Dann gibt’s eben Tiefkühlpizza

19+

Ich muss zugeben, als ich letzten Freitag Abend aus London zurückkehrte, musste ich sehr mit mir kämpfen.
Ich rang regelrecht mit mir!

Und hätte mich die Erschöpfung des vorangegangenen wunderbaren aber gleichermaßen anstrengenden Tages nicht in die Knie gezwungen, ich hätte vermutlich sofort losgelegt.

Überall sah ich Dinge, die meine ganz eigene Optik störten und dem verqueren Anspruch eines gemütlichen, aufgeräumten Heims nicht gerecht wurden.
Da waren die Krümel auf dem Esstisch, welcher laut Aussagen der Kinder in drei Tagen nicht einmal abgewischt wurde.
Das nicht vollständig verräumte saubere Geschirr auf der Küchen-Theke störte, ebenso wie die noch vollen Tee-Thermoskannen vom Morgen.

Ich sah die Klos, welche ich vor meiner Abreise nicht mehr schaffte zu putzen und die ungewaschene Wäsche aus drei bis vier Tagen.
Fand herumliegende Schuhe und Kleidungsstücke vor und den trüben, mit Wasserspritzern übersäten Badezimmerspiegel.

Nicht aber sah ich, dass…

…mein kleinstes Kind zusammen mit dem Papa herzallerliebst die Wäsche für mich vorsortierte!

Auch nicht, dass vielleicht die Küche deshalb nicht picobello glänzte, weil Mann mich zusammen mit den Kindern vom Flughafen abholte und nach Hause chauffierte.

Ich sah nicht, dass drei Kinder drei Tage gut versorgt und verpflegt wurden.
Und das, obwohl der Gatte möglichst versuchte, seiner Arbeit in gewohnter Weise nachzugehen.
Zwar bin ich noch immer leicht verärgert darüber, dass er mir den Geschäfts-Termin am Donnerstag verschwieg – doch auch hier waren die Kinder ja bei Oma und Opa mehr als gut aufgehoben!

Und all das tut mir im Nachhinein leid.

Ich schaffte es zwar, mich an diesem Abend zu zügeln und stur lediglich Dusche und Bett aufzusuchen, doch die darauffolgenden Tage verbrachte ich damit, alles wieder in einen Alex-adäquaten-Zustand zu versetzen.
Wie besessen wusch ich Wäsche und verräumte Klamotten, sortierte, putzte und beseitigte Spuren.

Anstatt mich zu freuen, drei ganze Tage nur für mich geschenkt bekommen zu haben!
Ganz schön bescheuert, oder?

Wenn aus positivem Stress negativer wird

Während ich das Wochenende und auch noch den Montag noch voller Energie, Tatendrang und Enthusiasmus verbrachte, sollte sich jedoch jener Allgemeinzustand schnell ändern.
Denn seit Dienstag fühle ich mich richtig schlecht.

Ich habe zu viel Gas gegeben – zu viele Dinge stehen in dieser Woche und den kommenden Tagen an.
Und ich muss aufpassen!
Das spüre ich. Das sagt mir mein Körper.
Genau jetzt!

Da waren die Deutscharbeiten beider großer Kinder, für die wir in den vergangenen Tagen intensiv zusammen lernten.
Der Besuch bei den Eltern in der Heimatstadt, diverse Arzt-Termine (einen verschob ich sogar aus Zeitgründen) und die Tanzstunde der Kleinsten.

Am Wochenende werden wir ein paar Tage zusammen in den Schnee fahren – das erste Mal Ski-fahren überhaupt als Familie!
Ich freu mich riesig!
Aber da war also auch die Sache mit den Vorbereitungen und die Equipment-Frage.
(Wisst Ihr eigentlich wie viel Kram eine fünfköpfige Familie für ihren ersten gemeinsamen Aufenthalt in einem Ski-Gebiet benötigt!? 😉 )

Wir probierten Ausstattung an und kleideten ein.
Ich wusch und sortierte abermals, schleppte Koffer vom Dachboden und wischte das Haus durch.
Muss ja schön sein, wenn man weg fährt.
(Häh!?? Manche Eigenarten meiner selbst kann ich mir selbst nicht erschließen! 😉 )

Und ich wurde so müde.
Und erschöpft!
Fühle mich kurzatmig und gereizt, blökte meine eigenen Kinder an und hasste mich selbst dafür.
Ganz ehrlich!

Ich werde in dieser Woche zweimal in der Schule die Nachmittagsbetreuung übernehmen.
Weil ich es gerne mache und mich auf die Kinder freue, weil’s Abwechslung bringt und ein Herzens-„Job“ ist.
Aber es sind weitere Stunden, die in dieser Woche einfach fehlen.
Für all‘ die Dinge, die ich eigentlich noch tun müsste.

Klar, ich muss packen, da führt wohl kein Weg daran vorbei.
Aber muss auch noch das Haus vor Abfahrt auf Vordermann gebracht werden?

Möchte ich mich kaputt machen – und spannende Tage mit der Familie als komplettes Nervenbündel antreten?
Nein verflixt!
DAS will ich nicht!

