Und eitel stirbt das Muttertier

13+

Und ich soll meine wunderschöne Frau grüßen….“

Ungläubig und entgeistert blicke ich den Gatten an.
Fast schon darum bemüht, nicht das soeben in den Mund geschobene Stückchen Käse ob der Entrüstung und des puren Entsetzens wieder zu verlieren.
Der verarscht mich hier jetzt!!!

Ja, ich komme nicht umhin, Derartiges zu denken.
Würde ich es nicht besser wissen – und die Frau, von dieser jener Gruß stammt, selbst kennen.

Doch kommt diese Aussage in einer Zeit, in der ich unentwegt dagegen steuern muss.
Gegen innere Unsicherheiten und gegen das Gefühl, mich und das eigene Selbstwertgefühl nur noch gerade so greifen zu können.
Mit den in die Jahre gekommenen Fingern und dem abgesplitterten Nagellack versteht sich! 😉

Wieso sagt sie so etwas?
Und vor allem, wieso kann ich das eigentlich nicht glauben?

Kritische Blicke vorm Badezimmer-Spiegel

Hatte ich nicht noch am Morgen deprimiert den geflickten und zusammengezogenen Bauchnabel betrachtet – und die schrumpelige Haut darunter?
Die Haut, über welche ich stets verschämt mit einem allmählich routinierten Griff die Bikini-Hose zerre?

Hänselte mich nicht erst vorhin die Kleinste ob der kleinen grauen Härchen, die ausgerechnet am Haaransatz schon wieder sprießen – und deren Auszupfen ich müde geworden bin?
SO oft kann ich es mir finanziell gar nicht leisten, zum Friseur zu gehen, um erste graue Haare, die bereits nach vierzehn Tagen erneut sprießen, zu übertünchen!
Ärgere ich mich nicht massiv über die Tatsache, genau genommen nur alle sechs Wochen für kurze Zeit am eigenen Haupt jung und frisch auszusehen?

Und dann diese blöden Punkte! Überall!
Ebenfalls ein Zeichen verlebter Jahre – und höchstens unfassbar kostspielig mittels Laser zu entfernen.

Ich erinnere mich an einen Nachmittag in einem auswärtigen Freibad vor etwas mehr als zwei Jahren.

„Warum hast Du so viele rote Punkte am Bauch?

fragte mich seinerzeit ein Kind.
Denn die sagen ja dummerweise immer die Wahrheit! 😉
Nun, ich wusste ihr keine korrekte Antwort zu geben, fing an zu stottern.
Im Nachhinein – als ich die Mutter des Kindes erblickte – ich wünschte, ich hätte anders gekontert…

Hab‘ ich aber nicht!!!

Weil ich zwar hin und wieder äußerst gemeine Gedanken hege, aber so etwas niemals die eigenen Lippen verlassen sollte und würde!
Ein NoGo!

Weil wir Mamas uns ohnehin niemals gegenseitig fertig machen sollten!
Denn fertig machen wir uns ja selbst schon genug.
Auch ich!

Ja, ich bin eitel! Immer noch!

Weil wir viel zu kritisch mit uns und dem eigenen Körper ins Gericht gehen.
Weil wir uns selbst nie genug sind und  – manipuliert von Plakaten, Werbung & Co. – nie unseren Frieden mit uns schließen können. Sicher wissen wir um die Magie der Bildbearbeitungsprogramme und ebenfalls um die Existenz diversester Gegenbewegungen.

Wir verneigen uns vor den Gründerinnen der Body-Positiv-Bewegung und kennen diverse Filme und Dokumentationen möglicherweise auswendig. (Nicht ich, mir wars zu langweilig – sorry!)

Und doch nützt das alles nichts!
Wir Mütter (an dieser Stelle wird mir der Gatte nun empfehlen, ich solle nicht so oft in der „wir“-Form schreiben und eigentlich nur mich meinen) trauern der Jugend hinterher.

Ich werde alt!

Vor einiger Zeit bestellte ich mir eine Jacke aus der Jugendabteilung einer bekannten deutschen Modemarke.
Ich konnte sie tragen, figurlich, keine Frage.
Die Jacke war sogar schön!

Und dennoch ging sie zurück.
Sie passte einfach nicht mehr zu mir!
Und  ich würde gerade am liebsten mein Gesicht verschämt in den Kissen verstecken, während ich nun das Folgende schreibe:
Diese Jacke war einfach zu jung für mich!

Ich kann nicht mehr exakt das Gleiche tragen wie die sechzehnjährigen Mädels auf dem Schulhof!
Von den stylischen Sneakern an den Füßen einmal abgesehen.
Aber die müssen mir ja auch nicht zu Gesicht stehen! 😉

Ich merke, wie die Linchen im Gesicht nicht mehr zu den Stoffen vom Schweden passen und wenige teure Lieblingsstücke besser als ein Haufen Ramsch im Kleiderschrank sind.
Erst kürzlich kaufte ich mir ein paar low budget Schuhe und ärgere mich nun ’nen Ast über diese Aktion.

Ansprüche und Geschmack ändern sich

Denn ich mag das eigentlich nicht mehr!
Ich besitze so viele Schuhe, ich müsste die Leben einer fauchenden Katze besitzen um all‘ diese auftragen zu können.
Da ich zwar ganz ordentlich fauchen kann, jedoch ansonsten so wenig mit einer Katze gemein habe wie Flusspferde mit Stepptanz, fasste ich einen reifen Entschluss.

Ich will weniger!

Weniger Ballast, einen weniger vollen Kleiderschrank und dafür lieber mehr Geld – ausgeben.
Für Lieblingsstücke.

