Lockdown-Koller: Ich bin es müde, mich über Kleinigkeiten zu freuen!

Gestern stand ich während meines „Ausflugs“ zum Supermarkt vorm Regal und ertappte mich dabei, wie ich verzückt vor mich hinlächelte!

Ich stand vor dem Regal mit den Klosteinen (!) und freute mich allen Ernstes, hier die Auswahl zwischen neun (?) verschiedenen Designs und Geruchsrichtungen zu haben.

Und weil alles in mir drinnen gerade nach Rebellion schreit, wählte ich die zwei ausgefallensten Düfte!

Unsere Klos zieren nun „lovely jasmine“ in der deluxe version und „magic moonflower“ – ebenfalls in der deluxe version!
Der Dekadenz wegen!

Und weil ich sonst gerade wenig Auswahl im Leben habe!

Des Weiteren wählte ich während des selben Einkaufsvorgangs heute mal den „herzig-blumigen“ mit dem bunten, freundlichen Etikett, statt des üblichen Feierabend-Weißweins – und fühlte mich ob der Entscheidung wie ein Held.

Gleichermaßen freute ich mich wie Bolle auf den wohlmundenden Schluck weit nach Mitternacht.
Meine aufregende Belohnung nach einem tristen Pandemie-Tag.

(Sicherlich könnte ich mich auch noch anders belohnen, doch das gehört hier gerade nicht her! 😉 ).

Ich bin es müde, mich über Klitze-Kleinigkeiten zu freuen!

Aber wie lange will  ich mich noch über solche Pups-Kleinigkeiten freuen (müssen)?

Soll das wirklich eine neue Lebenseinstellung sein?

In einigen Belangen sicherlich.
Da ist es heilsam und nützlich, dienlich, schärft Sinne und ändert Blickwinkel!

Aber Klosteine!!!?
Als freudbringendes Highlight!?

Weil aktuell der Supermarkt der einzige Ort auf der Welt zu sein scheint, an dem ich in echt – und nicht online – etwas anfassen und auswählen darf?

Ich bin es leid, immer nur Bäume und Ackerfurchen zu sehen!

Ja, so langsam aber sicher bin ich der ganzen Natur überdrüssig.

So schön sie auch sein mag.

Ich wurde in den vergangenen zwölf Monate zum begeisterten Spaziergänger, Wanderer und Läufer – das IST alles wunderschön und stärkt Körper und Geist!

Aber mir fehlen die anderen optischen Eindrücke!

Ich habe jetzt genug Handy-Fotos von zauberhafter Natur und Reif-und Schnee-überzogenen Pflanzen aufgenommen!

Mir fehlen Gebäude!

Historische, bunte, verrückte, atemberaubende Gebilde!
Straßen und Teer, Städte und – Nein, ich wage es schon gar nicht mehr hier auszuschreiben – Menschen!

Durchgeknallte Menschen, dustere Gestalten, bunte Straßenkünstler und vollbesetzte Straßen-Cafes.

Nicht wirklich um mich ständig unter die Menge mischen zu müssen – so überaus gesellig und der Kategorie „Partypeople“ zugehörig fühlte ich mich ohnehin nie!

Nach Corona vermutlich sogar weniger denn je!

Aber zum Staunen und Beobachten!

Ich liebe es, Menschen zu beobachten und Eindrücke in mich aufzusaugen.

Durch Straßen und über Marktplätze zu flanieren, Gesichter in vollbesetzten Untergrund-Bahnen zu studieren!

Es begeistert mich, vom quirligen Leben – welches mir allein schon zu beobachten reicht – zu zehren und nebenbei vielleicht sogar ein wenig selbst gesehen zu werden und mich schick anzuziehen.

Das fehlt mir!

Ich habe genug von der Stille des Waldes und dem Plätschern des Baches!

Zumindest fühlt es sich HEUTE so an.

Vielleicht rappel ich mich schon MORGEN wieder auf und sehne mich nach kühler Luft, Stille und dem puren, reinen und natürlichen Leben.
Das ist gar nicht mal so abwegig! 😉

Aber heute?
Bin ich der Spaziergänge in der Pampa müde!!!

Ich bin es müde, mit Menschen nur noch online zu kommunizieren!

Wie schon oft geschrieben, Smalltalk, gesellschaftliche „Pflicht“-Feierlichkeiten und Zusammenkünfte – es lag mir nie wirklich!

Ich bin und war nie einer der Menschen, die im Mittelpunkt stehen müssen und einen ganzen Raum unterhalten!

Aber ich höre gerne zu!

Ich lausche Geschichten und gebe Ratschläge, wenn man mich darum bittet.
Ich gehe gerne tiefer in Gespräche, auch wenn das nicht immer richtig ist – und teils sich auch im Nachhinein als großer Fehler herausstellte.

Aber die echten Gespräche beim echten Glas Wein fehlen mir!

