Legoland 2.0: Von ausstehenden Projekten, Thrillseekern & Qualme-Käsefüßen

Es stand noch aus. Musste dringend noch erledigt werden. Noch dieses Jahr. Und zwar bis Anfang November. Was? Nun, wir Eltern waren es dem Nachwuchs noch schuldig endlich das letzte (und vor allem bereits bezahlte!) Weihnachtsgeschenk einzulösen! Und Zeit und Kinder drängten!

Zum Glück kann ich behaupten, dass der Gatte und ich Meister in Spontan-Entscheidungen sind. War schon immer so. Manchmal furchtbar hektisch und anstrengend. Zumindest für Andere 😉 . Aber meist völlig unbereut. Sind nicht die spontanen, schnellen Entscheidungen meist sogar die geilsten?

Und kaum blinzelte die Sonne noch ein wenig verhalten durch die dicken Oktoberwolken und ließ auf ein hervorragend schönes Herbst-Wochenende blicken, war’s endlich soweit. Der Papa war noch lange nicht von der Dienstreise zu Hause. Uns trennten noch mehrere Stunden Fahrzeit. Nächtliches Nachhause-kommen und eine ziemlich kurze Nacht vorprogrammiert. Da fiel sie. Die nächste Schnapps-Spontan-Entscheidung: 

Willkommen bei Versuch Legoland 2.0!

Ich erinnere an den ersten Versuch. Es hatte sich so sehr angeboten im Hochsommer. Auf der Fahrt in den Slowenien/Kroatien-Urlaub. Lag quasi auf dem Weg. Wäre nicht die hochfiebernde Mittlere gewesen und damit der direkte Weg zum Hotelbett unvermeidbar. Shit happens! Diesmal sollte DAS uns aber nicht wieder passieren!

Der Plan Günzburg stand. Keine acht Stunden vor der Abfahrt.

Ich sollte mich später dem Papa gegenüber gnädig zeigen und fuhr die Strecke lieber selbst runter. Yeah! Mutti on the road again! Ich liebe einfach mein Auto! Am liebsten hab ich’s, wenn alle eingenickt sind! Kein kritisch, meckernder Beifahrer. Kein Disney-Film-Gedudel im Hintergrund. Schmeiß ’ne Runde „Vomex“ und schon is‘ Ruhe! (Scherz!). Mutti kann den Drehregler höher drehen, Kaugummi-Blasen bis zum Haaransatz machen und laut über die ganzen anderen Deppen auf der Straße fluchen. Wen stört’s schon 😉

We finally did it!

Sofort begeistert war Mutti von der wunderschönen Halloween Deko im Park! Steh ich einfach drauf! Kürbise überall. Spinnweben, Skelette und Fledermäuse. Herrlich! Rief mein heimliches, verstecktes „Gothik-Ich“. Und das alles vor tief blauem Himmel und knallrot gefärbten Blättern. Dieses Farbenspiel, dass es nur im Oktober gibt, ebenso wie die Atmosphäre ließen das frühe Aufstehen und die lange Fahrt bereits vergessen.

Drei Stunden bin ich allerdings nicht Auto gefahren, um meine Kleinste eine geschlagene Stunde beim Duplo bauen zu beobachten! So meine Feststellung zwei Stunden später. Aber gut, wisst Ihr, das MUSS sie tun… Aufgrund des von mir verhangenen strikten Lego- und Duplo-Verbotes bei uns zu Hause 😉

Außerdem muss ja dem Namen Legoland alle Ehre gemacht werden. Ist halt ihre Vorstellung davon gewesen.

Da saß ich nun, zwischen all den anderen Muddis auf’m Gummi-Boden-Spielplatz und lobte zum wiederholten Male den hübschen Duplo-Turm. Ist halt nicht ganz sooo spannend so’n Freizeit Park für Mamas. Zumindest, wenn eben noch ein kleines Geschwister Kind beaufsichtigt werden muss, das noch nicht alles fahren darf.

Vor lauter Langweile futterte ich halt den ganzen Bollerwagen leer.

Wenn man das gute Teil überhaupt so nennen darf. Es ist vielmehr der „Masserati“ unter den Bollerwagen. Riesig, monströs, schweine-teuer. Und eine weitere Anschaffung meines Mannes. Das schreit eigentlich auch nach einem eigenen „Bollerwagen-Text“, oder? Daher korrigiere ich an dieser Stelle nur kurz: Er ist wunderbar geräumig, der „ulfBo“, es passt wahnsinnig viel herein, lässt sich super geschmeidig lenken, ziehen und zusammenklappen. Und war eine Investition für’s Leben. So die überzeugenden Gründe des Käufers ;).

