(De)Eskalation am frühen Morgen: Mutti goes Konfliktmanagement

Ich bin keine perfekte Mutter. Manchmal gefühlt sogar meilenweit entfernt davon. Und ich mache Fehler, treffe falsche Entscheidungen und tue unangebrachte Dinge.
Ebenso wie mir aber auch Dinge gelingen und ich situativ und intuitiv alles richtig mache. Und manchmal sogar dies alles vereint an nur einem einzigen Morgen.

Heute, am Morgen nach dem Feiertag, war die Kleinste aufgrund ihrer Erkrankung nunmehr eine Woche nicht mehr in der Kita gewesen.
Jetzt sollte sie also endlich wieder gehen. Ist ja auch selbstverständlich und eigentlich kein Problem an einem gewöhnlichen Schultag.

Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte, war wie groß diese Umstellung für mein Kind heute sein würde.
Wie wenig sie ausgeschlafen und auf die Situation vorbereitet war. Wie schnell sie überfordert war. Und dies äußerte sich ganz schnell, gnadenlos und lautstark in viel Gebrüll und Geweine, begleitet von einem „Ich will heute nicht in den Kindergarten“ in Dauerschleife! Ich hätte es eigentlich wissen müssen! Hätte es voraus ahnen können! Und doch ließ ich mein Kind bis zuletzt schlafen und hatte nun riesige Probleme, alle zeitig fertig und in’s Auto zu bekommen. Die trotzige Aufsteh- und Anziehverweigerung hatte ich ausgerechnet heute nicht kommen sehen!

Das Ende vom Lied war, dass ich mein zwar mittlerweile von mir angezogenes Kind (selbstverständlich nicht ohne starken Protest), schnappte und in’s Auto setzte. Ohne Schuhe, ohne Haare-kämmen.
Beides, Schuhe und Bürste, flammte ich aufgebracht ebenso wie die Kindergarten-Tasche in’s Auto.
Half ja nix. Wir mussten dringend los und die Kleinste nun einmal mit!
Zwar hatte ich insgeheim im Kopf bereits einen festen Plan, doch war dies kein schöner Moment für uns alle und für die Kleinste ein (heilsamer) Schock. Ohne Schuhe-anziehen ist immer ganz schrecklich und unterstreicht aus ihrer Sicht, wie „dramatisch“ die Situation gerade ist.
Auch das war mir bewusst und ein ganz klein wenig absichtlich herbeigeführt.

Nachdem ich die Schulkinder noch rechtzeitig zum Unterricht aus dem Auto gelassen hatte, fuhr ich mit dem armen, noch immer weinenden Kind auf den Parkplatz.
Und dort blieben wir gemeinsam. Für ganze 20 Minuten.

Denn DAS war mein Plan.
JETZT konnte ich mir Zeit für mein Kind nehmen. Zum Schuhe-anziehen, Haare-kämmen, Milch trinken (die hatte ich ebenfalls mitgenommen) und ganz viel auf dem Fahrersitz kuscheln. Mein Kind auf dem Schoss streichelte ich sie und tröstete und war einfach nur für sie ganz alleine da. Und auch wenn dieser Moment hätte von vornherein vermieden werden können, so war er sehr intensiv, wertvoll und in gewisser Weise auch schön. Und es gelang mir in dieser wichtigen Zeit tatsächlich!
Mein Kind beruhigte sich, sah die Welt klarer und mutiger und war nun bereit in den Kindergarten zu gehen.

Und dennoch habe ich heute morgen nicht vollständig richtig gehandelt.

Was hätte ich besser machen können?

  • Ich hatte es gut gemeint und meine Kleinste so lange wie möglich schlafen lassen. Dachte das täte ihr gut.
    Doch dieser Gedanke ist falsch!
    Und jedes Mal passiert mir das. Denn ich kalkuliere einfach nicht die Zeit ein, die mein Kind an einem solch frühen Morgen benötigt, um zu sich zu kommen.
    Um sich nach einer so langen Zeit wieder an den Gedanken, in den Kindergarten zu gehen, zu gewöhnen. Um richtig wach zu werden. Wenn alles „zack-zack“ gehen muss, ist es eigentlich schon vorprogrammiert, dass das verwirrte Kind rebelliert!
    Ich MUSS mein Kind noch viel früher wecken, ganz gleich wie hart das im ersten Moment wirken mag.
  • Ich bekomme Panik sobald ich registriere, dass es nur noch wenige Minuten bis Schulbeginn sind und werde dann hektisch und verliere ein klein wenig die Fähigkeit rational zu denken. Ich muss auch in diesen Minuten, bis meine anderen Kinder in der Schule angekommen sind, ruhig bleiben. Ich werde schnell laut in solchen „Extremsituationen“, der Puls schnellt in die Höhe und meine Bewegungen werden hektisch. Das gilt es zu vermeiden! Auch hier ist ein zeitlicher, eingeplanter Puffer für derartige Vorkommnisse ratsam! 😉

