Speed-Dating beim Fast-Food-Giganten

Mit mir möchte er gehen. Mit mir alleine und sonst niemanden. Der Große. Und ganz heimlich muss ich ein bisschen vor Freude und Scham lächeln. Ja, ich fühle mich geschmeichelt, dass er ausdrücklich mich als seine Begleitung gewählt hat. Mutter-Sohn Quality Time bei der weltgrößten Fast-Food-Kette, so lautet jetzt, am Mittwoch-Abend, sein Wunsch!

Und ich muss zugeben: Ich mag es nicht! Ich kann eigentlich McDonald’s Essen nicht leiden! Für mich schmeckt das irgendwie alles gleich. Immer dieser typische Nachgeschmack. Ich glaube einfach, es gibt hier nur Schwarz oder Weiß: Entweder man mag es oder eben nicht! So ist es in meinem Fall auch nicht arg verwunderlich, dass ich das letzte Restaurant mit den goldenen Bögen vor mehr als fast einem Jahr betreten habe.

Ich glaube, es war an der Autobahn auf den Weg in den Urlaub. Seitdem nicht mehr!

Ich habe kürzlich einen Film über McDonald’s gesehen.
„The Founder“ fand ich wirklich klasse und sehr beeindruckend. Der armselige Kerl, der es mittels viel Eigenwillen, Zielstrebigkeit, Glaube an sich Selbst und ohne Rücksicht auf Verluste ganz nach oben schafft und die eigentlichen Erfinder der goldenen Bögen, welche ursprünglich nur EIN goldener Bogen waren, nahezu dem Erdboden gleich macht. Er macht sie platt, die armen Brüder ohne Unternehmergeist. So trug es sich wohl zu, damals.
Auch die Einblicke hinter die Kulissen waren höchst interessant, die einstudierten Abläufe in der Küche, damit alles klappt und das Konzept der schnellstmöglichen Essens-Zubereitung- und Lieferung an den Kunden gewahrt bleibt. Das war schon sehr beeindruckend anzusehen.

PicsArt_03-29-05.22.23Aber dort essen?
Höchstens mal in der monatlichen Junk-Food-Phase. Und da diese gerade wieder droht abzuebben, ist die Gelegenheit günstig und schließlich geht es ja um die Sache!
Die nämlich, meinem lieben Sohn, meinem größten Baby, einen kleinen, für ihn aber bedeutsamen, Wunsch zu erfüllen:
Einmal ganz alleine mit der Mama Amerikanisch Essen gehen. Schließlich ist Mäcces schwer angesagt, bringen doch selbst YouTuber hier alsbald eine eigene Eis-Kreation heraus 😉

Ich jedenfalls verspreche mir vielmehr Zeit mit meinem Jungen.
Mal in Ruhe reden, über alles was ihn so bedrückt und beschäftigt. Denn, offen gestanden, ich komme in letzter Zeit nicht so sehr an ihn heran. Mein Kind, dass sich zeitlebens nie für sein Zimmer interessiert hat, verschwindet nun immer öfter in eben jenem. Die Türe zu, Handy an und Stöpsel in die Ohren. Das war’s. Und ein klein wenig hatte ich schon Angst plötzlich uncool und abgemeldet zu sein. Und fing jetzt schon an, die Pubertät zu verfluchen, in Anbetracht dessen was da wohl noch so kommen könnte. Fragen, ob ihn etwas bedrückte, prallten einfach ab. Reden wollte er nicht. Schluck!

Und jetzt DIE Chance! Zwar steht noch immer das versprochene „Laser-Tag“-Event mit ihm aus, doch befürchte ich, da noch weniger zum gemeinsamen Reden zu kommen 😉

Wir sind keine zwei Minuten da, da wird mir bewusst:
Ich bin vermutlich der Einzige Mensch auf der Welt, dem es gelingen könnte, bei McDonalds zu verhungern! 

Nicht weil’s so schrecklich schmeckt, sondern weil ich zu doof zum Bestellen bin! Die Sache mit dem eigenständigen Bestellen an der Automaten-Säule ist mir irgendwie entgangen. Solange war ich also nicht mehr bei der Burger-Kette. Sicher, der eigentliche Bestellvorgang ist selbsterklärend. Ich bin sogar ein wenig erleichtert, mir jetzt endlich mal etwas Zeit lassen zu können und mit dem Großen in aller Ruhe auszuwählen. Sonst fühlte ich mich an der Kasse aufgrund der dort vorherrschenden Schnelllebigkeit immer ein klein wenig überfordert!
„Ich möchte….äh…Moment….ach Nein, lieber doch….können wir das nochmal ändern?….“

Immerhin, das bleibt mir nun erspart und gekonnt ignoriere ich die Person hinter mir, welche bereits nervös und ungeduldig von einem Bein auf’s andere trippelt.

