’s Hirn geschlichen und eine Gegendarstellung ausgedacht und formuliert. Ihr wisst schon, versuchen die Dinge aus der Sicht des Anderen zu sehen. Den Blickwinkel ändern, sich in den Anderen hinein versetzen. Die eigenen Gedanken noch einmal Revue passieren lassen und mit etwas Abstand oder eben fremder Sichtweise überdenken, wenn nicht sogar korrigieren. Ich glaube, eine mögliche Gegendarstellung würde ungefähr wie folgt aussehen:


Liebste Ehefrau,

Ja, es war wieder Migrationszeit. Acht Tage lang habe ich in der nord-ost-deutschen Pampa verbracht und mich tagtäglich auf mein Zuhause, meine Familie, wie Du ja so schön geschrieben hast, gefreut. Und im Gegensatz zu Dir, hab ich nicht mein „Strohwitwer-Dasein“ genossen. Denn ich hatte gar keine Zeit dazu. Und wenn ich mal „nett“ essen, im Kino oder mit Kollegen Kegeln war, was soll’s schon! Schließlich bist Du es ja, die mit großer Klappe behauptet hat, nicht mehr ins langweilige, dunkle Kino gehen zu wollen. Von wegen Leute glotzen, Cocktail trinken und so.

Und außerdem: Du mit Deinen vermeintlichen Anpassungs-Schwierigkeiten!

Ja, auch diese habe ich leibhaftig zu spüren bekommen: Als ich letzte Nacht nach Hause kam. Nachdem ich mehr als acht Stunden gefahren bin, mindestens drei davon im Stau. Gequält habe ich mich, um wieder bei Euch zu sein. Um mit Euch am Folgetag in den Freizeitpark fahren zu können, so wie versprochen. Dafür habe ich ein weiches, warmes Hotelbett und das von Dir so oft veräppelte reichhaltige Frühstücksbuffet verschmäht. Da kam ich lieber nach Hause!

Erwartungsvoll, endlich meine liebreizende Ehefrau wieder in den Arm nehmen zu können. Doch was erwartete mich? Des Nächtens um 1.30 Uhr? Keine engelsgleiche Gestalt, die frohlockend und mit einem sanften, begrüßendem Lächeln im Gesicht die Treppe hinunter schwebte. Um mir kurz darauf hingebungsvoll in die Arme zu fallen und einen erleichterten Kuss auf die Wange zu hauchen (nicht, dass ich das alles erwartet hätte). Nee….Nicht mal annähernd!

Das tolpatschige Getrampel, der maulende Grieskram mit dem störrischen Strubbel-Look. DAS war meine Frau. Und es kam noch besser, falls Du Dich erinnern kannst: Du fragtest mich allen Ernstes, WO ich denn jetzt noch her käme! Häh? Von der Autobahn. Was denkst Du denn? Und ich musste sogar halten, zwei Stunden auf dem Parkplatz Rast machen und schlafen, um es überhaupt bis zu Euch zu schaffen. Ist das zu glauben? Und als wäre das nicht unverschämt genug, hast Du Dich darauf einfach wieder muffelig ins Bett verkrümelt und an meiner statt das kleine blonde Strubbel-Knuffel in unserem Ehebett umgarnt.

Und noch etwas zum Thema „Anpassen“:
Die Socken von denen Du hier berichtest. Die, die auch auf dem Glastisch herumlungern und Deinen Lieblings-Kerzenhalter zieren. Nun, in den meisten Fällen sind die pink, übersät mit bunten Herzchen und würden höchstens um zwei meiner Fusszehen passen! Und WO bitteschön siehst Du überall Ketchup-Flaschen? Nochmal: beim Grillen beschwerste Dich ja auch net darüber!

Kartons tragen übrigens in der Regel die Aufschrift „Esprit“, „Hilfiger“ oder „S.Oliver“. Ich vermute darin, schön hübsch und nett verpackt, keine von mir neu bestellten Power Akkus oder Bluetooth-Lautsprecher!

