Vom Grinch, der Weihnachten verschlief

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Eine seltsame Stille lag über der Höhle des grünen Gesellen hoch oben auf dem Bergesgipfel.
Nicht einmal der sonst so zornige, stürmische Wind toste und wütete und ließ‘ – wie eigentlich üblich – die noch wenigen verbliebenen Bäumchen sich qualvoll hin- und her biegen!

Nein, es war eine nahezu friedliche Ruhe und beinahe könnte man meinen, der dustere Berg würde im Morgenlicht warm und hell erstrahlen.
Nur die hin- und wieder herunterpurzelnden Steinchen und das leichte Beben und Vibrieren des kargen Untergrunds dort droben ließen erahnen, dass da noch etwas Anderes sein musste.

Und wenn man nur mutig genug war sich des Höhlen-Eingangs zu nähern, einmal das Näschen in’s dunkle Kühl herein zu halten und mit einem Ohr aufmerksam lauschte, dann würde man es verstehen.

Was dort gerade vor sich ging.

Ja, es war niemand Anderes als der Grinch selbst!

Der sich da windete und schwerfällig von der einen Seite auf die Andere rollte.
Wie er sich im Schlafe am zottelig-verknoteten Fell kratzte und genüsslich mit der stinkigen Schnauze schmatzte.
Wie er grunzte und schnarchte, hin und wieder nach rettender modriger Luft schnappte und leise aufschrie.
Vor Entsetzen?
Man könnte der Annahme sein, es sei ein fürchterlicher Alptraum, der unseren stets miesepetrigen Rabauken in einem derart tiefen und vermeintlich qualvollen Schlaf heimsucht.
Ganz gewiss könne dies bei einer solchen Kreatur nur ein aberwitziger, gemeiner Alptraum sein!

Wäre da nicht dieses selig-zarte Lächeln.

Mann müsste sich nur trauen und ganz genau hinkucken.
Nur gerade so nahe heran, dass der schwefelig-übelriechende Atem die eigene Stirn streift.
Und man könnte es wahrnehmen und erkennen:
Dieses leichte Zucken der grinchigen Mundwinkel!

Denn sonderbare Dinge gingen vor sich an diesem Spät-November-Morgen.
Ja, es war ein Traum, der da unseren schnarchenden und furzenden Kumpanen so sehr fesselte, dass es kaum einem Höhlen-Eindringling gelingen vermochte, das struppige Viech zu erwecken!
Zu dessen eigenen Glück versteht sich! 😉

Ein Traum durchzogen von neblig-süßem Plätzchenduft.

Ein Traum von fröhlichen Kindern in der überfüllt-mehligen Küche.
Der alte Zuckowski würde im Hintergrund seine „Best of“ trällern und kleine, klebrige Mehl-Nasen würden lautstark mit einstimmen.
Der Ofen würde wohlige Wärme spenden und während draußen die Dunkelheit einzog, würden im Inneren duftende Kerzen flackern und Zimt-süße Köstlichkeiten die Herzen erhellen.

Er träumte vom rauchig-harzigen Geruch der Weihnachtsmärkte, überdimensionalen Riesen-Pyramiden und freundlich lächelnden Nussknackern.
Von heiß-rotem Gebräu, welches warm und sanft den eigenen Schlund hinunter rinnt und Gemüter (und Beine!) weich werden lässt.

Er träumte von selbstgenähten (WHAT!?) Adventskalendern und prall gefüllten Nikolaus-Stiefeln.
Von durchfrorenen Kinderfüßchen und Händchen nach einem langen Spaziergang durch die kühle Winternacht und anschließendem heißen Kakao vor dem nicht vorhandenen Kamin!

Und er träumte noch weiter.

Und während er sich laut stöhnend vom kugelrunden Bäuchlein auf den felligen Rücken hievte, entwich ihm abermals ein verzückter leiser Aufschrei!

Vor seinen geistigen Augen strahlten Kinderaugen unter’m Tannenbaum um die Wette, bunt-glitzerndes Geschenkpapier flog im hohen Bogen auf’s dunkle Laminat und vorzüglicher Bratenduft durchströmte das ganze Haus.

Er träumte von vielen aufgekratzten und vor allem seeehr lauten Menschen.
Von Dingen, die im Eifer und Trubel zu Bruch gingen und Unmengen an Geschirr, hastig an der Garderobe abgelegten Mänteln und Schuhen.
Er träumte von Wein (weniger von Gesang) und dicken Umarmungen.
Von Tränen der Rührung (Nein! Nicht vor Zorn! NICHT in diesem Traum!) und ganz besonders von einer kabellosen Lichterkette am nordmännischen Tannenbaum!

Hach! Beim Gedanken daran seufzte er sanftmütig.
Wie einfach sich diese doch an den Baum knipsen ließe! Welch hübschen LED-Glanz sie (von der Couch einschaltbar) doch im gesamten Erdgeschoss des kleinen Einfamilien-Häuschens verbreiten würde!

Der Grinch sprudelte beinahe über vor Glück, beim Gedanken daran!
Giftig, grüne Blubber-Blasen der Verzückung entwichen dem teilweise zahnlosen Knottersack und sickerten über die fahl-grüne Wange auf den harten Steinboden der grinchigen Höhle!

Welch sonderbarer Traum!

Und die Moral von der Geschicht‘?

Leute! Ich bin in Weihnachtsstimmung! Gemuffelt wird (noch) nicht!

Habt alle eine schöne Vorweihnachtszeit!

Eure 

Alex

 

P.S. Kommt mir jetzt bloß nicht mit Verbesserungsvorschlägen, wo der Grinch eigentlich lebt und wie er in Wirklichkeit so haust! 😉
Ich nahm‘ mir die Freiheit heraus, nicht zu recherchieren.
Schließlich geht es hier um meine ganz eigene und sehr persönliche Version des knotterig-grünen Kumpels!

Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex! 😉

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