An die Mutter, die sagt ich habe KEINEN Job

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Liebe andere Mutter, die sagt, dass ich KEINEN Job habe,

ich weiß, Du kennst mich gar nicht.
Du hast nur einen Ausschnitt von mir kennenlernen dürfen, einen Bruchteil.

Und dennoch hast Du es Dir nicht verkneifen können, zu schmerzen und zu verletzen.

Mich – und sogar mein eigenes Kind, welches den Kommentar als Erstes sah und weinend zu mir kam.

Du kommentiertest, so…

…wie viele andere Frauen bereits zuvor.
Mir war es im Grunde nichts Neues.
Ich habe es schon so oft lesen müssen.

Denn wer in der Öffentlichkeit schreibt und auf großen Plattformen Texte teilt – oder hin und wieder sogar zu sehen ist – muss mit bösartigen Anfeindungen leben.

Puh! Das ist nichts für zart besaitete Seelen sage ich Dir!

Und definitiv nicht lesenswert an jenen bestimmten Tagen, die wohl alle von uns Frauen kennen!

Ich bin NICHT „nur“ eine Mutter!

Du zeigtest Dich entrüstet ob der Tatsache, dass ich NUR EINE MUTTER von drei Kindern sei.
Nun, dann lass‘ Dir doch bitte erläutern und meinen Job erklären!

Denn gleich zu Beginn muss ich Dich überraschen:

Ich HABE einen erlernten Beruf – zwei sogar!

Denn hier schreibt Dir eine Bankkauffrau, die zwar weder Zahlenverständnis noch Leidenschaft für „Wirtschaftskrams“ aufweist, aber dennoch jahrelang in einem Beruf arbeitete – und zu allem Überfluss ein Jahr lang abends noch für viele Stunden die Schulbank drückte.
Weil die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin noch hinzu kam.

Ich habe viele Jahre mein eigenes Geld verdient – so viel früher als manch andere von uns Müttern da draußen!

Und auch diese Seite hier, auf der Du gerade liest, ist im Grunde genommen ein Job!

Bloggen ist auch eine Tätigkeit!

Man mag es kaum erahnen!

Doch sei Dir versichert, schnippe auch ich nicht einfach mit dem Finger – und ein Kooperationstext für dieses angemeldete Gewerbe (Du darfst mich also gerne Freiberuflerin nennen!) ist auf diese Seite gezaubert.

Nein!
Auch ich hocke dafür mehrere Stunden, schreibe E-Mails, lerne Konzepte und Produkte kennen, versende Rechnungen – und darf mich nicht zuletzt um lästige Sachen wie Steuer und Einnahmen/Überschuss-Aufstellung kümmern.

Es ist nicht viel, was ich mit dieser Seite hier verdiene – aber es reicht für ein Taschengeld.

Und leider auch dafür, dass ich hin und wieder meine Kinder anbrülle, weil ich vor lauter Arbeit nicht mehr weiter weiß!

Denn – und nun lass Dir weiter berichten – ich mache noch so unfassbar viel mehr!

Was mache ich eigentlich den ganzen Tag?

Was sicherlich auch daran liegen mag, dass eine Mutter, die aktuell „keinen Job“ hat, immer wieder glaubt, dies mit anderen Dingen kompensieren (und rechtfertigen!) zu müssen!

Also nehmen „wir“ tausend andere Dinge an, nur um auszugleichen.

Wir werden Elternbeirat oder Schriftführer, wirken als Übungsleiter in der Nachmittagsbetreuung der Grundschule mit (und das IST ein Herzensjob!!!) oder versuchen uns gar als Kursleiter für Kita-Englisch-Gruppen.
Alles schon gemacht – in der Zeit OHNE Job!

Es ist schön für Dich, dass Du mit dem Auto noch an eine Arbeitsstelle fährst – oder jetzt gerade im Homeoffice arbeitest – und dass trotz Deiner Tätigkeit als Mutter!

Du scheinst Deine „work-life-balance“ offensichtlich mit bravour zu meistern – und fleißige Helferlein und unterstützende Hände im Rücken haben.

Doch ich habe das nicht!

Ich mache so vieles alleine!

