Sinnkrise

Ich stecke mitten in einer kleinen Sinn-Krise! Oder Enddreißiger-Krise? Weibliche Midlife-Crisis in Schleifchen-Chucks und Jeans-Mini? Ich weiß es nicht. Fakt ist: Ich bin durch den Wind. Seit einigen Tagen schon.

Entscheidungen liegen vor mir, die es zu treffen gilt und mit dem Anpacken will es gerade nicht so ganz klappen. Ja, ich tue mir ehrlich gesagt gerade sehr schwer überhaupt etwas zu entscheiden! Und genau das hasse ich manchmal am Erwachsenensein! Noch immer! Dabei sollte ich ich mich wohl längst an die Tatsache, nunmehr zu den entscheidungsbefugten Menschen zu zählen, gewöhnt haben.
Treffe ich doch seit geraumer Zeit auch für Andere die Entscheidungen.
Sprich für drei wahnsinnig tolle Kinder. Von denen ich manchmal immer noch nicht glauben kann, dass sie von mir sind! Und dafür danke ich dem Leben schon einmal, so viel sei gewiss!

Aber für mich selbst Entscheidungen treffen?

Dinge, die mein Leben und meinen weiteren zukünftigen Weg definieren und ebnen sollen? Ich bin aktuell zu unfähig, nahezu gelähmt.

Und da wünschte ich mir manchmal das kleine Mädchen in mir zurück. Das an die Hand genommen wird (oder gerne auch mal in den Arm) und dann ist da jemand, der für Dich entscheidet. Aber das möchte ich ja wiederum auch ganz und gar nicht!
Denn die Vergangenheit zeigte ja, wohin das führte. Wusste ich doch mit siebzehn noch nicht, welche Ausbildung die Richtige ist und lenkte einfach ein, um all den Empfehlungen „eine solide, ordentliche Ausbildung“ zu machen, gerecht zu werden.
Ich wusste es ja in diesem jungen Alter schließlich selbst nicht besser.
Heute, rückblickend, hätte ich anders entschieden. Ich hätte eben doch studieren sollen! Ich wollte immer etwas mit Sprachen, Schreiben oder Tourismus machen und nicht mit Zahlen und trockenem Banken-Kram!

Und nun habe ich die Absolution, die wahre Befugnis ganz für mich alleine zu entscheiden!

Die Gelegenheit ist günstig wie nie, stehe ich doch gerade an einem Wendepunkt. Vor mir sind die verschiedensten Wege. Sicherlich alle steinig und vielleicht auch mit dem ein oder anderen umgestürzten Baum, den es zu überklettern gilt, doch alle für mich!
Und ich trete auf der Stelle und kann’s einfach nicht. Ich weiß nicht, wie ich abbiegen soll!

Ein bisschen bin ich bereits sogar schon abgebogen.

PicsArt_04-10-03.47.20Hab einen kleinen Umweg mitten im Wald eingeschlagen.
Und selbst dabei zweifele ich, ob dieser kleine Ausreißer richtig war. Und ich meine hier definitiv nicht das Bloggen, welches vielmehr ein wunderbar ausgleichendes und erfüllendes Hobby darstellt, von dem ich gewiss wünschte, es wäre noch viel mehr! 😉
Aber die andere Sache, der Umweg, macht mich nicht annähernd so glücklich wie das Schreiben.
Sollte das nicht mir selbst zu denken geben? Oder gilt es dieses Gefühl zu ignorieren und einfach stur weiter zu machen? Jetzt, wo ich gerade alle Entscheidungsfreiheiten habe?!

Meinen gelernten und alten Job möchte ich nicht aufgeben. Denn er gehört auch irgendwie zu mir. Ein Lebensabschnitt, der zwar schon lange Zeit ruht, aber nicht endgültig abgetrennt werden möchte.
Das macht man nicht nach über zwanzig Jahren!
Aber wann zurückkehren? Wie zurückkehren? Oder sich eingestehen, dass ein Wiedereinstieg derzeit nicht umsetzbar ist? Vielleicht ist er es aber wirklich aktuell nur nicht? Vielleicht aber doch in naher Zukunft?
Vielleicht ist sie ja dann endlich da, die allseits versprochene Vereinbarkeit?

Wir haben das Glück, mein Mann und ich, dass ich mich nicht aus finanziellen Gründen schnellstmöglichst entscheiden muss. Auch war uns schon immer klar, dass ich mich um die Kinder kümmern und dabei dem Gatten den Rücken freihalten werde.
So habe ich es mir immer gewünscht und so macht es mich glücklich!
Und doch möchte ich noch Etwas tun. Ich möchte nicht einfach nur die Mutter sein,
„die nix macht“.

