Dann gibt’s eben Tiefkühlpizza 2.0: Die Schulterluxation

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Frau will ja immer genau das, was sie im Moment nicht bekommen kann.
Das ist Gesetz und hat sicherlich ein Stück weit damit zu tun, dass Mann es uns ohnehin nie recht machen kann und – eine gewisse notorische Unzufriedenheit zum guten Ton des weiblichen Geschlechts gehört.

An dieser Stelle kommt mir die Aufforderung des Gatten in den Sinn, hier nicht zu sehr verallgemeinernd zu schreiben – ich nehme mir nun die Arroganz heraus, dieser Bitte nicht nachzukommen! 😉

Nicht jedoch träume ich – in Anbetracht des nahenden Geburtstages – von schicken Schmuckstücken oder gar edlen Tretern (und schon einmal gar nicht von feinster Spitze! 😉 ).
Auch nicht davon, dass „Corona“ weiterhin nur der Inbegriff für spektakuläre Himmels-Phänomene oder eisgekühlte alkoholische Erfrischungen wäre – wenngleich dies in Zeiten wie diesen durchaus wünschenswert wäre.

Nein!
Ich sehne mir dieser Tage ganz andere Dinge herbei.

Selbstverständlichkeiten, die dann fehlen, wenn sie vorübergehend abhanden gekommen sind.
Wenn dir das Leben (und das klingt nun dramatischer als ich es gerade selbst empfinde) einmal mehr einen Spiegel vor die frustriert gerümpfte Nase hält – und erneut massiv ausbremst und zu langsamen Müßiggang zwingt.
Oder eben dazu, weiterhin Tiefkühlpizza linkshändig in den Ofen zu schieben.

Gerade sehe ich sehr viele Menschen Dinge tun, welche ich nicht zu tun vermag.

Ich sehe junge Mädels am Nachbar-Tisch des Restaurants locker-flockig den dicken Rollkragen-Pullover herunter streifen und später genauso flott wieder anlegen.
Ich sehe Frauen, welche das Zopfgummi des Pferdeschwanzes beherzt nachziehen und den Sohn Kisten aus oberen Regalen heraus heben. Ich sehe Menschen sich mit beliebig erhobenen Armen am Kopf kratzen – und ganz plötzlich viele, viele Menschen Tennis, Badminton und Squash spielen (ich pflegte nie eine dieser Sportarten zu betreiben! 😉 ) oder schwungvoll mit Skistöcken balancieren.

Ich sehe Turner und Bastler, fleißige Hausfrauen, hervorragende Köchinnen und Akkord-Büglerinnen.

Als wäre mein Blickwinkel gerade immens verschoben und nur darauf gelenkt, mir die eigene – aktuell vorherrschende – Schwäche vorzuführen.
Nicht ohne frech-provozierend herausgestreckte Zunge, versteht sich.
Denn all das kann ich gerade:
Nicht!

Warum?

Schrieb ich noch vor kurzem darüber, im Haushalt und Alltag einen Gang herunter schalten zu müssen, nähern wir uns heute einer neuen Dimension des Kürzer-Tretens!
Ich muss dieser Tage nunmehr über noch so viel mehr hinweg blicken.

Und das – glaubt mir! – fällt mir ganz und gar nicht leicht.

Als Mama von drei Kindern nicht mehr funktionieren zu können und auf die Hilfe Anderer (welche selbstverständlich den eigenen verqueren Ansprüchen niemals gerecht wird) angewiesen zu sein ist ein ziemlich ätzendes Gefühl.
In vielerlei Hinsicht.

Denn ich höre mich leider nur noch Absagen aussprechen.

In diesen Tagen.
An die eigenen Kinder – und auch an Andere.

Das Mama-Taxi fällt aus, ebenso wie meine Nachmittags-Betreuung in der Schule.
Ausgelassenes Herumtollen mit der Kleinsten? Fehlanzeige!
Und das tut mir so unendlich leid!!!

Akribische Körperpflege?

Nun, wer mich kennt weiß, dass ich es dennoch versuche.
Man(n) finde mich also in dieser Woche einen Großteil des Tages im Badezimmer vor!
Beim verzweifelten Versuch, Kajal und Wimperntusche mit links aufzutragen, den BH am Bauch zu schließen und von unten hochzuzerren (darin bin ich mittlerweile Profi!), fluchend festzustellen, dass der gewählte Pullover einen viel zu kleinen Ausschnitt für akrobatische Anzieh-Künste besitzt – und dass einige Körperstellen einarmig mit dem Nassrasierer extremst schwer zu erreichen sind.

