Was Mütter so machen: Von allem ein bisschen

17+

Freitag-Nachmittag.
Lautstark ertönt Big Ben.
Und unverschämt grausam flutet unverzüglich garstiges Adrenalin den eigenen Körper – und lässt mich zusammenzucken. 

Orientierungslos blicke ich mich um, versuche Gedanken zu sortieren – und vor allem meinen ganz eigenen Aufenthaltsort klar zu machen.

Es dauert viele weitere Sekunden, bis ich raffe, dass der Big Ben unsere eigene Klingel-Anlage ist (jaaa, nach acht Jahren haben auch wir endlich eine Klingel – ich hasse den Ton schon jetzt!) und ich mich auf der heimischen Couch befinde.
Direkt neben der Kleinsten.

Der neueste Computer-animierte Kinderfilm dudelt im Hintergrund auf Netflix und Handy sowie Haarspange liegen neben mir auf dem Kissen.
Gleich neben diesem eigenartigen Sabber-Tropfen.
Ich muss wohl eingeschlafen sein.

Wie so oft bin ich Freitags-Nachmittags nahezu erschlagen, völlig erledigt von der vergangenen Woche.
Wenngleich es mir ebenso stets schwer fällt, überhaupt zusammenzufassen, was um alles in der Welt ich eigentlich alles in den letzten Tagen getrieben habe!?

Und wenn ich so versuche,  an die vergangene Woche zurück zu denken, fällt mir auf, dass ich vor allem Eines war: 

Von allem ein bisschen!

Ich war „Working Mum“

…aber nur ein bisschen.
Denn tatsächlich „arbeite“ auch ich hin und wieder.
Zwar nicht zu festen Uhrzeiten und nicht annähernd von nine till five.
Und doch gibt es Firmen, die sich „für die angenehme Zusammenarbeit“ (Hach! 😉 ) bedanken.
Unternehmen, mit denen ich Mails und Informationen austauschen muss – und für die es Aufträge fertig zu stellen gilt.

Und wenngleich mir diese Art von Arbeit unendlich viel Spaß bereitet, kann ich durchaus behaupten, bei all‘ der Freude auch ein klein wenig Aufwand am Back gehabt zu haben.

Ähnlich verhält es sich mit meiner Tätigkeit in der Grundschule, die ich seit Beginn des neuen Schuljahres wieder aufnehmen durfte!
Es macht Spaß, ist eigentlich auch nur einmal in der Woche,  eine willkommene Abwechslung und beschert der Mutti ein kleines Taschengeld!

Aber es ist auch anstrengend, Kräfte-zerrend eine ungewohnte Herausforderung – und benötigt ein äußerst stabiles Nervenkostüm.
Nun, hier und da schwankt und wackelt es noch gewaltig, aber ich arbeite daran. 😉

Ich war Krankenschwester

…aber nur ein bisschen.
Die Finger schmerzten nach dem Toben im Trampolin, die Nase blutete nach intensivstem Ballkontakt und der Hals kratzte kurz vorm Schlafen-gehen.
Und wie so oft fand ich mich auch in dieser Woche beim Kytta-Salbe schmieren und Verband wickeln wieder, gab Schmerzsaft und legte Kühl-Akkus in Küchentücher.
Fuhr ich mit irgendeinem dieser Wehwehchen zum Arzt? Nope.
Und trotzte hartnäckig dem vorwurfsvollen Blick der Mittleren.
Stattdessen vertraute ich auf meine Fähigkeiten als „Risiken-Abwägerin“, „Beurteilerin“ , „Beobachterin“, „Aussitzerin“ – und auf das, was man wohl Bauchgefühl nennt.

Ich hatte Sitzfleisch!

….aber nur ein bisschen
Während ich mich gezwungenermaßen im „Aussitzen“ unnötiger Aktionen üben musste.
Weil man uns von einer hiesigen Hausarztpraxis wegen Nix in’s nahe gelegene Provinz-Krankenhaus schickte!
Weil der Sohn lediglich einen Verbandswechsel wollte – nun aber zur Kontrolle des „komisch aussehenden“ Fingers sollte!
(Ei der war halt gebrochen!)

Doch lange konnte ich mich nicht im Hocken und Warten üben.
Zu sehr wuselten die Hummeln im Hintern und jammerte die Kleinste ob der gähnenden Langeweile.
Zu laut grummelte und zeterte mein Bauchgefühl.
Zu sehr ahnte ich, dass die ganze Aktion totaler überdimensionaler Quatsch ist!

Vier Stunden vergeudete Lebenszeit später sollte sich mein ganz eigenes Bauchgefühl abermals als richtig erweisen!

Dem Finger fehlt rein gar nix, er befindet sich vorbildlich artig im Heilungsprozess!
(Ich aber weiß nun, was Mordgedanken sind! 😉 )

Ich war Party-Planerin

….aber nur ein bisschen.
Morgen wird die Kleinste ihren 6. Geburtstag feiern!
Wir gestalteten also Mitgebsel-Tüten und befüllten diese, backten Rührkuchen – und ein erstes Mal nach Wochen wagte Frau Mutter zarte Annäherungsversuche mit der Heiß-Klebepistole.
Denn kreativ Basteln?
Kann ich halt auch nur ein bisschen!

Zumindest aber kann ich wohl behaupten, geht es heiß her, packe ich die Dinge an! 😉

Und dennoch bin ich bei diesem kommenden Geburtstag „nur ein bisschen“ die Party-Organisatorin.

