Mamas, passt auf Euch auf: Von rutschigen Planschbecken & Helden in Handtüchern

Unsere größte Sorge gilt unseren Kindern, deren Wohl und Gesundheit steht an oberster Stelle, komme was wolle. Ist klar! Nicht auszudenken, dass sich unser liebstes Hab und Gut beim Spielen und Toben verletzen könnte. Oder, der Mega Horror, sogar ins Krankenhaus muss!

Aber deshalb sind wir Mamis ja fleißig und sorgen vor. Kantenschutz hier, Treppenschutzgitter da. “Lauf, Fahr, Krabbel nicht so schnell!, „Kuck nach vorn!“, „Vorsicht Kopf!“, „Achtung heiß, kalt, scharf!“ „Autos!“. Ja, es funktioniert gut! Das mütterliche Frühwarnsystem! Eine Meisterleistung von Mutter Natur. Genau genommen sind wir es nämlich sogar selbst, diese regelrechten Meisterinnen im Ausmalen von Worst-Case-Szenarien! Stimmt’s?

Alles gut und richtig! Ganz dabei aber von der -leicht schusseligen- Mutter Natur in Vergessenheit geraten: WIR selbst!

Schon mal daran gedacht wie gefährlich es sich eigentlich als Mama mit wilden, lebhaften, zu jeder Tageszeit auf Entertainment und Bewegung gepolten Kindern lebt?

Nun, ich durfte es am eigenen Leib erfahren.

Vor ein paar Jahren.

Es war an einem schönen Spätsommertag irgendwann Ende August.
Ich hatte geraume Zeit zuvor die Erkenntnis, dass Freibad auch ganz alleine mit mehreren Kindern durchaus möglich, ja sogar chillig ist! Zumindest entspannter als ein Planschbecken-Nachmittag zu Hause. Zwanzig Minuten aufbauen für (Achtung!) ganze fünf Minuten Spaß. Danach ist’s uninteressant. Da muss Frau kein Rechenprofi sein, um zu erkennen, dass Schwimmbad-Tasche packen das geringere Übel ist!

Einzige Voraussetzung -ist klar- Mama muss immer präsent und bis aufs äußerste wachsam UND vorsichtig sein. Schnell mal alleine auf’s Klo gehen? No Way!

Die Belohnung: zufriedene Kinder, Sonne auf dem (zuvor gründlich rasierten) Pelz, Füße im kühlen Nass. Wo geht das am Besten? Natürlich! Im Kinder-Planschbecken…

Und prompt war ich Meerjungfrau. Zwar laut Tochter eine wunderschöne, deren silberne Flosse im Mondschein nur so glänzte… Trotzdem: Verflixt! Schon wieder reingefallen. In die Spielefalle.
Warum spielt sonst keine Mama? Warum dürfen alle anderen ausruhen? Warum bin immer ICH so anfällig für dieses “Mama nie spielst Du mit mir“? Dieses ewige Knöpfedrücken! Ich weiß, dass es nicht nur mir so geht. Ich mach’s ja auch gern. Doch es fühlte sich in diesem Moment so an.

Ich spielte also mitten im Planschbecken.
DAS alleine hätte mir schon eine Warnung sein sollen…

Kaum saß ich heimlich auf dem sich darin befindlichen Podest, ertönte postwendend hinter meinem Rücken die Aufforderung: “Mamaaaa, fang mich doch!“. Mist!
Wie hätte ich jemals dieser Bitte meiner mittleren, damals noch einzigen Tochter, NICHT Folge leisten können? Ich Schaf.

Und es kam, wie es nun mal kommen musste:
Ausgewachsene Frauenfüße kombiniert mit hastigen Drehbewegungen beim Aufrichten sind halt einfach nicht vorgesehen für unebene, schmale Bereiche innerhalb Kinder-Badebecken. Unsichtbar verborgen unter der Wasseroberfläche. Mütterliche Schulter trifft gelbe Springbrunnenkrake. Ungeschickt und grobmotorisch. Ja! Genau SO bin ich! Eben doch nicht graziös und Meerjungfrauen-like. 😉

Ich stürzte also. Und schwups war die mütterliche Schulter ausgekugelt. Aua!