Ich bin da vorzufinden, wo es gerade laut scheppert (irgendetwas fällt mir immer aus der einen noch stark einsetzbaren Hand) oder lauthals flucht und zetert! (Frustrationstoleranz? Fehlanzeige! ;)).

Ich habe mir wieder die Schulter ausgekugelt

Erneut.
Denn – nunmehr mittels MRT nachgewiesene Schwachstelle (Gelenkpfanne zu flach und klein) – meint mein ganz eigenes Kugelgelenk dies hin und wieder einmal zu tun.
Zumindest kommen Stürze oder Gewalteinwirkung (durch Gegenstände) in’s Spiel.

Aktuell kuriere ich Schulterluxation Nummer 3 innerhalb von vierzehn Jahren aus.
Immerhin.

Auskurieren bedeutet allerdings, dass die lädierte und selbstverständlich wieder repositionierte Schulter für eine gewisse Zeit ruhig gestellt werden muss.
Üblicherweise in einem todschicken Geschirr, Verband, Gilchrist – nennt es wie auch immer Ihr möchtet.

….manchmal nimmt’s die Mutti auch nicht so genau mit dem schicken Accessoires 😉

Im Optimal-Fall latscht Frau Mutter also drei Wochen mit im 90 Grad-angewinkelten-festgeschnürten rechten Arm durch die Weltgeschichte und wuppt alles lächelnd und bereitwillig mit links!
Am Arsch! (Pardon!)

Weichen wir also stark vom Optimal-Fall ab – und gehen davon aus, dass ich versuche, mich zumindest halbherzig an die vorgegebene Empfehlung zu halten.
Aber auch dann ist’s und bleibt’s eine durchaus bescheidene Situation.

Was passiert bei einer Schulterluxation?

Ich möchte Euch hier keinen medizinischen Fachartikel um die Ohren hauen, doch für alle Laien hier eine kurze Zusammenfassung – welche ich mir als erfahrenes Versuchs-Karnikel nun erlaube! 😉

Eine Schulterluxation – welche im übrigen äußerst schmerzhaft (Ach!) daher kommt – ist quasi eine Ausrenkung des Schultergelenkes.
In meinem Fall so dreimal geschehen durch Unfälle/äußere Gewalteinwirkung.
Hier spricht man dann von der traumatischen Luxation.

Traumatisiert? Bin ich mittlerweile nicht mehr!
Denn ich habe alles durch – doch dazu gleich.

Ist die Schulter erst mal nicht mehr da, wo sie hingehört macht sich das durch arg fiese Schmerzen und absolute Unbeweglichkeit des entsprechenden Armes bemerkbar.

Um weitere Verletzungen zu vermeiden, ist es nun von Nöten, diese so schnell wie nur möglich durch einen Arzt, bestenfalls im Krankenhaus, wieder einrenken zu lassen!
Und hier kommt der Haken.
Bis es dazu kommt, kann es leider eine Weile dauern!
Zähne-zusammenbeißen und Atmen (fast wie bei einer Geburt! 😉 ) sind hier also anzuraten.

Schulterlux No. 1

Während meiner ersten Schulterluxation im Jahr 2006 hatte ich noch Glück.
Denn da hüpfte nach einem Skiunfall die Schulter von selbst hin und her und zwang mich zwar, von den Brettern zu steigen aber eigenständig einen ansässigen Sportmediziner aufzusuchen.
Welcher mir absichtlich (nur um’s zu checken – Danke für NICHTS!) die Schulter ausrenkte, freundlicherweise aber dann vor Ort auch gleich wieder – ohne Schmerzmittel oder gar Narkose – einrenkte.
Wer einmal den Knall, springt das Gelenk zurück in die Pfanne, gehört hat, weiß nunmehr wovon ich hier schreibe.
Örgs.

Da es sich an jenem Tag zufälligerweise auch noch um meinen Geburtstag handelte, war ich im Nachhinein jedoch dankbar, dass man(n) mir keine Lichter ausschoss.
Einmal wieder drin, kann’s mit dem hübschen Verband auf immerhin noch zwei funktionierenden Beinen weiter gehen.
Dem Abendessen stand nichts im Wege.
(Steak oder Pizza-Calzone sind hier allerdings nicht die beste Wahl! 😉 ).