Denn die Kleinste möchte im Hüpfburg-Eldorado feiern.
Gute Idee?
Weiß ich noch nicht, ich werde wohl separat darüber berichten.
Doch weiß ich, dass Schatzsuche, künstlerisches Mitgebsel-Gestalten, diverse Bewegungsspiele & Co. somit in der Planung wegfallen.
Ebenso wie der Hausputz im Nachhinein.
Schwein gehabt! 😉

Ich war Putzfrau

…aber nur ein bisschen.
Siedend heiß fiel es mir ein. Heute Morgen.
Der Boden klebrig, die Klos überholungsbedürftig, die Fensterbänke von feinstem Staub überzogen.
Was mir an den vorherigen vier Wochentagen gelang, erfolgreich zu verdrängen, holte mich nun übelst ein.
Ihr kennt das.
Innerhalb kürzester Zeit versuchte ich Staubwedel und Wischmop zu schwingen, Toiletten-Reiniger einwirken und Wäsche wieder duften zu lassen!
Um schweißgebadet und viel zu spät Mittags im Mama-Taxi zu sitzen. 😉

Ich war Lehrerin

…aber nur ein bisschen.
Die erste Mathe-Arbeit nach den Sommerferien stand an und während ich mit der mittleren Tochter noch schriftliche Addition und Subtraktion übte, nähere ich mich mit dem Gymnasiasten langsam der Bruchrechnung.

Ich war sportlich!

…aber nur ein bisschen.
Es verhielt sich in dieser Woche ungefähr so:
Ein Tag war ich fit und voller Elan, rannte um den See oder stampfte fleißig auf dem Crosstrainer – am nächsten Tag schmerzten Knochen und Muskeln.
Und legten sämtliche Vorsätze, das ganz eigene Fitness-Pensum ein klein wenig wieder zu steigern, lahm.
Zähneknirschend gebe ich hier nun zu, von fünf Tagen Sport in der Woche auf drei zurückgefallen zu sein.
Doch auch hier muss ich einfach auf mein Bauchgefühl hören – mehr ist aktuell nicht drin.

Ich war Ehefrau und Geliebte

…aber nur ein bisschen.
Denn ich bin alt und bekam im Anschluss Rücken! (Sorry, der musste sein! 😉 )
Anmerkung der Redaktion:
Beide Tätigkeiten übte ich an einem einzigen Individuum aus!

Ich war Köchin

…aber nur ein bisschen.
Denn nachdem ich außerplanmäßig abermals stundenlang den Wartebereich der Ambulanz besichtigen durfte (welcher leider nur mit ganz viel Phantasie der Bestuhlung eines Flughafen-Gates ähnelt) hatte ich keine Lust mehr zu kochen!
Das ließ ich die hübschen dunkelhaarigen Jungs vom Döner-Laden an meiner statt übernehmen! 😉

Viele „Bisschens“ machen auch müde!

Diese ganzen Bisschens jedoch führen nun dazu, dass ich mir erschrocken und verschämt die Sabber-Spur vom Mundwinkel wische.
Mich ruckartig aufsetze und versuche in Windeseile die Haare zu richten.
Um dem Nachbarskind die Türe zu öffnen und bloß nicht lädiert und verschlafen auszusehen.
Um keine Schwäche zu zeigen, weil ich gerade nicht mehr kann.
So kurz vorm Wochenende.
Was für ein Bullshit eigentlich! 😉

„Bisschens“ machen auch ein schlechtes Gewissen

Ich muss nicht erwähnen, dass diese unzähligen Bisschens, die ich hier noch alle vergessen habe, ebenfalls dazu führten, dass mir mein Gewissen abermals weismachen wollte, nicht gut genug zu sein.

Nicht alles zu schaffen, niemandem gerecht zu werden – und in der Mutterrolle ohnehin der ultimative Total-Versager zu sein.

Weil einfach nix rund und perfekt läuft.
Weil ich tausend Sachen begonnen hatte, aber nichts mit hunderprozentiger Hingabe vollenden konnte.
Weil ich so viele Ziele für diese Woche hatte – und rückblickend mal wieder nur einen Bruchteil (sag ich doch, Bruchrechnen!) davon auch nur annähernd erledigen konnte.

Die doofen Bisschens der vergangenen Woche wollen mir auch jetzt erzählen, hier nun nicht liegen zu dürfen!
Schließlich will ja noch die Überraschungs-Torte für die Kleinste gebacken und die Küche von den Überresten des Mittagessen befreit werden.

Ich war die Beste!

Und da fällt mir der Brief wieder ein.
Ich bekam ihn irgendwann zwischen all‘ den Bisschens in dieser Woche.
Von meiner lieben mittleren Tochter.

Und darin steht all‘ das, an das ich selbst nicht mehr glauben konnte.
Keine Vorwürfe, nicht mit ihr zum Arzt gefahren zu sein, fanden sich darin.
Keine Beschwerden – und ich fand auch keine Mängel-Liste.
Stattdessen war ich auf einmal schön, fürsorglich und liebevoll!

Und wenn ich ihn mir so durchlese, dann sind all die Zweifel, eigenen Vorwürfe und Gedanken, der Groll darüber, immer nur ein bisschen zu schaffen allesamt nur Eines:

Ein bisschen bekloppt! 😉

Habt ein schönes Wochenende!

Eure 

Alex

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