Mission Couch gescheitert – Wenn der Tag zu wenig Stunden hat

18+

Leute! Es war ruhig hier auf dem Blog. In dieser Woche.
Es ist mir im Übrigen bewusst, dass „Leute!“ möglicherweise nicht die feinste und netteste Art ist, seine Mitmenschen anzusprechen.
Aber es widerstrebt mir, hier „Ihr Lieben“ zu schreiben.
Nicht, weil ich Euch nicht für lieb halte, sondern aus dem ganz banalen Grund, dass es einfach jeder tut.

Jeder beginnt eine Mitteilung oder einen Satz mit „Ihr Lieben,“.
Ich nicht.
Das hat etwas mit trotzigem Gegen-den-Strom-schwimmen zu tun – und weil ein dahergesäuseltes „Ihr Lieben“ meiner Meinung nach einfach nicht zu mir passt. 😉
Und schon gar nicht zu meinem anderen ICH – aber dazu später!

Ich jedenfalls möchte in Wahrheit nämlich auch nicht immer mit „Du/Meine Liebe“ angesprochen werden – oder dies auf allen möglichen Plattformen lesen.
Denn woher wollt Ihr denn wissen, ob ich gerade „eine Liebe“ bin? 

Vielleicht motze und zürne ich ja gerade?
Stampfe mit dem Fuß auf und hüpfe wie ein wild-gewordenes, keifendes Rumpelstilzchen um die eigene Brut?
Und bin in diesem Augenblick bar jeglicher Selbstbeherrschung?

Doch ich schweife ab. 😉

Warum war es hier so ruhig?

Nun, meistens ist es auf den sozialen Netzwerken gerade dann ruhig, wenn das echte Leben in vollem Gange ist!
Wenn einfach keine Zeit für Schlagwörter, Bildbearbeitung und geeignete Hashtags vorhanden ist.
Weil die Mutterrolle ohnehin genügend fordert – und am Abend nur noch morsche Knochen und Dunst im Hirn übrig bleiben.
Verbunden mit der Frage

„Was hab‘ ich heute überhaupt getan!?“

Denn, „Ihr Lieben“, eigenartigerweise trägt es sich in letzter Zeit wie folgt zu:

Jeden einzelnen Morgen – zum Vibrieren des Handys
(es ist überhaupt ein Wunder, dass das leichte Vibrieren des Mobiltelefons reicht, um mich aus wildesten Träumen zu reißen)
fasse ich den folgenden Vorsatz:

„Heute lümmel ich mal ’ne halbe Stunde auf der Couch.
Einfach so!“

Denn schließlich laugen nur fünf Stunden Schlaf auf Dauer aus!
(Ich habe es noch immer nicht gelernt, früher in’s Bett zu finden – und vor allem komme ich auch nicht eher dazu!)

Und außerdem verfalle ich selbst jedes Mal auf’s Neue der trügerischen Annahme, DIE Zeit sollte doch im Laufe eines Vierundzwanzig-Stunden-Tages für eine zu Hause gebliebene (und nur teilweise arbeitende) Mutter drin sein?
Oder etwa nicht?

Und genauso eigenartiger Weise endet dann auch jeder Tag mit der Feststellung, dass sich das Couch-Zeitfenster erst gegen 23.55 Uhr für mich öffnet.

Da zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits die müden Augen zutiefst brennen und der Gatte auch noch nicht zur Guten Nacht angerufen wurde (sofern denn abermals auf Dienstreise), schnappe ich mir resignierend Telefon – und das abendliche Glas Wein, das Walnuss-Eis und die Wasserflasche, und schleppe mich – und den ganzen anderen Klumpatsch – einfach in’s Bett.
Mission Couch abermals verfehlt! 😉

Aber was mache ich denn nun den ganzen Tag?

Zu Hause mit den Kindern?
Warum schaffe ich es verflixt nochmal nicht einmal kurz auf die Couch?

Nehmen wir doch den gestrigen Donnerstag – zufällig auch noch Halloween – als Beispiel:

Der Wecker klingelt um 06.10 Uhr.
Ich befinde mich meistens in der Tat noch in den wildesten (Nein, sie schreibt jetzt nicht heißesten!) Träumen, als mich das befremdliche Summen neben mir aus eben jenen reißt.

Ich nehme mir vor, dringend mal wieder den Klingelton einzuschalten.
Doch soll ich dieses Vorhaben schnell wieder verwerfen und vergessen – wie so viele andere Vorhaben an diesem Tag auch.

Da der Sohn um 06.35 Uhr das Haus verlassen muss, treffen wir uns beide im Badezimmer.
Und schweigen uns an.
Mit routinierten Griffen widmen wir uns der Morgen-Hygiene – und als der Gatte, der sich an diesem Tag bis Mittags im Homeoffice befindet, den Raum betritt, vermeide ich tunlichst jegliche Konversation mit dem männlichen Geschlecht.
Ich hasse es, morgens zu reden!

