„Echte Bären fürchten sich nicht“

*Rezension. Schon früh kitzelt die Sonne in der noch sehr verschlafenen Nase und lässt auf einen wundervollen Spätsommer-Tag hoffen. Doch der Schein trügt, schon jetzt lässt sie sich nicht mehr leugnen. Die Tatsache, dass dies nicht ewig so weiter gehen kann.

Der Sommer 2018 war gut zu mir, zeigte sich von seiner prächtigsten und mir liebsten Seite. Ja, wir waren verliebt, wir beide, haben die gemeinsame Zeit in vollsten Zügen und ich mit jeder Faser des nach Vitamin-D lechzenden Körpers genossen. Doch zeigt er sich bereits schon etwas verhalten, lässt sich nur noch zeitweise am Tag blicken. Die Wiese vorm Haus glitzert von Tau überzogen im frühen Sonnenlicht, selbst Nebelschwaden sehe ich in der Ferne und fröstele arg beim verzweifelten Versuch, auf die Schnelle eine geeignete Jacke für die nur ganz knapp zweistellige Temperatur zu finden.

Er steht schon in den Startlöchern. Der Herbst. Möchte mit meinem besten Freund konkurrieren und ebenfalls mit Vorzügen und Annehmlichkeiten glänzen. Und während ich auf dem Weg zum Kindergarten die Hand der Kleinsten halte und abwäge, ob denn heute tatsächlich noch einmal ein Freibad-Besuch möglich sein könnte, ertappe ich mich bei gar ganz anderen Gedanken.

Sie funken mir einfach so dazwischen, so ganz untypisch und ungeplant.

„Ich könnte sie auch einfach jetzt einschlafen lassen, diese Liebe, die so langsam nur noch zartblau am Himmel verblasst. Das Feuer am Himmel, welches nunmehr nicht mehr ganz so brennt und strahlt. Es ist mir nicht mehr so bedeutsam.“

Und fast, aber nur fast, könnte ich mich bei der Vorstellung erwischen, mich auf den Herbst sogar ein ganz klein wenig zu freuen! 

Denn beim Gedanken an den Geruch von frischem Laub und süß duftendem Tee, die Vorfreude auf neue Boots und kuschelige Pullis wird mir in der Tat ein wenig wohlig warm um’s Herz.
Und ich freue mich auf Zeit! Endlich wieder Zeit zum Drinnen-sein.
Ohne schlechtes Gewissen. Zeit zum Malen und Basteln mit den Kindern.

Und zum Vorlesen. 

Wie Bären würden wir uns in unserer Höhle einkuscheln, während es draußen friert und stürmt! Und es uns mit einem Buch gemütlich machen. Die Kleinste und ich.

Später am Nachmittag wollen wir weder auf die gemütliche Bärenhöhle warten, noch schneit und stürmt es draußen, lesen möchten wir aber dennoch.

Von den echten Bären. Die, die sich nicht fürchten! 

PicsArt_08-29-09.58.51Hübsch sieht das Buch aus. Von außen. Die Kleinste ist sofort begeistert vom gold-glänzenden Schriftzug und der herzallerliebsten Bärenfamilie mit den drei Kindern, welche das Cover zieren.

Aber worum geht’s denn genau? Und warum sollten sich Bären nicht fürchten? 

Alles beginnt mitten in der Nacht, irgendwo tief im Wald. Familie Bär schlummert friedlich in den Betten, bis Baby-Bär „Bobo“ von einem lauten Grunzen aus dem Tiefschlaf gerissen wird. Fest davon überzeugt, ein Monster habe die nächtliche Ruhe gestört, möchte Baby-Bär der unheimlichen Sache auf den Grund gehen.

So beginnt die Monster-Jagd und mit großem Beispiel geht mutig Papa Bär mit Baby-Bär auf dem starken Rücken voraus.
Tief im Wald schreckt Familie Bär immer wieder durch unheimliche und eigenartige Geräusche auf, welche sich jedoch alle als harmlos erweisen. Und so fühlt sich Papa Bär stets in seiner Mission bestätigt und betont somit wiederholt „echte Bären, die fürchten sich nicht!“

Ein bisschen muss ich gerade schmunzeln, sehe ich doch Parallelen zum menschlichen anderen Geschlecht!
Stets von sich überzeugt, furchtlos und gleichzeitig so mit sich selbst beschäftigt, dass der „Verlust“ der anderen Familienmitglieder, in diesem Fall in Zweigen, Bach oder Matsch, gar nicht auffällt! 😉

Erst als das Licht der Laterne erlischt, merken nämlich Papa-Bär und Baby-Bobo, dass sie nunmehr ganz alleine im Wald sind.

