„Windex“ vs „Super-Hypochonder“

Häh? Schon wieder eine völlig irrsinnige Überschrift!?
Sicher, ich kann’s wahrlich verstehen, solltet Ihr das nun denken.
Also will ich Euch den Geistesblitz zu eben jener Headline ein klein wenig erläutern:

Es war vor vielen Jahren, genaugenommen ist’s schon 17 Jahre her, da saßen wir in einem Kino in Burlington. Wir, das sind mein jetziger Mann und ich. Und Burlington ist ein Vorort der kanadischen Metropole Toronto. Denn wie der treue Leser bereits weiß, darf ich eben jene Stadt als weitere Herzens-Heimat von mir zählen. Es war in der Zeit als der Gatte tausende Kilometer von mir entfernt lebte und die noch zarte, junge Beziehung durch viele kostspielige Besuchs-Flüge meinerseits am Leben erhalten werden wollte! Und ganz gleich ob nun kleine Barockstadt in Hessen oder Multi-Kulti-Metropole in Kanada, ein Kino-Besuch gehört nun einmal auch zu einem Date dazu!

„My Big Fat Greek Wedding“

Und so durfte ich „Mr Portokalos“ kennenlernen. Mr Portokalos ist der Vater von „Toula“ und muss mit Argwohn und größtem Missempfinden zur Kenntnis nehmen, dass nun alsbald „my big fat greek wedding“ zwischen seinem einst schwer verkuppelbaren Sorgenkind Toula und eben einem US-Amerikaner stattfinden wird. Nicht seine Wunsch-Vorstellung, sein Weltbild des idealen Schwiegersohnes. Überhaupt ist Mr Portokalos sehr eigen und mit all seinen Ticks und Macken liebenswert zugleich.
So ist er der festen Überzeugung „Windex-Fensterreiniger“ als Universal-Heilmittel bei Wehwehchen und Verletzungen jeglicher Art benutzen zu können! 😉

„Put some Windex on it“

PicsArt_05-31-07.32.24Sein zu jeder denkbaren Gelegenheit inbrünstig eingeworfener Ratschlag
„put some Windex on it“ ist seit jeher belächelter Insider zwischen mir und dem Gatten 😉 Ich weiß nicht, wie die deutsche Übersetzung lautet, schließlich sahen wir den Film in OV,  doch sie ist sicherlich nicht annähernd so lustig!
Aber warum benutzen wir diesen Spruch noch immer?

Nun, ICH war vor den Kindern der Typ „put some windex on it“ mein Mann dagegen von mir (zugegebenermaßen völlig überzogen) gehänselter „Super-Hypochonder“.
VOR den Kindern wohlgemerkt!

Meine eigene Gesundheit war mir seinerzeit schlichtweg schnurz.

Ich ging zum Arzt, um den gelben Zettel zu bekommen, das war’s. Vorsorge? Regelmäßige Blutabnahme? Bei Beschwerden gleich gehen? Mir doch egal. Ging ja schließlich „nur“ um mich. Ich schlug mich mit Selbstversuchen und Verschreibungs-freien Mittelchen aus der Apotheke durch und dies meistens sogar mit Erfolg. Oder womöglich mehr Glück als klarem Menschenverstand. Wer weiß das schon! 😉
Mir genügte diese Art und Weise mit mir und meiner Gesundheit umzugehen voll und ganz.
Dass der Mann bei jeder „Kleinigkeit“ hellhörig und aufmerksam wurde und ein Gang zum Arzt aus seiner Sicht unausweichlich war, wurde von mir stets müde belächelt.

Und dann wurde ich Mutter.