Ich habe keine Großeltern im Haus leben und auch keine Großeltern, die vorbei kommen und helfen (können).
Ich mache alles ALLEINE!

Ich bin nämlich die Mutter, die dem Mann – gerade auf Dienstreise befindlich – den Rücken stärkt und dabei teilweise selbst auf allen Vieren kriecht!

Ich bin die Mutter, die Donnerstags-Abends nach Tagen mit nur 5,5 Stunden Schlaf ein flehendes „ich kann nicht mehr!“ flüstert, während sie ALLEINE die komplette Abend-Routine mit drei Kindern übernimmt.

Die dann die Küche aufräumt, während Du vielleicht schon mit Mann und Gläschen Wein gemütlich vorm Streaming Dienst hockst!
Während ein Stockwerk tiefer die Großeltern bereits schlummern, die täglich die Fahrten zu Kita und Schule übernehmen!

Ich gehe duschen, wenn ich eigentlich schon längst schlafen sollte, damit ich nicht irgendwann tot umfalle!

Ich bin die „joblose“ Mutter, die Nachmittag für Nachmittag zwischen drei Schreibtischen hin und her pendelt – und liebend gerne auf griechische Geschichte und Auffrischung des Dreisatzes verzichten könnte!

Ferner bin ich die Dumme, die freiwillig(!) auf eine Putzfrau verzichtet, damit sie – Du ahnst es bereits – das „zu Hause sein“ legitimieren und rechtfertigen kann!

Manchmal habe ich sogar richtig Angst!

Ich bin die „blöde, naive Hausfrau“, die Nachts nebst fieberndem Kind schläft – und keinen Trost und Unterstützung bekommt, weil teilweise KEIN „starker“ Mann neben ihr liegt.

Die Frau, die fürchtet irgendwann selbst beim nächtlichen Duschen umzukippen – und erst am nächsten Morgen von drei erschrockenen Kindern gefunden zu werden!

Klingt das etwa nach Luxus? Ich denke kaum.

Ich weiß, auch Du hattest in diesem Jahr als Teil der #CoronaEltern eine harte und schwierige Zeit, als plötzlich all‘ Deine verlässlichen Hilfen wegbrachen!

Aber auch hier fürchte ich mich jenes Hashtags nicht zugehörig, weil – Überraschung! – ich EINMAL, auch mal profitieren konnte!
Und Gutes an der ganzen Situation finden konnte!

Froh, zu Hause zu sein!

Denn ICH war zu Hause.

Schon vorher und bin es gerade auch noch.

ICH kann meine Kinder mit dem Auto fahren, damit sie sich im vollgestopften Bus, der eher einem Viehtransport gleicht, nicht anstecken müssen.

Ich hatte und habe keinen Arbeitgeber im Nacken, der mich zwingt im Homeoffice effektiv zu sein – ich konnte mir Aufträge für diesen Blog hier einteilen – und für meine Kinder da sein!

Ja, wir „dummen, primitiven Hausfrauen“ waren und sind die Gewinner des Lockdown!
(Ich verkneife es mir hier nun, diesen Satz fett hervor zu heben)

Und vielleicht, vielleicht sind es ja auch Schmerz und Eifersucht, die mich hier ebenfalls schmerzen und verletzen wollen.
(„Ich nicht ok  – DU nicht ok“)

Aber warum?

Warum machen wir Frauen das?

Warum schreibe ICH hier nun einen bösen, gekränkten Brief – und fühle mich ob solcher Kommentare so unfassbar wütend!

Weil ein seeehr wunder Punkt getroffen wird?
Vielleicht.

Weil ich gerade vor einer Entscheidung oder Wende im Berufsleben (denn aktuell existiert er noch – dieser Beruf!) stehe?
Kann gut möglich sein!

Aber ich wünschte mir eigentlich nie mehr solche Posts veröffentlichen zu müssen!

Schluss damit!

Können wir Frauen nicht endlich damit aufhören, uns gegenseitig nieder zu machen?

Und können wir bitte aufhören über Mütter zu urteilen, welche wir nur aus Szenen und kleinen, kleinen Auszügen ihres Lebens kennen?

Können wir das?

Es wäre schön.

Deine andere Mutter ohne Beruf

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