Das Kita-Entwicklungsgespräch – wichtiger Austausch & halb so wild

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Fast kann ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
Es ist beinahe schon ein ganz kleines Gefühl der Genugtuung.
Eine beruhigende Bestätigung.
Als ob das kleine garstige Männchen auf der Schulter und in meinem Ohr (NEIN! Sie hört keine Stimmen!!!) sich gerade gleichzeitig hämisch lachend auf die Schenkel klopft und ins knubbelige Fäustchen prustet.

„Haha! Sie-macht-es-dort-ganz-genau-so!“

schreit es mir in’s Ohr und kann sich dabei vor Lachen kaum noch halten.
Und innerlich ob dieser neuen Gewissheit aufatmend, lehne ich mich entspannt im Stuhl zurück.

Es ist Entwicklungs-Gespräch in der Kita.

Mit mir im Raum befinden sich zwei junge Erzieherinnen, jede Menge Gummibärchen, Wasser, Kekse – und eben ich.

Und was mir vor einigen Jahren noch Magenschmerzen bereitet hätte, lässt mich nun gelassen mit gleichgesinnten Menschen austauschen! Denn so sehe ich mittlerweile ein derartiges Gespräch!

Als Austausch!

Keine Verurteilung oder Vorführung!
Und dieser ist ernst zu nehmen und wichtig.
Denn solch „lästige“ Termine zu schwänzen – das haben unsere Kinder nicht verdient!
(Und doch hatte auch ich zugegebenermaßen kurz überlegt, ob denn das Gespräch im eigentlichen Jahr des Schuleintrittes nicht viel wichtiger wäre).

Warum gleichgesinnt?

Weil gerade in diesem Räumchen drei Menschen hocken, die ALLE mit einem nicht weniger liebenswerten und ganz wunderbaren Persönchen arbeiten, leben – und gerne auch ausgiebig verhandeln und diskutieren müssen!
Meiner kleinsten Tochter! 😉

Und ja, die Tatsache, dass meine laute und willensstarke Tochter, dieses äußerste selbstbewusste Kind, auch die Kita-Erzieherinnen an ihre (Gedulds-) Grenzen bringt (sie umschreiben es selbstverständlich) – und einmal quer über den Kita-Flur mit einem unüberhörbaren „Fäääährtig!!!!“ zum Popo-Abputz-Dienst ruft, DAS beruhigt mich!

Denn ich dachte, sie macht das nur mit mir zu Hause:

Dieses ewige Gequengel, wann ich denn endlich mit ihr spiele, die fordernden Befehle während des Spiels und die schier nicht zu bändigende Energie verbunden mit einer unüberwindbaren Ungeduld.
All‘ diese Eigenschaften – sie tauchen nicht nur zu Hause auf.

Mein Kind drückt nicht nur meine Knöpfe und spielt mit meiner mütterlichen Gutmütigkeit.

Nein! Sie ist einfach sie selbst.

Auch in der Kita!
Und mit all‘ ihren Eigenheiten, dem „Psycho-Terror“ (wie es die Geschwister manchmal gerne beschreiben) liebe ich mein Kind. Bedingungslos!!!
So wild, wie es nun einmal ist!

Ich fühle mich noch heute unendlich dankbar für dieses dritte Kind, welches so voller Lebensfreude und Tatendrang ist, welches von allen Dreien gefühlt das Glücklichste ist!

Und geht es nach mir, soll sie genau so bleiben!

Auch wenn’s manchmal unendlich nervt! 😉

Gegenseitiger Austausch

So sind wir uns im gegenseitigen Austausch auch in vielen Punkten schnell einig, nicken zustimmend mit den Köpfen und lachen hier und da über dieses Wesen, welches einzigartiger und willensstärker nicht sein könnte.