Heute reicht teilweise selbst ein Mückenstich (ok es war ’ne fiese Bremse) bei der Mittleren und ich kaufe – wild entschlossen mein Kind künftig vor allem Unheil zu bewahren – die halbe Apotheke leer. Heute schreibe ich -ganz Control-Freak- Fieber-Protokolle, dokumentiere bildlich Wunden, Kratzer und Rötungen und mache jährlich Hausapotheken-Inventur. Denn niemals würde ich mir es vorwerfen wollen, bei der Gesundheit des eigenen Nachwuchs zu nachlässig gewesen zu sein. Zwar würde ich mich noch immer nicht als „Super-Hypochonder“ bezeichnen, doch nehme ich Beschwerden und Krankheits-Anzeichen der Kinder sehr ernst. Und nicht allzu selten steckt mich der Mann im Hause mit der Sorge noch zusätzlich an. Mit „übertriebener Panik-Mache“ wie ich es ihm dann stets an den Kopf werfe. Zu Unrecht meist. Aber geht es beispielsweise um die eigene mütterliche Gesundheit, so steckt eben ein ganz kleines bisschen „Windex“ noch immer in mir drin. Nicht halt so bei den Kindern!

Wir fahren noch immer nicht bei jeder Kleinigkeit in die Notaufnahme.

Das gewiss nicht! Doch bin ich aufmerksamer geworden. Und ich nehme Dinge und Anzeichen bewusster war, weiß mittlerweile selbst ganz gut einzuschätzen was wobei hilft und wann eine Fahrt zum Arzt dann doch angebracht ist.
„Windex“ kommt bei meinen Kinder nicht auf’s Rotz- und Sabber-verschmierte Visier, so viel ist klar!
Und ich stehe auch offen und ehrlich dazu, dass ich kein Freund von homöopathischen Mitteln bin.
„Kannste ja doch gleich die Zitrus-duftende Sprühflasche zur Hand nehmen“.
Aber dies nur nebenbei bemerkt und ist meine ganz persönliche Einstellung und Meinung! Schul-Medizin rocks! Yeah! 😉

Doch Fenster-Reiniger hin oder her, auch mir selbst gegenüber bin ich achtsamer geworden. Aus der reinen Verantwortung heraus.

Ich habe drei Menschlein zu versorgen, die mich noch lange brauchen werden.

Ich wage sogar zu behaupten, selbst über das magische Datum des Erlangen von Abitur und Führerschein hinaus! Da darf ich weder schwach machen noch zu lax mit der eigenen Gesundheit umgehen! Ich muss auch auf mich aufpassen und Vorsorge-Termine wahrnehmen! Das bin ich meinen Kindern schuldig! Von der Vorbild-Funktion ganz zu schweigen. Und mit zwei Brustkrebs-Fällen in der Familie tue ich dies mittlerweile auch sehr gewissenhaft. Wäre es auch so, hätte ich keine Kinder? Nope! Sicherlich nicht!

Zum Mann “darf“ ich hier nicht viel schreiben! 😉

Er macht das schon immer vorbildlich und akribisch. Und das ist sicher keines Hohns wert, sondern eher bewundernswert und gerne auch nachzuahmen. Mir persönlich ist das zwar noch immer einen kleinen Tacken zu viel, doch hat dies beim Gatten seine eigene Geschichte und Begründung.
Und in der Vergangenheit gezeigt, dass hinter dem Sprüchlein „lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig zum Arzt gehen“ ein wahrer Kern steckt. Ohne diese Denkweise wäre die Familie des Gatten schon längst um ein wunderbares Mitglied ärmer.
Also hat er ja Recht!

Und somit ist zwar der Spuch mit dem Glasreiniger (allein der früheren Gegensätzlichkeit wegen) noch immer ein „Running Gag“ bei uns zu Hause, doch auch ich habe mein ganz persönliches „Windex“ mittlerweile ein Stückchen weiter nach hinten in’s Haushalts-Regal geschoben. 😉

Wir Mütter sind es ebenfalls wert, dass wir auf unsere Gesundheit achten, die richtige Arznei verwenden und bekommen und auf uns selbst Acht geben!
Und wenn mir dazu der Gatte einen beherzten Tritt in den Allerwertesten geben muss, dann sei es drum!
Frau muss ja nicht gleich zum “Super-Hypochonder“ werden.
Und geht es um die eigenen Kinder, dann ist selbst das ab und an auch mal erlaubt! 😉

Denn ob nun „Windex“ beim Mückenstich der Tochter geholfen hätte? Nun, ich wage es arg zu bezweifeln! 😉

Welcher Typ seid ihr und wer ist bei Euch zu Hause der „ängstliche“ Part geht es um Eure Gesundheit und die Eurer Kinder?

Eure

Alex

 


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