Der Kühlschrank ist immer offen! – Kinderernährung reloaded

73+

Es läuft gefühlt hoch und runter. Jeden einzelnen Tag.
Und würde ich nicht einen Riegel davor schieben, womöglich stundenlang.
Manchmal setze ich mich daneben, verweile einen Moment auf der Couch und fühle mich in meine eigene Kindheit zurück versetzt.
In’s Wohnzimmer meiner damaligen besten Freundin. Denn die konnte es im Gegensatz zu mir schauen, während ich – noch fern jeglichen Kabel-Fernsehens  – höchstens mit der Uroma den alten Heinz Schenk rauf und runter sah.

Die Kinder schauen „Full House“. Gerne auch die Neuauflage „Fuller House“.
Und was mir wohl in meiner Kindheit entgangen ist und ich schlichtweg überhörte, hat sich schnell zum Lieblings-Spruch meiner Kinder entwickelt:

„Die Tür ist immer offen!“

heißt es dort, klopft jemand an die Haustüre.

Wahrscheinlich mögen die Kinder das so sehr, weil es sie an den eigenen Zugang zum Einfamilien-Häuschen erinnert.
Denn Willkommen ist bei uns auch fast jeder, insbesondere jedes Nachbarskind.
Und da mir das tagsüber auch irgendwann zu stressig war, befindet sich auch unsere eigene Haustüre seit jeher die meiste Zeit auf „Schnapper“.
Dafür schließe ich halt neuerdings ab, muss ich mal schnell dringend auf’s Klo! 😉
Die Tür ist immer offen, könnte also durchaus auch bei uns lautstark gerufen werden!
Und klammheimlich zische ich stattdessen jedes einzelne Mal ein bisschen zynisch vor mich hin

„Der Kühlschrank ist immer offen!“

Denn auch hier würde ich Herzens-gerne ab und an einen Riegel vorschieben!

Sobald die Kinder das Haus betreten höre ich sie. Unentwegt!
Ich höre ständig, wie die Kühlschrank-Türe auf und zu geht!
Und zwar ganz gleich, ob es nicht Minuten zuvor ein gesundes, frisch gekochtes und reichhaltiges Mittagessen gegeben hat!
Und das ärgert mich!
Es verletzt meine Hausfrauen (don’t call me Hausfrau!)- Ehre!
Ich habe das Gefühl, all‘ meine Bemühungen, den Kindern etwas Nettes und Nährstoffreiches (und vor allem Warmes!) zu kochen, werden nicht wertgeschätzt! Wie auch – sind ja schließlich Kinder. 😉

Der kleine Hunger zwischendurch

Und ebenfalls schließlich befand sich bis dato ja auch IMMER ein leckerer Joghurt und ein Schoko-Riegel im Kühlschrank.
Für den kleinen Hunger zwischendurch.
Denn dem wurden nicht nur ganze Werbespots gewidmet – nein, er scheint meine Kinder nahezu minütlich zu überkommen!
Ich könnte es einfach untersagen, meint ihr? Pah! Als ob!
Dazu würde es schon ein Zahlenschloss benötigen, denn spätestens wenn ich (selber eingeschlossen) auf’m Pott hocke, höre ich sie wieder. Bumm! Schlägt die schwere Kühlschrank-Türe erneut gegen das Gummi!
Nein, es musste eine andere Lösung her!

Eine Lösung muss her

Ich will und kann es den Kindern nicht verbieten, auch zwischen den Mahlzeiten etwas zu essen.
Schließlich plagten mich lange Zeit ganz andere Sorgen.
Denn als Mama von Kleinkindern, die jahrelang sämtliche Brei- und sonstige Mahlzeiten verweigerten, war ich schließlich froh, wenn das Kind sich zwischendurch holte, „was es brauchte“.
Und zwar gerne in Form von Apfelstückchen, Reiswaffel, Bananenbrei & Co.

Dem Kleinkindalter ist mein Größter mittlerweile längst entwachsen und irgendwann zogen sie ein:
Die Joghurts. Und Kinder-Riegel.
Und all dieses überflüssige Gedöns, welches Kinder nicht wirklich zur Sättigung und gesundem Wachstum brauchen.
Die schnelle Lösung gegen aufkeimenden Appetit!
Und ich gebe zu, ich war sicher diejenige, welche die ganzen Dinger kaufte.
„Damit das Kind wenigstens etwas ist“

Aus wenigstens etwas wurde allerdings schnell sehr viel.

