Wenn Mutti kocht: von Käsebrezeln, undichten Chefs & Vakuum-Knollen

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Vor kurzem war’s auch bei mir mal so weit. Ich wollte auch mal „so etwas“ mitmachen. Mitreden können. Schließlich habe ich mich jahrelang vor sämtlichen Tupper-Abenden der Nation gedrückt. Ich war wirklich noch nie (!) auf einem. Und dann kam sie: Die Einladung zum „Pampered Chef Abend“.

Nun, wer’s nicht kennt: Es geht um Kochen, oder vielmehr backen auf Stein. Ofenzeug und so. Eigentlich keine schlechte Sache. Tja, ich kannte es gewiss nicht. Und, wie ich so bin, schwirrte bei DEM Begriff nur eine Vorstellung seit der Einladungs-Whatsapp in meinem Kopf herum. Ich weiß, die Bedeutung ist eine völlig andere! Aber: Ich kann da doch unmöglich alleine sein?

Jetzt kommt schon! Wer denkt bei dem Begriff „Pampered Chef“ nicht an den früheren Vorgesetzten im „Inkontinenz-Höschen“!? Ich wurde sie jedenfalls nicht  mehr los, diese Phantasie.

Es kann aber natürlich auch daran liegen, dass „I am so not“ die typische Koch- und Backmutti bin! Und da merke ich gerade, bei mir gibt’s ganz schön viele „so not’s“.

Zeit, mal vorbildlich, erwachsen und vernünftig zu werden! Also ging ich letztendlich hin. Schließlich lockte ja auch die Vorfreude auf einen Abend ohne selbst Kinder ins Bett bringen und mit lieben Menschen in Ruhe auf’m Popo sitzen. Grund genug, finde ich 😉

Dabei bin ich halt – womöglich aufgrund des fehlenden Koch-Enthusiasmus- mehr der schlichte Töpfe und Pfannen Typ. Das reicht mir vollkommen aus. Ich besitze auch keinen Thermomix. Trotz der drei Kinder! Und kein einziges Teil Tupperware, versteht sich. Hey! Tchibo is doch auch cool!

Also gut, Ihr habt mich soweit: Ich oute mich hier und jetzt als verkappter Herd- und Backofen-Banause! Kochen und backen interessiert mich einfach nicht so wahnsinnig sehr….

Ich weiß das sollte es aber, schließlich habe ich Mann und drei Kinder! Und, bitte verseht mich nicht falsch! Ich KANN kochen! Sogar mittlerweile ganz gut. Sagt mein Mann. Und das will wirklich was heißen! Aber dazu gleich. Es gibt circa 15 Sachen, die ich ganz gut drauf habe. Ja, NUR fünfzehn. Aber jeder der Kinder hat, wird verstehen: Das reicht vollkommen aus!

Und es war nicht immer so. Als mein Mann und ich uns kennen lernten, konnte ich: Nix! Gab ja schließlich coole Szene Bistros in der Mittagspause! 😉

Es ist also kein Wunder, dass er mich damals mit ner „selbstgemachten“ Käse-Brezel rumkriegte! Käsebrezel! Ist das zu fassen! Da sieht man(n),  wie wenig Ahnung ich tatsächlich vom Kochen hatte! Wie es sich später jedoch herausstellte, konnte er wirklich gut kochen, der Kerl. Was es mir natürlich erleichterte, die Sache mit dem Vorbild-dünsten, würzen, schnippeln und häckseln noch ’ne Weile vor mich her zu schieben. Damals noch beide voll berufstätig, stand nur einer regelmäßig und hingebungsvoll in der Küche der kleinen Altbauwohnung  😉

Und es sollte auch noch eine Weile dauern, bis ich mich als gesund kochende „Mutti“ wiederfand. Und, nächste peinlichen Beichte: Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, konnte ich noch nicht mal Kartoffeln kochen! Ich kaufte immer diese ekelhaften vorgekochten. Ihr wisst schon, die in ihrem Saft eingeschweißten, blassen, armseligen, bemitleidenswerten Knollen! Was war ich blöd! Und dieses Jahr? Haben wir zusammen mit dem Opa ein schickes Hochbeet gebaut und selbst (!) Wetterauer Kartoffeln im schönen Main-Kinzig-Kreis gezüchtet! Und Tomaten, und Salat…“Bio-Muddi“ kann ja doch!

Und ich hab mir viel abgekuckt das letzte Jahrzehnt. Vom „Chef de Cuisine“ höchstpersönlich. Musste ich auch. In ständiger Abwesenheit dessen. Und ich wage zu behaupten: Meine Kinder essen mittlerweile nur noch gesund und selbst gekocht.

