“Muddy Mom“: Kopfkino am Frühstückstisch

Es ist Samstag morgen und uns allen ist es tatsächlich gelungen die Trägheit letztendlich  doch zu durchbrechen und dem ollen Schlendrian eins auf die schlaftrunkene Nase zu geben. Heißt: Wir sind eine ganze dreiviertel Stunde früher aufgestanden. Yeah! Beflügelt von einem derart einzigartigen Erfolgserlebnis steht mir heute der Sinn nach etwas „ganz Besonderem“.

Heute steht mir mal wieder der Sinn nach einem tollen Familien-Wochenend-Frühstück.

Alle fünf in fröhlich plaudernder Runde am reich gedeckten Frühstückstisch. Nicht, wie sonst des öfteren Sonntags mit leckeren Pancakes. Selbst gemachten, um mal schnell den Angeber raushängen zu lassen, ohne jedoch hier und jetzt mein absolut geniales Easy-peasy-die-Basics-sind-ja-immer-im-Haus-Rezept zu verraten.

Denn Ihr wisst ja, wer bei mir auf der Suche nach Rezepten oder gar einer ganz allein diesem Thema gewidmeten Kategorie ist, der soll bei diesem Vorhaben leider kläglich scheitern. Die wenigen Dinge, die ich wirklich gut kann, behalte ich mal lieber für mich 😉

IMG_20180113_125253597Aber ich träume gerade von einem Frühstück mit frisch duftenden Brötchen vom Bäcker! “Yes! Das wär’s jetzt!“, denke ich mir und frage fröhlich trällernd in die Runde, wer mich denn auf dem kurzen Weg dorthin begleiten möchte. Ich denke dabei an so ’ne Mutter-Kind-Aktion im Mini-Format. Einfach mal alleine zu zweit über die Wiese stapfen, dabei kurz über die großen und kleinen Problemchen der kindlichen Welt quatschen und ganz nebenbei als gefeierte Helden die fünfköpfige Familie mit frischen Brötchen bereichern. Außerdem meine ich für diesen kurzen Moment die Sonne kurz hinter den Wolken aufblitzen zu sehen. Als wolle sie mich noch einmal besonders motivieren und in meinem Vorhaben – welches durchaus eigentlich kein groß erwähnenswertes ist – bestärken. Dumm nur, dass nur ich mich bestärkt und motiviert fühle. Der Rest der Brut einschließlich des hinter’m Laptop verschanzten Gatten zeigt keinerlei Reaktion.

Aber gut. Mütterliche Vorhaben soll man(n) nicht unterbrechen oder gar bremsen, das weiß mittlerweile selbst das kleinste Familienmitglied. Ich deute die fehlende Reaktion somit als Zustimmung zum Projekt „Frühstück vor elf Uhr“ und krame nach den derbsten Boots im Schuhregal. Idealerweise finde ich dabei tatsächlich die meinen. Die mit der extra-dicken Sohle. Warum? Ich gehe ja zu Fuß! Zu Fuß bedeutet nämlich einmal quer über die Wiese. Die furchtbar nasse und durchtränkte Wiese! Wird schon nicht SO schlimm sein, denke ich mir als die Haustüre hinter mir ins Schloss fällt. Um nicht zu sagen donnert, denn meistens geht in solchen Situationen mein Temperament mit mir durch – weil ja keiner mich begleiten will! Pah!

Nach drei Metern stecke ich bereits knöcheltief im Knatsch.

Und verfluche mein absurdes Vorhaben, die paar Hundert Meter Luftlinie zu Fuss bewältigen zu wollen. Der Frischluft wegen. Weil’s doch toll ist: So‘ n Spaziergang vorm Früchstück. Am Arsch…!

Endlich auf dem asphaltierten Parkplatz angekommen hinterlasse ich eine not so sexy Schlammspur, die jedem Hobby-Detektiv einfachstes Spiel bereiten würde!

Der eigentliche Brötchenkauf-Bezahlvorgang gestaltet sich nun nicht wirklich als besonders spannend und erzählenswert. Daher verschone ich Euch hier mit Details.

Auf dem Rückweg allerdings muss ich die Großbaustelle passieren. Unzählige Bauarbeiter im schicken Neon-Orange und gleichfarbigem Helm werkeln fleißig vor sich hin. Ich komme mir dennoch irgendwie beobachtet vor. So sind wir Frauen halt 😉

Ihr wisst, ich habe außerdem eine lebhafte Phantasie.