Wenngleich ich aktuell ja schon so viel und genug tue. Die Sinn-Krise bleibt. Was will ich? Wo sehe ich mich in zehn Jahren? Was soll aus mir werden? Nun, wäre ich einfach nach zwei Jahren Baby-Zeit in den alten Beruf zurückgekehrt und hätte ich keine drei Kinder bekommen, dann gäbe es diese wohl nicht.
Dann würde ich jetzt nicht mitten im Dickicht planlos im Matsch stecken bleiben und mich grübelnd am Kopf kratzen.
Und auch wenn ich hier vielleicht von einem Luxus-Problem berichte und auf hohem Niveau jammere, ich tue mir hier wirklich schwer!

Schreib ich das Buch, welches ich schon immer schreiben wollte?
Dazu fehlt mir die Zeit, wegen den anderen Projekten. Wegen des „Umweges“, der sich als länger, Zeit-intensiver und aufwändiger gestaltet als vorerst gedacht.
Mache ich etwas ganz Anderes?

Und so ertappe ich mich ab und an ein klein wenig dabei, wie ich auf meine Kinder neidisch bin.

Die haben immerhin einen Plan! Da ist alles für die nächsten Jahre vorgegeben und geebnet! Der Große geht im Sommer auf’s Gymnasium, welches der Papa schon einst besuchte. Die Mittlere ist noch eine Weile in der Grundschule beschäftigt und die Kleinste darf noch jeden Tag Matsch-Burgen in der Kita bauen.
Selbst der Gatte hat einen festen Plan. Für viele, viele Jahre. Vorgefertigt und mit harter Arbeit, Tatendrang und Disziplin zu erfüllen.

Und ich? Bekam Kinder, habe bewusst die lange Pause gewählt, welche mich nun in die Zwickmühle, in den Wald geführt hat. Oder sogar in die Sackgasse?
Ich bin also dummerweise erwachsen und muss für mich selbst entscheiden! Denn ich möchte nicht mehr nur noch „eine Mutter“ sein! Weiß aber gleichzeitig nicht mehr genau was mich erfüllt und glücklich macht. Das Bloggen ist nur ein erster Schritt zu mir selbst zurück. Zum eigenen ICH – nicht nur der 1000-Fragen wegen 😉

Eines weiß ich allerdings ganz gewiss: Das Leben selbst wird mich nicht an die Hand nehmen und mich führen.

Ich muss das schon alleine machen. Ich kann nicht stehen bleiben und warten bis mein eigenes Glück mir zufliegt, bis ich in eine Richtung geschupst werde!
Das will ich ja auch gar nicht wirklich!

Und auch wenn letztendlich nur der Stillstand zu fürchten ist:  

Im Moment ist’s ganz schön hier. Im Wald. Ich schnuppere noch ein bisschen die frische Luft, tappe weiter auf Umwegen und versuche festzustellen ob diese nicht doch schön und einer Entdeckung wert sind. Und bin einfach ich. Eine Mama, die ihre Kinder über alles liebt und dabei gleichzeitig versucht noch Mensch zu sein und ihren Weg zu finden.

Vielleicht fängt’s ja bald an zu regnen, dann muss ich Gas geben und mich entscheiden 😉

Liebe Grüße!

Eure

Alex

 


7 Gedanken zu “Sinnkrise

  1. Ich verstehe soooo gut, wie es dir gerade geht. Hänge im gleichen Wald fest. Ratschläge sind in dieser Situation auch nicht hilfreich, weil einem keine Option wirklich überzeugt. Deshalb: Kopf hoch, in jedem Wald gibts mal eine Lichtung, von der aus man die Sonne sehen kann.
    LG Glitzer

    Gefällt 1 Person

  2. Immer diese Entscheidungen … Ich bin selbst auch am Grübeln wie es mit mir nach meinem Studium weitergehen soll. Mein Problem ist, dass ich mich für eine Sache entscheiden möchte, nur um eine Woche später meine Pläne
    wieder über den Haufen zu werfen und in eine komplett andere Richtung zu gehen. Aber irgendwann werde ich sicher das Richtige für mich finden.
    Ich wünsche dir, dass du bald weißt, was für dich das Richtige ist 🙂
    Liebe Grüße, Simone

    Gefällt 1 Person

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