Das stille Leiden – Vom Mittelschmerz zur prämenstruellen Depression

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Es zieht und zwickt unfassbar unangenehm und zwingt mich gerade auf die Couch.
„Geh‘ zum Arzt“ sagt der Sohn erschrocken auf meine Aussage, ich hätte Bauchschmerzen und bräuchte kurz eine Pause.
Bauchschmerzen, die aus dem Nichts auftreten – und nach ein paar Stunden wieder verschwinden.
Und so stark sind, dass ich alles liegen lassen muss.
Den Staubsauger, die eben noch enthusiastisch abgezogenen Betten und den Mann.
Den muss ich auch links liegen lassen.

Nachdem ich ihn eben mürrisch und vor allem grundlos angemault hatte.
Immerhin weiß ich jetzt, warum ich mich seit zwei Tagen so unendlich faul, müde und träge fühle.
Ich weiß, warum der Kuchen heute wieder schmeckt und warum Witze unterhalb der Gürtellinie die letzten Tage besonders verlockend und urkomisch waren.
Und warum ich den Gatten besonders lieb hatte.

Und ich weiß auch, dass ich genau genommen nicht wirklich Bauchschmerzen habe!

Ich ovuliere!

Das sollte ich jetzt hier nicht schreiben?
Ist ein Tabu und wirklich zum Fremdschämen?
Mit diesem Frauen-und Hormon-Kram soll ich endlich aufhören?
Nun, wurde mir alles schon gesagt und geraten.

Mach‘ ich aber nicht!
Warum auch!?
Denn meistens kamen eben jene Ratschläge vom männlichen Geschlecht – und außerdem bin ich es leid, dass Frauen bei solchen Dingen noch immer nicht wirklich ernst genommen werden!
Ich habe einen Gynäkologen.
Ein netter, sympathischer und vor allem kompetenter Kerl.
Ich mag ihn sehr und auch seine Frau, fühle mich in der Praxis wohl.
Doch berichte ich über lästige und unangenehme Schmerzen beim Eisprung oder gar den Hormon-gefluteten, tränenreichen Tagen vor den Tagen, dann stoße ich lediglich auf ein Achselzucken.
Wie auch sollte ich hier Verständnis erwarten?
Auch mein ehemaliger Gynäkologe – ebenfalls wie der Begriff schon verrät männlichen Geschlechts – spielte Klagen diesbezüglich herunter.

Dabei gibt es das alles, worüber ich allmonatlich leide und klage, nachgewiesenermaßen!
Es existiert und ist nicht eingebildet!
Und doch sollen wir Frauen hier an dieser Stelle die Klappe halten, mit verkniffenen Lippen den Schmerz weglächeln, uns nicht so anstellen und weiter machen wie bisher.

Wir sollen Hormone nicht Überhand nehmen lassen und schon einmal gar nicht alles auf eben jene schieben.
Prämenstruelle Depression oder gar Dysphorie?
Billige Ausrede und totales Hirngespinst!
Flüssigkeitsansammlungen an undenkbaren Stellen im eigenen Körper, welche regelmäßig vor den Tagen zu Schmerzen führen?
In Brust und Unterleib!?
Hab‘ ich laut Ultraschall definitiv.
Aber ich soll halt nicht meckern.

Frauen leiden leise

Monat für Monat leiden unzählige Frauen leise, weil es bei diesem Thema noch immer ein Tabu ist zu klagen.
Weil wir ja schließlich unseren Mann stehen und Emanzipation, gleichwertige Bezahlung und Beachtung wollen!
Schlucken Schmerzmittel und wischen heimlich am Klo Tränchen weg.
Anstatt offen drüber zu reden, was uns gerade körperlich einschränkt oder so sehr auf Gemüt und Seele drückt!

So will ich es einfach hier tun.