Jetzt verlässt auch Papa-Bär der Mut, glaubt er doch nun selbst seine restlichen Familien-Mitglieder in den Fängen garstiger Monster.
Denn was sonst könnten drei Schatten sein, welche sich den beiden gefährlich nähern?

„Die Mama und die anderen zwei!“

platzt es da schon aus der Kleinsten heraus.
Und genau so ist es auch! Nur, dass Bobo-Bär dies sogar vor dem eigenen – vor Furcht zitternden – Papa realisiert.

Erschöpft von der wilden Monster-Jagd kehren die fünf Bären zurück in die Höhle und die warmen, weichen Betten.
Es dauert nicht lange, da wird Familie Bär abermals vom fürchterlichen Grunzen geweckt. Doch ein Monster?

„Das war er selber!“

erkennt auch hier schnell die Kleinste! Und so ist es natürlich auch.
Das fürchterliche Grunzen war Baby-Bär Bobo selbst, schließlich hatte er nur sein eigenes Schnarchen gehört…

Geschrieben ist die komplette Geschichte übrigens in Reim-Form.

Ich persönlich mag das sehr, zum Einem weil es sich einfach lebendiger und mit viel mehr Ausdruck vorlesen lässt und auch, weil sich so meiner Meinung nach eine Geschichte sehr viel einfacher in das Gedächtnis des Kindes einprägt!

Schnell hat die Kleinste den Dreh mit den Reimen raus und ergänzt das fehlende Wort, noch bevor ich umblättere!
Was ziemlich cool ist, Kind und Mama gleichermaßen mit Stolz erfüllt und einfach das Vorlesen überhaupt aktiver und spannender gestaltet. Schließlich hat sie nun ihre größte Freude daran, das passende Reim-Wort lautstark zu erraten! 😉

„Was glaubst Du, worum geht es in der Geschichte wirklich?“

frage ich im Anschluss die Kleinste.

„Dass man nicht so viel Angst haben soll“

antwortet diese prompt.

Ja, es ist eine Geschichte zum Mut machen und lustig noch dazu.

Denn jedes noch so fürchterliche Geräusch, jeder noch so gruselige Umriss und Schatten klärt sich schnell auf und erweist sich als völlig harmlos.
Das Buch will zeigen, dass sich Vieles einfach schnell aufklären lässt und Alles meistens nicht so schlimm ist, wie es Anfangs scheint.
Und im Nachhinein kann man sogar selbst über die eigenen Ängste und Befürchtungen lachen!
So wie die Kleinste und ich gerade. 🙂

Ich schlage das Buch zu und bin mir nun gerade ziemlich sicher:

Ja, ich freue mich auf den Herbst. Auf all‘ die vielen Kinderbücher und abenteuerlichen Geschichten, die jetzt wieder auf uns warten. Geschichten vom Mutig-sein und Stark-werden. Märchen und Phantasie-Reisen. All‘ das kam im Sommer ein wenig zu kurz.

Und so bleiben wir noch ein wenig sitzen.
In den Kissen unserer ganz eigenen Bären-Höhle.
Bereit, uns allen Gefahren und seltsamen Geräuschen des Alltags zu stellen! 😉

Viel Spaß beim Vorlesen

Eure

Alex

 

*Das Buch „Echte Bären fürchten sich nicht“ wurde uns vom Oetinger Verlag kostenfrei zur Rezension und Nutzung überlassen. Wir fanden’s Bären-stark 😉

 

 

 


2 Gedanken zu “„Echte Bären fürchten sich nicht“

  1. Wunderschöne einfühlsame Worte von dir! Ja, der Herbst hat auch schöne Seiten, z. B. dad farbenfrohe Laub, der Dunst am Morgen, …
    Auch ich freue mich auf die Herbstzeit und auf Regen, der unserer Natur so sehr fehlt.

    Gefällt 1 Person

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