Ach und der andere Wind:

Der ist auch von Nöten! Zu Deinem eigenen Wohlbefinden. Denn meistens geht es mir dabei nur um Dich. Ich finde, Du lässt Dir zu sehr auf der Nase herum tanzen! Das Geheule und Genöle der Kleinsten. Gibt`s bei mir nicht. Zieht beim Papa nicht. Weiß sie auch. Deswegen versucht sie es auch nur bei Dir! Und während in einer solchen Situation Dein Mutterherz erweicht und wie Butter in der heißen Pfanne nur so dahin schmilzt, sehe ich den Schelm im Auge der Vierjährigen blitzen! Lass es doch nicht immer zu! Dieses manipulative Knöpfe-Drücken! Da macht ihr Mütter Euch nur das Leben schwer. Ihr mit Eurem ständig schlechten Gewissen! Und der Witz ist: Den Papa haben die Kinder trotzdem noch (nachher) lieb! Sieh mal an…

Glaub übrigens ja nicht, ich hätte vorhin nicht bemerkt, wie Du heimlich den Karton mit der alten Druckerpatrone wieder aus dem Auto geschmuggelt hast. Nachdem Du ihn eine ganze Woche auf dem Beifahrersitz spazieren gefahren hast. Du solltest ihn lediglich zur Post bringen. Das war Deine Aufgabe. Aber ich nehm’s mit einem Grinsen dahin. Kenn Dich doch. Es war halt wieder alles andere viel wichtiger.

Aber bitte, bitte denke doch wenigstens nächste Woche daran, die Krankenkassen-Abrechnungen einzureichen, die ungeöffneten Briefe endlich ans Tageslicht zu befördern und den Handwerker Deines Vertrauens um die Reparatur der Duschabdichtung zu bitten! Mehr will ich gar nicht von Dir!

Apropos, die Sache mit der Duschzeit:

Ich bin davon überzeugt, dass da noch eine zumindest minimale Kürzung drin wäre. Ich weiß sowieso nicht was Du da so lange machst.
Sagst du etwa jeder angeblichen Falte einzeln gute Nacht? Versuchst Du krampfhaft, jedes neue graue Haar mit der Pinzette zu erwischen? Gibst jeder Beinstoppel erst einen passenden Vornamen, bevor Du sie mit dem Rasierer entfernst? Kannst Du dich nicht entscheiden zwischen Deiner Auswahl an 35 Nagellacken für die Fussnägel? Die bei Dir immer lackiert sein müssen, Sommer wie Winter? Du siehst, ich habe gelernt. Was so alles geht. Im Badezimmer. Nachts um 23.30 Uhr! Von der Besten!

Und jetzt seh‘ heute zu, dass Du da so schnell wie möglich wieder raus und auf die Couch kommst! Ich werde Dir auch gerne über Deine beiden unvollständig rasierten Beine streicheln. Spar Dir jetzt Dein Iiih! Dein Venus-Rasierer wird sowieso wieder schneller sein als ich!

Du hättest außerdem niemals weinen müssen, als ich diese Arbeitsstelle annahm.

Denn ich habe es Dir von Anfang an zugetraut, das alleine zu schaffen. Auch mit drei Kindern. Sonst hätte ich diesen Job erst gar nicht angetreten. Sonst hätten WIR uns nicht gemeinsam dafür entschieden. Du bist nämlich eine starke Frau. Fang endlich mal an, an Dich zu glauben! Und organisiere Dich besser! Hol Hilfe, wenn´s brennt! Vergiss endlich den falschen Stolz!

Und nun sei wirklich mal froh, dass ich wieder da bin! Ich will auch in den Arm genommen werden. Wer sagt, dass wir Männer das immer nur bei Euch tun müssen? Aber ist schon in Ordnung. Schlaf Dich nur aus, so wie die ganzen letzten Tage auch. Alter Morgenmuffel! Und dann kommste eh wieder angekrochen. Tust als könntest Du keiner armseligen Stubenfliege etwas zuleide tun. Kommst mit ausgestreckten Armen auf mich zu. Aber nicht, ohne Dich zuvor laut fluchend an der Kante eines beliebigen, dir im Weg stehenden Möbelstückes zu stoßen.

Und dann sind wirklich wieder Fünf komplett! Dann bin ich angekommen. Zu Hause.

Alles Liebe,
Dein Ehemann

P.S.: Die Farbeimer wirst Du während der nächsten Dienstreisen-Woche vergeblich suchen. Die hab ich versteckt. Ebenso wie Deinen heißgeliebten Nassrasierer!


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