Nein!! Kuckt jetzt nicht so neugierig auf das Beitragsbild. Nix da vergrößern!  Is ’n gesundes Hähnchen-Curry! Ehrlich! Nope! Keine Maggi-Glutamat-Tüte! MIT Dinkelnudeln (auch kein Witz). Ich weiß, sieht aus wie Norovirus aus der Pfanne…Ok, ich schweife schon wieder ab…

Fakt ist, alle meine Kinder lieben komischerweise scharfe (sehr scharfe!) Gewürze und grünes Gemüse! Yes! Jackpot! Einzige Voraussetzung: alles muss innerhalb von 30 Minuten zu kochen sein. Ungeduldig war ich halt schon immer. Aber wat will ich denn mehr?  Brauch ich jetzt wirklich Steinplatten für ’ne Menge Asche? Da waren doch diese hübschen Boots, die ich neulich gesehen hatte 😉 Ich entschloss mich an diesem Abend, einfach später den Küchenchef entscheiden zu lassen.

Neben hervorragendem Essen verbinde ich mit dem Gedanken an meinen kochenden Ehegatten jedoch noch zwei Dinge: Fett (jede Menge Fett!) und Dreck! Es klebt nachher und trieft an allen Ecken und Enden. Nein! Streite es jetzt nicht wieder ab, liebster Papa! Mit Küche-aufräumen  hastes halt nicht so. Lieber scharf anbraten, gell? Piepsender Rauchmelder und eine an ihre Grenzen stoßende Dunstabzugshaube inklusive. Und Fett… Aber es schmeckt. Also halte ich die Klappe und wisch mir später den Schweiß (und das restliche Fett) von der Stirn. Beim einstündigen Versuch die Küche wieder auf „Reset“ zu bringen 😉

Kommen wir zum Backen:

Der Alptraum jeder „Landfrauen-Rezepte-Buch“-ignoranten Dreifachmutter? Logisch: Fussballfeste, Klassenfeste, Kindergeburtstage, Weihnachtsfeiern…Warum hat mir DAS keiner vor den Kindern mal verraten wie viele Gelegenheiten zum Backen sich mir jetzt bieten sollten!?

Und ich sag Euch eins. Vorsicht, erneute Beichte: Richtig gut kann ich exakt zwei Sorten Rührkuchen! Das war’s! Nix mit Torte oder nobelpreisverdächtigen Regenbogen-Muffins!

Ich weiß, Ihr lieben anderen Mamas, Ihr erzählt mir immer stolz von Euren neuesten Kuchenkreationen und geglückten Rezepten. Und ich tue auch immer ganz artig interessiert. Und ganz klammheimlich bin ich auch ein bisschen neidisch. Warum bekomme ich es denn einfach nicht „gebacken“?

Aber, auf der anderen Seite, was soll eigentlich immer dieser dämliche Konkurrenzkampf? Das haben wir doch gar nicht nötig! Jeder kann irgendetwas ganz besonders gut. Jede Mama ist etwas wert, ob nun mit Rührlöffel und Schürze oder eben ohne! Was ist eigentlich SO schlimm an gekauften und aufgetauten Torten a la „gut und günstig“? Den Käsekuchen esst Ihr auf jeden Fall immer sehr gerne 😉

Und ich? Ich backe, war ja eigentlich klar, mit Vorliebe Eierlikörkuchen! Für gewöhnlich schütte ich dabei die eine Hälfte der Flasche in die Rührschüssel, die andere in…meinerselbst. JA! Ich überzeichne hier wieder maßlos! Beruhigt Euch wieder! Nix da Alkie-Mom! Aber vielleicht sollte ich ’s mal mit Rotwein-Kuchen probieren?

Na, gut, Nuss- und Marmorkuchen oder Sandkuchen, so’n einfacher Kram. Das bekomme ich auch noch locker hin. Vielleicht ginge auch noch viel mehr. Und ganz gewiss, wenn die Kinder mal groß und pupertierend sind, dann hab ich viel Zeit um all die schönen Rezepte auszuprobieren und immer besser zu werden. Ich sehe hier durchaus noch Potential 😉

Da lag es nun. Das  „Pampers Chef“ Bestellformular. Und es tat mir leid und mich plagte das schlechte Gewissen. Irgendwas musste ich doch jetzt bestellen! Wegen des netten Abends und des guten Essens. So’n klitzekleines „Anstands-Bestellchen“. Ratlos hielt ich also dem Ehemann den Katalog unter die Nase.

Und ganz heimlich hoffe ich jetzt, der netten Vorführ-Dame NIE mehr unter die Augen treten zu müssen!

Sie wird mir den ausgewählten, läppischen 12 Euro Pizza-Pinsel sonst wohin stecken wollen…..

 

 


Ein Gedanke zu “Wenn Mutti kocht: von Käsebrezeln, undichten Chefs & Vakuum-Knollen

  1. […] sehe mich selbst nicht als die mega Vorbild-Köchin.  Habe ich Euch zuvor ja schon darüber bericht... https://mamastehtkopfblog.wordpress.com/2018/01/24/a-recipe-of-mine

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