Sie sei zu unaufmerksam und ungeduldig wird mir im Laufe des Gespräches berichtet.
Selten könne sie ruhig auf dem Stuhl sitzen bleiben, immer in Bewegung, ein ewiges hin- und herrutschen und erneutes Aufstehen.
Alles Dinge, die ich tagtäglich im Alltag beobachte.
Selten könne sie Dinge zu Ende bringen.
Startet höchst konzentriert, doch bricht die Tätigkeit nach einer Weile ab, aus lauter Furcht an anderer Stelle noch Spannenderes zu verpassen.
Probleme mit der Wahrnehmung habe sie und man empfehle aufgrund der genannten Dinge Ergotherapie.

Kritik mir gegenüber?

Und früher hätte an diesem Punkt nun das Gespräch eine Wendung genommen.
Ich hätte das alles gewiss als absolute Kritik mir selbst gegenüber und meiner Art und Weise zu erziehen empfunden.
Wäre gekränkt und hätte mich als Total-Versager gefühlt.
Hätte mich abermals im (geistigen!) Bild der absolut chaotischen Familie bestätigt gesehen.
Und hätte angefangen zu überlegen.

„Was und wie viel sollte ich von zu Hause erzählen?“ 
„Wird mir hier nun Gesagtes im Munde herum gedreht und gegen mich verwendet?“

Nein!

Es ist und bleibt ein Austausch – und keine Verurteilung!

Die beiden jungen, selbst noch kinderlosen, Erzieherinnen geben Dinge und Beobachtungen wieder, die mir nicht neu und unbekannt sind. Und ich habe hier und jetzt die Gelegenheit zu reagieren, anzunehmen und eigenes Wissen einzubringen!
So muss ich zur Verteidigung meines herzallerliebsten Kindes erwähnen, dass meine Tochter sehr wohl konzentriert Zeit am Bastel-Tisch verbringen kann.

Ganze Winter-Nachmittage haben wir die letzten Monate zusammen bastelnd verbracht.

Und diese Momente finde ich dann immer ganz zauberhaft. 🙂
Wenn ich beobachte, wie das wild zerzauste Kind höchst angestrengt durch die Nase pustet und die Lippen spitzt.
So, wie sie es immer tut, wenn sie total in einer Sache versunken ist.
Weil sie es trotz aller möglichen Hyperaktivität kann!

Weil ich (und hoffentlich auch die Erzieherinnen) eben auch diese Seite beobachten und wahrnehmen können.
Mein Kind begann sehr früh und flüssig zu sprechen, benutzt mit Vorlieben Floskeln und Fremdwörter und verfügt über einen Wortschatz, welcher weit über dem altersentsprechenden Durchschnitt liegt.
Sie reitet, seit sie drei Jahre alt ist und verfügt in eben diesen Momenten (!) über eine ausgezeichnete Körper-Wahrnehmung.

Doch gibt es eben auch die anderen Momente.

Und noch ist nun einmal nicht klar, was überwiegt.
Und so will ich hier Beobachtungen und Empfehlungen annehmen und nicht die Augen verschließen.

Wird mein Kind später mit ADHS diagnostiziert werden?
Ich weiß es nicht.
Werden wir bald entsprechende Schritte zum Ausschluss dessen unternehmen?
Weiß ich ehrlich gesagt zu diesem jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht.
Aber ich nehme Beobachtungen ernst!

Denn ich weiß: Alle Beobachtungen kann ich bestätigen, Böses will im Entwicklungs-Gespräch niemand einer Mutter.

Warum ich mich ohnehin nicht verrückt mache (n lasse)

Und dennoch:
Selbst solche Aussagen wie die Notwendigkeit zur Ergotherapie (ich weiß noch immer nicht genau, was das eigentlich sein soll und sich hinter dem sagenumwobenen Begriff versteckt) oder gar die Vermutung einer möglichen Hyperaktivität (schließlich selbst schon drüber nachgedacht!) lassen mittlerweile meinen Puls nicht mehr in die Höhe schnellen oder gar Selbstzweifel entstehen.

Ich selbst entscheide, welche Informationen ich aus diesem Gespräch mitnehmen und verwerten werde.