Jetzt reicht’s!

Und so kämpfe ich gerader dieser Tage, mit mir selbst.
Fasse Kompromisse und ziehe ein wenig die Notbremse.

Denn abermals wurde zudem dem Gatten und mir vor Augen geführt, wie endlich dieses verflixte,  b/g-escheuerte und gewienerte Leben ist. Dass es hier nicht um Flieder-farbene Klosteine und liebevoll zusammengerollte Gäste-Handtücher geht!

Sondern einzig und allein um das pure Überleben, die Liebe, Freundschaft und Familie.
So banal das nun klingen mag.

Während liebe Menschen innerhalb von nicht einmal einem Jahr nach Erstdiagnose mit Ende Dreißig gehen müssen, sehe ich es als Ziel, die hauseigenen Toilettenschüsseln von „Bahnhofsklo“ auf „Superior Suite“ zu pimpen?
Und ignoriere dabei alle körperlichen Warnsignale!
Ja geht’s noch?

Ich versuche also Prioritäten zu überdenken und achtsamer mit mir selbst umzugehen.
Achte auf Ruhepausen („Alexa: Stelle einen Timer auf 15 Minuten“ – zum Hinsetzen und Kaffee-Trinken – ich wünschte das wäre jetzt ein Scherz!!!) und drücke meine Kinder einmal mehr als nötig.
Oder mache Tiefkühlpizza.
So wie heute.

Ich verabschiede mich von der Utopie, zwischen Koffer-packen, Haus-putzen, Kinder-Taxi-fahren und Nachmittags-Betreuung-geben auch noch ein ausgewogenes Mittagessen kochen zu müssen.
Denn ich mag sie nicht!

Diese Frau mag ich nicht!

Diese Frau, die allen Ernstes gestern auch noch gedanklich abwägte, wie viel Schlaf sie in der Nacht tatsächlich braucht!
Und ob nicht sogar fünf Stunden pro Nacht einfach ausreichen könnten.
Damit sie ihr „Pensum“ schafft.

Die Frau, die seit Tagen keine Nachrichten verfolgen oder gar mit Gatten und Kindern eine Fernseh-Serie schauen konnte.
Die dumme Olle, die keine Zeit hat, die Familie einmal anzurufen oder gar in Ruhe zu essen.
Die im Vorbeigehen gestresst irgendwelchen Müll in sich reinstopft und jetzt um 0.15 Uhr noch in die Tasten haut.

Während der Wecker in nunmehr weniger als sechs Stunden erneut klingelt.

Ich bin besser als die da!

Den ganz eigenen Kampf?
Gewinne ich jetzt!
Und sollte das nun einmal Hähnchen-Wagen, Tiefkühlpizza oder Döner-to-go in dieser Woche bedeuten, dann sei’s drum!
Dann türmt sich eben die Wäsche und klebt die Dunstabzugshaube.

Dann frag ich auch mal die Nachbarn, ob sie ein Kind mitfahren können – oder bitte den Papa – sofern im Homeoffice – die Kinder morgens zur Schule zu fahren.
Damit ich auch mal bis sieben liegen bleiben kann.

Denn ist es nicht meine oberste Aufgabe, auf mich als Mama aufzupassen?
Um gesund und fit für meine Kinder da sein zu können?
Will ich nicht als coole Socke und herzensguter Mensch in Erinnerung bleiben – und nicht als zertifizierte Pullover-Falterin, Glas-Reiniger Versprüherin („put some Windex on!“) und Socken-Rollerin?

In diesem Sinne!
Licht aus und Gute Nacht!

Bleibt entspannt und passt auf Euch auf.

Eure 

Alex

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4 Gedanken zu “Dann gibt’s eben Tiefkühlpizza

  1. bekitschig Antworten

    Du sprichst mir ja so aus dem Herzen!

    1+
  2. bloggermumofthreeboys Antworten

    Bei uns wirds heute Pizza vom Pizzaservice geben. Aber mir fehlt ohnehin das Perfektionismus Gen. Das Chaos in meinem Arbeitszimmer muss ich aber trotzdem beseitigen.

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  3. Dresden Mutti Antworten

    Genau so isses 🙂 Bei mir ist auch gerade die Luft raus, deswegen wird es ein Schnell-Gericht geben und ich bringe den Kindern nur ein paar Knabbereien für die Faschingsfeiern morgen mit. Geht ja auch 🙂

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  4. Sandra Antworten

    Ich habe mich gerade tot gelacht. Ach, ist das schön, zu lesen, dass es noch andere Bekloppte wie mich gibt – wobei das mit dem Putzen bei mir nicht allzu weit her ist. (Da hat mich meine Putzteufel-Mutter versaut und bei mir ist’s gerade ins Gegenteil geschlagen). Dafür habe ich andere Macken.
    Sehr, sehr feiner Beitrag. Danke dafür! Und immer schön dran denken: 15 Minuten Pause und Windex sind die Lösung für alle Probleme! ;-D
    Viele Grüße
    Sandra

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