Alles hat seine Zeit – von Abschied, erstem Schnee und Kindheitserinnerungen

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Eine kräftezehrende Woche geht zu Ende und ich kämpfe gerade etwas mit mir selbst.
Bin mir unsicher, wie viel nachdenkliche und melancholische Texte ein Blog eigentlich verträgt.
Frage mich, was Ihr dieser Tage von mir lesen wollt.

Ich solle jetzt wieder etwas Lockeres und Lustiges schreiben, so rät man mir.
Oder vielleicht einen informativen Sachtext?
Es reiche jetzt mit dunklen Texten von Abschied, Trauer und Trübseligkeit.
Die ewige Melancholie der vergangenen Tage solle endlich wieder beschwingter Leichtigkeit weichen.

„Aber es ist doch das, was Dich nun einmal bewegt!“

Auch das höre ich heute, während ich meine Bedenken äußere und verzweifelt nach Themen und Texten suche, die diesen Blog wieder in die „richtige“ Richtung lenken sollen.

Bücher wollte ich Euch vorstellen und Kooperationen stehen aus.
Und all‘ das wird schon sehr bald folgen und mit neuem Schwung in Angriff genommen.
Ich spüre ihn schon, den Tatendrang, sehe ihn verstohlen und vorsichtig um die Ecke schielen.
Ich will und möchte jetzt endlich wieder durchstarten – doch warte ich noch ein wenig auf die richtige Zeit.

Alles hat seine Zeit!

Denn erst vorgestern lernte ich, dass eben „Alles seine Zeit hat“.
Für mich ist es diese Woche nun einmal noch die Zeit des Abschieds – und vor allem auch die der Kindheitserinnerungen.

Wir alle sind müde und ausgelaugt von den letzten Tagen.
Wir müssen durchatmen!
Das merke ich jetzt, am frühen Freitag-Nachmittag.
Jetzt ist nicht die Zeit für Enthusiasmus und übertriebenen Aktionismus.

Aber es ist die Zeit des ersten Schnees!

Und während ich die eigenen Mädels vom Wohnzimmer-Fenster aus beobachte, wie sie eifrig mit rot-glühenden Wangen die erste zarte Schneedecke dieses Winters hin und her schieben, wie sie Schneebälle formen und Kugeln rollen – dann ist für mich gerade auch die Zeit, an die eigene Kindheit zurück zu denken.
Gerade jetzt, wo nach und nach Menschen und materielle Dinge aus Kindheits-Tagen schwinden.

Erinnerungs-Fetzen tauchten dieser Tage oft auf. Immer wieder auf’s Neue.
Sie wollen mich nicht loslassen und bitten darum, in Wort und Schrift festgehalten zu werden.
Als fürchteten sie, sonst für immer versiegelt und vergessen zu werden.

Googelt man „Blog„, so stößt man auf Begriffe wie „tagebuchartig“ und „sehr persönlich“.
Und ist es nicht das, was ich immer wollte?
Persönlich und authentisch bleiben?
Eben nicht darüber grübeln, was man jetzt wohl am Liebsten von mir lesen wolle?

Dann gehören dieser Tage einfach Gedanken und Erinnerungen wie die Folgenden dazu:

Ich erinnere mich beispielsweise an eiskalte Winter-Abende.
Jetzt, wo der erste Schnee gerade in leisen Flöckchen vom Himmel tänzelt.
Der Schnee, der damals unter den dicken Sohlen der eigenen Eltern knirschte.
Ich höre dieses Geräusch noch ganz genau.
Ich sehe die Eltern, beide blutjung, die Händchen-haltend vor mir durch die Dunkelheit liefen.
Vorbei am Friedhof, beim Passieren dessen mir stets ein leichter Schauer über den Rücken lief.
Beide singend.
Noch heute habe ich die Stimme der Mutter und die Melodie im Ohr.

„Am Kamin ist ein Plätzchen, das gehört unserm Kätzchen…“

Und ich folgte dem jungen Paar.
Zusammen mit meinem jüngeren Bruder.
Fasziniert vom Lied des weißen Winterwaldes – und voller Vorfreude auf die warme Stube der Oma.
Denn dort liefen wir oft zu Fuß hin.
In Kindheits-Tagen.