So komme ich nun mal wieder nicht umhin, mir genau jetzt bildlich den Idealfall der Szene „Frau passiert mit voller Brötchentüte eine Baustelle“ vorzustellen:

IMG_20180113_180554359Selbstverständlich wäre nun ein schöner Frühlingstag. Die Sonne würde leicht verschmitzt – um nicht zu sagen verrucht – vom Himmel lächeln. Ich hätte statt Schlammboots und Daunenjacke Heels und kurzes Röckchen an. Die Haare wehten im Wind, ebenso das zart flatternde, hauchdünne Gewand. Fröhlich würde ich mit der riiiesigen Tüte in Richtung der Helden in Orange winken!
„Juhungs! Mutti hat Euch Frühstück besorgt!“
Gut, sehr wahrscheinlich würde ich mich im diesem solchen Fall nicht selbst „Mutti“ nennen.

Wahrscheinlich wäre ich jetzt auch in der Lage, mir einen deutlich weniger jugendfreien Fortgang der Geschichte auszudenken, aber…

In eben meinem – zusätzlich auch noch treu verheirateten – Fall lass ich das mal lieber sein.

Denn selbst, wenn ich nun die Heels anhätte: Tollpatschig, wie ich nun einmal bin, würde sich die Geschichte in dem meinen Fall unweigerlich wie folgt abspielen:

Mit den hohen Hacken würde ich sehr wahrscheinlich während des enthusiastischen Wink-Vorgangs filmreif umknicken und in der einzigen Pfütze weit und breit versinken. Ich würde also nicht unbedingt ins Gras aber in die einzige Matsche Pfütze ringsum beißen! Wenngleich ich mir ziemlich sicher bin, DAS irgendwann auch noch durch eine Fügung unglücklicher höchst „dappiger“ Umstände hinzubekommen.

Endlich startet kurze Zeit später die gewünschte Familien-Konversation am Frühstücks Tisch:

Der Größte berichtet stolz von seinem Vorhaben, „ConCrafter Luca“ einen Stop-Motion-Film zu drehen und zuzuschicken. Ich weiß noch immer nicht, WER um alles in der Welt das ist!

Ich finde das aber ganz toll, was er da macht, mein Sohn. Und stehe schon jetzt dem Zehnjährigen in alledem kilometerweit nach. Die Technik Begeisterung hat er definitiv vom Vater! Doch trotz aller Mühe, ihm zu folgen, drifte ich jedoch geistig ab. Bis nur noch die Schlagwörter weit entfernt hallen: „Minecraft“, „Paluten“ … Ich habe keinen Schimmer!

Die Kleinste fragt nach irgendetwas mit Schoko Streuseln und deutet dabei auf den eigenen Schopf. Als sollten die Streusel auf eben diesen rieseln.
Das wiederum entgeht nicht der Mittleren:

“Wie? Haste etwa Läuse?“

Es folgt ein von Zorn gepackter Dauerlauf um unseren Esstisch herum. Vehement unterbreche ich das Spiel “Fang die böse Schwester“. Gelingt mir gut, denn jetzt ist’s der Kleinen eh schlecht und sie verlangt infolge des Rundflugs um den Tisch nach der Kotz- Schüssel.

Als alle wieder sitzen, versuche ich einmal, meine neu gewonnen Erkenntnisse über’s Bloggen an den Mann zu bringen. Dabei komme ich mir besonders schlau und wichtig vor, halte ich diese für ungemein nützlich und aufschlussreich. Entnervt versucht der Gatte das Thema zu wechseln 😉

„Kinder, freut ihr Euch schon auf die Schule?“

Ganz schlechtes Thema! Die Stimmung zu Tisch kippt abrupt und sinkt ins Bodenlose.

Diesmal ist es die Mittlere, die nun versucht, ein anderes Topic anzuschlagen. In diesem Fall eine an meine Person gerichtete Beschwerde: „Immer muss ich Strumpfhosen anziehen! NIE ziehen die Jungs welche an!“

Gekonnt setze ich mein Fake-Engels-Gesicht auf und erkläre mit einer ebenso gleichen Geduld: „Ja, weil ihr Mädchen Euch sonst an der Blase verkühlt und dann hast Du Schmerzen“
„Ach! Und Jungs haben das etwa nicht!? Die haben natürlich mal wieder nur Eier!“

Natürlich biegt sie das Gespräch wieder in jene Richtung! Neuerdings fasziniert vom weiblichen als auch männlichen Körper landet irgendwann jedes Thema im Bereich jenseits des Keuschheitsgürtels.

Die Kleine entdeckt derweil etwas ihrer Meinung nach Ekliges auf dem Frühstückstisch und kommentiert dies mit einem lautstarken „What the f**k!!“.

Ich gebe auf. Verzweifelt darüber, beim Vorhaben „vorbildliches Familienfrühstück“ abermals versagt zu haben, stopfe ich mir resigniert das Brötchen mit der extra Portion Marmelade in den Mund, spüle mit der Latte nach und feile gedanklich lieber noch einmal am Abspann des geheimen mütterlichen Kopfkinos… 😉

Euch allen da draußen viel Spaß morgen beim Sonntags-Frühstück!

Eure

Alex


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