PicsArt_05-02-04.46.57Was ich richtig gemacht habe:

  • Die Zeit im Auto auf dem Parkplatz war unendlich kostbar und bedeutsam, wenn Ihr mich fragt.
  • Ich habe dadurch meinem Kind vermittelt, dass es mir wichtig ist und ich ihm mit Ruhe und Geduld zuhören möchte. Dass ich für meine Tochter da bin, ihre Gefühle verstehe und akzeptiere. Dass ich sie sehr lieb habe und nur das Beste für sie möchte!
  • Es ist mir gelungen, die Situtation wieder zu entschärfen und wir beide konnten in diesen zwanzig Minuten, die wir dort verweilten wieder zu uns kommen und herunterfahren. Bis wir wieder gemeinsam lachten und alles gut war.
    Bis mein Kind tatsächlich mit getrockneten Tränen und freiwillig mit mir in Richtung Kita lief und auch dort mit einem ganz dicken Kuss zur Verabschiedung blieb!
  • Win-Win-Situation für Beide!
    Ich hatte letzten Endes doch nicht nachgeben müssen, denn das wäre fatal und folgenreich gewesen, Ihr wisst das! Ein ähnlicher Ablauf an jedem darauffolgenden Morgen wäre dann wahrscheinlich gewesen, weil es sich also für mein Kind gelohnt hätte, ein solches Drama und Theater (welches gewiss in dem Moment keines war, sondern echte Gefühle und Ängste!) zu veranstalten.
    Dann hätte sie gewusst, dass sie im Zweifel immer zu Hause bleiben kann.
  • Meine Tochter hat aber ebenfalls profitiert. Sie wurde wahrgenommen und ernstgenommen und gewann somit wieder ein Gefühl der Sicherheit.
    Ein Gefühl der Verlässlichkeit, dass Mama für sie da ist, wenn etwas nicht stimmt. So lange, bis es nicht mehr „schlimm“ war in den Kindergarten zu gehen.

Gewiss gibt es nicht immer die Möglichkeit, sich so viel Zeit für das eigene Kind zum Beruhigen zu nehmen. Und ich muss zugeben, hätte ich nun direkt im Anschluss an die Arbeit fahren müssen, es hätte mich innerlich vor Verzweiflung zerrissen! Und ich weiß, dass es vielen Müttern des Öftern so geht! Und ich fühle so sehr mit Euch!

Umso wichtiger ist es, das Kind früh zu wecken, um all diesen Dingen noch mit der nötigen Ruhe und Geduld entgegenwirken zu können. Um Zeit zu haben, Dinge und Eskalationen zu entschärfen. Auch dies ist mir heute morgen wieder einmal bewusst geworden.

Und auch wenn nun alles gut geworden ist, fühle ich mich elend. Ich hätte gerne mein Kind ausschlafen lassen, lange mit ihm im Bett gekuschelt. Doch das geht nun einmal im Alltag nicht immer.
Und noch immer habe ich ein ganz kleines bisschen das Gefühl, mein Kind gegen ihren Willen im Kindergarten gelassen zu haben.

Aber das ist nun mein aufgewühltes mütterliches Gewissen. Ganz gewiss werde ich später ein fröhliches Kind vom Kindergarten-Spielplatz abholen. So wie es schon so oft war. 😉

Euch allen Mamas da draußen wünsche ich jeden einzelnen Morgen Nerven hart wie Stahl und dick wie Drahtseile!

Eure

Alex

Nachtrag: Selbstverständlich war Mittags alles wieder in bester Ordnung und belohnt wurde meine Geduld und Konsequenz vom Morgen in oben zu sehenden Beitragsbild! 🙂


3 Gedanken zu “(De)Eskalation am frühen Morgen: Mutti goes Konfliktmanagement

  1. Mit meiner Kleinen wird es morgens auch oft hektisch. Sie schläft gerne länger – was ich gut verstehe, da ich auch kein Morgenmensch bin. Aus lauter Mitgefühl lasse ich sie manchmal zu lange schlafen. Früher bin ich dann immer total gestresst zur Schule gefahren. Mittlerweile sehe ich es etwas gelassener. So kommen sie zwar ab und zu mal ein bisschen später in die Schule – aber davon geht die Welt auch nicht unter 😉

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