Warum ich das Gespräch trotz allem für wichtig halte

Seien wir doch mal ehrlich:
Wir Mütter sind froh, dass unsere Kinder die Kita besuchen dürfen!
Mehrere Stunden täglich.
Sei es aus der schlichten Notwendigkeit heraus, weil wir arbeiten gehen oder auch ob des nicht minder wichtigen Aspektes, dass sich hier Kinder im günstigen Fall entfalten und wachsen können.

Und Sorry:
Ich bin der Meinung das können sie in einer Kita mehr als in einer 24/7 Eigen-Betreuung!
Als Dreifachmutter kann ich meine Fünfjährige gar nicht so fördern, wie es in der Kita möglich ist!
Ich kann nicht mehrere Stunden am Tag mit ihr spielen, sporteln, musizieren, basteln, motorische Übungen oder whatever machen!

Ich kann ihr hier – mal abgesehen von den Geschwistern – keine sozialen Kontakte ermöglichen und Sozialkompetenz entstehen und reifen lassen.
So etwas ist meiner Meinung nach in einer Kita möglich.

Ich hasse es, lümmelt mein Kind beispielsweise „halbkrank“ zu Hause auf der Couch herum und schreit entweder nach IPad, Fernseher oder Rundum-Beschäftigung durch mich.
Da ist sie vormittags (gesund!)  in der Kita besser „aufgehoben“, weil es unseren Kindern gut tut!

Und dann interessiert uns das Entwicklungs-Gespräch nicht?
Wir geben ab, nutzen Vorteile – aber hören wollen wir nix? Geht gar nicht!

Ich selbst weiß aus eigener Erfahrung, wie aufwändig die Arbeit mit Kindern ist.
Wie viel Hintergrund-Arbeit und Wissen von Nöten ist!
Dinge, die wir Eltern gar nicht sehen und wahrnehmen.
Auch ich schrieb im Rahmen meiner Tätigkeit als „Teacher“ meiner Kita-Kurse Protokolle und Berichte an die Eltern.
Ich selbst lernte noch vor einem Jahr online Leitfäden und absolvierte umfangreiche Prüfungen, um überhaupt mit Kindern arbeiten zu dürfen!
Es steckte eine Menge Arbeit dahinter.
Zwar gab ich diese Tätigkeit mittlerweile wieder auf , doch ist dies eine gänzlich andere Geschichte.

Wertschätzung den Erzieherinnen gegenüber

Ich weiß, dass wir die Arbeit der Erzieherinnen wertschätzen sollten und müssen!

Und da gehört ein solches Gespräch nun einmal dazu.
Insbesondere, da in unserem Fall wirklich viel Arbeit dahinter steckt, diverseste Übungen mit meinem Kind durchgeführt wurden (Oha!) und Berichte geschrieben wurden.
Ist eben doch nicht nur „Laber-Rhabarber“ und Wichtigtuerei. 😉

Hinzu kommt, dass meist den Kindern Nachmittags nicht viel zu entlocken ist, was den Vormittag in der Kita betrifft.

„Mit wem hast Du heute gespielt?“

„Weiß ich nicht. Mit niemandem!“

Welche Mutter hört hier nicht gedanklich das vorwurfsvolle

„denn ich habe keine Freunde und muss in der Kita fürchterlich leiden“ 😉

Nun, nach dem Gespräch weiß ich immer, wer die besten Freunde meiner Tochter sind und was sie sonst noch so alles vormittags anstellt! (Alles Andere als nix, seid beruhigt!)

Das Gespräch ist vorüber

Es sind mittlerweile über 30 Minuten vergangen.

Somit haben wir zu dritt die vorgegebene und einkalkulierte Zeit längst überschritten.
Aber so ist es nun einmal bei einem Austausch.
Ich nickte nicht nur, sondern hatte gleichermaßen Vieles (teilweise nicht ohne Augenzwinkern) über meine liebe Tochter zu berichten.
Die Tochter, welche in der Zwischenzeit ganz friedlich im Nebenzimmer spielte (geht doch! 😉 ) und welche ich nun ganz dolle in den Arm drücken und feste – und obermegapeinlich – knutschen werde!

Und den gelben Ergo-Flyer? Steck ich vorsichtshalber mal in die Handtasche! 😉

Eure 

Alex

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