Goodbye Grundschule

Donnerstag-Abend. Ich erinnere mich noch heute so, als wäre es gestern gewesen.
Nein! Geht gar nicht, diese Einleitung!
Klingt ja wie aus ’ner Retro-Werther’s-Werbung!
Aber „da“ ist sie tatsächlich noch. Ganz genau, haarscharf vor meinem geistigen Auge!
Die Erinnerung an meinen allerletzten Grundschul-Tag.
Wir saßen im Kreis und mussten singen. „Old lang syne“, besser bekannt als „Nehmt Abschied Brüder“. Zwar war es mir unerklärlich was denn nun jene eigenartigen Brüder mit uns Kindern gemein hätten, doch begriff ich, wie bedeutsam dieser Moment des Abschieds gerade ist. Wie er sich in mein Gedächtnis würde einprägen und mit fast vierzig Jahren mich nun diese Zeilen schreiben lassen.

Ja, ich hatte meine Grundschulzeit gemocht. Und die Lehrerin war mir in der Zeit eine lieb gewonnene, an’s Herz gewachsene Bezugsperson geworden. Warmherzig, nicht zu jung, erfahren, mit der nötigen Strenge und Konsequenz doch einem ganz großen Herzen. 

Und so saß ich damals in der Turnhalle der hiesigen Grundschule.

Vor vier Jahren. Darauf hoffend, dass meinem Sohn ein ähnliches Glück widerfahren würde und er eine wunderbare Klassenlehrerin bekommt. Nun, das Schicksal meinte es auch hier gut mit uns und dafür danke ich sehr! 🙂

Morgen wird er seinen allerletzten Grundschul-Tag haben.

Seinen ganz eigenen Moment des Abschieds. Mein kleiner Junge, der mittlerweile einen Großteil meiner Socken besitzt und dessen Sneaker ich heimlich auch schon einmal getragen habe, wird in wenigen Wochen auf’s Gymnasium gehen!
Eins weiß ich jetzt schon: Ich werde flennen. Morgen beim Schulabschluss-Gottesdienst. So wie eigentlich immer, seit dem ich Kinder habe.

Ja, der Schul-Gottesdienst.
Dass ich hierbei anscheinend auch eine kleine Rolle spielen soll, ist mir während ich das Abendessen koche noch nicht bewusst.
Er hatte es mal wieder vergessen mir mitzuteilen. „Irgendeine Dankes-Rede“ solle er halten. „Etwas mit Ausflügen und so“. Was genau gemeint ist, hat er ebenfalls vergessen. Nur weiß er, dass hier nun unverzüglichst meine spontane und bereitwillige Hilfe gefragt ist.

„Öhm….“ So meine erste Reaktion. Mich gerade in einer akuten Schreibblockade wähnend (ich habe heute Zyklus-unabhängig schlechte Laune!) fühle ich mich gerade nicht in der Lage einer derart spontanen Bitte nachzukommen.

Immerhin koche ich gerade Spaghetti mit Tomaten-Sauce, was bereits von meiner derzeitigen Einfallslosigkeit und nicht vorhandener Kreativität zeugt!

Und so setze ich mich nach dem Abendessen widerwillig an des Sohnes Schreibtisch und tue was ich immer mache: Ich fang‘ einfach mal an.

„Kannst Du ab jetzt immer meine Hausaufgaben machen?“ fragt mich im Anschluss der fast Elfjährige! Und fuchtelt – mich nachahmend – wie wild auf einer imaginären Tastatur herum. Zumindest der Sohn zeigt sich ob meiner excessiven Schreibkünste zutiefst beeindruckt! 😉
Yeah! Immerhin wurde das Teil, pardon die Danksagung, innerhalb von 3,5 Minuten letztendlich doch fertig gestellt! Zumindest gehe ich davon aus, dass es sich um eine während des Gottesdienstes vorzulesende Danksagung handeln soll.

Unsere Version, deren öffentliches Vortragen der Sohn nun verweigert, lautet jedenfalls wie folgt:

„Wir danken Gott für die vielen wunderbaren Erlebnisse und Ausflüge die wir miteinander teilen durften!
Die gemeinsame Klassenfahrt und Freibadbesuche werden genauso lange Zeit in unserer Erinnerung bleiben wie auch die vielen schönen Sommerfeste und Wanderungen.
Danke unseren Lehrerinnen für die Ausdauer und Geduld sowie die Bereitschaft uns all das zu ermöglichen!“

PicsArt_06-22-12.53.37Doch wie war sie denn nun wirklich, die Grundschulzeit?

