Werte brauchen keinen Doktortitel! Über die Familie & Freundschaft – Corona-Tagebuch – Tag 4

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Entfernung und somit räumliche Distanz.
Beides trennt mich seit einigen Jahren von einer meiner besten Freundinnen.
Zwar reden wir hier nur von ungefähr 150 Kilometern, doch wir sind es gewohnt, uns nicht häufig zu sehen.
Und stattdessen zusammen über Whatsapp zu kommunizieren.

Telefonieren mag sie nicht so gerne, noch immer empfindet sie leichte Scheu wegen der deutschen Sprache.
Wenngleich sie in den letzten Jahren so gut darin geworden ist!
Was zum größten Teil auch ihres ausgeübten Jobs zu verdanken ist.

Ich mag sie so sehr und finde sie ganz großartig – und eigentlich sollte ich ihr das gleich auch noch einmal schreiben.

Sie gehört zu den Heldinnen der aktuellen Zeit, denn meine liebe Freundin ist eine von denjenigen, die nun Tag für Tag für uns Konservendosen und Toilettenpapier auffüllen.
Welche idiotischerweise von Euch da draußen panisch in Massen in die Einkaufswagen gestopft werden!

Jeden Tag setzt sie sich der Gefahr – welche wir alle fürchten – aus, um die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen mehr oder weniger nützlichen Dingen sicherzustellen.
Und empfindet Angst dabei.

Erst heute morgen schrieb sie mir,….

….dass sie sich an die Zustände während des Krieges, welchen sie als junges Mädchen leider erfahren durfte, erinnert fühlt.
Schon oft erzählte sie mir von ihrer Vergangenheit.

Werte brauchen keinen Doktortitel!

Das Mädchen aus dem kleinen bosnischen Dorf, welches im tiefsten Winter durch hohen Schnee kilometerweit zu Fuß zur Schule laufen musste.
Bis diese nicht mehr stattfinden konnte.

Meine liebste Freundin hat weder Ausbildung noch Studienabschluss – oder gar Doktortitel!
Und doch ist sie für mich einer der wertvollsten Menschen auf dieser Erdkugel!
Treue Freundin, liebende Ehefrau und fürsorgliche Mutter, gastfreundlich, ehrlich und offen – es gibt noch so viel mehr Wege, sie zu beschreiben.

Heute habe ich Angst

Vergleicht sie die Situation mit der bereits in der Vergangenheit erlebten, so muss ich ihr leider Glauben schenken und teile die Angst.

Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommen wird.
Und allein versteht man es ein bisschen zu analysieren und hochzurechnen, dann ist schnell klar, dass die Zahl der benötigten Intensivbetten so oder so niemals ausreichen wird!

Leider habe ich einen Analytiker mit sehr realistischen und nüchternen Ansichten geheiratet.
Und aktuell?
Wünschte ich manchmal, ich könnte einfach die Scheuklappen noch ein wenig länger anbehalten.

Ich will es auch versuchen, halte es für wichtig – bleibe ich mit den Kinder in Haus und Garten ist das sogar noch weiterhin umsetzbar.

Erst Recht bei diesem wunderschönen Sonnenschein!

Doch allein als ich heute Morgen den Antrag für die Busfahrkarte der künftigen Gymnasiastin ausfüllte, überlief mich ein leichter Schauer. Würde ich jetzt schwarzmalen (eigentlich eine meiner besonderen Stärken! 😉 ) , könnte ich mich fragen, ob wir im August tatsächlich zweimal Einschulung feiern.
Vermutlich werden wir dies auch, doch die Welt wird eine etwas Andere sein.

Werden die Maßnahmen fruchten?

Es ist anzuzweifeln, ob die gerade vorherrschenden Maßnahmen nicht viel zu spät von statten gingen – und vor allem wie lange man so etwas aufrecht erhalten kann!
Drei Wochen, zwei Monate? Ein halbes Jahr?
Wohl kaum.

Irgendwann wird man versuchen müssen, so etwas wie Normalität einzuführen und das Risiko des in sich zusammenbrechenden Gesundheitssystems in Kauf nehmen.
Zumindest vermuten wir hier zu Hause das so.

Wie sicherlich jeder, sah auch ich am gestrigen Abend die Ansprache der Bundeskanzlerin.

Und wenngleich einige berichten, sich „nicht abgeholt“ gefühlt zu haben, so schaffte es die sonst so sachliche Frau, mir Tränchen in die Augen zu treiben.

Ich finde, sie hat ganz klar und deutlich zu verstehen gegeben, welche unsere aktuellen Perspektiven sind.

Wer es jetzt immer noch nicht kapiert hat, der tut mir sehr leid!

Mich persönlich hatte die Ansprache berührt und ins Mark getroffen – und nicht zuletzt darin bestärkt, an unserem Vorgehen festzuhalten.

Zu Hause zu bleiben und weniger als üblich einkaufen zu gehen.
Keine Treffen mit Freunden und Spielkameraden.

Nur wir, der Garten oder die Natur.

Und blende ich Schlagzeilen und Tatsachen aus, so muss ich noch immer zugeben, genieße ich dieses bewusste Miteinander.
Sicher knallt und fetzt es auch in einigen Momenten des Tages, doch wir müssen uns jetzt einfach als Familie genügen und einander unterstützen.
Wir müssen und sollten innerhalb der Familie jetzt Freundschaft und Zusammenhalt leben und einander helfen.

Gerade die älteren Familien-Mitglieder müssen wir nun so weit es geht unterstützen!

Auch wenn wir uns dazu nicht wirklich sehen können.
Unsere Mobiltelefone sind nun um eine Whatsapp-Gruppe reicher.
Unter „Einkaufsliste“ dürfen Oma und Opa – auch im Namen der neunzigjährigen Tante des Gatten – nun ihre Besorgungs-Wünsche eintragen. Wahlweise ich oder der Gatte besorgen dann alles beim Großeinkauf und stellen Besorgtes vor die Türe.

Familien-Zusammenhalt und Freundschaft

Etwas, das ich auch durch meine Freundin kennen lernen und beobachten durfte – hatte ich doch in der Vergangenheit oft den Eindruck, gerade wir Deutschen tun uns manchmal mit so etwas schwer.

Gerade in Sachen Freundschaft werden mir dieser Tage einige Dinge einmal mehr bewusst.

Denn wie es nun einmal so ist, in „schlechten Zeiten“ zeigen sich die wahren und echten Freunde.
Gestern erst schrieb ich davon, wie viel Zusammenhalt und Miteinander, schriftliche Kommunikation und Trost ich beobachten kann.
Doch trennt sich hier gerade auch die Spreu vom Weizen – und man erkennt, wem man tatsächlich etwas bedeutet.
Das gehört wohl nun leider dazu.

Auch meine Freundin wird ihre Mama, welche noch immer in der bosnischen Heimat lebt,  nun auf unbestimmte Zeit nicht sehen.
Und wenn ich könnte würde ich sie so gerne jetzt in die Arme schließen!

Haltet als Familie und Freunde zusammen!

Eure 

Alex

Nachtrag: 

Auch dieser Tag hatte seine schönen Momente – so postete ich am späten Nachmittag auf Facebook das Folgende: 🙂

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