Es streitet und diskutiert sich einfach ganz beschissen online, um ehrlich zu sein.
Und auch Nachrichten werden schnell fehl interpretiert! Dazu neigen Frauen ja besonders gerne! 😉

Die Kommunikation via Handy funktioniert zwar in einigen Fällen ganz gut und ist ein sehr, sehr großer Rettungsanker gegen die Einsamkeit, aber nicht immer ist sie das Mittel zum Zweck!

Eine liebe Freundin zum Beispiel redet einfach lieber mit mir „in person“.

Das weiß und spüre ich und merke, wie wir mobil nur Belanglosigkeiten austauschen, um den Kontakt am Laufen zu halten und zu signalisieren

„Ich mag‘ Dich noch immer!“ und „Ich denke an Dich!“.

Da spricht auch nichts dagegen.
Das schafft und verkraftet unsere Freundschaft!

Aber es fühlt sich so an, als hangeln wir uns einfach durch bis zum – hoffentlich irgendwann wieder eintretenden – Wiedersehen!

Ich bin dem aber gerade müde!

So müde, dass ich es aktuell ganz vergesse, mich bei einigen Menschen zu melden.

Ich habe es teils aufgegeben, Verbindungen per Handy-Kurznachrichten aufrecht zu halten, um ehrlich zu sein.

Und ich werde mich in vieles in einer Zeit „nach“ oder meinetwegen auch „jetzt geht es mit“ Corona erst wieder einfinden müssen.

Sozialkompetenz? Wird möglicherweise gerade umprogrammiert.

Ich bin es müde, „müde Erklärungen“ abzugeben

Wir haben Glück. Der Gatte und ich.

Unsere Kinder leiden unter der aktuellen Situation nicht.

Sie haben sich und finden eigentlich immer, jeden einzelnen Tag, Aufgaben und Beschäftigungen.

Ich kann mir die Zeit nehmen, für meine Kinder da zu sein!

Sei es im Homeschooling oder beim Backen, Basteln, Spielen oder – sehr beliebt! 😉 – Spazieren-gehen.

Irgendwie gelingt es uns doch immer, Tage einigermaßen abwechselnd (unterschiedliche Bäume und Ackerwege und so 😉 ) zu gestalten und kein Kind hat bislang wegen der Corona-Pandemie weinen müssen.
Wirklich nicht!

Dafür bin ich dankbar, das erleichtert mich sehr!

Doch auch ich muss stete Fragen beantworten!

Ich werde – gerade von der Kleinsten – gefragt, wann wir wieder zusammen in’s Hallenbad können oder ob irgendwann Corona „so vorbei ist“, dass die Übernachtungsparty mit der Freundin wieder geht.

Auf Minecraft werden Freizeitparks gebaut und Pläne für den ECHTEN Besuch geschmiedet.

Ich weiche Fragen aus und beschwichtige, gebe Antworten wie

diese Zeit kommt bestimmt wieder“ oder „das nehmen wir uns ganz feste vor

und bin es innerlich dabei so leid.

Diese betont gelassenen, flüchtigen Antworten geben zu müssen.
Auch wenn jene Aussagen den Kindern vollkommen genügen und sie selbst wissen, dass ich gerade keine andere Antwort bieten kann!

Und doch geht es uns gut!

Ich schreibe hier von reinen, absoluten „Luxus-Problemen“.

Dessen bin ich mir bewusst und schildere einfach nur einen klitzekleinen Durchhänger.

Ein „Sich-halt-mal-kurz-bäh-fühlen“.

Ein Zustand, der morgen (!) schon wieder anders aussehen kann.

Und dennoch vermute ich, dass es gerade ganz schön vielen Familien in Deutschland so geht, ne? 😉

Ich weiß, dass wir nicht hungern müssen oder frieren, dass meine Kinder sogar noch Bildung (#BildungAberSicher !) vermittelt bekommen – auch wenn eventuell in etwas reduzierterem Umfang!

Wir haben Kleider im Überfluss, die wir aufgrund der aktuellen Lage gar nicht alle anziehen und ausführen können – und die Auswahl zwischen neun verschiedenen Klosteinen!

Wir schwimmen noch immer im Luxus, haben Netflix & Co und jeden Tage eine heiße Dusche oder Badewanne, wenn wir denn möchten.

Wir können uns fett essen wann immer wir wollen – oder exzessiv Outdoor-Sport treiben, denn Zeit ist ja da.

Das ist nicht überall auf der Welt so!

Nicht einmal etwas mehr als 1.300 Kilometer von uns entfernt! (Lipa – und ja, ich habe ich Entfernung gegoogelt).

Das sollten wir trotz allem „Zum-Aus-der-Haut-fahrens-und-keinen-Bock-mehr-haben“ niemals vergessen!

Bleibt daheim und gesund!!!

Eure 

Alex

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