Schon waren sie wieder da, vor meinem geistigen Auge. Die Bilder. Jahrelang erfolgreich von mir verdrängt.
Erinnerungen an jenen Tag im März, mein Geburtstag, damals in Österreich. Ein Skiurlaub, der nach einer unsanften Bremsung im Schneehügel vorzeitig enden sollte. Versuch Pistensau gescheitert. Nur ein einziges Mal wollte ich cool sein!

Sturrköpfig wie ich bin, habe ich damals auf den Rat des hiesigen Sportarztes gepfiffen und meine Schulter nicht operieren lassen. Wer hat schon Zeit für so was? „Wird schon nicht so schlimm sein so ’ne instabile Schulter.“ „Mach ich halt Aufbautraining“ (Nie gemacht.)
Zwei Kinder und Jahre später also die Quittung.

Gedanklich folgte nicht etwa ein „verdammte Sch….“ oder gar das Wort mit F. Meiner Meinung nach die natürlichste aller möglichen Reaktionen. Nein, komischerweise war es nur ein schlichtes, rational denkendes “Nee, oder!?“.
Muss auch eines dieser Mütter-Phänomene sein, wenn’s drauf ankommt machen wir ja doch alles richtig.

Es galt schnell und nüchtern zu handeln. Kind 1 und 2 mussten unverzüglich das Wasser verlassen. Mama auch. Der Bademeister musste her! Und zwar schnell! Wo war der, wenn Frau ihn brauchte!? Und warum stand keine von den anderen Müttern im Entspannungs-Modus mal auf und half mir? Alles musste ich mal wieder selbst machen!

Ich hatte also die Kinder aus dem Wasser zitiert. Und die Verzweiflung musste mir ins Gesicht geschrieben sein, denn die hörten sofort! Den Arm stützend (wer sich schon mal die Schulter ausgekugelt hat, weiß wovon ich rede) trottete ich -im sexy Quasimodo-Look- hinter her.

Irgendwie gelang es mir dann doch noch eine hilfsbereite Mama zu finden, die mir netterweise den Bademeister holte.

Puh! War mir schlecht! Naiv wie ich war, dachte ich, damit wäre das Meiste getan und erledigt. So ’ne läppische Schulter kann doch wohl jeder Bademeister mal schnell wieder einrenken. Wofür hat man die denn sonst? Die Baywatch Helden meiner Kindheit lassen grüßen.

Mein erhoffter Retter kam und handelte wie ein richtiger Mann: Er rief Notarzt und Krankenwagen. Echt jetzt?
Mutti musste also weiterhin trotz der spätsommerlichen Schwüle und Schmerzen einen kühlen Kopf bewahren.

Ratlose Kinder neben mir, schaulustige Menschen ringsum fischte ich im Anschluss mit dem linken Arm in der Badetasche. Objekt der Begierde: mein Handy. Schon immer lebensnotwendiger Draht zur Außenwelt. Jetzt sogar rettend! Schon mal versucht einhändig im grellen Sonnenlicht Nummern auf’m Display zu erkennen? (Ja, damals war halt noch nix mit „Ok Google“)
Es kostete mich eine gefühlte Ewigkeit endlich die Nummer des Gatten ( warum war die eigentlich nicht eingespeichert?) zu identifizieren.
Und jener? War -seinerzeit auf Dienstreise- selbstverständlich unerreichbar. Für die eigene Ehefrau! In Not!

In der Zwischenzeit traf der Notarzt ein. Und Mami war noch immer im Bikini!Daran dachte auch keiner mal! Nicht mal ein Handtuch hat Man(n) mir gereicht! Stattdessen war es nun meine Aufgabe, mit klaren Anweisungen meine Eltern (die Einzigen, die ich erreichen konnte) zum Krankenhaus in das ich kommen würde zu lenken. Verbunden mit der Bitte, dort meine Kinder entgegen zu nehmen und wohlbehütet nach Hause zu bringen. Ich würde dann wohl später nachkommen.