Schulterlux No. 2

Anders bei Schulterluxation Nummer 2.
Geschehen im örtlichen Freischwimmbad. (Fragt nicht!!)
Hier bescherte man mir das volle Programm.
Transport mittels Rettungswagen (das ist ja noch in Ordnung!) in’s nächstgelegene Provinz-Krankenhaus und ein Team ahnungsloser Laien, welches mich mittels Tonnenweise Dormicum stundenlang außer Gefecht setzte.

Schulterlux No. 3

Auch jetzt musste ich erneut lange die Zähne zusammenbeißen, bis der alles erlösende Knall zu hören war.
Denn meistens dauert es immer mindestens eine Stunde, bis das Gelenk wieder eingerenkt ist.
Was sich von selbst erklärt, hat man ja nicht immer einen fähigen Helfer oder gar ein Krankenhaus um die Ecke.

Diese Zeit ist schlimm und qualvoll, da kann ich nichts schön reden und ich selbst kämpfe dann immer sehr mit Übelkeit und Kreislaufproblemen.
Weshalb ich der netten Frau im Rettungswagen auch gar nicht böse für den auferlegten Smalltalk sein kann.

Ich glaube, ich sollte ihr gar nicht meine Lebensgeschichte erzählen, sondern nur bei Bewusstsein bleiben und nicht den Innenraum des Fahrzeuges vollkotzen! 😉

Auch dieses Mal bekam ich die Schulter ohne Gabe von Schmerzmitteln oder gar Betäubungsmitteln wieder eingerenkt – was mir den restlichen Tag rettete und somit gut war!

Wie geht’s jetzt weiter?

Eine ausgerenkte Schulter muss also mittels Ruhigstellung ausheilen und es gilt per MRT festzustellen, was „da drinnen“ noch so bei der ganzen Sache kaputt gegangen ist.
In der Notfall-Ambulanz wird lediglich mittels Röntgenaufnahme ausgeschlossen, dass knöcherne Verletzungen vorliegen – auch das ist noch vor Resposition durchzustehen.

Ich hatte wahnsinniges Glück und habe mein MRT bereits hinter mir!
(Termin wäre Ende April gewesen, gestern sagte jemand ab! Yeah!!).

Ebenfalls glücklicherweise ging auch dieses Mal nicht viel kaputt.
Sicherlich, das Labrum (ach, googelt einfach) ist zerfranst, doch das war es auch schon die letzten Male.
Nicht jedoch ist es abgerissen und auch die Rotatorenmanschette (das sind die wichtigen Muskeln, die das Ganze zusammenhalten) zeigt sich lediglich ausgeleiert.

Ich werde somit nach der Schon-Phase mit langsamen Bewegungsübungen starten und nach und nach versuchen, mein Gelenk wieder zu belasten.
Ebenfalls sollte ich nunmehr gezielt Muskeln mittels Physio stärken – etwas, das ich die letzten Male stark vernachlässigte!
Ach ja, ein Besuch beim Orthopäden wäre ebenfalls ratsam! 😉

Ob ich nunmehr an einem Punkt angelangt bin, die Sache operativ verbessern zu lassen oder ob konsequentes Aufbautraining reicht?
Wird sich im Laufe der Zeit zeigen.

Alles wird gut!

Doch eines weiß ich:
Irgendwann sehe ich auch mich wieder Inliner-fahren, Eislaufkurven-ziehen, Bretter und Stöcke schwingen – und ganz gewiss auch Rollkragen-Pullover (ich trage überhaupt keine Rollkragen-Pullover 😉 ) überstreifen!

Und bis dahin?
Gibt’s eben mal wieder Tiefkühlpizza!

P.S. Wer mir die nächsten Tage allerdings mit sportlichen Erfolgen oder gar den ersten Bildern vom Frühjahrs-Putz und herzallerliebst zweiarmig dekorierten Wohnbereichen daher kommt, der bekommt von mir „a ordentliche Watschn!“
Mit links! 

Bleibt alle gesund!

Eure 

Alex

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One thought on “Dann gibt’s eben Tiefkühlpizza 2.0: Die Schulterluxation

  1. Saskia Spielmann Antworten

    Liebe Alex du schreist wohl immer „Hier“.Ich wünsche dir gute Besserung und die Geduld deinen Körper die Zeit zu geben langsam zu genesen

    1+

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