Um diesem Vorhaben mehr Nachdruck zu verleihen, schiebe ich die Unterlippe extra weit nach vorne, lege die Stirn in Falten und begrüße den Göttergatten mit einem liebreizenden „Hmmm“.

An diesem Morgen ist ohnehin alles Anders, denn die morgendliche Routine wird noch durch die Tatsache unterbrochen, dass die Kleinste statt in den Kindergarten um acht in den Wald gefahren werden muss.
Es ist Waldtag.

Das ist an sich eine schöne Idee, wäre da nicht die Sache mit der Matschhose, den Gummistiefeln, dem heißen Tee, den viel zu kleinen Handschuhen und der fehlenden Lieblings-Mickey-Mouse-Mütze.
Ihr ahnt es schon – die Hektik ist trotz aller guten Vorsätze vorprogrammiert!

Eineinhalb Stunden nach dem grässlichen Surren sitzen wir also fröstelnd im Auto.
Die mittlere Tochter (welche ich gleich bei der Schule rauswerfen werde), die Kleinste und ich.
Schnell jedoch zeige ich mich versöhnt, beim Blick auf die morgendlichen, vom Raureif überzogenen Felder – und ertappe mich fast dabei, ein klitzekleines Lächeln über die muffeligen Lippen huschen zu sehen.

Erleichtert gebe ich das kleinste Kind voll ausgestattet und super-pünktlich am Treffpunkt ab – und bin guter Dinge, was den restlichen Tag (und die einkalkulierte Couch-Zeit!) betrifft.
Während ich zum Supermarkt fahre, ereilen mich geistige Blitze und Ergänzungen für die mütterliche To-Do-Liste.

„Muss noch Reifen wechseln lassen…“

nuschel ich vor mich hin

„….und eine Überweisung für meinen Termin nächst Woche besorgen und das Rezept steht auch noch aus!“

Vorsorglich wiederhole ich alles dreimal gedanklich, steige vorm Discounter aus – und vergesse für den restlichen Tag Autoreifen, Überweisungsschein und Rezept!

Das andere ICH ist da!

Eine Stunde später finde ich mich in der nachbarschaftlichen Arztpraxis wieder – ein Impf-Termin in eigener Sache.
Hier allerdings soll ich schnell mit meinem anderen ICH kollidieren – und die Sprechstundenhilfe auch.
Unverschämterweise verweigert Frau (ausgerechnet!) mir die Injektion des selbst besorgen (und bezahlten!) Impfstoffes, da meine Körpertemperatur bei 37,3 Grad liegen würde.

Nun wird mir klar, weshalb die Euphorie der vorangegangenen Tage schlagartig einer nahezu lethargischen Trägheit gewichen ist.
Wieso Rock und Stiefel wieder in die jeweiligen Schränke wanderten – und Jeans und Boots wichen.
Wieso alle Menschen um mich herum doof (wie könnte ich jetzt „Ihr Lieben“ schreiben!?) und mir suboptimal gesonnen sind.

Willkommen in der zweiten Zyklus-Hälfte! 😉
Sämtlich Erklärungsversuche, dass ich definitiv keinen Infekt ausbrüte, scheitern jedoch – und Frau (ausgerechnet!) schickt mich unverrichteter Dinge wieder fort.
(Ich motze und stampfe abermals! 😉 )

…auch im „offenen Angebot“ der Schule stehen die Zeichen ganz auf „Halloween“ 😉

Der Vormittag jedoch ist nun schon wieder so weit fortgeschritten, dass nur noch wenig Zeit bleibt, um Einkäufe zu verräumen, Wäsche zu sortieren und das Mittagessen herzurichten.
Schließlich müssen wir später schnell essen – am heutigen Nachmittag werde ich wieder mit meinen lieben Betreuungs-Kindern in der Schule basteln.
Einige Taxifahrten und Stunden später müssen wir also hastigst den Mittags-Tisch verlassen – und ich zum vierten (!) Mal an diesem Tag zur Schule fahren (fragt nicht!).

Es ist bereits später Nachmittag, als ich von der Mittags-Betreuung zurückkehre und noch immer das Mittagessen auf dem Herd (nebst Geschirr selbstverständlich) vorfinde.
Der Gatte ist bereits wieder dienstlich abgereist – und dann war da ja noch die Sache mit diesem Halloween.
Auf der Couch saß ich bis zu diesem Zeitpunkt  – noch nicht.

Jetzt aber auf die Couch!

Als ich endlich wieder auf eine strahlend, glänzende Arbeitsfläche blicken darf und ein erstes Mal an diesem Tag überhaupt den Blick in Richtung gemütliche Kissenlandschaft lenke, steht die mittlere Tochter vor mir.
Mit dem Mathe-Buch.
Die Mathe-Arbeit am Folgetag!!
Wir lernen also.