Nicht als Entschuldigung, nicht als Universal-Ausrede für den allmonatlichen psychischen Break-Down (und ich hab ihn wirklich!) und schon einmal gar nicht aus Wichtigtuerei.
Sondern um ein Tabu zu brechen und Augen zu öffnen!
Um die lieben Ehemänner ein klein wenig seltener mit dem Kopf schütteln zu lassen. 😉
Dann lass‘ Dir helfen!“ sagt immerhin der eigene Gatte, denn er versteht mittlerweile.
Weiß sich auf die jeweilige Situation einzustellen – und mir gerne auch einfach aus dem Weg zu gehen bis alles „vorüber“ ist
(„wake me up till it’s all over“ 😉 ).
Doch wie soll uns Frauen geholfen werden, wenn keiner zuhört!?

Der Mittelschmerz

Angeblich verspüren diesen nicht viele Frauen.
Etwa jede vierte bis fünfte.
Hierbei handelt es sich um einen in der Zyklusmitte auftretenden Schmerz während der Ovulation.
Meist als Folge des Folikel-Sprungs.
Da jedoch dieser Schmerz von Frau zu Frau unterschiedlich empfunden wird, kommt er meist gar nicht zur Sprache oder wird als nicht wirklich existent heruntergespielt.
Nun, ich kenne keine Schmerzen während der Regel – noch nie gehabt.
Diesen Schmerz jedoch sehr wohl!
Und wenn es zieht, drückt und spannt – so sehr, dass ein Laufen kaum noch möglich ist – dann ist das alles Andere als ein schlechter Scherz!

Brustschmerzen und Wassereinlagungen

Sie kommen unmittelbar nach dem verflixten Schmerz, der sich genauso schnell verdünnisiert, wie er aufgetreten ist.
Wasser speichert sich im Gewebe und führt zu unangenehmen Spannungen in Brüsten – und gerne auch Unterleib!
Ich berichtete erst kürzlich dem Gynäkologen von einer Art sichtbaren, schmerzenden Beule im Unterleib – unmittelbar nach dem Eisprung bis kurz vor Einsetzen der Regel.
Der Ultraschall bestätigte die Wasseransammlung, welche mir allmonatliche Probleme bereitet.

Depressionen

Ich ticke aus.
Anders kann ich es hier nun leider nicht beschreiben.
Und es tut mir so unendlich leid! Jedes einzelne Mal!
Für meine Kinder, meinen Gatten und mein ganzes Umfeld – ach was, für das gesamte Universum!

Es-tut-mir-leid!
Ich fühle mich in diesen Tagen wirklich nicht zurechnungsfähig!
Sage und schreibe furchtbare, dunkle und verletzende Dinge – und verliere fast vollständig den Glauben an mich selbst.
Ja, ich fühle mich ausgewechselt, stehe neben mir und bin nicht ich selbst!
Bis der Spuk vorüber ist und der Nebel im Hirn sich lichtet – und das dunkle Band von der Seele wieder verschwindet.
Was ich hier machen soll? Ich weiß es nicht! I don’t fucking know! 
Die dumme Hormonspirale entfernen lassen?
Gerüchten zufolge könnte sie der Grund allen Übels sein, doch wer weiß das schon wirklich?
Und vor allem:
Wer (außer dem eigenen Gatten!) hört hier tatsächlich zu?
Welcher Mediziner nimmt eine temporäre (!), Zyklus-bedingte Depression denn schon ernst?
Nun, leider ist mir persönlich noch niemand begegnet.

Und ich soll‘ ruhig sein. So scheint es mir.
Mich zusammenreißen und “leise leiden“.
So wie viele andere Frauen auch!
Soll Informations-Broschüren glauben, dass ich das bestmöglichste Verhütungsmittel für mich gewählt habe. Und dass alles, aber auch alles halb so wild und zum Teil reine, steuerbare Einbildung ist!
Ich soll weder eine Memme noch ein schimpfendes Ekel noch die Tränen überflutete Transuse sein!

Nun, den Ausschalter zum vollständigen Eliminieren der eigenen Weiblichkeit – ich hab‘ ihn leider noch nicht gefunden.

Eure 

Alex

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