An dieser Stelle sei zu erwähnen, mein Sohn und ich, wir denken und ticken beide gleich!
Wir sind uns vom Wesen her so ähnlich, dass es mir selbst manchmal unheimlich ist. Ein Spiegel meiner selbst, auch in weniger angenehmen Situationen 😉

IMG_20180328_201921012Wir wählen also „bar an einer Kasse bezahlen“ hatte ich doch zuvor den Schein für’s gepflegte Abendessen dem Gatten aus dem Geldbeutel gemopst. Und denken beide, nun mit dem Bestellvorgang fertig zu sein und einfach in Warte-Position gehen zu dürfen. Den Aufdruck auf der Quittung, wir möchten doch mit eben dieser zu einer Kasse gehen, ignorieren wir beide! Und warten, und warten. Irgendwann wird’s mir doch zu blöd und ich frage nach! Hah! Wusste ich’s doch! Wir hätten doch gleich an die Kasse gehen müssen! Ich tue also selbstverständlich nun so, als hätte ICH das ja von vornherein gewusst. Zum Glück nimmt mir das der Große jetzt nicht krumm.

Wir bekommen eine Nummer und setzen uns an einen Tisch. Nun blicken wir uns beide fragend an, was wir mit der Nummer anfangen sollen und zweifeln daran, ob denn tatsächlich eine freundliche, engagierte Angestellte mit vollem Tablett ihren Weg zu uns finden wird. Wie wir uns doch so sehr ähneln!

Und da blicke ich in die rehbraunen Augen, die ich so mag. Das noch immer zarte Gesicht, neuerdings versteckt unter der mega-coolen You-Tuber-Frise. Hach, er ist noch immer mein Baby und ich hab ihn sooo lieb!

Als endlich die Junior Tüte und meine Hähnchen-Sticks kommen, bemerke ich, dass das sogenannte „Spenden-Buch“ nicht vorhanden ist. Wir wählten bewusst eine Junior-Tüte, um das ganze Extra-Gedöns darin der Kleinsten und Mittleren mitzubringen. So auch das erhoffte Vorlese-Buch. Und schon fangen die Köpfe wieder synchron an zu qualmen und zu rätseln: Was war nun also letztendlich mit Spenden-Buch gemeint gewesen? Sollten wir tatsächlich nur gespendet haben und kein Buch jemals bekommen. Aber das wäre doch Quark? Zur Auflösung: Ich fragte später nach und es wurde schlichtweg vergessen 😉

Während ich also in das übertrieben panierte Hühner-Teilchen beiße, versuche ich nun dem Großen ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Irgendwelche Heimlichkeiten muss es doch geben, die er mir nun anvertrauen könnte! Ich bekomme den üblichen Vortrag über diverse Fernseh- und Handy-Wünsche zu hören und der nicht vorhandenen Fairness, weil er als „der Loser“ das alles von uns nicht gewährt bekommt. Insgeheim erleichtert denkend: „Na, wenn das alles ist. Damit kann ich leben!“ 😉

Sicher zeige ich mich an dieser Stelle nun verständnisvoll, jedoch unerweichlich und stelle zu meinem Erstaunen fest, auch das ist ok für ihn. Er genießt es einfach, mal mit mir alleine hier zu mampfen. Ohne Zickenkrieg im Hintergrund und ständige Unterbrechungen.

Nach dem schnellen Essen möchte ich noch gerne ein wenig mit ihm sitzen bleiben, als er bereits beginnt, eifrig den ganzen Müll zusammenzusuchen und zielstrebig das Tablett davon trägt. Ich frage ihn also, ob wir nicht noch ein bisschen unterm Neon-Licht verweilen möchten. Und bekomme doch glatt die folgende Aussage:

„Nö! Das ist doch ein Schnellrestaurant! Und wir sind schon fast eine ganze Stunde hier! Das reicht jetzt aber!“

„Aber wir wollten doch Zeit miteinander verbringen?“
so ich am Rande der Sprachlosigkeit und fast schon ein klein wenig enttäuscht.

„Ja, so etwas geht hier aber eben auch schnell. Jetzt sind wir fertig!“

Aha.
Und ab heute hat „Speed-Dating“ für mich eine völlig neue Bedeutung!

Wir kaufen auf Wunsch des Sohns noch ein Eis für die Kleinste zu Hause (Dieses Mal haben wir es auf Anhieb gerafft! Yeah!) und dort angekommen verschwindet er wortlos wieder in seinem Zimmer. Doch das ist in Ordnung. Es ist jetzt einfach so. Und ich weiß dennoch seit heute einmal mehr, dass mich mein Kind jetzt nicht weniger lieb hat, nur weil sich so ganz langsam diese komische und allseits gefürchtete Pubertät einschleicht.

Er kommt schon auf mich zu, wenn er es möchte. So wie heute.
Und meistens ist alles gar nicht so schlimm und dort, wo wir schwerwiegende Probleme oder Trauer vermuten, sind nichts Geringeres als „Kleinigkeiten“. Dinge, wie die Frage nach dem nächsten erschwingbaren Mobil-Telefon. Und solange ich ihm das Gefühl gebe auch diese „Sorgen“ ernst zu nehmen und dies auch wirklich tue und immer zuhöre und da bin, wenn ER es möchte, ist alles gut!

Nur leicht übel ist’s mir jetzt, ich mag noch immer kein McDonalds! 😉

Bald werden wir beide noch mehr gemeinsame Quality-Zeit haben. Beim Mama-Tag oder auch „Laser-Tag“. Und das wird mich gewiss die größere Überwindung kosten als einmal im Jahr in der panierten Fritten-Bude zu speisen! 😉

Eure

Alex
 P.S.: Wer auch mal „The Founder“ sehen möchte, hier der entsprechende Amazon-Link


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