(„Dann aber, dann kann ich kurz ruhen, bevor der Abendspaziergang zu Halloween ansteht!
Wäre doch gelacht!“)

Nun, das Lachen vergeht mir, als ich kurz darauf das eigene Badezimmer betrete:
Hier muss ein furchtbares Unglück passiert sein!
Während ich das arme Schwein – welches hier wohl offensichtlich geschlachtet wurde – suche, finde ich die Tube Kunstblut am Waschbecken-Rand.
Und Minuten später auch die jeweiligen Übeltäter:
Das Pubiertier  und das Vor-Pubertier übten sich im eigenständigen Halloween-Schminken – und ich putze Spiegel und Doppel-Waschbecken.

Akustisch untermalt wird jener Vorgang im Übrigen durch die minütlichen Quengeleien der kleinsten Tochter!
Wie immer am 31. Oktober ist die Aufregung ob der anstehenden Ereignisse groß – und ich muss das Kind jetzt schon verkleiden, Süßigkeiten herauskramen und angepinselte Kürbisse vor der Haustüre drappieren!

Unten piepst der Trockner und irgendwo klingelt ein in keinster Weise auffindbares Telefon.
Ich entscheide mich also dazu, noch schnell Wäsche zusammenzulegen, bevor es schon wieder dunkel ist.
Erschreckenderweise ist es dann jedoch auch schon kurz vor 18 Uhr und ich habe ein Date mit der kleinsten Tochter.
Ihr wisst schon, die Sache mit Halloween.

(„Aber dann, dann kann ich bestimmt mal auf die Couch!
Nur so ganz kurz!“)

Durchgefroren und (im Falle der kleinsten Tochter) völlig übermüdet und verschnupft
(Nicht ich! Ich ovulierte & prämenstruiere nur  – um mich noch einmal an der erhöhten Körpertemperatur aufzuhängen!)
erreichen wir gegen 19.30 Uhr das warme Zuhause.
Und haben alle Hunger!

Das abendliche Chaos beginnt!

Ihr ahnt, was nun folgt.
Man könnte es eine Aneinanderreihung vieler kleiner Notwendigkeiten nennen, die nun einmal anstehen, wenn Frau abends alleine mit drei Kindern im Hause ist.
Gegen 22 Uhr reißt die Kette jedoch endlich ab.
Alle Kinder sind im Bett!
Und ich bin noch immer untrainiert, ungeduscht und „ungecoucht“!

Kurzerhand entscheide ich mich, den ersten der genannten Punkte an diesem Halloween-Abend zu streichen – und finde mich im Untergeschoss zur Chaos-Beseitigung wieder.
(Wie viel Bonbon-Papier können drei Kinder im Haus verteilen!?)

Es ist 23.10 Uhr, als die Küche abermals aufgeräumt und das Erdgeschoss in einem adäquaten Zustand ist
(schließlich soll es der Mann schön haben, wenn er des Nächtens von seinem Termin zurückkehrt! 😉 ).
Es kommt, wie es kommen muss:
Das Glas Feierabend-Wein schnappe ich mir und stelle es auf die Badezimmer-Ablage.
Und während ich Beine rasiere und trockne, nippe ich hin und wieder an eben diesem.

Gemütlichkeit auf der Couch sieht irgendwie anders aus! 😉

Habt alle ein schönes (Couch-) Wochenende!

Eure 

Alex

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4 Gedanken zu “Mission Couch gescheitert – Wenn der Tag zu wenig Stunden hat

  1. samybee Antworten

    Was mir einen ganzen Tag auf der Couch verschafft hat, war ein Knie, mit dem ich nicht mehr auftreten konnte und das ich schonen sollte. Ich konnte mich ziemlich gut damit arrangieren, weil es Feiertag war, draußen regnete und die Kinder mit ihrem Besuch beschäftigt waren. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich Dir ein schmerzendes Knie wünschen soll ?. Lieber nicht. Pass auf Dich auf!

    0
    1. Mama steht Kopf Antworten

      Besser nicht ;)…Ganz liebe Grüße!!

      0
  2. Dresden Mutti Antworten

    Ein sehr unterhaltsamer Beitrag 😀 Ich hoffe, der Wein hat wenigstens geschmeckt.^^ Darf ich kurz meinen Senf zu „ihr Lieben“ abgeben? Ich denke, es bezieht sich nicht aufs „lieb sein“, sondern aufs „geliebt sein“, denn „Meine Lieben“, das sind doch die, die ich liebe und wertschätze 🙂 Auch in Briefen oder Mails schreibt man „Lieber/Liebe…“, um seine Wertschätzung auszudrücken, nicht um das Liebsein des Empfängers zu unterstreichen 😉

    0
    1. Mama steht Kopf Antworten

      Huhu! Weiß ich doch…ich konnt’s nur einfach nicht mehr hören und lesen…und jetzt, ganz aufrichtig und ehrlich: Ganz liebe Grüße!!! Alex

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