Für eine Weile schien es mir so, die süßen Joghurts seien das alleinige Grundnahrungsmittel aller drei Kinder!
Kühlschrank auf, Deckel ab, Löffel rein, fertig! Geiler geht’s kaum.
Und ich war ebenfalls diejenige, die Nachmittags Becher für Becher aus dem Untergeschoss entsorgte und gen Mülleimer beförderte!
Am A……!

Lange wollte ich nicht einsehen, dass hier etwas schief läuft.

Es war der Mann im Haus, der hier ein Machtwort („Machtwort gesprochen!“) sprach!
Und er hatte Recht: es musste sich etwas ändern!
Kinder sind nicht in der Lage, alleine auf ihre Ernährung zu achten und sich somit überwiegend gesund und nährstoffreich zu ernähren!
Das ist unsere Verantwortung. Und wenn wir schon das Essen nicht verbieten können, dann ist es unsere verdammte Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das was die Kinder bei der täglichen Futtersuche vorfinden etwas Anderes ist!

Denn ich muss zugeben (ganz kleinlaut!!), bei allen vergangenen Lästereien Euch „Dinkel-Plätzchen-Moms“ gegenüber,
so’n bisschen Recht habt ihr ja! 😉

Wir können nicht alles durchgehen lassen und mit einem achselzuckenden „Hauptsache das Kind isst“ hinnehmen!
Ich möchte nicht, dass mein Sohn sich irgendwann unglücklich im Spiegel mustert und es mir letztendlich zum Vorwurf macht, nicht besser auf ihn aufgepasst zu haben. Und eben einen (schoko-freien) Riegel davor geschoben zu haben!
Denn er befindet sich gerade in einem Wandel. Der ganze Körper ändert sich, mein Kind kommt in die Pubertät, riecht urplötzlich nach körperlicher Anstrengung wie ein Iltis, hat meine Schuhgröße mittlerweile überholt und nähert sich Gewichts-mäßig gefährlich nahe dem meinen!
Es steht mir nicht zu, über seinen Körper, der die nächste Zeit womöglich ordentlich Kopf steht und durcheinander gewirbelt wird, zu urteilen. Doch möchte ich ihm eine führende, verlässliche Hand auf dem Weg zu gesundem Körperbewusstsein sein!

Es funktioniert!

Schaut man heute in unseren Kühlschrank findet man statt der üblichen fertig gezuckerten und gemischten Joghurts, die mit Knusperflocken, Schokolinsen und dem ganzen (echt teilweise ekelhaften!) Gedöns nur noch Folgendes vor:
Fettarme Naturjoghurts und frische Marmelade aus dem Kühlregal!
Ist ja auch Zucker, sagt ihr jetzt enttäuscht?
Mag sein, aber es handelt sich hier nicht mehr um das schnelle, bequeme Fast-Food! Nix mehr convenient!
Haben die Kinder Gelüste nach süßem Erdbeer-Joghurt, so müssen sie diesen SELBST herstellen!
Es benötigt dazu also Schälchen, Löffel, den Naturjoghurt und die Marmelade!
Und zuletzt eben etwas Zeit.

Wir haben entschieden, den Kindern die Naschereien zwischendurch so unbequem und gesund wie möglich zu gestalten!

Und verzeiht mir, wenn ich jetzt hämisch vor mich hin grinse! Denn: Es klappt!

Die Kinder sind ok damit, dass es jetzt nur noch eine (!) selbst herzustellende Sorte im Kühlschrank gibt.
Und auch sonst findet sich dort kein Süßkram mehr.
Stattdessen hat sich die Mittlere zur Weltmeister-mäßigen Salatgurken-Schälerin und Vertilgerin entwickelt und frische Himbeeren ohne Zucker stehen bei uns hoch im Kurs.
Da ich auch sämtliche Chips und Riegel aus dem Apotheker-Schrank verbannte, ertappte ich doch kürzlich den Sohn dabei, genüsslich eine Banane (!) zu essen! Gefolgt vom salzfreien Studentenfutter.
Nun muss ich zwar Maiswaffel-Krümel aufsaugen, doch deutlich weniger Joghurt-Becher entsorgen und Schokoladen-Flecken bleichen! Yeah! Es kann also in der Tat SO einfach sein!

