Wie es social media (manchmal) schafft, dass ICH mich als schlechte Mutter fühle!

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„Und jeden Morgen, wenn noch alles schläft und dunkel ist, zünde ich eine Kerze auf unserem Jahreszeiten-Tisch an“

Genervt scrolle ich weiter – und fühle mich gleichzeitig elendig.

Denn während ich jene Zeilen auf Instagram lese und das hübsche Foto der flackernden Kerze sichte, hocke ich noch mit der Kaffee-Tasse im Bett.
Mitten in den Ferien.

Dunkel ist es schon seit mehreren Stunden nicht mehr – und ich bin weder angezogen, noch wartet im Untergeschoss ein lieblich zusammen mit den Kindern dekorierter Jahreszeiten-Tisch.

Wenngleich ich insgeheim zugeben muss, dass mich die Idee nunmehr reizt!

Weil’s wirklich eine süße Idee und Beschäftigungsmöglichkeit ist.
Oder vielleicht doch nur, um…

…schlechte Muttergefühle und dieses Gewissen zu kompensieren?

Dieses schwere Schuldgefühl, welches nicht nur die Kaffeetasse in der Hand tief nach unten sacken lässt, kaum sehe ich solche Beiträge auf social media.

Denn es macht mir einmal mehr bewusst, wie es offensichtlich eigentlich um mich als Mutter bestellt ist.

Ja, ich kann mich über solche Beiträge nicht freuen, auch kann ich nicht einfach mit einem Achselzucken weiter scrollen und mir denken

„Is‘ halt bei uns nicht so“

Mich bringt ein Jahreszeiten-Tisch aus der Contenance!

Denn das Einzige, was ich um fünf Uhr in der Früh mache, ist mich nochmal umzudrehen – und weiter zu träumen.
Und glaubt mir, ich träume ganz gewiss dann NICHT von Kastanienmännchen und Herbstlaub!

Aber jetzt fühle ich mich schlecht.
Als unnütze, schlechte Mutter.

Ich scrolle weiter und sichte Hashtags wie #workingmum und #worklifebalance – und fühle mich noch beschissener.

Warum passt zu mir eigentlich kein Hashtag?

Denn bei mir ist gerade gar nichts in der „#balance“.
Rein gar nichts!

Denn ich bin die Mutter, die am Abendbrottisch vor der gesamten Familie urplötzlich in Tränen ausbricht, weil schwere Entscheidungen auf sie warten – und sie sich nicht traut, von etwas zu lassen, das sie schon lange Zeit gedanklich abgehakt hat.

Eine Entscheidung, die alles auf Null zurücksetzen wird – und dämliche Hashtags unpassend macht.

Ich bin die Mutter, die nicht weiß, wo und wie künftig das „#work“ zusammen mit dem „#life“ und der „#happyfamiliy“ vereinbart werden soll.

Die einfach nur schreiben möchte (endlich das/ein Buch!!!) – und alles Andere wird neu finden müssen!

Es folgen Rezepte – und diese dümmlichen Farbkonzepte.

Und ich fühle mich wieder unfähig.

Warum gelingt es mir nicht, das komplette Haus nur in grau und rosa zu halten!?
Muss offenbar ein Fehler im System bei mir sein.

Oder sind die Fotos etwa alle fake, reine Show – und spiegeln nur Eckchen in einer sonst bunt- durcheinander-gewirbelten Bude wieder?

Bin nur ICH zu blöd für Interior und Farbkonzepte in einem Haushalt mit fünf Menschen unterschiedlichsten Alters und Interessen?

Bin ich die einzige Mutter auf der Welt, die Mitte Oktober noch kein Rezept mit Kürbis ausprobiert hat!?

„Ich muss diese Kürbissuppe endlich machen – was bin ich nur für eine verflucht gottverdammte grottenschlechte Mutter?!“

schießt es mir unweigerlich durch den Kopf.

Bin ich eigentlich im Übrigen auch die einzige Mutter, die ein derartiges Vokabular zwischen den Zähnen zischend benutzt?
Bin ich die einzige Erfinderin der „verfickten Arschlöcher“ (Pardon!!!)?

Weiter „unten“ kommen Bilder von tollen Ausflügen und Herbstbasteleien.

Und im Hintergrund höre ich bei uns das Tablet dudeln.

„Weg damit!!!!“

möchte mein Gewissen nun die Kinder voller Inbrunst anschreien, weil ich mich abermals gerade so ziemlich kacke finde.

Dabei sind wir doch gerade einfach erst aus dem Urlaub gekommen!

Ich war die letzten Tage beschäftigt mit Wäsche waschen, bügeln, verräumen, Koffer ausräumen – und nicht zuletzt dem Begräbnis eines Hamsters und der Beschaffung eines neuen Haustieres, inklusive intensivster Käfigreinigung und Desinfektion.

Alles für die Kinder.

Für herzallerliebste und niedlichste Herbstbasteleien und neue Rezepte war einfach noch keine Zeit!
(„Rechtfertigungs-Modus an“)

Und dennoch fühle ich mich so unfassbar unfähig, betrachte die die Bilder „der Anderen“.

Ich BIN eine verdammt gute Mama!

Auch vergesse ich dabei, dass wir in der Vorwoche eine ganz wundervolle Zeit als Familie hatten!

Und mein jüngstes Kind tatsächlich die folgende, anerkennenden und dankbare Äußerung traf:

„Einen tollen Urlaub hast Du uns da mit Deinem Blog gemacht, Mama!“

 

Ja, während ich die ganzen Instagram-Bildchen betrachte, vergesse ich nämlich, dass ich letzte Woche eine ganz glückliche, ausgeglichene Mama war!
(….und selbst viele tolle Insta-Bilder gepostet hab 😉 )

Eine Mama, die etwas Besonderes macht (Ja, ich meine diesen Blog hier – darf Frau ruhig mal so sagen!!!) und durchaus auch arbeitet!
(Ein Blog IST Arbeit, eine Pressereise auch – und ein angemeldetes Gewerbe sowieso!)

Wie kann es also sein, dass es social media so sehr schafft, mich runter zu ziehen?

Dass ich mich klein und unbedeutend fühle und an meinen Qualitäten als Mutter zweifle?

Dass ich immer wieder das Gefühl bekomme, nicht gut genug zu sein – und dass da immer noch mehr gehen sollte/könnte/müsste!?

Ich will nicht ständig Fotos von gesunden Mahlzeiten sehen, während ich mir gerade zum Frühstück den Kokos-Schaumkuss in den Mund stopfe – und unten die Mikrowelle piepst, weil sich ein Kind gerade mal wieder selber einen Tassen-Kuchen macht!

Ich will endlich dieses #fürmehrrealitätaufinstagram sehen – denn wenn Ihr mich fragt, taucht das noch immer viel zu selten auf!

Love’n’peace!

Eure 

Alex

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