Nun gut, zurück zum Spielplatz. Wenigstens blieb mir viel Zeit und Ruhe, mich über das traumhaft herrliche Wetter zu freuen! 24 Grad Mitte Oktober! Yes Herbst! Gib alles! Und überall sah ich Familien, die die Daunenjacken vom Morgen schwitzend und keuchend durch die Gegend schleppten. Tja, DAS hat ihm keiner mehr zugetraut, dem Oktober. Aber wer will schon meckern. Die Füsse qualmen… So what! Bibbern können wir noch früh genug.

Und der Papa? Fuhr derweil mit den anderen Zwei „Lego Ninjago“…

Kennt ihr das Phänomen, wenn Papas im Freizeitpark sind? Ich frag mich jedes Mal, wer’s eigentlich eiliger hat und mit strahlenden Augen, heraushängender Zunge zur nächsten Warteschlange hechtet! 😉

Trotzdem, noch hatte ich nicht die Hoffnung aufgegeben, auch selbst in den Genuss einer rasanten Achterbahn-Fahrt zu kommen. Thrillseeker-Mutti wollte auch mal ran!

Und das kam ich dann auch. Wenngleich ich diese Entscheidung bereits in der Warteschlange bereuen sollte. Vierzig Minuten anstehen für nicht mal eine Minute fahren! Pah! Wäre ja vielleicht weiterhin nicht schlimm gewesen. Bisschen Facebook glotzen, bisschen whatsappen, bisschen Spiegel lesen. Denkste! Den Plan hatte ich ohne die Geschwisterkinder gemacht, die nun drohten, sich neben mir vor lauter Langeweile zu verprügeln. Vom Gerangel und Geschupse ganz zu schweigen.

Komme ich lieber zum Fazit des Projektes „X“:

Ja, das Legoland ist schon ganz nett. Aber wie es so ist. Manchmal muss man in die „Ferne“ fahren, um zu schätzen, was es alles Schönes zu Hause gibt: So haben wir eigentlich einen wunderschönen „Erlebnispark Steinau“ direkt vor der Tür. Ein Park, der dem Bausteine-Mekka fasst das Wasser reichen kann.

Zwar gibt es im Legoland ein paar nette kleine „rides“ und natürlich jede Menge Lego…
Bislang persönlicher ungeschlagener Favorit in Sachen Freizeitparks bleibt aber der „Heide Park“ in Soltau.

Hier stimmt einfach alles! Preis und Leistungsverhältnis. Weniger Wartezeiten (zumindest hatten wir immer Glück) und phänomenale Rides! Nix für Vierjährige aber Thrillseeker kommen definitiv auf ihre Kosten.

Und ja, die Mutti ist einer! Seit genau zwei Jahren 😉 Was Kinder so aus einem machen… So musste ich damals meinen Großen ja irgendwie beeindrucken. Welche Mutti gibt sich schon die Blöße? Und entdeckte dabei eine weitere verborgene, nie ausgelebte Leidenschaft! Yes! Mutti can! Ich fand mich damals also im „Flug der Dämonen“ wieder. Deutschlands erstem Wing Coaster. Und ich sag Euch eines: Der dicke, große, alte Typ neben mir (nicht mein Mann!!!) schrie lauter als die Muddi!

Und so sah sie damals nach dem „Ride“ aus, die stolze Mama 😉

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Genug angegeben. Zurück zum Thema:

Ja, es war ein schöner und gelungener Tag und so fuhren fünf erschöpft aber glücklich abends gen Sonnenuntergang. Hach, wie romantisch 😉

Beim anschließenden Abendessen auf dem Autohof war Dauer-Klo-Besichtigung angesagt. Ganze dreimal! Tja, musste alles raus, was tagsüber vor lauter Euphorie und Aufregung eingehalten wurde. Ich spreche hier nicht von mir!

Ich war es aber, die im Anschluss sich zwar bescheiden nur einen Salat bestellte, dann aber doch den Kindern Pommes, Spaghetti und Eis vom Teller klaute. Rache muss schließlich sein. Bin außerdem doch keine Salat-Tussi. Das muss auch eines dieser Freizeitpark-Phänomene sein: Nach dem üblichen Junk Food dort, in meinem Fall war’s ein überdimensional großer, fettiger Hot Dog, glaubt  Frau das mit einem netten, kleinen Salätchen kompensieren zu müssen. Nope! Klappt bei mir nicht! Und schließlich macht so ein Tag im Vergnügungspark auch hungrig!

Und nun isses endlich abgeschlossen. Unser Projekt Legoland 2.0.

Und während eine Familie “Klawitter“ (ich reite schon wieder darauf herum) auf der anschließenden Heimfahrt ein Ausflugs-Lied nach dem anderen trällern würde. Im Kanon!…

… folgte bei Familie L. nur ein lautstarker „Käsefuss-Stinke-und Furz-Wettbewerb“ auf der Rückbank des Autos.

Bis drei müde, platte Halloween-Zombies zufrieden zu Hause in’s Bett fielen und sich bis zum nächsten Vormittag nicht mehr blicken lassen sollten.


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