Vom ollen Model und wirren Gedanken

Die Mama, die offiziell nicht wirklich etwas arbeitet, ist schon wieder am „arbeiten“. Doch genau genommen arbeite ich tatsächlich wirklich nicht. Alles was ich machen muss ist dastehen und stillhalten. Und geduldig sein. Sehr geduldig. Was, wer mich kennt, weiß, dass dies gerade die größte Herausforderung ist. Was ich mache?

Ich bin mal wieder beim Fotoshooting. Ja, die olle Mutti is‘ Gelegenheits-„Model“. Vielleicht sollte ich es eher als Freundschaftsdienst bezeichnen. So ist das halt, wenn der beste Freund des Ehemannes (und der vierjährigen Tochter!) Fotograf ist. Was hab ich schon alles gemacht. Hey! Mal war ich Wasserleiche im Thermal-Becken, wenngleich ich wohl eher die Nixe darstellen sollte. Mal am Frühstückstisch sitzende Familienmutter mit Fake-Ehegatten, fröhlich für den Internet-Werbespot in die Kamera grinsend. Selbst im Fernsehen war ich schon mal! Zwar für den Regional-Sender aber immerhin! Ich war das offizielle Versuchskaninchen für’s „Ice-Lab“. Ihr wisst schon, die Kältekammern mit einer Steigerung bis zu minus 110 Grad. Kreise drehen im Bikini vor laufender Kamera und den Frostbeulen-Kältschock auch noch offiziell super-geil finden! Schauspielerisches Talent besaß ich halt schon immer 😉

Aber Spaß macht’s wirklich jedes Mal. Egal was ich nun tue. Man(n) könnte auch meinen ich mach für Geld ja tatsächlich fast alles 😉 Ihr wisst schon, der unbezwingbare Schuhtick. Muss ja schließlich finanziert werden. Oder ich bin mir eben für nix mehr zu schade. Selbsterständlich könnte man es aber auch so formulieren, dass Mutti eben einfach jeden Spaß mitmacht und für jede neue Herausforderung zu haben ist. Wie dem auch immer sei…

„Bist Du Dir da wirklich sicher?“

So war dennoch meine Frage auf die Bitte des Fotografen-Freundes hin. Wer will schon ein fast vierzigjähriges Hinterteil und einen Bauch, der schon drei Babys bis zum bitteren Ende beherbergte fotografieren? Ey! Ich bin keine Zwanzig mehr! Und ja, ich reite gerne darauf herum. Die Mutter kurz vor der Schwelle zur Vierzig. Damit werde ich Euch noch mindestens fünfzehn Monate auf den S…enkel gehen! Ich BIN alt! Aber vielleicht benötigt er mich ja gerade deshalb. Schließlich geht’s um Gesundheits-Kram. Dafür werden keine jungen Dinger gebraucht, sondern die Muttis mit Gebrauchsspuren 😉

Oder eben Hobby-Models. Trotzdem, Stunden(!) wird er nachher mit Photoshop verbringen, der Freund! Worum es genau geht? Irgendetwas mit Strom, mehr verrate ich Euch jetzt nicht 😉

Da stehe ich nun, in Socken, Unterhose und verpappt mit Pads. Vor meinem geistigen Auge die Dellen am mittlerweile blaßen Winter-Popo. Gut, dass ich selbst nur gegen einen ebenso weißen Hintergrund starre.

Und während ich also allen gerade meinen Hintern entgegen strecke und Löcher in die weiße Plane starre, habe ich viel Zeit zum Nachdenken.

Was  sollte ich auch sonst machen? Und schließlich muss ich ja jede Situation so effektiv und kurzweilig wie nur irgend möglich nutzen! Eigentlich denke ich ständig und unentwegt nach. In allen möglichen Situationen als da wären bügeln, Küche aufräumen, wischen, selbst beim Pferdchen spielen mit der Kleinsten. Steht nie still das dämliche Gedankenkarussell. Nervig! Oder schon krankhaft? Frage und denke ich schon wieder.