Meine Mutter glaubt bis heute noch, dass ich zu dem damaligen Zeitpunkt bereits unter Medikamenteneinfluss stand, erschien ich ihr -angesichts meiner misslichen Lage- doch ungewöhnlich ruhig.

Was dann kam, ich möchte es mal so formulieren:

Noch nie in so stolze und glückliche Kindergesichter geblickt!

Zwei kleine Menschlein im Kapuzenhandtuch auf der „Besucherpritsche“ des Rettungswagens! Ok Freunde, über das Thema Empathie sprechen wir nochmal!

Man brachte mich in’s hiesige Provinz Krankenhaus. Leider.
Denn es fing schon beim Röntgen an. Das Drama. „Könnten Sie nicht mal den Arm hochheben“, so die Frage der allseits bereiten, hoch motivierten Assistentin. “Äh Nö“. Verständnislosigkeit auf der anderen Seite. „Ach, ist der vielleicht ausgerenkt?“ Ach! Nun, ihr kennt den Spruch mit der Weisheit und den Löffeln! Nun ja, als Dankeschön hatte ich der guten Dame, noch immer von Schmerzen geplagt, dann erstmal ordentlich in die Nierenschale gekotzt. Rache muss schließlich sein!

Sicher kennt ihr auch die Gattung der A…….. Ärzte. Hatte ich DEN je um irgendwelche dämlichen Witze bezüglich Müttern in Planschbecken gebeten? Unter -mittlerweile buchstäblich- kotzmäßigen Schmerzen? Im Bikini?! Natürlich bekam es, ich nenne ihn “Horst“, nicht hin, meine Schulter wieder einzurenken. Hierbei wäre Feingefühl vielleicht nicht unbedingt gefragt aber hilfreich gewesen.

Tja, dem Ösi-Doc war’s damals gelungen.
Ohne Betäubung! Ziemlich eklige Angelegenheit, aber ermöglichte mir noch ein schönes Geburtstags -Candle -Light-Dinner. Im Gilch-Riest-Verband. Von der Bewunderung meines Gatten ganz zu schweigen.
Mann! Was war ich damals ’ne coole Sau!

Gut, das war Vergangenheit. Jetzt musste doch ein Anästhesist bei, beziehungsweise -in Ermangelung dessen- eine Handvoll ratloser Schwestern und tonnenweise Dormicum.
Zumindest fanden in der Zwischenzeit die kleinen Rettungswagen-Helden in Handtüchern ihren Weg nach Hause. Und „Horst“? Verschwand langsam und für immer vor meinen Augen! Und sollte er mir jemals wieder unter eben diese kommen!

Es war fast Mitternacht als ich wieder in der Lage war nach Hause zu kommen, der „professionellen“ Dosierung des Narkosemittels sei Dank. Der, mittlerweile eingetroffene, Ehemann hatte Haus und Kinder versorgt, Oma und Opa nach Hause geschickt und, ganz wichtig, Mami geduscht! Ihr wisst schon, das muss sein! 😉

Die darauffolgenden Wochen lief einfach alles “mit links“. Der rechte Arm sollte erneut im Verband ruhen. Doch wie es so ist, jeder noch so blöden Sache ist auch etwas Positives abzugewinnen! Da bin ich ganz sicher! In meinem Fall lernte ich in dieser Zeit viele liebe, nette und hilfsbereite Menschen kennen. Und die Erkenntnis: es macht alles nur härter!

Ich weiß nicht, ob ein Zusammenhang besteht, allerdings fiel genau dann der Entschluss für ein drittes Kind! 😉

Also, liebe Mamas, passt bitte auch auf Euch auf! Ihr und Eure Gesundheit seid ebenfalls wichtig!

Und sollte doch mal was passieren: Ihr werdet die Sache stark meistern und am Ende wird alles gut! Versprochen.
Yes we can!
Alles ist möglich!

Muss ja nicht gleich ein neues Baby dabei rauskommen. 😉

 

P.S. Den mittlerweile angebrachten roten Warn-Kringel um die Planschbecken-Krake habt ihr Freibad-Besucher mir zu verdanken 😉


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