Ich erinnere mich an den Duft frisch gekochten Griesbreis und die Form der von der lieben Oma geschnittenen Apfelschnitzchen.
Habe den Geruch der Tabak-Pfeife des stets wortkargen – aber dennoch liebenswerten – Opas in der Nase.
Und die Aussicht vom alten Haus auf die Lioba-Kirche oben am Berg noch immer vor meinem geistigen Auge.
Ich höre das Ticken der Wanduhr und sehe die Bonbon-Schale auf dem Wohnzimmer-Tisch.
Viele Erinnerungen meiner Kindheit hängen an jenem alten Haus.
Und sie sind nun einmal dieser Tage präsenter als je zuvor.

Das alte Haus

Ich erinnere mich daran, wie ich mich stets an langweiligen Nachmittagen davon gestohlen hatte.
Ein Stockwerk höher zur gerade mal sechzehn Jahre älteren Patentante.
Mein Vorbild seit jeher.
Noch immer sehe ich mich bei ihr auf der Couch hocken. Vor dem Fernseher.
Und schicke Handtaschen in unterschiedlichsten Farben durchwühlen.
Denn das durfte ich und es war mir stets eine große Freude!
Mit Begeisterung fischte ich Lippenstifte und Taschentücher und diversen anderen Krimskrams aus der üppigen Sammlung der schönen Tante.
Wir kuckten Fern, ich bestaunte überdimensionale Kaugummi-Blasen und hohe, glänzende Heels in den Regalen.
So wollte ich auch einmal werden.
Dass sie mir Jahrzehnte später in gänzlich anderen Dingen ein Vorbild und für immer im Herzen verankerte Heldin sein sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen.

Ich erinnere mich an den muffigen Geruch des dunklen Kellers während des Versteck-Spiels – und das stets bedrohliche Geräusch aus dem Heizungsraum.
Ich höre das knarzende Geräusch der alten Holz-Schaukel draußen am Schuppen und spüre den rauen Panzer der betagten Schildkröte.
Der Duft von Zitronen-Melisse steigt mir in die Nase, denke ich an das alte, marode Häuschen.
Draußen im verwunschenen Garten sehe noch die Plastik-Figürchen, welche sich zwischen den zarten Blättern der Pflanzen verstecken und neben mir sehe ich die Freundin von nebenan.

Erinnerungen, die Heimat und Kindheit bedeuten

All‘ diese Erinnerungen bedeuten Heimat und Kindheit für mich.

Doch lernte ich diese Woche, dass alles seine Zeit hat.
Menschen, die das alte Häuschen einst mit Liebe und Leben füllten, weilen nicht mehr unter uns – und ein leeres, altes und seelenloses Gebäude ächzt und stöhnt – und bittet im kommenden Jahr um seine Zeit des Abrisses.
Es ist an der Zeit es gehen zu lassen, auch wenn es schwer fällt.
Platz für Neues soll sein, neue Erinnerungen werden wachsen und gedeihen – und Altes in unsern Herzen und Erinnerungen gespeichert bleiben.

Alles hat seine Zeit.

Genau so wie es vor zwei Tagen an der Zeit war, die dunklen Kleider von mir zu streifen.
Den Lieblings-Pulli und eine der liebsten Hosen, wenngleich ich beide in Kombination hoffentlich sehr lange nicht mehr tragen muss.
Es war an der Zeit mit geschlossenen Augen unter der Dusche zu stehen – und einen Tag, der so schmerzte, von Haut und Haaren zu spülen.

Mit dem Blick nach Vorne neue Erinnerungen schaffen

Es ist an der Zeit wieder nach vorne zu blicken.
Loszulassen und den eigenen Kindern viele Erinnerungen – und hoffentlich schöne Momente zu schaffen!

Zwar werde ich gewiss kein schmalziges Weihnachtslied trälleren (Ja, warum eigentlich nicht!?), aber vielleicht zählt albernes Gegrunze und In-die-Hände-klatschen ja auch? 😉
Vielleicht habe ich in diesem Jahr ein Stück alte Heimat verloren, denn zwei Menschen, die unmittelbar Liebe, Heimat und Kindheit bedeuteten, gingen.

Doch schafften wir schon vor einigen Jahren eine neue, ganz eigene Heimat und Zukunft für unsere Kinder.
Und die Alte?
Ist immer noch da!
Und sie wird auch nie endgültig gehen und verschwinden!

Denn noch immer gibt es viele liebe Menschen, für die es sich lohnt, immer wieder von ganzem Herzen zurück zu kehren.
Nach Hause.

Ob fern der Heimat – oder ganz nah:
Habt alle ein schönes Wochenende!

Eure 

Alex

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