Und ich sinniere fröhlich weiter: Da wäre zum Beispiel das noch ausstehende Geburtstagsgeschenk für meinen Mann. Ich werde Euch jetzt verraten was mir genau in diesem Moment im  Sinn steht. Schließlich habe ich ja eh kaum noch Geheimnisse und plane demnächst meinen Artikel über Elternsex zu veröffentlichen. Ja! Elternsex! Habt schon richtig gehört. Warum also dann nicht solch banale Gedanken wie die Frage, was das Geschenk des Gatten betrifft, teilen? Und so unspektakulär und klischeemäßig mein Einfall auch ist. Ich meine es voll und ganz ernst! Und sie rührt nicht aus einer Einfallslosigkeit oder gar Langeweile her, diese Idee.

Ich möchte ihm, nein uns (!), dieses Jahr einen Thermen-Tag schenken. Am liebsten mit allem Drum und Dran. Sauna, Massage, Entspannen und anschließendem Essen-gehen. Nur wir zwei ohne Kinder, aber MIT Ruheraum! Die Frau, die früher nach keiner Massage auch nur drei Minuten entspannen und liegenbleiben konnte, möchte sich und ihrem Mann RUHE schenken!

„Häh? Wie? Wir dürfen jetzt noch liegen bleiben?“ so früher stets meine an den Mann gerichtete Frage „Wozu? Ist doch voll langweilig!“ „Was soll ich denn jetzt noch hier? Ist doch schon rum, die Massage“ „Nachwirken lassen. Aha. Verstehe. Probier ich’s  halt“ Keine 120 Sekunden später:  „Boah! Wie furchtbar langweilig!!!“

Aber jetzt, in diesen Tagen, ist’s bitter nötig! Wir könnten’s echt mal gebrauchen. Das Liegenbleiben. Einfach überhaupt mal in der Lage sein, einen vernünftigen Satz miteinander wechseln zu können. Ohne Kindergeschrei im Hintergrund. Echte Konversation unter zwei sich eigentlich vertrauten Erwachsenen. Endlich mal wieder miteinander reden können! Sich wieder “kennenlernen“! Denn ganz ehrlich: Kinder können ein Elternpaar auch sich voneinander entfremden lassen. Was auch kein Wunder ist, wenn man kein Wort mehr miteinander wechseln kann! Doch davon sind wir zum Glück noch weit entfernt. Ich möchte aber einfach auch mal wieder Händchen halten! Das Abendessen ohne tausendfache Unterbrechung zu Ende bringen können! Wissen, was ich eigentlich esse und mir dies genüsslich und entspannt vorher aussuchen können!

Vermutlich stehe ich also deshalb jetzt hier in der Unterhose.

Um uns dieses Geschenk finanzieren zu können. Oder doch lieber die hübschen Heels? Die für den Fall einer unerwarteten, spontanen glamourösen Silvester Party? Ja, ich kaufe sogar Schuhe für nicht wirklich stattfindende Events! 😉

Beim Aufbringen der weitern Pads gehe ich im Geiste die Einkaufsliste durch. Was koche ich heute? Muss ja jetzt schnell gehen. Ich könnte Hackfleisch vom Metzger holen. „Ich muss noch die Weihnachtsfeier für den Großen organisieren“, schießt es mir durch den Kopf.

Was wohl echte, fünfundzwanzig Jahre jüngere Models, in solchen Situationen so denken? Wobei, denken die überhaupt? Gut, das war gemein. Aber soweit ich mich an frühere Staffeln von GNTM erinnern kann (ich schaue es schon Jahre nicht mehr) könnte eine solche Frage hin und wieder durchaus berechtigt sein! 😉

Das Licht muss neu eingestellt werden. Das dauert. Noch mehr Zeit die Gedanken schweifen zu lassen. Was muss ich noch alles bis Weihnachten erledigen?

Was ist wenn ich jetzt mal pupsen oder auf Klo muss fällt mir ein, während der Arm in einem Gleitwellen-Massage-Teil steckt.

Noch ein paar Klicks und Blitze, dann ist’s erledigt. Gelegenheits-Job gerne erfüllt!

Endlich kann ich aufhören zu denken und vor allem den Bauch einzuziehen! Für den Rest des Tages werde ich nun hemmungslos futtern und googeln. Muss mich noch für ’ne Therme entscheiden und freiwillige Babysitter suchen. Genug stillgestanden und innegehalten, Mutti düst weiter durch die Vorweihnachtszeit. Nur das Gedankenkarrussell, das darf jetzt endlich mal ’ne kleine Drehpause einlegen!


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