Rückblickend kann ich behaupten, Ja, mein Sohn hat eine glückliche und unbeschwerte Grundschulzeit gehabt. Und dafür sind wir alle sehr dankbar, denn das ist gewiss nicht in jeder Familie der Fall. Mein Sohn musste es nicht erfahren, wie es ist, gehänselter Außenseiter zu sein. Er fand schnell Anschluss und darf glücklicherweise einen Teil seiner Freunde mit auf das Gymnasium der Nachbarstadt nehmen!

Die späte Einschulung bereuen wir nicht.

Ich bereue nicht sowohl den großen Sohn als auch die mittlere Tochter mit sieben Jahren eingeschult zu haben. Beides im Juli geborene sogenannte „Kann“ Kinder konnten wir zwischen einer frühzeitigen Einschulung und dem regulären Termin wählen. Ich bin der festen Überzeugung, dieses zusätzliche Kindergarten-Jahr hat unseren Kindern wertvolle Zeit zum Reifen und Wachsen geschenkt und es ihnen ermöglicht noch weitere Monate der Unbeschwertheit und des Kind-Seins zu genießen.

Sicher gab es dennoch in den darauffolgenden Jahren Tränen. Gerade in der Anfangszeit.

Mein Sohn fühlte sich überfordert mit der Tatsache nun Hausaufgaben erledigen zu müssen, schrieb aber stets sehr gute Noten. Es war mehr das Gefühl des unüberwindbaren Berges, dass ihm frustriert die Tränen in die Augen schießen ließ. Um im Anschluss nach wenigen Minuten feststellen zu müssen, dass alles halb so wild ist. 😉

Ich aber bin froh, dass es mir möglich war und ist, meine Kinder durch die Grundschulzeit zu begleiten. Hausaufgaben haben wir anfangs stets zusammen gemacht und auch später gemeinsam und in Ruhe zusammen durchgeschaut. Auch zum Lernen konnte ich mir immer Zeit nehmen und dass vor anstehenden Arbeiten die nötige Zeit investiert werden muss, wurde schnell zur Routine und Gewohnheit. So sehr, dass mein Sohn mich meist an’s Lernen erinnerte und darauf bestand! 😉
Ganz nebenbei wurde Mutti gezwungen, alte Mathe-Kenntnisse aufzufrischen oder sich scheinbar ganz und gar nicht Vorhandene anzueignen! 😉
Mit einem Vollzeit-Job wäre dies alles längst nicht so möglich gewesen. Auch dafür bin ich dankbar und die Noten der Kinder bestätigen mir, den richtigen Weg gewählt zu haben!

Ebenfalls rückblickend betrachtet ändert sich natürlich mit dem ersten Grundschuljahr nix wirklich schlagartig.

Die Kinder bleiben noch immer Kind, spielen Playmobil und klettern die Apfelbäume hinauf. Aber sie entwickeln sich in den vier Jahren genauso rasant. Auch das konnte ich beobachten. Mein „kleiner“ Junge spielt leider schon lange nicht mehr und dies zu akzeptieren fällt mir zugegebenermaßen ein klein wenig schwer. Die Zeichen stehen auf weiterführende Schule, ganz eindeutig und unübersehbar.
Mein Kind ist „reif“, doch ich bin es noch lange nicht! 

Dabei zeichnete sich die nahende Veränderung schon vor einigen Wochen ab.

Der alte „Airport“-Schulranzen wurde nahezu über Nacht von seinem Besitzer ohne auch nur mit der Wimper zu zucken ausrangiert. Ein Neuer musste her. Noch vor den Sommerferien. Kein Ranzen, sondern ein schnittiger, für’s Fahrrad geeigneter Schul-Rucksack.
Morgen früh wird er ein letztes Mal mit dem niegel-nagel-neuen Rucksack seinen Weg in die heimische Grundschule antreten.
Danach wird alles Anders und es bleibt nur noch zu sagen

Goodbye Grundschule! Danke für die schöne Zeit!

Habt schon jetzt alle schöne Ferien!

Eure

Alex

 


5 Gedanken zu “Goodbye Grundschule

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