F…… Morning has broken

Meine Beine schwitzen unter der für die sommerlichen Temperaturen viel zu dicken Bettdecke. Angewinkelt und verkrampft liegen sie da und dürfen sich nicht einen einzigen Millimeter bewegen. Unmöglich kann und darf ich sie jetzt ausstrecken oder gar den Fuß zum Lüften rausstrecken. Ich harre auf den mir verbleibenden vierzig Zentimetern aus und wage es kaum zu Atmen. Ganz flach und leise atme ich, stelle mich schafend. Jetzt auf’s Klo gehen oder laut niesen!? No way!

Ich muss mich nahezu tot stellen, damit mein Vorhaben nun noch Erfolg hat.

Und es ist so verdammt schwer! Gedanklich bin ich jetzt gerade bei all den bewundernswerten Menschen, die morgens um 4.30 Uhr mit der Sonne aufstehen, um ihren morgendlichen Frühsport zu erledigen! Für mich absolut nicht nachvollziehbar, trainiere ich doch mit Vorliebe spät Abends um 23 Uhr! Doch jetzt gerade, aufgeregt und voller Adrenalin wie ich bin, nun ich würde einen flotten Lauf um den Lieblings-See der aktuellen Schock-Starre vorziehen. Doch das kann ich nicht. Ich brauche Geduld. Viel Geduld!

Und wer mich kennt weiß, dass dies nun die größte Herausforderung, wenn nicht sogar Strafe für die mütterliche Psyche darstellt! Am liebsten würde ich jetzt entnervt aufgeben, dies natürlich nicht ohne die entsprechende motzige akustische Kommentierung. An die Kleinste gerichtet. Dabei ist es eigentlich alles meine Schuld!

Das Dilemma fand nämlich schon vier Stunden zuvor seinen Ursprung.

Dann nämlich, als ich beim viel zu späten Zu-Bett-Gehen auf die glorreiche und von falscher Lagerfeuer-Romantik geprägte Idee kam, heute doch einmal mit offener Balkon-Türe zu schlafen. Was völlig irrsinnig ist, verfügen wir doch sogar über eine Kühl-Funktion der Haus-Lüftungsanlage. Es ist also gar nicht erforderlich im Hochsommer bei geöffnetem Fenster zu schlafen!

Doch ich finde das immer ganz nett und sooo gemütlich.

Screenshot_20180606-103721~2Und ich wollte noch mehr!
Ja, heute wollte ich mit offenen Jalousien schlafen! Fast so, als würde ich direkt auf dem Balkon, den wir sowieso nie nutzen (Hände hoch wer’s macht, trotz großer Terrasse! ), schlafen. Herrlich! Und mindestens genauso herrlich schlief es sich dann auch ein. Dass mein Schlaf dann jedoch lediglich vier Stunden währen sollte, wollte dem vom Freibad-Sonnenschein-gerösteten Mutter-Hirn zu jenem Zeitpunkt noch nicht aufleuchten.

Nicht meinetwegen. Wenn ICH erstmal schlafe, dann fast überall, ganz gleich bei welchem Verdunklungs-Grad und Geräuschpegel. Nicht jedoch die Kleinste.
Die, zwischenzeitlich ohne mein Bemerken zu mir in’s Bett geschlichen, wurde plötzlich wach. Aus irgendwelchen Gründen. Übergang von einer Schlafphase in die Andere oder so. Dumm nur, dass sie dabei geblendet wurde, denn der doofe Morning has schon broken!

Der festen Überzeugung nunmehr viel zu lange geschlafen zu haben, sich bereits im Wochenende zu befinden und nun in’s Wohnzimmer stürmen zu dürfen, polterte sie freudestrahlend durch MEIN Schlafgemach! Es gelang mir gerade noch so, sie in ihrem eifrigen Tun zu unterbrechen und aufzuhalten!

„Es ist noch mitten in der Nacht! Du kannst noch ganz lange weiterschlafen!“ 
(Gedanklich: Und wenn Du nicht genau DAS jetzt auf der Stelle machst, dann-flipp-ich-aus!!!)

Das kommt natürlich sehr überzeugend, pfeifen zu diesem Zeitpunkt bereits die noch blöderen Amseln fröhlich um die Wette und begrüßen und preisen die frühe Morgensonne! (Ich HASSE dieses beschissene Lied!)

Für einen kurzen Moment fühlt sich die Vierjährige schlichtweg verarscht!

Und Nein, ich schreibe hier jetzt nicht veräppelt, denn ich habe keine Lust wegen etwaiger Kritiker, die nun empört ob meiner Ausdrucksweise die Nase rümpfen, das Wort „veräppelt“ zu benutzen! Hört ja gerade kein Kind zu! 😉

Doch es gelang mir, sie zum erneuten Hinlegen zu überzeugen. Selbstverständlich in meinem Bett.

