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Kreidebleich & Käseblass – Mit Kindern im Freibad

Es ist immer der gleiche Ablauf. Jedes einzelne Jahr.
Dann, wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen zwischen Wolken hervorblitzen und ich den selbst gebastelten, wiederverwertbaren Kalender der mittleren Tochter umschlage.
Wenn das Foto vom im Sandkasten spielenden Kind mit dem pinken Sonnenhütchen erscheint.
Wenn in dicken fetten Buchstaben “Mai” auf der Fotokarton-Seite steht!

Dann bricht im Hause L. allgemeine Panik aus.
Denn dann ist’s nicht mehr lang und das Freibad macht auf!
Nervös werden Tage gezählt und Wetter-Prognosen gar stündlich kontrolliert.
Es werden Pläne für die diesjährige Freiluft-Schwimmbad-Saison geschmiedet und Wettkämpfe unter Geschwistern abgeschlossen und besiegelt (Wer macht zuerst das nächste Schwimm-Abzeichen?).

Ja, der allererste Freibad-Besuch im Jahr kommt bei meinen Kindern gefühlt gleich nach Weihnachten, Ostern und vielleicht noch dem eigenen Geburtstagsfest.
Er ist und bleibt ein entgegen zu fieberndes (oder hoffentlich besser nicht) Highlight!

Ganz genau so, wie jedes Jahr Anfang September – selbst bei 35 Grad Außentemperatur – faule und des Sommers müde Gestalten auf der heimischen Couch fläzen.
Das Wohnzimmer abgedunkelt – und die Glotze längst wieder angeschaltet.
Dann nämlich, wenn der so sehr herbeigesehnte Freibad-Besuch zur lästigen Routine geworden ist, die Pommes nicht mehr ganz so gut schmecken, wie im noch jungfräulichen Sommer – und auch der Sprung vom Fünf-Meter-Turm den gewünschten Nervenkitzel nicht mehr hervor ruft.
Bis alles im nächsten Jahr wieder von vorne beginnt.

Der erste Freibad-Tag – er ist so etwas wie eine Hürde, ein Meilenstein, den es jährlich zu meistern – oder auch überwinden gilt!

Mütterliche Panik bricht aus

Denn auch bei Frau Mutter ist’s dann jedes Jahr das Gleiche – inklusive der Panik.

Und so stehe ich da, vor dem Badezimmerspiegel und zähle.
Einhundertachtundsechzig, Einhundertneunundsechzig.
Bei Einhundertsiebzig entscheide ich zu kapitulieren und rote Punkte am mütterlich welken Korpus, rote Punkte sein zu lassen.
Es gibt einen Fachbegriff genau dafür, meist in Zusammenhang mit voranschreitendem Alter (!), doch erspare ich Euch diesen hier.
Ebenso wie die Erläuterung, von welchen roten Punkten denn hier nun genau die Rede ist.
Fakt jedoch ist:
Die Dinger stören mich!
Gerade vor dem verflixten ersten Freibad-Besuch!

Dann nämlich, wenn die Haut noch kreidebleich und käseblass ist.

Wenn ALLES, was am vierzigjährigen Körper nicht mehr ganz so frisch und jugendlich erscheint, im grellen Mittags-Sonnenlicht gar noch garstiger blitzt und blinkt.
Seufzend schnappe ich mir den Schminkspiegel und begebe mich zur nächsten kritisch prüfenden Kontrolle.
Ziel ist jetzt der Spiegel am Kleiderschrank des Sohnes (da fällt das Licht am Besten).
Was ich DA vorhabe? Na Hintern-Kontrolle natürlich!!
Und jetzt tut nicht so, als sei ich die einzige (!) Mutter weit und breit, die vor dem allerersten Freibad-Besuch im Jahr äußerst zweifelnd die eigene Kehrseite im Rückspiegel mustert! 😉
Es folgen Gedanken, die ich hier nun nur ungern zugebe.
Sie könnten in ungefähr aber wie folgt klingen:

“Sieht man diese eine Pobacken-Delle unter der Bikini-Hose?”
“Oh weh, Du hast immer noch das gleiche Gewicht wie nach den Weihnachtsfeiertagen”
“MUSS das Freibad eigentlich JETZT schon aufmachen?”
“Klar, es sind nur 1,5 Kilogramm mehr – aber die, genau die (!) sieht man(n) doch sofort!!!”
“Scheiße! Warum hast Du kürzlich den Termin beim Phlebologen abgesagt! Da sind ja schon wieder neue Krampfadern!”
“Ob ich meine Schulter mit Camouflage abdecken sollte?”
“Und die Punkte (und Krampfadern) gleich mit?”