Auch mir tut es gut

Ich glaube mittlerweile es ist wirklich was dran an der Sache mit dem schädlichen weißen Zucker.
Und wenngleich es mir nicht gelingen mag, auf eben diesen komplett zu verzichten, so mag ich es zumindest ab und an versuchen!
Beim Blick in den Kühlschrank findet man jetzt ebenfalls Agaven-Dicksaft („Algarven-Dicksack“ wie ich versehentlich pflegte zu sagen 😉 ) vor!
Auch ich ertappe mich dabei, wie ich statt Schokoriegel klebrige Datteln in den Mund schiebe.
Datteln, die ich selbst dem Sohn schmackhaft machte!
Auch wenn ein Teil meiner Kinder diese zuerst für geröstete Kakerlaken hielt!
Diesen Scherz hätte ich mir aber auch echt sparen können 😉

Rückschläge und Ausnahmen sind erlaubt

Einmal im Monat jedoch werde ich rückfällig! Dafür kann ich einfach nix!
Sehr zum Unverständnis des Mannes! Aber der „hat ja auch keine Hormone!
Dann muss ich Kekse kaufen (immerhin suche ich dann die mit Hafer aus).
Dann MUSS es zum Abendessen auch mal Hot Dogs mit vielen Röstzwiebeln und Ketchup geben!
Dann lange ich in die vom Sohn – mittels Taschengeld selbst erworbene (hier brauchen wir noch eine Lösung!) –  Tüte Chips!
Und zwar mehr als einmal. Um mich dann über den üblichen Chips- (oder Hormon-) Pickel zu ärgern.
Aber solange es sich nur um zeitlich begrenzte Rückfälle handelt, ist das auch einmal in Ordnung so!
Denn nur Verbote schüren erst Recht den Heißhunger.
Ich möchte nicht eine von den Mamas sein, deren Kinder sich wild, zügellos und ausgehungert auf die Süßigkeiten-Schälchen anderer Leute stürzen. Schließlich ist alles eine Frage des Maßes!

Bis wir den Feinden des gesunden Maßes begegnen:

Die Feinde der gesunden Ernährung

Doch gibt es auch Widersacher unserer Mission.
Sie heißen Großeltern (Sorry dafür, aber is so!), Großtanten, Mitgebsel-Tüten, Nikolaus, Weihnachten, Fasching und Ostern.

Manchmal heißen sie auch einfach „Besuch“.

Denn mal ganz ehrlich?
Völlig vorenthalten können wir den Kindern den Sch…Süßkram ja gar nicht!
Und manchmal langen wir ja des Nächtens gerne auch mal selbst klammheimlich in all‘ die netten gesammelten Mitgebsel-Tüten vergangener Kinderparties!
Es wird uns wohl kaum möglich sein, den Besuch mit den mitgebrachten Schoko-Keksen wieder nach Hause zu schicken.
Und auch das mehrfach gut gemeinte Appell an Oma und Opa fruchtet nicht. Alles schon versucht!
Wer den Kindern Schoki & Co. schenken will, der tut dies auch weiterhin.

Ihr könnt Euch vorstellen, wie groß und voll bei drei Kindern allein die Schüsseln aus nicht käuflich erworbenem Zuckerkram sind!

Bald steht wieder Fasching an.

Und bei dem Gedanken an die dann prall gefüllten Tüten mit gesammelten (wirklich oller und klebriger) Kamellen dreht sich mir der Magen um!
Insbesondere, da ich genau weiß, dass sich heimliche Entsorgungs- und Vernichtungs-Aktionen wieder über Monate hinwegziehen werden!
Hier kann ich nur auf die Vernunft der Kinder hoffen und die Süßigkeiten-Ausgabe täglich einschränken!

Es ist ruhiger geworden, die letzten Tage.

Nicht nur, weil ich den Fernseher ab und an einfach ausschalte.
Nein! Ich höre auch die Kühlschrank-Türe deutlich weniger!
Stattdessen wichen dem altvertrauten Geräusch neue, ganz sonderbare!
Ich höre plötzlich das Knacksen des Walnuss-Knackers, das Klappern von Geschirr beim Versuch selbst geschmierter Knäcke-Brote und das Quietschen des Sparschälers an der grünen Salatgurke!
Not macht schließlich erfinderisch und dennoch zwischendurch satt! 🙂

Eure 

Alex

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73+

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Ein Gedanke zu “Der Kühlschrank ist immer offen! – Kinderernährung reloaded

  1. Dresden Mutti Antworten

    Meine Kinder gehen nie an den Kühlschrank, weil sie da nur ein paar angefangene Soßen vorfinden, ein halbes Stück Butter und vielleicht etwas Käse. Vielleicht noch 2 übrig gebliebene Eier… Oh, ist das immer leer da drin…^^ Falls Sie wirklich Hunger zwischendurch haben sollten, gibt´s aber eine „Obstbar“ in unserem Regal – da schneide ich gerne einen Apfel klein, wenn sie fragen. Ansonsten gibt´s zwischendurch nix. Ich finde deine Ideen aber auch sehr gut – schön, dass du eine Lösung für euer Problem gefunden hast. 🙂

    1+

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