Und nun lieg ich hier und warte!

Wie damals zu Säuglingszeiten. Denn jede Mutter kennt diesen Zustand! Den des Nicht-Bewegen-Dürfens! Und es tut mir leid, hier und jetzt schriftlich festlegen zu müssen: Dieser Zustand kehrt eben doch immer wieder! Selbst bei großen, vierjährigen Babies! Sorry, wem ich hier jetzt irgendwelche Illusionen und Hoffnung auf Besserung raube! Wir Muttis schlafen womöglich schlechter und unbequemer als jeder Knacki auf der schmalen Zellen-Pritsche! 😉

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit (eine Stunde!) bis ich endlich das ersehnte tiefe Schnauben hörte! Zum Glück ist heute Mittwoch, was bedeutet, heute darf ich bis sieben Uhr schlafen. Was mir nunmehr noch eine Stunde glückseligster Rast verschafft! Denn heute morgen ist wieder „Bademantel-Morning“, ich muss erst um 8.30 das Haus verlassen! 😉

Doch noch wichtiger als das:
Mein Kind kann nunmehr noch zwei Stunden schlafen und somit ist der Tag, der sonst schon vor Anbruch ein Grauen geworden wäre, gerettet!
Ihr wisst, wie sich ein Tag mit einem unausgeschlafenen, völlig übermüdeten Kind ziehen kann und wie noch schwieriger eine angenehme Gestaltung dessen ist! Meine Vierjähre heult beispielsweise den kompletten Tag! Wegen jeder Kleinigkeit! Ob’s die zwickende Socke ist oder die Tatsache, dass die Haarspange rutscht oder die falsche Kinder-Gabel beim Mittagessen. An solchen Tagen ist ALLES zum Heulen. PMS im Kleinkindalter! DAS immerhin ist mir nun hoffentlich gelungen, zu verhindern.

Und ich bin gerade auf zwei Menschen sehr, sehr stolz! 

Ich bin so stolz auf mein kleinstes Baby!
Denn sie war wach! So richtig! Bereits hochgefahren und bereit, die menschenleere Gasse zu türmen. Doch sie zeigte sich nach meiner Erklärung einsichtig und gab sich ganz viel Mühe. Lange lag sie still da und versuchte wieder einzuschlafen. Und ich merke, wie viel Kraft sie dies kostete. Doch sie tat es mir zu Liebe! Weil Mama noch schlafen wollte und sagte, dass es noch Nacht ist! Sie konnte sich ganz wunderbar beherrschen und womöglich auch auf’s erneute Müde-werden konzentrieren! Wow! Was hab‘ ich für ein großes, vernünftiges Mädchen! Ich kann ihr gar nicht böse sein, denn den Fehler habe ja nur ich gemacht!

Aber ich bin auch stolz auf mich.

Noch vor ein paar Jahren wäre ich ungeduldig und wutentbrannt aufgesprungen. Hätte mit einem extremst genervten „Is ja gut!“  das Kind komplett angezogen und mir ein lästiges ganz früh morgendliches Entertainment-Programm aus den Fingern gesogen. Ich hätte trotzig mein Kind ganz früh in den Kindergarten gebracht und dann den restlichen Tag die Nachwehen einer viel zu kurzen Nacht nicht weniger bockig ertragen müssen. Ich bin stolz und erleichtert, durchgehalten zu haben! Denn ich wusste ja eigentlich dass sie unmöglich richtig wach und ausgeschlafen sein kann. Ihr Geist und Körper gaukelten dem Kind ja nur etwas vor. Morgens um 4.30 Uhr.

Um acht Uhr muss ich sie dann allerdings tatsächlich wecken. Sicherlich bestätigt sich nun meinen Vermutung: Ich muss sie nun wiederum aus dem Tiefschlaf reißen. Aber dennoch denke ich, richtig entschieden zu haben. Die zwei weiteren Stunden Schlaf werden dem Kind, das sowieso never ever tagsüber oder gar Mittags schläft, viel gebracht haben. Zumindest ist sie friedlich und zeigt sich trotz der vorherigen Wieder-Einschlaf-Aktion und der jetzigen Weck-Aktion versöhnlich!

Aber kommt mir heute auch nur ein Mensch mit Gefasel über die goldene Morgenstund, den frühen Vogel oder gar irgendwelchen bekloppten Songs über die Schönheit des noch jungen Sommer-Tages: Dann, ja dann flipp ich endlich, endlich aus! So richtig! 😉

Einen schönen Sonnen-Tag!

Eure

Alex

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