Entnervt schmeiße ich den “Rückspiegel” wieder in den Badezimmer-Auszugs-Schrank und entscheide mich für die eine Methode, die IMMER vor dem ersten Freibad-Besuch hilft:
Ich brauch einfach einen chicen, niegelnagelneuen Bikini!
Und zwar sofort!
Koste es, was es wolle!
Denn unmöglich kann ich den auffälligen neon-pinken (und mittlerweile verblassten) Zweiteiler vom vergangen Sommer tragen. Oder?

Es geht los!

Wenige Tage später, der dezent getupfte Bikini ist mittlerweile eingetroffen, ist es dann soweit und die Hürde Freiluft-Schwimmbad gilt es endlich einmal zu überwinden und Zweifel zu durchbrechen.
Gerne auch Schock-zu-frosten.
Ganz schön frisch heute, stelle ich zwei Wochen nach Eröffnung des Freischwimmbades fest.
Früher war es in diesem Jahr wetterbedingt tatsächlich nicht möglich, doch heute soll es also endlich soweit sein!

Da es wirklich noch arg windig und somit die gerade mal 23 Grad Außentemperatur gefühlt noch ein wenig frischer sind, haben wir uns dazu entschieden nicht das heimische Freibad zu besuchen.
Einige Orte weiter gibt es ein beheiztes Freibad, was ich gerade in der Vor- und Nachsaison und insbesondere beim Freibad-Besuch mit Kindern nur (wärmstens 😉 ) empfehlen kann!
Herrlich! Ins Wasser zu springen und dabei nicht frieren zu müssen!

Und auf einmal ist es toll!

Und es Eines ist auch jedes Jahr das Gleiche:
Ist erst mal auch nur ein einziges Mal der Sprung in’s Nass unter freiem Himmel überwunden, ist schon alles halb so schlimm!
Denn schließlich geht es ja darum, dass alle Familien-Mitglieder glücklich sind!
Und nicht um die Optik des eitlen Muttertiers (höchstens so’n bisschen!).

Und jedes Jahr genieße ich es zu beobachten, welchen Spaß die Kinder gerade zu Beginn der Saison im Schwimmbad haben.
Wie sie tauchen, lachen, albern und glucksen.
Wie die Kleinste selbstvergessen im Kinderplanschbecken (das zu meinem Entsetzen nicht beheizt –  dem Kind diese Tatsache aber egal – ist!) rutscht und turnt.
Ich beobachte, wie die mittlere Tochter im kuscheligen Bademantel auf der Decke chillt und döst (etwas, was ihr zu Hause nie zu gelingen vermag) und der Sohn Sorgen und Probleme unter dem Rauschen der alten Bäume vergisst.

Ja, wir lieben das Freibad! Jedes Jahr auf’s Neue!

Freibad mit Kindern ist und bleibt schön!

Denn trotz – oder gerade wegen – drei Kindern stellt der Besuch des Freibades für mich persönlich eine nette, entspannende Sache dar.
Das war schon immer so.
Selbst dann, als alle noch ganz klein waren und mit Argus-Augen beaufsichtigt werden mussten!

Denn alles was ich für einen wunderbaren Nachmittag und drei zufriedene Kinder tun muss, ist es zwei Taschen zu packen.
Zwei Taschen – und ich habe für einige Stunden Ruhe!

Muss nur nach der Kleinsten kucken und darf selbst mit ihr gemeinsam planschen und Sonne tanken.
Darf mein Kind von der Decke aus beobachten, wie es am Planschbecken mit Kindergarten-Freunden spielt und muss für die beiden gut schwimm-erprobten Kinder nur als Geldquelle für Pommes, Eis & Co. fungieren.
Ich habe keinen Dreck und Durcheinander zu Hause und muss auch kein blödes Planschbecken aufbauen, welches nach nur fünf Minuten ohnehin uninteressant ist.

Gehe ich in’s heimische Freibad, ist immer jemand da, den man kennt.
Liebe Menschen zum Plaudern und gegenseitigen Kinder-beaufsichtigen und Freunde der Kids zum Spielen.

Das alles fällt mir wieder ein, habe ich endlich den ersten Schritt ins Schwimmbad geschafft und hocke (zwar noch etwas verhalten) im sündhaft teuren, neuen Bikini auf der Pünktchen-Decke.
Der Sprung in’s (Bio-Energie-beheizte) Bad ist geschafft!
Auf das noch viele weitere tolle Tage – und ein hoffentlich grandioser Sommer folgen!

Viel Spaß beim Plantschen!

Eure 

Alex

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