Es ist wohl einen Erkenntnis, die auch erst mit dem „Alter“ reifen muss.
Ich muss nicht zwingend die neuesten Teile der Saison im Schrank haben, damit sich diese nach eben jener ungeachtet im Schrank dümpeln.
Deshalb wird sich wohl auch in dieser Saison kein gelbes (urgs!) Oberteil in dem meinen Kleiderschrank wiederfinden!
Weil’s mir nicht steht und ich das nicht bin!

Und den Minirock?
Den ich seit jeher liebe, weil ich meine Beine eigentlich gern habe? Trage ich noch immer!
Nur trage ich dazu zumindest im Winter garantiert die blickdichte Strumpfhose (bahnbrechende Erkenntnis: Haut und Adern verändern sich im „Alter“! 😉 ) – und kombiniere niemals den tiefen Ausschnitt mit dem kurzen Beinkleid. Niemals.
Aber das ist ja schon lange Modegesetz.

Ich wollte mich nie gehen lassen!

Hab ich auch nicht.

Vor vielen Jahren tauschte ich Heels und Rock gegen meine neue Berufsbekleidung:
Die Jogginghose.

Denn ganz ehrlich?
Als Mama, die zu Hause die Kinder umsorgt, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, sich schick und ordentlich anzuziehen.
Uns sieht ohnehin kaum jemand und praktischer ist die alte Buxe allemal.

Lange gefiel ich mir in der Rolle aber nicht!
Schnell wich die Gammelhose zumindest der Jeans!
Selbst dann, verlasse ich den ganzen Tag das Haus nicht.

Denn mir selbst ist es wichtig, mich niemals ganz gehen zu lassen. Ich brauche es einfach für mich.
Hat es etwas mit Selbstfürsorge zu tun?
Den Schein aufrecht erhalten?
Innerstes zu verstecken – oder ist es einfach normal?
Ich weiß es nicht.

Eitel stirbt das Muttertier

Manchmal scherzen der Gatte und ich.
Lachen bei der Vorstellung, sollte ich jemals spontan hops gehen, es wäre wohl meine größte Sorge (sofern ich mich dann noch sorgen könne) jemand würde durch Zufall kleine, feinste Stoppeln an den Beinen entdecken.
Was für ein Abgang! 😉

Ich bin in der Hinsicht sogar so eitel, dass er mir neulich in der Dusche zerbrach!
Mein pinker Nassrasierer wurde offensichtlich Opfer des gewöhnlichen Verschleißes – oder aber der tatkräftigen Anwendung seiner ehrgeizigen und akribischen Nutzerin! 😉

Schminke Ja, zuviel davon Nein!

Und dennoch, auch im Badezimmerschrank finden sich deutlich weniger Teile vor, als noch vor zwanzig Jahren.
Damals, als ich es pflegte, in der Mittagspause ganze Drogerien leerzukaufen.
Ich weiß nun, was ich vertrage und kaufe über Jahre das gleiche Zeug.

Aber auch ich laufe hin und wieder wie ein Penner rum!

Gerade morgens nach dem Aufstehen.
Doch wohl fühle ich mich damit nicht.
Insbesondere, ertappe ich mich bei dem Gedanken, der Postbote könne genau jetzt klingeln und mich ungeschminkt, mit zerzausten Haaren und vor allem ohne BH ertappen! Gruselig!
Und wenn ihr mich fragt mehr als fern von „wunderschön“! 😉

Ich sollte vielleicht doch einfach mal glauben

Warum mach’ ich mich so fertig?
Wieso hätte ich dem Gatten beinahe nicht geglaubt?
Weshalb beäugen wir (ich – selbstverständlich meine ich nur ICH! 😉 ) uns kritisch im Badezimmerspiegel, zählen Makel und bemitleiden uns selbst und den eigenen Körper.

Statt uns zu freuen!?
Über diesen wunderbaren Körper, der so viel Unglaubliches vollbracht hat!

Und genau genommen bin ich eigentlich

Dankbar!

Ich habe große Ehrfurcht vor dem Körper, den ich als Teenager beinahe weggeworfen hätte.
Der mir drei Kinder geschenkt und diese ernährt hat!

Ein Körper, der lebt und so unendlich viel leistet – mit jeder Faser.
Ein Körper, der heute, mit vierzig Jahren, sogar sportlicher ist als je zuvor!
(Kampfgeist und Disziplin! Wer bei drei Kindern mithalten will, braucht die knallharte, sportliche Ausbildung eines FBI-Agenten! 😉 )

Und solange dieser Körper mich halbwegs gesund (!) auf zwei Beinen durchs Leben trägt, sollte ich unendlich dankbar sein!
Und schon einmal keine roten Pünktchen zählen!

Ich glaube fast, wer das endlich begriffen hat, sofern ICH das endlich begriffen habe, dann sind wir Frauen Eines:

Wunderschön!

Eure 

Alex

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13+

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2 Gedanken zu “Und eitel stirbt das Muttertier

  1. Dresden Mutti Antworten

    Ey Alex, darum solltest du dir echt keine Gedanken machen – Wenn jmd. die „schöne Frau“ grüßt, dann zieh dir den Schuh sofort an, gerne auch die Sneaker, denn das bist du auf jeden Fall. Genieße diese Schönheit und mäkle bloß nicht dran rum! 😉

    0
    1. Mama steht Kopf Antworten

      Oh ganz ganz lieben Dank für Deine Worte!!! Bis hoffentlich bald mal wieder! Habt ein tolles Wochenende! Liebe Grüße, Alex

      0

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